Fünf Tage dauerte unser ziemlich durchgetakteter Abstecher nach Brasilien, es warteten zwei Superlative. Einer der größten Staudämme der Welt und mit den Iguazú Wasserfällen eines der sieben Naturwunder der Erde.

Unsere Route:

Montag, 01.06.2026

Bei der Ausreise aus Paraguay fühlten wir uns zurückversetzt in das tiefste Zentralamerika mit seinen chaotischen Grenzübergängen. Bevor wir die Grenzbrücke nach Brasilien erreichten, passierten wir ein langgezogenes Shopping Areal, riesige Einkaufscenter wechselten sich ab mit China Malls, Marktständen und kleinen Geschäften. Der Verkehr war völlig chaotisch, jeder fuhr wie er meinte, kreuz und quer schossen zahllose Moto Taxis zwischen den Autos herum, garniert wurde das Chaos durch blind drauf los laufende Fußgänger.

Wir parkten Ingo auf paraguayischer Seite mit Hilfe eines sich aufdrängenden Grenzhelfers mitten im Chaos zwischen den Zollgebäuden und erledigten die restliche Abwicklung zu Fuß. Nachdem wir es im Anschluß geschafft hatten auf der Brücke keinen der Moto Taxi Fahrer von seinem Zweirad zu holen, erreichten wir die brasilianische Seite, wo das Chaos etwas überschaubarer war. Wir bekamen hochoffiziell einen Parkplatz zugewiesen, alle waren super nett und lotsten uns mit bestem Englisch durch das Einreiseprocedere für uns und Ingo. Bem vindo ao Brasil !

Unser erstes Ziel in Brasilien war das Eco Museum Itaipú, das sich mit der Geschichte des Staudammbaus beschäftigt. Leider befand sich der Großteil der Ausstellungen gerade im Umbau, zu sehen gab es nur ein paar Naturfotos und Aquarelle. Zum Trost war aber eine nagelneue Virtual Reality Kugel installiert, die einen Flug u.a. durch das Innere des Damms simuliert, angereichert durch z.B. Bewegungen der Kugel und Wind. Super gemacht!!

Wir durften mit Ingo auf dem Parkplatz (direkt neben einer 4-spurigen Straße) übernachten, nicht leise, aber um die Ecke vom Startpunkt unserer Staudamm-Tour am nächsten Tag. Als krönenden Abschluss des Tages bekam Ingo seine 38. Flagge und damit auch die letzte auf dem südamerikanischen Kontinent. Ein komisches Gefühl…

Dienstag, 02.06.2026

Pünktlich um 9.00 startete die super organisierte „Spezial Tour“ durch das Äußere und Innere des Staudamms. Wir hatten bei der Buchung „zweisprachig, auch englisch“ angegeben, das Ergebnis war ein fast privater Guide, der uns und einen weiteren Besucher in allen Innenbereichen separat betreute. Top Service !

Die wichtigsten und kuriosesten Fakten zum Itaipu Staudamm (Danke an Gemini, in diesem Fall vertrauen wir der KI):

„Der Damm liegt am Paraná-Fluss und gilt als eines der größten und beeindruckendsten Ingenieurbauwerke der Moderne. Das binationale Wasserkraftwerk ging 1984 in Betrieb und hält weltweit den Rekord für die höchste jemals kumulierte Stromerzeugung. Die installierte Leistung von 14.000 MW der 20 riesigen Turbinen deckt rund 75 % bis 80 % des gesamten Strombedarfs von Paraguay und etwa 7 % bis 10 % des riesigen brasilianischen Marktes ab. 7,9 km lang ist der gesamte Dammkomplex, der an seiner höchsten Stelle stolze 196 m aufragt – das entspricht einem 65-stöckigen Wolkenkratzer. Verbaut wurden 12,3 Millionen m³ Beton, diese Menge reicht aus, um etwa 210 Fußballstadien vom Ausmaß des berühmten Maracanã-Stadions in Rio de Janeiro zu bauen. Das Gewicht des verbauten Stahls und Eisens entspricht in etwa 380 Kopien des Eiffelturms. 62.200 m³/Sekunde beträgt die maximale Kapazität der Hochwasserentlastung (der gigantischen „Rutschen“). Das ist das 40-Fache des durchschnittlichen Wasserdurchflusses der nahegelegenen Iguazú-Wasserfälle. Bereits die Wassermenge, die durch nur zwei der zwanzig Turbinen schießt, entspricht dem normalen Abfluss der Iguazú-Fälle.“

In der binationalen Anlage arbeiten etwa 3.000 Menschen, jeweils zur Hälfte aus Paraguay und Brasilien, die Landesgrenze verläuft genau in der Mitte des zentralen Kontrollraums.

Wo Licht ist, gibt es allerdings auch immer Schatten. Der größte ökologische Eingriff beim Bau war die unwiederbringliche Zerstörung der Sete Quedas Wasserfälle, den gemessen am Wasservolumen größten Wasserfällen der Erde. Für die Füllung des Reservoirs wurde das Naturwunder in nur 14 Tagen komplett überschwemmt und das umliegende Ökosystem komplett vernichtet. Schätzungsweise 40.000 bis 65.000 Menschen wurden vorher umgesiedelt, oft ohne angemessene Entschädigung, die indigenen Gemeinschaften der Avá-Guarani verloren ihre Lebensgrundlage und heiligen Stätten. Nebenbei gab es ein massives Fischsterben, enorme Mengen an Treibhausgas sowie Klimaveränderungen in der Region.

Nach 2,5 beeindruckenden Stunden machten wir uns auf den Weg zu unserem Stellplatz für die kommenden Tage, legten aber noch einen Zwischenstopp bei einem Buddha Tempel ein. Die Sehenswürdigkeit war hervorragend ausgeschildert, die Erwartungen entsprechend hoch, die Realität mehr als enttäuschend. Die Anlage besteht aus einem Sammelsurium schlecht gemachter buddhistischer Statuen, die Figuren im Innenbereich darf man noch nicht einmal fotografieren, das Gesamtensemble ist alle mögliche, aber bestimmt nicht sehenswert. Und dann war auch noch Gegenlicht…

Über eine breite 4-spurige Zubringerstraße fuhren wir weiter Richtung Iguazú Wasserfälle, immer entlang riesiger Hotels und Resorts, Freizeitparks und angeblicher Duty Free Shops. Die Wasserfälle werden touristisch ausgeschlachtet bis zum letzten, wir waren aber ja schließlich auch da… Unser Stellplatz lag nur etwa 800 m vom Eingang des Nationalparks entfernt, perfekt für unseren Besuch am Freitag. Das Eco Hostel Iguassu bietet auf einem netten Waldgrundstück auch die Möglichkeit zum Campen, den Platz teilten wir uns mit einem weiteren Wohnmobil und Millionen Moskitos.

Dienstag, 03.06.2026

Die Iguazú Wasserfälle gehören zu den sieben Welt-Naturwundern der Erde, sie bestehen aus einer riesigen 2,7 km langen halbkreisförmigen Kette von je nach Wasserstand bis zu 270 einzelnen Fällen mit Höhen zwischen 60 und 80 Metern. 80% der Fälle liegen auf argentinischer Seite, die restlichen 20% auf brasilianischer.

Für den Besuch der argentinischen Seite der Wasserfälle hatten wir uns für eine gebuchte englischsprachige Tour entschieden. Die eigene Anreise wäre uns zu umständlich gewesen, wir wählten den bequemen Weg und hatten obendrein noch das Glück, die einzigen Gäste zu sein. Guide/Fahrer Claudio war herrlich unaufgeregt, er managte den Tag perfekt und wir hatten überall ausreichend Zeit. Teilweise begleitete er uns, teilweise gingen wir die Wege alleine, eine gute Mischung.

In unserem privaten VIP Turismo Shuttle erreichten wir nach etwa 30 Minuten den Nationalpark und stiegen in das nächste Verkehrsmittel um. Die Hauptsehenswürdigkeit des Parks ist die etwa 4,5 km vom Eingang entfernte Garganta del Diablo (Teufelsschlund), eine Schmalspurbahn schaufelt die Touristenmassen im 15-30 Minuten Takt dorthin. Den letzten Kilometer legt man zu Fuß über Metallstege zurück, bis man und vor bzw. in dem größten Einzel-Wasserfall der Iguazú Fälle steht. Auf eine Länge von 800 m stürzen die Wassermassen 80 m in die Tiefe, die Aussichtsstege führen teilweise über den Abgrund, unglaublich beeindruckend!! Und nass…

Die Bahn brachte uns ein Stück zurück in die Mitte des Parks, von wo wir auf zwei Wanderwegen völlig unterschiedliche Perspektiven der Fälle genossen. Der 2 km lange „Circuito Superior“ führt direkt an der Abbruchkante entlang und bietet tolle Blicke von oben auf die Wassermassen, der 1,5 km lange „Circuito Inferior“ verläuft unterhalb der Fälle durch den Regenwald mit phantastischen Panorama-Aussichten.

Im gesamten Park stösst man auf die eigentlich ganz niedlichen Coatis (Nasenbären). Die kleinen Allesfresser sind extrem neugierig und anpassungsfähig, das geht so weit, dass sie Taschen nach Essbarem durchwühlen, während man daneben steht und deshalb in den Restaurants sein Essen zum Schutz vor den kleinen Räubern hinter Gittern einnimmt. Zoo mal andersrum…

Zum Abschluss dieses tollen Tages besuchten wir noch das 1924 fertiggestellte Hotel Cataratas. Es galt als Pionierbau des argentinischen Tourismus und war bis 1976 in Betrieb, bevor es aufwändig restauriert wurde und heute als Ausstellungsort und Besucherzentrum dient.

Wir hatten uns den Andrang und die Menschenfülle im Park schlimmer vorgestellt, natürlich waren wir nirgends alleine, aber der Besuch an einem Wochentag in der Nebensaison zahlte sich aus. Zwar war der Wasserstand relativ niedrig und wir sahen „nur“ etwa 200 Fälle, aber auch so waren wir völlig begeistert von diesem Naturschauspiel.

Mittwoch, 04.06.2026

Eine Weile hatten wir schon überlegt, ob wir uns die Wasserfälle auch von oben anschauen wollen, der relativ stolze Preis für gerade einmal 10 Minuten Hubschrauberflug brachte uns etwas ins Grübeln. Letztendlich entschieden wir uns dafür und bereuten die Entscheidung nicht. Der einzige Anbieter lag fußläufig 500 m von uns entfernt, seit unserer Ankunft hatten wir Hubschrauberlärm als Geräuschkulisse. Die Flüge starten wie am Fließband, den ganzen Tag lang hebt der Helikopter alle ca. 15 Minuten mit 6 neuen Passagieren ab und kommt 10 Minuten später wieder. Ein kurzes Vergnügen, aber nur aus dieser Perspektive erfasst man eigentlich die gesamte Dimension der Fälle. Unter dem Strich war das ein tolles Erlebnis, auch wenn die Qualität der Bilder leider etwas zu wünschen übrig lässt.

Donnerstag. 05.06.2026

Der brasilianische Teil der Wasserfälle ist sehr viel einfacher zu erreichen und gilt gemeinhin als die schönere Seite, entsprechend touristisch ist das Ganze. Um den größten Massen zu entgehen, hatten wir uns Tickets für den Sonnenaufgang gebucht, etwas teurer als regulär, dafür mit einer Einlasszeit um 6.00 (3 Stunden vor der regulären Öffnung) und einem Frühstücksbuffet inklusive. Um 6.30 stiegen wir im Stockdunkeln aus dem Shuttlebus und machten uns mit diversen anderen Menschen mit Taschenlampe bewaffnet auf den 1,5 km langen Abstieg zur Aussichtsplattform an der Garganta del Diablo. Mit dem ersten Licht erreichten wir die Stege über der Wasserfläche und wurden mal wieder kräftig geduscht. Die Gischt fegte quer über die Aussichtsplattform, trotz Regenponcho nicht wirklich ein Vergnügen…

Wir gingen den selben Weg noch einmal zurück, blieben an allen Aussichtspunkten stehen und genossen die Aussichten fast ohne Menschen.

Zeit für das Frühstück, schließlich waren wir um 4.30 aufgestanden und hatten mittlerweile einige Kilometer treppauf und treppab zurückgelegt. Das Restaurant am Ende des Nationalparks glich zwar eher einem Schnellimbiss und war gesteckt voll, das Buffet incl. einer frischen Kokosnuss zur Begrüßung und ziemlich gutem Sekt 😎 war dann aber überraschend gut.

Gegen 9.30 verließen wir das Restaurant und standen im Chaos. Uns kamen Busladungen voller Menschen entgegen, auf den Wegen war ein normales Fortkommen kaum noch möglich, Parkangestellte mit Trillerpfeifen regelten den Selfie- und Foto Ablauf an den Aussichtspunkten. Unfassbar… Wir machten uns zügig auf den Rückweg zum Bus, unter diesen Umständen hatten wir auch keine Lust mehr auf das perfekte Licht oder noch ein paar Regenbögen mehr über dem Wasser zu warten. Zurück am Besucherzentrum waren wir heilfroh, den frühen Einlass gebucht zu haben, die Schlangen für die Shuttlebusse zu den Fällen waren inzwischen schon in zwei Warteblöcke aufgeteilt.

Man sagt Argentinien stellt die Bühne, Brasilien sitzt im Publikum. Ein sehr treffender Vergleich, da sich 80% der Fälle auf argentinischer Seite befinden, hat man von der brasilianischen Seite den perfekten Logenplatz. Naturgemäß befinden sich im Publikum deutlich mehr Menschen als auf der Bühne, mit ein Grund warum uns die argentinische Seite besser gefiel. Darüberhinaus bewegt man sich in Argentinien mitten zwischen den Fällen, in Brasilien genießt man „nur“ die Aussicht.

Drei Tage lang haben wir uns die Iguazú Wasserfälle aus allen möglichen Perspektiven angeschaut, eine stolze Leistung für jemanden, der eigentlich gar nicht auf Wasserfälle steht… Zum Naturwunder hätten wir sie wahrscheinlich nicht gekürt, trotzdem war das ein sehr lohnender Abstecher, v.a. auch in Verbindung mit dem Itaipú Staudamm.

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