Die zentrale Lage auf dem Kontinent verleiht Paraguay diesen Beinamen, wir kamen mit relativ wenig Erwartungen, konnten also eigentlich nur positiv überrascht werden. Der Anteil der ursprünglich europäisch-stämmigen Bevölkerung liegt bei etwa 20%, das ließ auf jeden Fall erstmal kein „typisch“ südamerikanisches Land vermuten.

Unsere Route:
Sonntag, 17.05.2026
Die Einreise nach Paraguay lief fast schon zu unkompliziert um wahr zu sein. Kein Stempel in den Pass, keine Fragen, kein Check des Autos auf Lebensmittel oder sonst etwas Verbotenes. 90 Tage durften Ingo und wir theoretisch bleiben, wir waren gespannt auf unser 37. Reiseland. Der erste Eindruck war Rot. Über allem lag ein roter Schleier, Grund hierfür ist der extrem eisenhaltige Boden, der die Erde intensiv rot färbt. Viele Straßen sind ungeteert und bestehen aus unbefestigter roter Erde, der feine Staub wirbelt auf und legt sich auf alles nieder.




Der erste Besuch einer der führenden Supermarktketten in der Grenzstadt Encarnación verlief etwas ernüchternd, relativ teuer und das Sortiment bei Weitem nicht so vielfältig wie erwartet. Zumindest war der Kühlschrank wieder voll und wir setzten unseren ersten Tag direkt mit Sightseeing fort. In Paraguay gibt es mehrere zum UNESCO Weltkulturerbe gehörende Jesuitenmissionen aus dem 17. und 18. Jhd, die in erster Linie gegründet wurden, um die indigene Bevölkerung der Guarani zu bekehren, aber auch um sie vor den brasilianischen Sklavenjägern zu schützen. Auf unserem Weg lagen zwei dieser Missionen, wir begannen mit der in Trinidad.

Santísina Trinidad de Paraná gilt als das größte, besterhaltene und beeindruckendste Ensemble, gegründet wurde es 1706 , es funktionierte als fast komplett autarke Stadt.








Nur ein paar Kilometer weiter liegt das 1760 an den heutigen Platz verlegte Jesús de Tavarangüé. Als die Jesuiten 1767 durch die Spanier vertrieben wurden, befand sich die riesige Kirche gerade im Bau, weshalb die Anlage kein Dach hat. Außer der Kirchenruine und einigen Mauerresten gibt nicht viel zu sehen, Trinidad war aus unserer Sicht der sehr viel lohnendere Besuch.




Im Anschluss fuhren wir nach Hohenau in den Parque Manantial, einem privat geführten Natur- und Erholungsgebiet mit Hotel, Pools, einer Lagune, Wanderwegen durch einen subtropischen Wald, einem Campingareal und leider auch einem kleinen Privatzoo mit Tapiren, Nandus in einem zu kleinen Gehege und Vögeln in noch viel weniger artgerechter Haltung. Wenigstens die Kaninchenkäuze hatten das Glück, frei in ihren Erdhöhlen zu leben.






Montag, 18.05.2026 bis Freitag, 22.05.2026
Ingo waschen lassen stand ganz oben auf der ToDo Liste. Bei einem Ausflug nach Hohenau fanden wir eine hervorragende Waschmöglichkeit, innerhalb von 30 Minuten verwandelten zwei Mitarbeiter unser Zuhause wieder in ein vorzeigbares Fahrzeug, das man auch wieder anfassen konnte.


Das war es aber auch schon mit den Highlights in Hohenau. Bei der Durchquerung fiel uns nichts besonders sehenswertes ins Auge, ein Zentrum im klassischen Sinn schien es nicht zu geben, das Stadtbild wirkte zwar in weiten Teilen aufgeräumt und sauber, aber trotzdem nicht sonderlich attraktiv. Hohenau wurde 1900 gegründet, die ersten Siedler waren überwiegend Einwanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, bis heute hört man auf den Straßen und in den Geschäften erstaunlich häufig die deutsche Sprache.

Die folgenden Tage waren gefüllt mit Servicearbeiten an und um Ingo und dem Ausnutzen der kulinarischen Annehmlichkeiten in der „Mutter der Kolonien“ Paraguays. Wir ließen uns von der Russland-Deutschen Olga Brot liefern, das sehr viel besser war als so manches in Deutschland, gingen hervorragend essen in einem Restaurant mit schweizerisch angehauchter Küche, kauften frische Bratwurst von einem deutschsprachigen Metzger und plünderten mal wieder ein Importado Regal in einem kleinen aber feinen Supermarkt.

Am vorletzten Nachmittag wollten wir uns im Rahmen eines Stadtspaziergangs eines Besseren belehren lassen und suchten ein paar schöne Ecken und ein „Zentrum“. Wir fanden weder das eine noch das andere… Im „Museo y Centro Historico Edwin Krug“ wollten wir ein bisschen über die Stadtgeschichte erfahren. Eine kurze Führung durch das angebliche „kulturelle Herz und wichtigste historische Gebäude der Stadt“ enttäuschte allerdings, außer einem wilden Sammelsurium an mehr oder weniger antikem Kram gab es nichts zu sehen. Es blieb dabei, in Hohenau sprang der Funke nicht über, auch wenn wir in einem kleinen Café den besten Cappuccino seit langem bekamen, serviert von zwei sehr netten deutschsprachigen Mädels.








Unseren letzten Tag in Hohenau nutzten wir für eine Führung in einer der traditionsreichsten und größten Fabriken des Landes für Yerba Mate. Yerba ist die Bezeichnung des Krauts, aus dem das Nationalgetränk hergestellt wird, es handelt sich um die getrockneten und zerkleinerten Blätter einer Stechpalmenart namens Ilex Paraguariensis.


In Argentinien, Uruguay, Paraguay und Teilen Brasiliens ist ein Leben ohne Mate nur schwer vorstellbar, überall sieht man ständig Menschen mit einer Thermoskanne voll heißem Wasser unter dem Arm, in der Hand einen Mate Becher, aus dem die Bombilla ragt, ein metallenes Trinkrohr mit einem Sieb am Ende, um die feinen Blätter abzuhalten. Das Getränk ist tief in den jeweiligen Kulturen verwurzelt, bis vor der Covid Pandemie war es der wichtigste und heiligste Teil der Mate-Zeremonie, dass mehrere Menschen aus einem Becher mit nur einer Bombilla tranken. Man ging dann kurzzeitig dazu über, dass jeder seine eigenen Bombilla benutzt, die Tradition ist allerdings stärker, heute wird oft wieder ganz klassisch aus dem gemeinsamen Becher getrunken.

Die etwa einstündige Führung incl. eines Films über die Historie des Mates war interessant und lehrreich. Die Herstellung ist relativ aufwändig und zeitintensiv, bis aus 100 kg frisch geernteten Blättern am Ende etwa 30 kg trinkfertiger Mate Tee geworden sind, dauert es über 2 Jahre.








Die Führung gipfelte in einer Verkostung, die nur das bestätigte, was wir uns schon immer gedacht hatten. Das Zeug schmeckte uns nicht. Der Becher wird zu 3/4 mit den getrockneten und zerkleinerten Blättern gefüllt und mit heißem Wasser aufgegossen. Man nimmt ein paar Schlucke durch den Trinkhalm (mit dem man AUF KEINEN FALL umrühren darf), bis die spärlich vorhandene Flüssigkeit weg ist und gießt immer wieder heißes Wasser nach. Am Ende hat man eine aus unserer Sicht ziemlich unappetitliche breiige Masse, das Ganze schmeckt für ungeübte Europäer wie uns einfach nur extrem bitter und muss auf keinen Fall wiederholt werden.


Die Waffeln und das Eis aus Mate waren dafür aber richtig gut, damit konnten wir uns schon sehr viel mehr anfreunden. Mit dieser kleinen Abhandlung entfällt der vor einiger Zeit angekündigte Sonderbeitrag zum Thema Mate, mehr gibt es dazu aus unserer Sicht nicht zu sagen.
Samstag, 23.05.2026
In der Veranstaltungshalle direkt neben Ingo wurde fleißig für die abendliche Party aufgebaut, der Soundcheck deckte sich allerdings nicht mit unserem Musikgeschmack, Zeit weiter zu fahren. Ein kurzer Einkaufsstopp in Hohenau musste noch sein, u.a. ein frisch gebackenes Körnerbrot, Ziegenkäse und Aufschnitt von „Don Otto“ sicherten unser Abendessen.

Wir verließen die wirklich sehr deutsche Ecke Paraguays und fuhren immer durch landwirtschaftlich genutzte Flächen etwa hundert hügelige Kilometer Richtung Norden.








Rigo, der Besitzer eines Reifendienstes, hat auf seinem Grundstück neben der Hauptstraße einen sog. Unterstützungspunkt für Reisende geschaffen incl. einer kleinen Küche, Strom, Wasser und heißen Duschen. Sicher nicht der ruhigste oder hübscheste Ort, aber unfassbar gastfreundlich und großzügig von Rigo und seiner Familie! Nebenbei hatten wir in einem Gespräch mit einem seiner Mitarbeiter das erste Mal Kontakt mit einer Abart des deutschen Hunsrücker Platt, das als Hunsrik u.a. im Südosten Paraguays als eigenständige Minderheitensprache gesprochen wird. Eine spannende Mischung aus der deutschen Basis, den beiden Amtssprachen Paraguays, Spanisch und Guaraní sowie ein bisschen Portugiesisch. Erstaunlicherweise verstanden wir relativ viel, aber nur weil Ricardo uns sehr entgegenkam und ausgesprochen langsam und deutlich sprach…


Sonntag, 24.05.2026
Morgens trafen wir Rigos Schwägerin, die ebenfalls Hunsrik sprach und uns eine Führung über das Grundstück gab, das sich überraschenderweise als kleiner Bauernhof entpuppte. Von Ziegen über verschiedene Schweinerassen bis zu diversem Geflügel war alles dabei, wir probierten Mandarinen aus der Zitrusfrucht-Plantage, bevor wir uns schließlich von dieser unkomplizierten und sympathischen Familie verabschiedeten.






Die Wahl der folgenden Strecke erwies sich schnell als kleiner Fehlgriff, wir hatten auf die Bezeichnung Ruta Nacional vertraut. Was wir auf den ersten 50 km bekamen war eine Mischung aus top Asphalt, einer endlosen Baustelle, Steinpflaster und dem typischen roten festgefahrenen Lehmboden, der bei Trockenheit staubt und bei Nässe rutschig wird. Mit Erreichen der Ausläufer von Ciudad del Este fühlten wir uns schlagartig nach Zentralamerika zurückversetzt. Topes ohne Ende, neben jedem dieser nervigen Bodenschweller ein Verkaufsstand, viel Müll und viel offensichtliche Armut.







Unser Ziel war der Parque Aventura Monday, ein privater (ziemlich überteuerter) Park neben den Saltos del Monday, 40 m hohen Wasserfällen, die aus dem Fluß Monday gespeist werden. Der Name kommt aus dem Guaraní und bedeutet „bestohlener Fluß“ oder „Fluß der Diebe“, der Park an sich ist eigentlich hübsch angelegt, leider aber komplett vernachlässigt. Wir fuhren mit Ingo durch den Seiteneingang, hoben ein paar Kabel hoch und streiften einige Äste, bevor wir den zugewiesenen Stellplatz erreichten. Unser Streifzug durch den Park zu den diversen (z.T. zugewachsene) Aussichtsplattformen führte teilweise über Metallstege, über deren Zustand wir besser nicht genauer nachdachten… Die Wasserfälle waren aber wirklich hübsch, selbst wenn man wie wir kein großer Fan von herabstürzenden Wassermassen von irgendwelchen Felsen ist.







Montag, 25.05.2026
Leider war die Nacht von permanentem Bass-Wummern ziemlich schrecklicher Musik untermalt, eigentlich erstaunlich für einen Sonntag Abend, aber irgendwas ist ja wirklich immer… Wir blieben in Ciudad del Este, Grenzstadt zu Brasilien und Standort eines der größten Wasserkraftwerke der Welt, die Besichtigung verschoben wir allerdings auf die brasilianische Seite und einen anderen Tag, die Wettervorhersage war nicht die Beste. Im Centro Ambiental ITAIPU, das zu der paraguayischen Betreibergesellschaft des Staudamms gehört, holten wir uns eine 3 Tage gültige Campingerlaubnis für das der Gesellschaft gehörende Biológico Tati Yupi. Nachdem sich zwei Wachmänner mit uns beschäftigt und wir nach einem kleinen Spaziergang über das Firmengelände einer Bürokraft unsere Pässe und den Kfz Schein in die Hand gedrückt hatten, waren wir nach insgesamt etwa 30 Minuten im Besitz des erforderlichen Permiso. Die 8 km lange Zufahrt in das Naturreservat bestand dann aus dem typischen roten Lehm, dieses Mal leider nicht an allen Stellen staubtrocken.


Relativ schnell war das Profil der Reifen dicht, die letzten Meter drifteten wir mit Tempo 20 in leichten Schlangenlinien zwischen Graben und einer Laterne auf die Schranke am Eingang zu. Der Wachmann vor Ort amüsierte sich köstlich, wir weniger… Wir platzierten Ingo auf der Campingwiese und hofften auf weniger Regen als vorhergesagt, irgendwie mussten wir das Areal ja auch wieder verlassen. Das riesige Gelände direkt am Rio Paraná war super gepflegt, hübsch angelegt, die Nutzung incl. Camping komplett kostenlos und v.a. war es himmlisch leise. Wir freuten uns auf 2-3 ruhige Tage.








Dienstag, 26.05.2026
Unseren kurzen Ausflug nach Brasilien zur Besichtigung des Itaipú Staudamms wollten wir mit dem Besuch der Iguazú Wasserfälle verbinden, unsere Wunschtickets für einen 2,5 Stunden früheren Einlass als vor der offiziellen Uhrzeit zu dem überlaufenen Naturwunder gab es aber leider erst wieder für den 05. Juni. Über eine Woche Zeit totschlagen war also angesagt, weitere Sehenswürdigkeiten in der Umgebung Fehlanzeige. Den bewölkten aber immerhin trockenen ersten Tag nutzten wir für die Suche nach der angeblich sehr reichhaltigen Tierwelt in unserem Reservat. Gefunden haben wir immerhin die üblichen Kaninchenkäuze und einige Kapuzineraffen, die wohl auch heimischen Nasenbären liessen sich leider noch nicht blicken.





Mittwoch, 27.05.2026 und Donnerstag, 28.05.2026
Außer ein paar Spaziergängen auf teilweise ziemlich matschigen Wegen passierte nicht viel, abgesehen vom letzten Vormittag. Kurz bevor wir losfahren wollten, erkundeten dann doch noch ein paar sehr scheue Nasenbären das Gelände, insbesondere der Wohnwagen unserer Nachbarn hatte es ihnen angetan. Niedlich !


Die folgende Strecke war kurz, nur etwa 15 km weiter erreichten wir den nächsten Park im Besitz und unter der Verwaltung der paraguayischen Seite des Itaipú Staudamms. Die Registrierung im Parque Tacuru Pucu erfolgte dieses Mal direkt am Eingang, insgesamt knapp eine Stunde dauerte das Procedere aber dennoch. Die Zufahrtsstraße zum Campingareal überraschte uns mit Asphalt, das Gelände direkt am Wasser war hübsch angelegt, gepflegt, ausgestattet mit teilweise nagelneuen persönlichen Küchenbereichen sowie Strom und Wasser. Und wieder alles kostenlos, Danke an Itaipú Binacional !




Den weitläufigen Park teilten wir uns mit drei weiteren Campern, ansonsten war außer ein paar Bauarbeitern niemand in Sicht. Wir hofften auf 4 ruhige Tage, bevor es am Montag nach Brasilien gehen würde.
Freitag, 29.05.2026 bis Montag, 01.06.2026
Bei gemischtem Wetter erkundeten wir auf durchgehend gepflasterten Wegen (!) ein bisschen den Park und stolperten dabei an jeder Ecke über die Namensgeber. Tacurú Pucú bedeutet in der indigenen Sprache Guaraní „langer Ameisenhügel“ oder „hoher Termitenhügel“. Neben den unzähligen beeindruckenden Insektenhochhäusern fanden wir natürlich auch wieder einen Kaninchenkauz, ansonsten hielt sich die Tierwelt aber sehr zurück.






Wir erledigten ein paar kleinere Reparaturarbeiten, legten einen Waschtag ein, beschäftigten uns mit unserer weiteren Reise und lauschten der örtlichen Motorrad-Poser-Szene sowie diversen feierfreudigen „Nachbarn“. Übliches Reiseleben eben…
Morgen geht es für knapp eine Woche nach Brasilien, wir freuen uns auf unser ziemlich durchgetaktetes Besichtigungsprogramm.
Paraguay hat uns bisher noch nicht wirklich „mitgenommen“, da wir seit unserer Ankunft aber auch sehr viel mehr als für uns üblich nur irgendwo rumstehen, haben wir auch noch nicht viel gesehen. Unsere niedrigen Erwartungen warten noch darauf übertroffen zu werden…