Argentiniens Nordwesten besticht durch phantastische Landschaften, Kultur und Geschichte, nette Orte und hervorragenden Wein. Das beeindruckendste der vergangenen 1,5 Wochen war mit Abstand aber unser Ausflug auf 4.700 m üNN in eine bunte und fast unberührt wirkende Gebirgslandschaft.

Unsere Route:

Dienstag, 07.04.2026

Na wer sagt‘s denn ? Nach einer himmlisch ruhigen und dunklen Nacht auf dem Mirador der Cuesta de Miranda erwachten wir mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel.

Auf dem Weg zurück Richtung Chilecito fuhren wir zwar leider gegen die Sonne, trotzdem boten sich tolle Ausblicke, wir gingen ein Stück auf der alten Straße spazieren und freuten uns erneut über den top Ausbau der neuen Ruta 40. Ein Besuch bei der Difunta Correa musste auch noch sein und dann hatten wir die bunten Berge schon wieder hinter uns gelassen.

Der am Vortag wegen Nebel gestrichene Besuch der Cable Carril Estación 2 fand jetzt bei bestem Wetter statt, der Blick auf das schneebedeckte Ende der 35 km langen Seilbahn war beeindruckend. Auch an dieser Station befindet sich ein kleines Museum, auch diese Führung gibt es ausschließlich auf Spanisch, dieser Guide versuchte allerdings Verständnislücken unsererseits durch Lautstärke und mehrmaliges Wiederholen wettzumachen…

Im Gegensatz zu der Talstation wirkte die Estación 2 durch die vielen alten Loren und Schienen etwas „näher an der Praxis“, das Ganze war eher ein Freilichtmuseum vor wunderschöner Bergkulisse.

Interessante und überraschende Informationen gab es on top, z.B.: Der leitende deutsche Ingenieur für das Projekt war gerade einmal 25 Jahre alt (Bild 1, 2. von links). Die Minenarbeiter benötigten jeweils 4 Stunden für den Hin- und Rückweg, ihre Arbeitszeit betrug 8 Stunden, insgesamt also 16 Stunden Abwesenheit von Zuhause, oft an 7 Tagen/Woche. Ein 200 m langer Tunnel auf der Strecke wurde innerhalb von 7 Tagen nur mit Schaufeln und Spitzhacken fertiggestellt.

Auch das war aus unserer Sicht ein lohnender Besuch, die Estación 2 gefiel uns insgesamt besser als die Talstation.

Weiter ging es über die Ruta 40 Richtung Norden, mal wieder meistens geradeaus, dieses Mal aber wenigstens mit Bergen rechts und links. Besonders freuten wir uns über den Anblick einiger Kondore in der Luft, ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir immer dichter an die Anden kamen.

Unser Tagesziel war der städtische Campingplatz von Andolucas, das eigentlich keine Stadt, sondern eine Ansammlung von ein paar Häusern mit insgesamt 155 Einwohnern ist. Dafür war das Campingareal umso größer und umfasste neben den üblichen unzähligen Grillmöglichkeiten diverse Sanitärgebäude, einen verhältnismäßig großen Laden, Fußball- und Tennisplätze, malerische Brücken über den Rio Los Sauces, Spielplätze etc. etc. Darüber hinaus gab es in unmittelbarer Nähe das liebevoll angelegte Balneario La Olla, das aus mehreren Badestellen im Fluß incl. kleinem Wasserfall bestand. Und das alles in der Nebensaison gratis – Danke Andolucas, auch für die schwingende Aufhängung des Schildes am Eingang 😉.

Mittwoch, 08.04.2026

Die Landschaft veränderte sich, es wurde trockener und wüstenhafter, immer aber mit den Bergen der Sierra de Narváez als Kulisse. Zwischen zwei Bergkämmen tauchte irgendwann die Duna Frederico Kirbus auf, die höchste Düne der Welt. Ihre relative Höhe beträgt 1.230 m, ihre absolute Höhe über dem Meeresspiegel liegt bei 2.845 m. Irgendwie erinnerte dieser riesige Sandhaufen an Schnee und wirkte völlig fehl am Platz in dieser eher kargen Berglandschaft.

Das eigentliche Highlight dieser Etappe sollte aber die „Ruta del Adobe“ sein, ein 50 km langer Teilabschnitt der Ruta 60 zwischen Tinogasta und Fiambalá. Das Besondere an der Strecke ist der Baustoff, aus dem viele Gebäude bestehen. Bei Adobe handelt es sich um an der Luft getrocknete Ziegel aus einer Mischung von Lehm, Sand, Stroh und Wasser. Die Bauwerke wiesen sehr unterschiedliche Erhaltungszustände auf, von komplett verfallen bis top in Schuss war alles dabei.

Unser erster Stopp war ein kleiner Ort mit dem netten Namen Copacabana, an dessen Eingang sich die Ruinen des im 18. Jhd. erbauten Ensembles Antigua Capellanía befinden. Zu sehen sind die Reste einer Kirche und einiger Wohngebäude.

Nichts, was uns unbedingt von Hocker riss, das änderte sich mit der hervorragend erhaltenen Iglesia de Nuestra Señora de la Candelaria ein paar km weiter am zentralen Platz von Copacabana. Schon die Farbgebung war toll, ein Traum in Pink. Der eigentlich schlichte Innenraum war dekoriert mit den üblichen (für europäischen Geschmack) etwas kitschigen Figuren, insgesamt ein super Einstieg für die Ruta del Adobe.

Weiter ging es nach El Puesto zum Oratorio de los Orquera, einer kleinen Kapelle aus dem Jahre 1740. Leider waren sowohl die Kapelle als auch das dazugehörige Museum geschlossen, wir waren mal wieder in der argentinischen Siesta unterwegs…

Nur wenige km weiter liegt La Falda mit der Iglesia Nuestra Señora de Andacollo. Die kleine Kirche im neoklassizistischen Stil wurde um 1840 erbaut und ist „das Küken“ unter den Kirchen an der Ruta del Adobe. Das umliegende Dorf verschwand im Laufe der Zeit, heute steht die Kirche fast schon einsam in der Landschaft.

Nächstes Ziel war der kleine Ort Anillaco, mit den Ruinen einer Residenz aus dem 17. Jhd., dem Mayorazgo de Anillaco. Der Begriff des Majorats (Mayorazgo) bezeichnet ein altes spanisches Rechtssystem, bei dem der Familienbesitz ungeteilt an den erstgeborenen Sohn überging – ob er wollte oder nicht. Das feudale Anwesen bestand u.a. aus dem Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden und Stallungen.

Direkt neben den Wohngebäuden steht die Iglesia de Nuestra Señora del Rosario aus dem Jahre 1712. Sie gilt als die älteste Kirche der Provinz Catamarca, Besonderheit und absolutes Highlight ist der komplett aus Adobe geformte Altar. Die Atmosphäre in dem kleinen schlichten Raum mit den knarzenden Holzbalken und raschelnden Strohmatten der Decke war schon sehr besonders.

Danach reichte es uns mit Kultur, Zeit für Natur. Wir steuerten den Cañon del Indio an, verschoben die Wanderung in den Canyon aber auf den nächsten Vormittag. Die Stellplatzsuche in der Nähe gestaltete sich etwas schwierig, am Ende parkten wir einfach am Straßenrand genau gegenüber des Eingangs in das Wandergebiet und hofften auf eine verkehrsarme Nacht.

Donnerstag, 09.04.2026

Bis auf im Konvoi fahrende Versorgungs-Lkw einer chinesischen Lithium-Mine morgens um 6.00 war das eine dunkle, ruhige und ungestörte Nacht. Herrlich ! Den sonnigen Tag begannen wir mit einem Spaziergang in den Cañon del Indio, der Weg führte durch tolle Gesteinsformationen zu einem Slot Canyon (Engschlucht), den Namen verdankt die Schlucht zwei sich gegenüber liegenden Felsen, die Gesichtern von Ureinwohnern ähneln. Unsere Phantasie war vermutlich nicht ausreichend, auf jeden Fall haben wir nichts in dieser Art entdecken können.

Schon zum zweiten Mal trafen wir drei argentinische Paare mit ihren top restaurierten „IKA“ Jeeps. IKA (Industrias Kaiser Argentina) war ein 1955 gegründeter Autohersteller, der u.a. den US Willys Jeep in Lizenz baute. Diese Autos gelten als unzerstörbar, die „Jeeperos“ sind in Argentinien eine riesige Fangemeinde und Gemeinschaft.

Sehr spontan hatten wir uns am Vorabend dazu entschlossen, am Freitag einen insgesamt 300 km langen Abstecher in die sog. Vorpuna bis auf 4.500 m Höhe zu machen. Keine gute Idee mit fast leeren Tanks, also zurück in das 20 km entfernte Fiambalá, wo es die einzigen Tankstellen weit und breit gab. Der Dieselpreis schlug dann alles bisher in Argentinien dagewesene, aber wir hatten keine Wahl. Wir nutzten die Gelegenheit, uns in einem kleinen Laden wieder mit Cocablättern einzudecken, unserer Erfahrung nach extrem hilfreich gegen Höhenkrankheit. Und wo wir schon mal in der Nähe waren fuhren wir noch ein paar km weiter zur „Duna Magica“.

Die „magische Düne“ ist etwa 90-100 m hoch und wirkt mit ihrer extremen Steigung von fast 45° wie eine weiße Wand vor den dunklen Bergen. Von einem der gegenüberliegenden Sandberge hatten wir eine tolle Aussicht auf die „Frederico Kirbus“ (s.o.) und in das mit Weinreben bestandene Tal.

Für die Nacht suchten wir uns einen Stellplatz, der möglichst nahe an dem Abzweig für unsere Tour am nächsten Tag liegen sollte, aber mit Rücksicht auf unseren Schlaf auf jeden Fall unter 3.000 m. Wir passierten den Cañon del Indio und fuhren weiter durch diese phantastische Landschaft, bevor wir neben ein paar verfallenen Häusern, u.a. einem „Buddha Tempel“, einen Platz auf knapp 2.600 m vor einer unbeschreiblichen Kulisse fanden.

Ingo stand am Beginn eines Tals, das von Hügeln in fast schon unnatürlichen Farben flankiert wurde, auf der anderen Seite ragte ein allein stehender Berg auf, wunderschön !

Freitag, 10.04.2026

Wir starteten früh, der etwa 100 km entfernte „Balcón del Pissis“ auf 4.500 m wartete, einer der spektakulärsten Aussichtspunkte der Puna. Alles fing gut an, der Sonnenaufgang war hübsch und versprach einen schönen Tag, die Landschaft an der Ruta 60 war beeindruckend, nur Ingo wollte nicht so richtig.

Schon kurz nach dem Losfahren leuchtete die Kontrollleuchte für die Motorsteuerung, erst gelb, dann rot. Nichts, was wir in höheren Lagen nicht schon gehabt haben, dieses Mal gingen die Lämpchen nach Motor aus-warten-Motor an allerdings nicht wie früher wieder aus. Wir fuhren wieder zurück, warteten etwas länger und siehe da, alles gut. Vielleicht war es Ingo noch zu früh und mit etwa 6° zu kalt gewesen. Also auf ein Neues, nach 50 km auf der top ausgebauten Ruta 60 bogen wir links ab und befanden uns auf einer „Schotterautobahn“, hervorragend unterhalten von der chinesischen Gesellschaft, die 70 km weiter eine Lithium-Mine betreibt.

Ganz nebenbei fuhren wir auch ein Teilstück der Ruta de los Seismiles, die ihren Namen der Tatsache verdankt, dass sie eine Region durchquert, in der sich fast 20 Gipfel befinden, die höher als 6.000 m sind. Dies macht sie nach dem Himalaya zur zweithöchsten Gebirgsregion der Erde.

Etwa 30 km lang fuhren wir durch unglaublich schöne Landschaften, bevor wir die Laguna de los Asparejos erreichten.

Auf den 20 km zum nächsten Ziel, der Laguna Azul, schraubte sich Ingo auf 4.715 m üNN, zwar 205 m unter seinem Höhenrekord mit 4.920 m üNN, aber dafür, dass er am Morgen eigentlich gar nicht loswollte, eine top Leistung ! Die Laguna Azul wurde ihrem Namen dann mehr als gerecht, der himmelblaue See mit den schneebedeckten Vulkanen im Hintergrund war schon sehr malerisch.

Nach ein paar Minuten Wartezeit waren dann auch die zahlreichen Tour-Jeeps weitergefahren und wir hatten diese phantastische Aussicht fast für uns alleine. Tatsächlich kamen auch unsere Antarktis-Parkas noch einmal zum Einsatz, der Wind pfiff uns bei eiskalten 3°C gehörig um die Ohren.

Einer der anwesenden Tour Guides gab uns netterweise noch einen Hinweis für die Anfahrt zum 5 km entfernten Balcón del Pissis, wir sollten lieber nicht den direkten Weg nehmen, sondern besser die Schleife außen herum fahren. Sehr nett und bei der Besichtigung vor Ort auch absolut richtig… Und dann standen wir auf einem Aussichtspunkt, der seinen Namen wirklich verdient und einen Panoramablick über drei Lagunen auf das Who-is-Who der höchsten Vulkane der Welt bietet. Kernstück ist der 6.792 m hohe Monte Pissis, ein ruhender Vulkan mit mehreren Gipfeln und Gletschern.

Von einer Weiterfahrt zu zwei weiteren Lagunen sahen wir ab. Erstens befanden wir uns mittlerweile abseits der Minenstraße auf fiesesten Waschbrettpisten und zweitens wollten wir Ingo in diesen Höhen nicht noch mehr strapazieren, zumal inzwischen auch noch die Warnleuchte für die Dauerbremse leuchtete. Wir kauten Coca Blätter gegen die Höhenkrankheit, Ingo konnten wir damit leider nicht unter die Arme greifen…

Zurück zu unserem alten Stellplatz ging es über die selbe Strecke, durch Landschaften, die einen einfach sprachlos machten. Jetzt allerdings immer in Gesellschaft der im Konvoi fahrenden Minen Lkw.

Samstag, 11.04.2026

Über die bekannte Strecke auf der RN 60 fuhren wir zurück bis kurz nach Tinogasta, wieder durch diese schöne Landschaft und wieder vorbei an überwiegend verfallenen oder etwas desolat aussehenden Adobe Häusern.

Wir hielten die Etappe kurz und richteten uns im Eco Parque Puente Colgante ein. Kernstücke des kleinen Parks sind die restaurierte historische Hängebrücke über den Rio Abaucan und ein kleiner Wasserfall, das Ganze in einer netten Felsenlandschaft. Erstaunlicherweise waren wir trotz Wochenende allein auf weiter Flur.

Es hätte alles so schön sein können, wenn nicht mit Einbruch der Dunkelheit auf dem gesamten Platz Lichter angegangen wären, die mit jedem Flutlicht im Fußballstadion konkurrieren konnten. „Luz“ (=Licht) war ein kleines Reizwort für uns… Für ganz viele Menschen, erstaunlicherweise auch Reisende, bedeutet Licht = Sicherheit, eine Ansicht, die wir noch nie nachvollziehen konnten. Wir schlafen lieber im Dunkeln.

Sonntag, 12.04.2026

Nach einer zwar hellen aber sehr ruhigen Nacht fuhren wir los zur archäologischen Stätte El Shincal, wir wollten mal wieder alte Steine sehen. Ein Inka wies uns den richtigen Weg zu einer der bedeutendsten Ausgrabungen Argentiniens. Leider wurde es aber nichts mit der Besichtigung, die nächste Führung fand erst in 1,5 Stunden statt, dann auch nur auf Spanisch und ohne Guide durfte man die Anlage nicht betreten. Unter diesen Umständen verzichteten wir und fuhren weiter.

Nächstes Ziel war Belén, eine kleine Stadt, die u.a. für ihre Webkunst bekannt ist. Die Stadt lag aber (natürlich) im argentinischen Siesta-Tiefschlaf, die möglichen Stellplätze gefielen uns auch alle nicht, also weiter. Lief irgendwie nicht so für uns an dem Tag…

Dafür fuhren wir wieder durch schöne Landschaften und passierten den Kilometer 4040 der Ruta 40. Natürlich stoppten wir für ein Foto an diesem Meilenstein und verewigten uns auf der Rückseite des Schildes, schließlich waren wir mittlerweile fast die kompletten Kilometer bis dorthin auch tatsächlich selbst gefahren.

Die weitere Suche nach dem Übernachtungsplatz für den Tag gestaltete sich dann wieder etwas holprig. Bevor wir Ingo neben einer abgelegenen Schotterpiste parkten, mussten wir (Uwe 😘) wegen fehlenden Wendemöglichkeiten erstmal etwa 1 km rückwärts fahren. Das kommt dabei raus, wenn man mit der ersten Möglichkeit nicht zufrieden ist und meint, hinter der nächsten Kurve wäre es bestimmt viel schöner…

Montag, 13.04.2026

Durch unzählige betonierte Wasserfurten arbeiteten wir uns weiter Richtung Norden, es war nur schwer vorstellbar, wie die Straßen aussehen müssen, wenn diese Unmengen an Wasser die Berge herunterkommen. Die vielen trockenen Flußbetten waren auf jeden Fall von beeindruckender Breite.

Unser Ziel war der kleine Ort Amaicha del Valle und das dortige Museo Pachamama (Mutter Erde), das der Kultur der Diaguita-Calchaqui gewidmet ist. Schon 10 km vorher machte eine Skulptur in einem Kreisverkehr das Hauptthema klar, Fruchtbarkeit (der Erde) und das Leben.

Das von dem Künstler Héctor Cruz entworfene Museo Pachamama wurde 1996 eröffnet und fast vollständig aus lokalen Steinen wie Schiefer, Basalt und Quarz erbaut. Finanziert wurde das 10.000 m2 große Museum ausschließlich durch private Mittel des Künstlers, leider waren fast alle Säle bei unserem Besuch geschlossen. Der beeindruckende Außenbereich mit den Skulpturen sowie Fassaden und Böden aus Steinmosaiken machte das aber mehr als wett.

Im Anschluss schlenderten wir noch ein bisschen durch den netten Ort und wunderten uns über die vielen bunten Handabdrücke an den Hauswänden. In der Diaguita-Calchaqui Kultur sind diese Abdrücke ein tief verwurzeltes Symbol der lokalen Identität und bedeuten in erster Linie Besitz und Gemeinschaft, Schutz und Segen der Pachamama sowie die Verbindung zu den jahrtausendealten Höhlenmalereien der Region.

Nach einer kurzen Fahrt erreichten wir mit den Ruinen von Quilmes die Überreste einer befestigten Stadt aus etwa 800 n.Chr. Unseren zweiten Versuch, uns argentinische Ruinen anzuschauen, verschoben wir aber auf den nächsten Vormittag, netterweise durften wir auf dem Parkplatz vor der Anlage übernachten. Auf dem Weg zu den Ruinen begegnete uns noch eine Ziege mit Identitätskrise, eigentlich wollte sie Zebra werden…

Dienstag, 14.04.2026 bis Donnerstag, 16.04.2026

Die Nacht war begleitet von gelegentlichem lauten Iiiaahhh Iiiaahhh eines Wildesels, in dessen Wohnzimmer wir offenbar standen, ansonsten aber himmlisch ruhig. Und da Esel aus Utes Sicht sowieso fast alles dürfen, war das auch kein ernsthaftes Problem 😉.

Die Besichtigung der Ruinen begannen wir in der morgendlichen Kühle, den Aufstieg auf den nördlichen Aussichtspunkt legten wir noch im Schatten zurück, den anschließenden Rundgang durch die Anlage immer in Begleitung des freundlichen Ausgrabungshundes und unter den wachsamen Blicken einiger Lamas.

Die Stadt wurde zu ihrer Blütezeit etwa von 3.000 bis 5.000 Menschen der Quilmes Indianer bewohnt, die zum Volk der Diaguita gehörten. Über 130 Jahre lang leisteten sie erbitterten Widerstand gegen die spanischen Kolonialisten, bevor sie 1667 endgültig besiegt wurden. Die Überlebenden wurden im Anschluß zu einem 1.200 km Fußmarsch nach Buenos Aires gezwungen, den nur etwa 800 Menschen überlebten. Die Kultur der Quilmes ist heute wieder lebendig, die Ruinen werden von Angehörigen dieser Völkergruppe verwaltet und unterhalten. Absolut vorbildlich ist das dazugehörige kleine Museum mit fast allen Informationen auch auf Englisch, einen Flyer für den Gesamtüberblick gab es sogar auf Deutsch. Da können sich andere sehr viel bedeutendere Museen eine Scheibe abschneiden.

Zum Abschluss unseres Besuchs kam noch ein kleiner Fuchs vorbei, bevor wir mit schönen und nicht so schönen Aussichten mal wieder in eine Weinregion fuhren.

Unser Ziel war Cafayate, die Wiege des Torrontés, einer hocharomatischen Weißweintraube. Die Stadt ist das Zentrum der 520 Km langen „Ruta del Vino de Altura“ (Weinstraße der Höhe), an der alle Reben auf über 1.700 m wachsen. Der kleine und ganz hübsche Ort selbst wirkte komplett entschleunigt, eine Bodega reihte sich an die andere und im Gegensatz zu anderen Städten herrschte kein Mangel an Außengastronomie.

Das Beste an der Stadt war aber das Wiedersehen mit unseren lieben Reisefreunden Bettina und Michael. Ingo parkte auf dem örtlichen Campingplatz neben dem extrem sympathischen UAZ der beiden, nachmittags bummelten wir durch die Stadt und genossen im ziemlich schrägen „Casa de las Empanadas“ die angeblich besten Empanadas des Landes. So weit würden wir nicht gehen, zumindest waren es aber mit die Besten unserer gesamten bisherigen Reise ! Der Abend wurde mit hervorragendem Gulasch aus der UAZ Küche gekrönt – vielen Dank ihr beiden!

Tag zwei in Cafayate begann mit dem vorübergehenden Abschied von Bettina und Michael, setzte sich mit Wäsche waschen bzw. in der Wäscherei abgeben fort und war ansonsten gefüllt mit dem extrem zeitraubenden Versuch, an Bargeld zu kommen. Argentinien macht es Ausländern wirklich nicht einfach… An Geldautomaten bekommt man gar kein Geld oder nur zu absurd hohen Gebühren, Wechselstuben gibt es nicht überall, Western Union auch nicht. Eine Möglichkeit ist i.d.R. das Umtauschen von Dollar, vorausgesetzt man hat davon genügend auf seiner Reise dabei. Irgendwelche Geschäfte fungieren als halb offizielle Geldwechsler, man muss nur wissen, welche. Wenn man dann den richtigen Laden gefunden hat, ist meistens momentan nicht genügend Bargeld vorhanden oder das Geschäft befindet sich gerade im halbtägigen Siesta-Tiefschlaf. Alles etwas nervig, zumal Kartenzahlung oft nicht möglich ist oder nur mit 10% Aufschlag oder nur ab einer bestimmten Summe oder, oder, oder… Irgendwann hatten wir es geschafft, der Chef des Eis- und Sammelsurium-Ladens verschwand mit unseren Dollar im Hinterzimmer und kam mit argentinischen Pesos wieder heraus. Victoria multo labore parta !

Zur Belohnung gönnten wir uns abends eine Weinprobe in Chato‘s Winebar, einer Institution in Cafayate und Ungebung.

Sommelier Chato weiß alles über die Weine der Region, ist ein äußerst herzlicher Gastgeber und ein sehr unterhaltsamer Mensch. Wir entschieden uns für ein Tasting aus 5 verschiedenen Weiß- und Roséweinen incl. einer großen Wurst- und Käseplatte, lernten viel über den Weinanbau in diesen hohen Lagen und hatten einen sehr kurzweiligen Abend. Im Anschluß folgte ein Besuch in einem der gut sortierten Weingeschäfte im Ort, der Torrontés war zu gut, um ihn nicht mitzunehmen…

Als Dessert noch ein Weineis an der Plaza, dann waren wir reif für die Nachtruhe…

Morgen geht es weiter Richtung Salta, allerdings mit einem Abstecher nach Cachi, angeblich eines der schönsten Dörfer im Nordwesten Argentiniens.

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