Geschichte unterschiedlichster Art, klein Deutschland (oder so ähnlich…) in einem argentinischen Mittelgebirge, kleine grüne Männchen und extreme Wetterveränderungen. Wieder kamen wir in den Genuss unterschiedlichster Eindrücke, bevor wir so langsam wieder unsere Lieblingslandschaft, die Anden erreichten.

Unsere Route:
Donnerstag, 26.03.2026
Eigentlich wollten wir uns nur noch kurz von unseren chilenischen Nachbarn verabschieden (neben deren Lkw Ingo wie ein Zwerg wirkte), als es an unsere Tür klopfte. Davor standen zwei Damen der Gemeinde Arroyito und baten um ein Video-Interview. So langsam wurde das zur Gewohnheit… In diesem Fall erwischte es nur mich (Ute), Uwe war zu seinem Glück gerade nicht anwesend. Kaum hatte ich das hinter mich gebracht, sollte es auch noch ein Interview für den lokalen Radiosender sein – Live !! Und das alles mit meinem miesen Spanisch 🫣.


Etwas später als eigentlich gedacht starteten wir danach Richtung Sierras, einer Mittelgebirgskette östlich von Córdoba, das Etappenziel war die Stadt Alto Gracia. Dem Tipp einer Reisefreundin folgend (Danke Bettina!) wollten wir das „Museo Casa del Che“ besuchen, das sich dem Leben Che Guevaras widmet. Wir stellten Ingo neben den geschlossenen städtischen Campingplatz in einen hübschen Park – nachdem wir ein paar niedrige Äste mitgenommen hatten und verkehrt herum durch einen engen Kreisverkehr gefahren waren.


Das Casa del Che befindet sich in dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Guevara, in dem Ernesto „Che“ einige Jahre seiner Kindheit und Jugendzeit verbrachte. Che Guevara als Erwachsener hat vermutlich jeder vor Augen, das berühmte Portrait „Guerrillero Heroico“ ist eines der meistreproduzierten Bilder der Welt.

Ernesto „Che“ Guevara (1928-1967) war marxistischer Revolutionär, Arzt und Autor und ist wohl eine der umstrittensten Figuren des 20. Jhd. Für viele ist er ein Idol und Sinnbild für Widerstand, Aufopferung und den Kampf gegen Unterdrückung. Auf der anderen Seite setzte er seine Ziele während der Revolution mit Brutalität und Härte durch, er war verantwortlich für mindestens 150-200 Exekutionen im berüchtigten La Cabaña Gefängnis auf Kuba. Welcher Seite man auch anhängen mag, das Museum war gut gemacht, die nötigsten Informationen gab es auf Englisch, aus unserer Sicht war das ein lohnender Abstecher.








Freitag, 27.03.2026
Auf in „das deutsche Dorf“ in den Sierras! Die Strecke nach Villa General Belgrano führte seit langem mal wieder etwas bergauf und bergab. Die Straßen waren kurvig, wir passierten den ganz hübschen, aber sehr touristischen Stausee Los Molinos und man konnte Berge sehen, eine Wohltat nach tausenden km durch flache Pampa und Landwirtschaftsflächen.






Einen ersten Eindruck des durch deutschsprachige Einwanderer gegründeten Ortes bekamen wir schon auf der Durchfahrt auf dem Weg zu unserem Parkplatz. Puhhh… Was soll man sagen… Es wirkte alles ein bisschen wie eine Mischung aus einem typisch alpenländischen Skiort mit ein bisschen Disneyland gepaart mit den typischen Touristennepp-Straßen in Badeorten am Mittelmeer. Wir lernen es aber auch nicht, als wenn wir nicht schon vorher geahnt hätten, dass das nicht unser Ding sein würde… Aber wo wir schon mal da waren, gingen wir natürlich auch ein bisschen auf und ab.














Als Bayern verkleidete Argentinier, Matebecher neben Bierkrügen, lustige Hüte und ganz viele Deutschlandfahnen. Man sollte es nicht glauben, aber der Ort ist trotzdem für seine relativ gute (deutsche) Küche bekannt. Wir nutzten die Chance und gingen völlig wahllos zu „Fritz y Franz“, wo wir ein wirklich gutes Gulasch mit Spätzle bekamen. Als Abschluss erstanden wir noch hervorragendes Brot in einer kleinen Bäckerei, damit alleine war dieser Abstecher schon mehr als gerechtfertigt.




Ein paar Zahlen zu dem Ort: Villa General Belgrano hat ca. 10.000 dauerhafte Einwohner, empfängt aber insgesamt etwa 400.000 bis 600.000 Besucher jährlich. Alleine an den beiden Wochenenden des drittgrößten Oktoberfestes der Welt strömen bis zu 100.000 Menschen in die Stadt. In den Sommermonaten freuen sich die Hoteliers über eine Auslastung zwischen 95% bis 100%. Der relativ kleine Ort verfügt über 7.000 registrierte Gästebetten plus Campingplätze und Privatunterkünfte, in den beiden Monaten der Hauptsaison kommen so bis zu 70.000 Übernachtungsgäste zusammen. Die „Semana Santa“ (Osterwoche) verzeichnet Spitzenwerte von 30.000 Touristen alleine am Wochenende. Gut, dass wir eine Woche vorher da waren…

Uns hielt nichts in Villa General Belgrano, wir fuhren wieder ein Stück nach Norden und suchten uns in Los Reartes am dazugehörigen Fluß einen Platz. Gerade meinten wir fündig geworden zu sein, als das Ordnungsamt um die Ecke bog und uns freundlich erklärte, dass wir dort nicht bleiben könnten. Es gäbe aber 1 km weiter einen Platz für Wohnmobile, zwar nicht am Fluß, aber auch schön. Der „Campingplatz“ Las Acacias erwies sich dann als eine große Wiese, Duschen etc. waren noch im Bau, immerhin aber mit Ver- und Entsorgung, einem netten Betreiber, keiner nächtlichen Beleuchtung und ruhig gelegen, für eine Nacht nicht das Schlechteste und sowieso alternativlos.


Samstag, 28.03.2026
Zwei Tage mussten wir noch irgendwo zubringen, bevor wir am Montag (hoffentlich) unsere neuen Poster abholen konnten. Die Gegend um Villa General Belgrano war nicht so unser Ding, wir fuhren zurück nach Alta Gracia. Dieses Mal wählten wir den zentrumsnahen Park um den alten Bahnhof als Stellplatz. Zwar nicht so schön wie unser letzter Platz im Parque Garcia Lorca, auch sehr viel lauter, aber es war Sturm angesagt und wir wollten nicht unter Bäumen stehen.


Nachmittags besichtigten wir bei teilweise bedrohlich schwarzem Himmel das Museo Nacional Estancia Jesuitica de Alta Gracia, eines der beeindruckendsten Zeugnisse des Jesuitenordens in Argentinien. Seit dem Jahre 2000 gehört die außergewöhnlich gut erhaltene Anlage zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Jesuiten erwarben das Land im Jahre 1643 mit dem Zweck der wirtschaftlichen Absicherung der jesuitischen Bildungsarbeit, der Schwerpunkt lag auf Landwirtschaft und Textilherstellung. Vor dem Areal liegt ein künstlicher See, der Wasser für die Mühlen und die Bewässerung der Felder speicherte.


1767 wurden die Jesuiten vertrieben und das Anwesen ging in weltlichen Besitz über. 1968 wurden die privaten Eigentümer durch den Staat enteignet und die Anlage in ein Museum umgewandelt. Der Rundgang durch die verwinkelten Räume, den Garten und die Kirche war beeindruckend, obwohl die Tatsache, dass in den Werkstätten u.a. versklavte Menschen arbeiteten, komplett unterging. Zum Zeitpunkt der Vertreibung der Jesuiten lebten etwa 300 Unfreie in der Estancia.









Und wen trafen wir, als wir so durch die Gänge schlenderten ? Simone und Chris (two-walkabouts.de), die wir zuletzt in El Calafate gesehen hatten. Unsere Wege kreuzen sich seit der Baja California (Mexiko) Anfang 2023 zufällig immer mal wieder, die Welt der Reisenden ist klein… Die Zeit reichte für ein gemeinsames Eis zusammen mit ihren deutsch-argentinischen Freunden, was für ein schöner Zufall.


Auf dem Rückweg zu Ingo konnten wir im Stadtpark rund um den See erneut die Tradition der Merienda erleben. Menschen saßen zu zweit oder in Gruppen Mate trinkend auf Decken und Klappstühlen auf der Wiese. Keiner hatte ein Telefon in der Hand, die Leute unterhielten sich tatsächlich, unglaublich 😉.


Sonntag, 29.03.2026
Wir zogen um. Die neben uns unter dem Vordach des alten Bahnhofsgebäudes lebenden Obdachlosen zeichneten sich nicht unbedingt durch guten und ruhigen Schlaf aus, dazu kamen Verkehrslärm und Hundegebell. Wir fuhren wieder zurück in den schon bekannten Parque Gracia Lorca und parkten unter den selben Schatten spendenden Bäumen wie das erste Mal.


Den Spaziergang durch den hübschen Park hielten wir kurz, 31°C im Schatten waren nicht besonders einladend für ausgedehnte Wanderungen.
Montag, 30.03.2026
Auf nach Rio Segundo, unsere neuen Polster warteten. Kurz bevor wir an der Werkstatt ankamen bekamen wir noch eine Whatsapp von Carlos, „Listo !“ (fertig). Super, wir freuten uns. Leider stellte sich relativ schnell heraus, dass er eine Rückenlehne komplett vergessen und sich bei einem Sitzpolster um ca. 10 cm in der Breite vermessen hatte. Grrrrr… Alles ärgern half aber nichts, die beiden fehlenden Teile sagte er uns für den nächsten Morgen zu. Alles, was fertig war, sah aber klasse aus, Material und Verarbeitung passten, auch wenn millimetergenaues Messen nicht unbedingt zu Carlos Kernkompetenzen gehört…

Wir fuhren wieder zu der uns schon bekannten YPF Tankstelle, wir mussten dringend Wäsche waschen, eine Waschmaschine gehört dort zum Angebot für die Trucker. Abgesehen davon war die Nacht an dieser Tankstelle vor ein paar Tagen sehr viel leiser als die vorherige in Alta Gracia, in der wir es mal wieder mit schlaflosen Moped-Cruisern ohne Auspuff und Hirn zu tun hatten. Leider stellte sich heraus, dass es an der YPF keinen Trockner gab, Wäsche an einer Tankstelle neben Sattelzügen zum Trocknen aufzuhängen, hat man ja auch nicht alle Tage… Bei 35°C im Schatten mussten die Sachen aber auch nicht allzu lange auf der Leine im Staub bleiben. Der Rest der Waschladung in Form von Bettwäsche und Handtüchern musste warten bis zum nächsten Waschsalon.


Dienstag, 31.03.2026
Aller guten Dinge sind drei. Wie verabredet kamen wir morgens bei Carlos an, nur um schnell festzustellen, dass er sich bei dem Sitzpolster noch einmal vermessen hatte. Dieses Mal war es 10 cm zu lang. Aber immer noch besser als zu kurz, abschneiden ist besser als annähen…🫣. 1,5 Stunden später war dann aber tatsächlich alles korrigiert und fertig, uns gefiel unser Ledersofa super gut und wir konnten endlich die Gegend um Rio Segundo verlassen.



Trotz diesem ganzen Chaos würden wir Carlos aber weiterempfehlen, seine Arbeit ist qualitativ richtig gut, Preis/Leistung passte und außerdem ist er ein netter Mensch 👍.
Nachdem wir den Großraum Córdoba verlassen hatten, wurde es spürbar hügeliger, die Straße stieg stetig an, endlich gab es mal wieder etwas zum „dagegen gucken“ und nicht nur Mais und Soja.


Unser Etappenziel war der Rio San Ignacio o Dolores in San Esteban. Wie so häufig in Argentinien gab es am Fluß unzählige Grillmöglichkeiten und hübsch angelegte Wege durch eine gepflegte Grünanlage. Und wieder war das Übernachten im Wohnmobil netterweise erlaubt, wenn auch in diesem Fall gegen Gebühr, die aber niemand zum kassieren kam.




Mittwoch, 01.04.2026
Gerade einmal 10 km betrug unsere Tagesetappe nach Capilla del Monte. Die Stadt ist das argentinische Zentrum für Ufologie und Esoterik. Der fast 2.000 m hohe Hausberg Cerro Uritorco gilt weltweit als Hotspot für UFO-Sichtungen und energetische Phänomene. Tief unter dem Cerro Uritorco und Teilen der Stadt existiert die hochtechnisierte außerirdische Stadt ERKS (Encuentro de Remanentes Kosmicos Siderales, was ungefähr so viel heißt wie „Versammlung von Bewohnern aus dem intestellaren Kosmos“). Leider konnten wir ERKS nicht besichtigen, die Stadt öffnet sich nur denjenigen, die eine bestimmte „spirituelle Frequenz“ erreicht haben – und damit waren wir raus… Zumindest parkten wir Ingo aber etwas außerhalb mit Sicht auf den Uritorco, vielleicht würden wir ja nachts ein Licht aus ERKS entdecken 😉👽.

Capilla del Monte selbst ist eine sympathische kleine Stadt. Die Themen UFOs, Außerirdische und Esoterik sind überall präsent, das jährlich stattfindende Alien-Festival hatten wir leider knapp verpasst und für die Vorträge im UFO Informationszentrum war unser Spanisch zu schlecht. Wir beließen es bei einem amüsanten Bummel durch das Zentrum und einem Kaffee in der Calle Techada, der ersten überdachten Straße Lateinamerikas, die allerdings nur etwa 300 m lang ist…














Von unserem Stellplatz am Stausee Dique El Cajón hatte man eine hübsche Aussicht über den See, die 39 m hohe Staumauer lag nur einen Steinwurf entfernt und wir waren energetisch gut behütet durch eine Madonna-Buddha-Kombination als Symbol für die Welteinheit, einen Quarz als Energieverstärker und die Pyramide del Dique, welche die Energie bündelt. Die Kombination der drei Symbole verkörpert den „spirituellen Synkretismus“, nichts wird ausgeschlossen, alles fließt zusammen. Aha… Was sollte da noch schiefgehen?








Abends hatten wir dann auch noch das große Glück, Zeugen einer Ufo-Landung auf dem Cerro Uritorco zu werden. Oder waren es doch die ERKS ? Man weiß es nicht… Profanes Wetterleuchten war es sicher nicht !




Gründonnerstag, 02.04.2026
Bevor wir diese doch sehr spirituelle Ecke verließen, schauten wir uns noch ganz weltlich einen Schuh an. „El Zapato“ ist eine natürliche Felsformation aus Granit, die wirklich exakt wie ein Schuh aussieht. Betreut wird das Gelände von der Fundación UPIS (Unidos por la Inclusión Social), einer Stiftung, die sich um die Integration behinderter Menschen kümmert, alle Mitarbeiter auf dem Gelände haben irgendein Handicap. Dafür ist der kleine Eintritt gut investiert!




Was dann folgte, war mal wieder eine dieser 200 km langen ermüdenden Etappen ohne nennenswerten Abwechslungen oder Kurven. Die Vegetation änderte sich, der Straßenbelag nach Verlassen der Region Córdoba leider auch, das war es dann aber auch schon.





Im Ort Chamical reichte es uns, wir steuerten mal wieder einen Stadtpark an. Der aufwändig gestaltete Parque 21 de Agosto wurde offenbar erst 2022 eröffnet, wirkte aber schon wie ein lost Place. Ein paar Schilder waren neu und es gab Menschen, die sich um den Unterhalt kümmerten, trotzdem war das Gelände menschenleer, die Ameisen hatten die Herrschaft übernommen… Wir parkten in der Nähe des nicht (mehr) besetzten Polizeihäuschens und freuten uns bei 30° über jede Wolke und jeden Luftzug.




Karfreitag, 03.04.2026
Wieder 200 km, wieder fast immer geradeaus und wieder durch Landwirtschaft. Dieses Mal waren es statt Mais und Soja allerdings Wein rechts und Oliven links. Mindestens 40 km lang stand ein Olivenbaum am anderen, geschätzt waren es etwa 150 km2 Anbauflächen. So viele Oliven hatten wir noch nie auf einem Haufen gesehen, leider hatten wegen des Feiertags alle Verkaufsstände geschlossen.


Zunächst noch in weiter Ferne, dann immer näher kamen die roten Berge der Sierra de Famatina in Sicht. Die Fahrt über die berühmte Passstraße Cuesta de Miranda durch einen Teil des Gebirges verschoben wir auf einen anderen Tag, es war schlechtes Wetter vorausgesagt und diesen Naturgenuss wollten wir bei Sonne erleben.




Auf dem weiteren Weg nach Chilecito, wo wir die kommenden Regentage aussitzen wollten, fiel uns ein riesiger Berg Wasserflaschen am Straßenrand auf. Er gehörte zu einer großen Gedenkstätte für die Difunta Correa. Es ist immer wieder faszinierend, wie hingebungsvoll u.a. dieser „Heiligen“ gedacht wird und Geschenke abgelegt werden. Zeitgleich mit uns waren zwei Motorradfahrer vor Ort, die der Difunta eine gefüllte Wasserflasche brachten (Erklärung zur Difunta Correa s. Wikipedia englisch, oder unseren Blogbeitrag vom 10.12.2025).





In Chilecito angekommen folgten wir für die Anfahrt zum Camping Inti Huasi nicht unserem Bauchgefühl, sondern den Wegweisern des Platzes, was uns einen Slalom durch mehrere tief hängende Kabelsalate einbrachte, zum Glück machten wir niemanden stromlos. Fotos davon gibt es leider keine, unsere Blicke waren starr nach oben gerichtet… Der liebevoll gestaltete Campingplatz entschädigte dann aber für die unentspannte Anfahrt, wir quetschten Ingo auf einen der beiden für uns möglichen Plätze und warteten auf Abkühlung.






Samstag, 04.04.2026 bis Ostermontag, 06.04.2026
Die Abkühlung kam schneller und drastischer als gehofft. Samstag war es schon etwa 10°C kühler, am Ostermontag wachten wir bei 9°C Außentemperatur auf, da lief doch tatsächlich mal wieder die Heizung… Das Ganze bei ungemütlichem Nebel-Nieselregen-Bähhh, so hatten wir uns das nicht vorgestellt. Trotzdem fuhren wir weiter, Kultur stand auf dem Programm. In Chilecito befindet sich mit der „Cable Carril Chilecito-La Mejicana“ eines der beeindruckendsten Industriedenkmäler Argentiniens.

Die Seilbahn wurde zwischen 1903 und 1905 von der deutschen Firma Adolf Bleichert & Co. aus Leipzig erbaut, um Gold- und Kupfererze aus dem Famatina-Gebirge abzutransportieren. Mit einer Länge von 35 km und einem Höhenunterschied von über 3.500 m (von ca. 1.070 m auf 4.600 m) war sie damals die längste und höchstgelegene Seilbahn der Welt.


Die Dimensionen des Baus sind beeindruckend. Das gesamte Material musste in eine der unwegsamsten Regionen der Anden transportiert werden. In der Hochphase arbeiteten bis zu 2.000 Menschen gleichzeitig unter extremsten Bedingungen, Hitze im Tal bis zu Kälte, Schnee und Sauerstoffmangel auf 4.600 m üNN. Das komplette Baumaterial wurde von insgesamt etwa 10.000 Maultieren transportiert. Die mehrere Tonnen wiegenden Seilabschnitte wurden in Schleifen auf den Rücken hunderter Mulis gleichzeitig befestigt und „in einer Schlange“ den Berg hinauf transportiert. Der gesamte Bau war eine menschliche, technische und logistische Meisterleistung.


In Chilecito befindet sich bei der Talstation „Estación 1“ ein kleines Museum, dass einen guten Gesamteindruck über den Bau und Betrieb der Anlage vermittelt – auf Spanisch… Auch wenn wir nicht alles verstanden, interessant und informativ war es trotzdem.








Unseren eigentlich geplanten Besuch der Estación 2 brachen wir ab, die Station auf 1.540 m Höhe verschwand im Nebel, man sah die Hand vor Augen nicht. Der Ausblick in das Tal zeigte die tief hängenden Wolken, wir verschoben die Besichtigung auf den kommenden Tag und fuhren in die roten Berge der Famatina Gebirgskette.


Die sog. „Cuesta de Miranda“, gilt als das „rote Herz“ der Andenvorgipfel und als eine der schönsten Abschnitte der legendären Ruta 40. Die top ausgebaute Straße führt mit insgesamt über 400 Kurven durch mit Kakteen und Sträuchern bewachsene tiefrote Felsen, immer auf einer Höhe von etwa 2.000 m und bietet phantastische Ausblicke. Es ließ sich auch alles gut an, der Himmel war blau, die Felsen wechselten von grau zu rot. Im Laufe der Strecke zog es sich aber immer mehr zu, am Ende war die Sicht gleich Null.







Wir gaben auf, an unserem sowieso angedachten Wendepunkt parkten wir bei 7°C an einem Aussichtspunkt mit Blick auf die alte Ruta 40 und waren froh, dass wir es nicht mehr mit dieser einspurigen Schotterstraße über dem Abgrund zu tun hatten. Tatsächlich wurde es im Laufe des Nachmittags aber immer heller, das ließ hoffen für den nächsten Tag.



In etwa einer Woche wollen wir in Salta sein, dem „Eingangtor“ in die Puna. Die Hochwüste steht schon lange ganz oben auf unserem Reise-Wunschzettel, aber auch die kommenden 700 km dorthin versprechen tolle Landschaften und Eindrücke. Wie immer sind wir gespannt und freuen uns !
Die Wolken mit dem Wetterleuchten am Cerro Uritorco waren aber wirklich eine beeindruckende Show!
Da wurde Euch schon einiges geboten.
😃
Danke für Euren Bericht und viel Spaß in der Puna rund um Salta. Die Routa 68 ist super schön. Liebe Grüße von Antje und Gerald