Die Puna ist eine Wüsten- und Steppenlandschaft in den zentralen Anden auf einer Höhe zwischen 3.500 und 4.500 üNN. Sie ist geprägt durch riesige Salzwüsten, Vulkane, Lagunen, farbiges Gestein und teilweise bizarre Felsformationen. Darüber hinaus liegt sie im Zentrum des sog. Lithium-Dreiecks, sie beherbergt etwa 70% der weltweiten Lithiumreserven, Minen sind allgegenwärtig.

Unsere Route:
Dienstag, 28.04.2026
Unter den misstrauischen Blicken einiger Esel machten wir uns nach einer ruhigen Nacht auf den Weg nach San Antonio des los Cobres. Die 100 km Schotterpiste bis zu unserem Ziel waren überwiegend in gutem Zustand, die wenigen Waschbrettabschnitte wurden zumindest optisch des öfteren durch dichte Staubwolken der entgegenkommenden Sattelschlepper verhüllt.




Die Strecke führte relativ unspektakulär durch hübsche Landschaften, die Tierwelt am Straßenrand reichte von Eseln über Lamas und Alpakas bis zu Vicuñas.




San Antonio de los Cobres war dann eines dieser typischen staubigen Wüstendörfer, immerhin aber mit einer nagelneuen Tankstelle und einem tatsächlich in der Mittagszeit geöffneten Minimarkt. Der Ortskern war asphaltiert, die Kirche hübsch und die örtlichen Polizisten nett, was will man mehr.




Weiter ging es zum Viadukt Polvoria, dem Highlight der Bahnstrecke des berühmten Tren de las Nubes (Zug zu den Wolken). Mit seiner gekrümmten Form gilt es als eines der beeindruckendsten Ingenieurbauwerke Südamerikas, es ist 224 m lang und 63 m hoch, der Weg dorthin führt über die allgegenwärtige RN 40. Wir hatten diese Nationalstraße ja schon in allen möglichen Ausbauzuständen gesehen, was wir hier vorfanden, toppte alles. Schlimmstes Waschbrett, Auswaschungen, einspurig mit spitzen Steinen rechts und links etc. etc. Nach ca. 8 km war dann Schluß für Ingo, sein Radstand war um etwa 1 m zu lang, um durch eine enge und unterspülte Kurve zu kommen. Sehr schade und irgendwie auch unfassbar, Nationalstraßen sind in Argentinien die höchste Straßenkategorie…




Ein Foto aus dem Internet veranschaulicht, was wir verpasst hatten.

Wir drehten notgedrungen um und suchten uns einen Stellplatz in der Nähe. Etwas abseits der RN 51 wurden wir in Form einer leicht erhöht liegenden Schotterfläche fündig, die Aussicht war hübsch und ein wenig Schutz vor dem wie immer am Nachmittag auffrischenden Wind gab es auch. Passte !

Mittwoch, 29.04.2026
Was für ein Tag ! Die Puna empfing uns mit phantastischen Landschaften, endloser Weite, überwiegend guten Straßen und perfekter Einsamkeit, wenn man von dem überraschend zahlreichen Minenverkehr absieht. Wir entschieden uns gegen die viel befahrene Hauptroute in wohl ziemlich schlechtem Zustand, sondern bogen kurz nach dem Start auf eine Nebenstrecke ab. Die Landschaft war extrem abwechslungsreich und so schön, dass uns die Worte fehlten. Die Puna sprach für sich selbst.
















Nachdem wir unterwegs das unglaublich trostlose Wüstendorf Santa Rosa de los Pastos Grandes passiert hatten, erreichten wir kurz danach den gleichnamigen Salar. Die verfallenen Gebäude am Ufer in Verbindung mit der farbigen Wasseroberfläche und den schneebedeckten Bergen im Hintergrund ergaben eine sehr spezielle Kulisse. Anm.: Auf Bild 3 haben wir einen Ingo versteckt 😉.






Weiter ging es nach Salar de Pocitos, einem nicht minder gottverlassenen und staubigen Ort. Erstaunlicherweise gab es in diesem extrem abgelegenen Dorf mit nur 15-30 ständigen Einwohnern in irgendeinem Hinterhof aber eine ziemlich gute Bäckerei. Ansonsten dient Pocito als Stützpunkt für die umliegende massive Lithium-Industrie, täglich halten sich dort hunderte Arbeiter in Camps oder zur Durchreise auf.



Es folgte ein absolutes landschaftliches Highlight, die Desierto del Diablo (Teufelswüste). Die Gegend trägt den Beinamen „Mars auf Erden“ völlig zu Recht, man bewegt sich auf einer teilweise sogar asphaltierten Straße (die allerdings in keiner Karte auftaucht…) durch bizarre rote Lehm- und Sandsteinformationen. Noch nie hatten wir so etwas in diesem Ausmaß gesehen. Die Durchquerung gipfelt in den Siete Curvas (sieben Kurven), einer engen Serpentinenpassage, von deren Gipfel man einen phantastischen Panoramablick hat.












Etwa 3 km weiter fanden wir einen perfekten Stellplatz für die Nacht, Ingo parkte neben der so gut wie gar nicht befahrenen Piste inmitten unendlicher Wüstenlandschaften. Besser geht es kaum…


Donnerstag, 30.04.2026
Die Nacht war kalt. Morgens zeigte das Thermometer -12,3°C, das Kondenswasser der Heizungsöffnung war auf dem Boden vor Ingo zu einem kleinen Stalagmiten gefroren, das Schauglas des Separ-Filters zeigte versulzten Diesel, Warten war angesagt. Die Sonne erwärmte den Tank relativ schnell, gegen 10.00 wagten wir einen Startversuch, beim 3. Mal entschied Ingo sich widerstrebend, den Tag zu beginnen. Puhhhh… Kein schönes Gefühl mitten im Nirgendwo.


Nach nur 13 km erreichten wir die völlig abgelegenen Ruinen eines ehemaligen Bahnhofs. Da die Bahnlinie durch die Puna heute, wenn überhaupt, fast ausschließlich für den Güterverkehr (v.a. Lithium und Erze) genutzt wird, wurde die sog. Estación Km 1.506 dem Verfall preisgegeben.





Das nächste Ziel waren die Ojos del mar (Augen des Meeres), drei kleine, tiefe Lagunen inmitten eines Salars. 2009 entdeckten Wissenschaftler in den Wasserlöchern Stromatolithen, lebende Fossilien, die vor 3,5 Mio. Jahren den ersten Sauerstoff der Erde produzierten. Das Ganze ähnelt durch den sehr hohen Salzgehalt, die extreme UV-Strahlung und den geringen Sauerstoffgehalt in der Höhe den Bedingungen der Urerde oder des Mars. Leider war zum Zeitpunkt unseres Besuchs der Grundwasserspiegel so hoch, dass die drei Lagunen überschwemmt und nicht sichtbar waren. Wunderschön war es trotzdem!





Einige hundert Meter entfernt fanden wir mit der Drohne noch ein paar mehr Wasserlöcher, zwar ohne Fossilien, aber deswegen nicht weniger faszinierend.






Insgesamt führte die Route wieder durch wunderschöne Landschaften, in dieser endlosen Weite kamen wir uns mit Ingo vor wie Zwerge. Die Farben, Sand- und Gesteinsformationen sprechen für sich, Fotos können die Schönheit nicht ansatzweise wiedergeben.













Irgendwann bogen wir auf eine Piste quer durch den 1.600 km2 großen Salar de Arizaro ab. Die Tatsache, dass er etwa 3x so groß wie der Bodensee und fast doppelt so groß ist wie Berlin war zwar faszinierend, die 55 km lange Fahrtstrecke machte das nicht attraktiver. Die Landschaft konnte man nicht als besonders abwechslungsreich bezeichnen und die Piste war etwa zur Hälfte in miserablem Zustand.




An unserem Ziel angekommen war die nervige Anfahrt dann aber sofort wieder vergessen. Der Cono de Arita ist eine 122 m hohe und fast perfekt symmetrische, kegelförmige Erhebung in der Ebene des Salar. Es handelt sich um keinen „echten“ Vulkan, sondern um einen kleinen 10-14 Mio. Jahre alten Vulkanberg, dem die Kraft für einen Ausbruch fehlte. Da er kein Magma ausstieß, entstand kein Krater, sondern die präzise Kegelform.

Ein sehr fotogener kleiner Berg, der sich auf unterschiedlichste Weise in Szene setzen ließ. Cono solo, Ingo vor Cono, Vicuña vor Cono und Vollmond über Cono 😉.




Wir suchten uns einen Stellplatz in der Nähe, natürlich mit Sicht auf den Cono, genossen die tolle Umgebung und bekamen Besuch von Vicuñas und einem Kauz. Nachdem sich der böige Wind vom Nachmittag gelegt hatte, kehrte eine himmlische Ruhe ein und wir sahen einer weiteren kalten Nacht entgegen.






Freitag, 01.05.2026
Das war nicht der Tag der guten Straßen. Nach einer himmlisch ruhigen und mit -5°C fast milden Nacht machten wir uns auf den Rückweg über den teilweise extrem holprigen Salar. Wo wir im Schritttempo den Löchern auswichen, „flogen“ die Minen Pick-ups über die Piste. Logisch, ist ja auch nicht deren Privat-Pkw. Nebenbei konnten wir noch einen Blick auf den Aufbau des Untergrundes werfen, Augen zu und durch…




Wenn wir gehofft hatten, dass die Piste mit abbiegen auf die Ruta Nacional besser werden würde, hatten wir uns gehörig geschnitten. Es wurde schlimmer, sehr viel schlimmer. 30 km übelste und steinharte Waschbrettpiste empfing uns, die teilweise angelegten Ausweichpisten waren auch kein Deut besser, insgesamt extrem nervenaufreibend.


Wenigstens war die Landschaft toll. Wir fuhren durch Hügel in allen Farben, teilweise hatten wir das Gefühl durch ein Aquarell zu fahren, unglaublich, zu was die Natur im Stande ist.









Unsere zwei Faustregeln für die Puna bestätigten sich wieder an diesem Tag. 1. Wenn die Berge bunt sind, ist die nächste Mine nicht weit. 2. Wenn die Straße in der Nähe oder über einen Salar führt, ist sie aufgrund des Belages aus festgefahrenem Salz und Gips in der Regel schlecht.



Irgendwann hatten wir das Gerüttel überstanden und bogen in die Berge zur Estación Caipe ab. Und dann, was für eine Überraschung! Die letzten 5 km bis zu dem verlassenen Bahnhof waren bester Asphalt, ein Traum !


Die Estación Caipe war bis in die siebziger Jahre ein zentraler Knotenpunkt für die Verladung von Schwefel aus der 70 km entfernten Mina La Casualidad. Nachdem diese unter der Militärdiktatur 1979 abrupt geschlossen wurde, verlor Caipe seine Bedeutung, die Siedlung mit ehemals zwischen 60 und 100 Einwohnern wurde dem Verfall preisgegeben.
Wir parkten Ingo zwischen den Gleisen, der Fahrer eines zufällig anwesenden Wasserlasters hatte uns bestätigt, dass die Strecke nicht mehr befahren sei. Die KI hatte zwar etwas anderes behauptet, aber wir glaubten dem Einheimischen und dem optischen Zustand der Gleise.

Die Aussicht von der 3.888 m üNN liegenden Station über den Salar de Arizaro und die umliegenden Berge war toll, die Atmosphäre in dem verlassenen Ort fast surreal. Teilweise wirkten die Gebäude, als seien sie noch bewohnt, sogar fließendes Wasser gab es.














Samstag, 02.04.2026
Wir trauten unseren Augen kaum, Asphalt ! Was am Vortag auf den letzten km begonnen hatte, setzte sich fort. Bester Fahrbahnbelag. Da wir aber ja in Argentinien unterwegs waren, währte die Freude nur von kurzer Dauer. Der Asphalt bot mal wieder alle Erhaltungsstadien und war damit einer der unangenehmsten Beläge, den man haben kann. Er erfordert ständiges Abbremsen und Beschleunigen, nichts, was Ingo auf über 4.000 m besonders mag…






Zum Trost kamen wir aber wieder in den Genuss phantastischer Ausblicke, u.a. auf den Salar Rio Grande. Die Puna begeisterte uns jeden Tag aufs Neue. Insgesamt begegneten uns auf der 65 km langen Strecke sage und schreibe zwei Pkw und zwei Lkw, natürlich alles ausschließlich Minen-Fahrzeuge.






Auf Höhe der Mina La Casualidad bogen wir rechts ab, die folgenden 25 km brachten uns auf 5.210 m üNN, absoluter Höhenrekord für Mensch und Ingo. Und das nur, weil Ute es sich in den Kopf gesetzt hatte, zur ehemaligen Schwefelmine Mina Julia zu fahren.

Schon die Fahrt war ein absolutes Highlight. Wir passierten den Vulkan Llullaillaco, auf dem 1999 die drei Kindermumien gefunden wurden, die wir in Salta gesehen hatten und fuhren durch Berge in allen möglichen Farben. Ingo tat sich spürbar schwer in der dünnen Luft, meisterte den Anstieg aber ohne irgendwelche Probleme.










An der Mine angekommen waren wir sprachlos- und das nicht nur wegen der sauerstoffarmen Luft und dem eisigen Wind. Wir standen in den Überresten einer beeindruckenden Industrieanlage, wo unter brutalsten Bedingungen bis Ende der 70er Jahre in Handarbeit Schwefel abgebaut wurde. Mit der damals längsten Materialseilbahn der Welt wurde das Gestein über 15 km in die 1.200 m tiefer liegende Mina La Casualidad transportiert. Überall lag leichter Schwefelgeruch in der Luft, die verlassenen Wohngebäude ließen erahnen, unter welchen Bedingungen die Menschen hier lebten und arbeiteten.












Etwas kurzatmig erkundeten wir Teile des Areals, hielten unseren Aufenthalt insgesamt aber relativ kurz. Es war einfach zu anstrengend für uns Flachländer, auch wenn wir mittlerweile mit allem bis 4.000 m ganz gut umgehen konnten.
Unser endgültiges Ziel für den Tag war die Mina La Casualidad, einst das Zentrum des Schwefelabbaus in der Region, in dem in den 1950er bis 1970er Jahre bis zu 3.000 Menschen lebten.

Heute ist La Casualidad eine Geisterstadt mit einer gespenstischen Szenerie. Man geht durch die leeren Straßenzüge, beim Blick in die Häuser findet man z.T. noch Überreste des Alltags. Als die Mine 1979 abrupt geschlossen wurde, mussten die Einwohner den Ort innerhalb kürzester Zeit verlassen, vieles blieb einfach stehen und liegen. Die Kirche ist heute ein Raum für schutzsuchende Reisende incl. Matratzen, Feuerstelle und Gästebuch.












Dem Wohnviertel gegenüber liegen die Werkshallen und Verarbeitungsanlagen, auch hier hat man teilweise den Eindruck, die Anlage wurde gerade erst verlassen.




Wir parkten mit Ingo auf dem ehemaligen Basketballplatz am Ortsrand und erholten uns von diesem tollen, wenn auch etwas anstrengenden Tag. Dem ersten im Übrigen, an dem wir auf Touristen mit eigenen Fahrzeugen trafen, eine argentinische Motorradgruppe war zeitgleich mit uns im Ort. Bisher waren unsere einzigen Begegnungen Minen-Pick-ups, Minen-Lkw und Minenarbeiter gewesen.


Sonntag, 03.04.2026
Wir bewegten uns an diesem Tag fast ausschließlich auf Straßen, die es gar nicht gibt, zumindest lt. unserem Navi und Google maps. Gut, dass wir noch anderes Kartenmaterial zur Verfügung hatten… Die Pisten waren zweifelsohne vorhanden und nach dem Zustand zu schließen auch relativ viel befahren. Noch nie hatten wir auf so eine lange Strecke so unterirdisch schlechten Belag. 100 km lang Waschbrett, spitze Steine, Waschbrett mit spitzen Steinen, ein bisschen Sand und wieder Waschbrett. Nervenzerfetzend ! Die Stimmung im Cockpit war zwischenzeitlich nicht die Beste…

Zwischendurch schoben wir drei Mal einen Zwischenboden im Kühlschrank wieder in seine Halterung, bevor er die Tür aufdrücken konnte und sammelten diverse Male Kissen und Polster wieder vom Boden ein. Armer Ingo ! An sein Fahrgestell mochten wir gar nicht denken. Als kleiner Trost war die Landschaft wieder ein Traum, die Farben und Formen der Puna sind wirklich nicht von dieser Welt.




























Unser Ziel waren die Ojos de Campo, drei kleine kreisrunde Süßwasserlagunen in der Nähe der winzigen Wüstenoase Antofalla. Wir bogen von der Hauptpiste ab und sofort wurde unsere Hoffnung auf Besserung der Straße zerstört. An den Wasserlöchern angekommen empfing uns dann ein fast schon patagonischer Wind. Der Sand flog uns um die Ohren, das Wasser der Lagunen war aufgewühlt, von den angeblich verschiedenen intensiven Farben keine Spur. Hübsch war die Szenerie trotzdem, von dem Plan dort zu übernachten, sahen wir unter diesen Umständen allerdings ab.






Also zurück nach Antofalla. Der Name stammt aus der Kunza-Sprache und bedeutet „Ort, an dem die Sonne stirbt“, wie passend für den Tag… Antofalla hat etwa 40-50 Einwohner und ist einer der abgelegensten und einsamsten Orte in der Puna. Strom gibt es oft nur für wenige Stunden am Tag über Generatoren oder Solaranlagen. Die winzige Ansiedlung mit ihren Büschen, Bäumen und Feldern macht einen irgendwie surrealen Eindruck inmitten der endlosen kargen Wüste.




Wir parkten auf Anraten eines netten Einwohners hinter der Touristen-Info, dort sei der Windschutz am größten. Das stimmte zwar, dafür stand Ingo zwischen haufenweise Holzpaletten und Sperrmüll, neben einem laufenden Generator und natürlich mit Luz (Licht). Es gibt Tage…
Montag, 04.05.2026
Kaum aufgestanden musste Ingo richtig arbeiten. Direkt hinter Antofalla begann ein steiler Aufstieg auf einer fiesen, engen und steinigen Piste, der auf 28 km 1.419 Hm überwand. Dafür waren aber die Ausblicke toll 😊.






Der folgende Abschnitt war abwechslungsreich wie gehabt, hinter jeder Kurve sah die Landschaft anders aus.







Die größte Überraschung erlebten wir aber in der Vega Colorada, einem Feuchtgebiet auf etwa 4.000 m üNN. Plötzlich sahen wir neben massenweise Vikuñas und Wildeseln auch Wasservögel wie Enten und Gänse sowie einige Suris (Anden-Strauß), letztere wie immer auf der Flucht. Mit einem solchen Anblick hätten wir in dieser Wüsten- und Steppenregion als letztes gerechnet.






Langsam näherten wir uns wieder zivilisierteren Regionen, unschwer zu erkennen an Tour-Jeeps mit Touristen, Zäunen, Schildern und v.a. dem kaum noch vorhandenen Fluchtverhalten der Wildtiere.


Kurz vor unserem Ziel Antofagasta de la Sierra passierten wir die Laguna Colorada, die allerdings staubtrocken war und außer ein paar grasenden Vikuñas nicht viel zu bieten hatte.



Und dann erreichten wir Antofagasta de la Sierra, den ersten halbwegs ernst zu nehmenden Ort seit hunderten von Kilometern. Es gab Bäume, gepflasterte Straßen, einen begrünten zentralen Platz, diverse kleine Geschäfte, erstaunlich viele Restaurants und tatsächlich zwei Tankstellen sowie zwei Museen. Am Ortsrand neben der Schule hatte die Stadt einen kostenlosen Parkplatz für Wohnmobile eingerichtet incl. Strom und Wasser, wo Ingo zu Füßen des Fußballgotts Lionel Messi parkte.
















Wir besuchten das Museo del Hombre, dessen einziges Highlight (neben dem genialen Logo) zwei Mumien sind, dafür kostet es aber auch nur umgerechnet 0,30 € Eintritt. Eine der ehrenamtlichen Museumsmitarbeiterinnen betreibt auch einen privaten Wäsche-Service. Señora Lidia hatte an dem Tag frei, wir kontaktierten sie per Whatsapp, kurze Zeit später kam sie mit dem Fahrrad um die Ecke, hängte unsere zwei schweren Wäschesäcke an den Lenker 🫣 und verschwand mit der Zusage, uns die frisch gewaschene Wäsche am nächsten Nachmittag zu bringen. Top Service !

Dienstag, 05.04.2026
Servicetag. Wir befreiten Ingo außen und innen von zumindest einem Teil des Wüstenstaubs in allen möglichen Farben, nahmen unsere frisch gewaschene Wäsche wieder in Empfang, ergatterten tatsächlich ein bisschen frisches Obst und Gemüse und gingen Abends in eine der diversen Comidas (einfache, familiengeführte Gaststätten mit regionaler Hausmannskost).

Lama gab es leider nicht, auch nichts von dem was auf der Tafel stand (hatten wir auch nicht erwartet…), wir wählten aus den drei vorgetragenen Möglichkeiten die letzte, verstanden hatten wir alle nicht. Das Überraschungsessen bestand aus Hackbällchen mit Nudeln, der Rotwein dazu war hervorragend, der Preis etwas überzogen, aber was soll’s. Irma und Pedro waren extrem herzliche Gastgeber, ein schöner Abschluss in Antofagasta !



Mittwoch, 06.05.2026
Wir verließen das sehr gastfreundliche Antofagasta über besten Asphalt, sogar mit Mittelstreifen! Unglaublich, die beste Straße seit ca. 600 km. Das änderte sich schlagartig nach 50 km am Abzweig zum Campo de la Piedra Pomez (Bimssteinfeld). Die 30 km lange Piste zu unserem letzten Ziel in der Puna bestand u.a. aus dem üblichen leichten Waschbrett, besonders fiesen Steinen und ein paar Tiefsandpassagen. Der Hinweis auf nur 4×4 Fahrzeuge am Beginn der Strecke bestand teilweise nicht ganz zu Unrecht. Die durchfahrene Landschaft war aber wieder einmal der Hammer, bis zum Schluss konnten wir uns nicht sattsehen an dieser Wüste.







Irgendwann tauchte am Horizont das 25 km lange weiße Bimssteinfeld auf, eines der surrealsten Ziele der Puna. Das Gebiet entstand vor 73.000 Jahren durch eine Eruption des Vulkans Blanco Belgrano, der riesige Mengen an vulkanischem Glas und Asche ausstieß, die zu Bimsstein erstarrten. Im Laufe der Jahrtausende formte sich durch die extremen Winde in der Puna daraus eine bizarre Landschaft, die in dieser Form einmalig auf der Welt ist.

Gerade noch rechtzeitig vor dem einsetzenden Starkwind am Nachmittag kamen wir an und erkundeten einen Teil des schier endlosen Steinlabyrinths. Eine wirklich faszinierende Gegend und ein Abschluss unserer Runde durch die Puna wie er besser nicht sein konnte.














Wir schlossen uns den anderen relativ zahlreichen Besuchern an und machten ein paar „instagram Poserfotos“ 😎 und wunderten uns mal wieder über den so häufigen „Ingo Magnetismus“. Immer wieder suchen Menschen mit ihren Fahrzeugen offensichtlich Schutz neben unserem Zuhause.





Rund um uns herum tobte mittlerweile eine heftige Unwetterfront, wir blieben mit Ingo wo wir waren, sozusagen im Auge des Sturms und hofften auf eine möglichst schaukelfreie und ruhige Nacht.


Morgen geht es zurück in die Zivilisation, die Reifen werden wieder aufgepumpt und wir machen uns auf den Weg zu einer erneuten Durchquerung des Landes, dieses Mal in Richtung Paraguay.
Unser Fazit zur Puna: Noch nie haben wir so eine Landschaft gesehen, die Farben und Formen wirken als ob jemand mit einem riesigen Pinsel ein Aquarell gemalt hätte, die Stille und die Dunkelheit waren vollkommen. Erkaufen muss man sich das mit teilweise materialmordenden Pisten und Höhen von ständig um die 4.000 m.
- Hat es sich gelohnt ? JA !
- Würden wir es nochmal machen ? Nein. Bei unserer Tour stimmte einfach alles, das Wetter, Ingo machte alles klaglos mit, uns ging es gut, man soll sein Glück nicht herausfordern.
- Wir hatten genau das richtige Zeitfenster zwischen der Regenzeit, die die Straßen unpassierbar machen kann und dem Winter mit Nachttemperaturen zwischen -15°C und -25°C.
- Kann man die Puna alleine fahren ? Aus unserer Sicht ja, man ist ja auch eigentlich nie alleine, vorausgesetzt man bleibt auf den Hauptrouten oder in deren Nähe. Irgendwann kommt immer ein Minen-Fahrzeug vorbei… Als zusätzliche Sicherheit haben wir Starlink und für den absoluten Notfall unser Garmin inreach, über das wir z.B. eine Bergung veranlassen könnten.
Ein wenig nachdenklich stimmte uns der allgegenwärtige Minenbetrieb. Lithium, das „weiße Gold“, wird durch Heraufpumpen enormer Mengen lithiumhaltiger Sole aus den Salaren gewonnen. Diese Sole wird verdunstet, was den Grundwasserspiegel beeinflussen kann und damit das empfindliche Ökosystem der Puna gefährdet. Um Lithiumcarbonat oder Lithiumhydroxid in Batteriequalität zu erhalten, werden Unmengen an Süßwasser, Energie und chemischen Hilfsstoffen benötigt. Für die Gewinnung 1 Tonne Lithium werden u.a. etwa 2 Tonnen Soda und 30.000 l Süßwasser benötigt, die über hunderte km per Lkw (nicht Euro 6!) heran transportiert werden müssen. Und das in erster Linie für die Herstellung von Batterien für die wahnsinnig umweltfreundlichen Elektroautos…🫣.
Daneben gibt es unzählige Minen für hauptsächlich Borax, das ähnlich wie Lithium gewonnen wird, Gold und Kupfer. Wie mag die Puna wohl in einigen Jahren aussehen ?
Auf der anderen Seite wäre die Region ohne die ursprünglich für die historischen und aktuellen Minen angelegten Straßen nicht zu bereisen, es gäbe keinerlei Infrastruktur.
…herrlich, unfassbare Gegend, toll beschrieben und, wie immer genial bebildert.
merci, liebe Grüße und bleibt gesund!
Birgit&Chris