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Italien 09/2020 – 01/2021

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4 Monate, 3 Wochen und 1 Tag waren wir in Italien unterwegs.

Unsere Grobroute:

Quelle: Italien.de

Ute:

Irgendwo bellt immer ein Hund, irgendwo brennen immer Gartenabfälle und irgendwo liegt immer Müll rum. 

Den Eindruck könnte man haben, wäre aber zu einfach. Zum einen trifft das eigentlich nur auf den Süden zu und zum anderen stimmt es ehrlicherweise auch nicht. Es brennt nicht immer irgendwo…

Italien hat uns viele Gesichter gezeigt:

Unglaublich nette, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen, tolle Landschaften, schönes Wetter, guten Kaffee, leckeren Wein und eine angenehme Atmosphäre. 

Aber auch wahnsinnig viel Müll in der Landschaft, viele Straßenhunde, Bauruinen en masse, hässliche Städte und Straßen in miserablem Zustand. 

Ich mag dieses Land und mochte es schon immer. Die herzliche Art der Menschen, die Sprache, in der alles nach Drama klingt und die Zufriedenheit, die in großen Teilen der Bevölkerung vorzuherrschen scheint. 

Uwe:

Ein tolles, interessantes und sehr abwechslungsreiches Land, teilweise schönen Gemeinden in Verbindung mit ganz faszinierenden Landschaften und Kulturgütern sowie netten zuvorkommenden Menschen.

ABER: Ein deutlich wahrnehmbares Nord-Süd-Gefälle in der Wirtschaftskraft, sichtbar an häufig nicht fertiggestellten alten Rohbauten und verlassenen Häusern, am Müll in der Landschaft und an Straßen, die streckenweise von aufgeplatzten Müllsäcken gesäumt sind.

Wahrnehmbar ist aber auch, dass es auch in Süditalien Kommunen gibt, die offensichtlich Wert auf Umweltschutz legen und wo kein Abfall herumliegt. 

Mich faszinierte die Entspanntheit der Menschen bei allen Gelegenheiten, allen Vorurteilen zum Trotz wurde „Ingo“ ganz oft Platz gemacht und sehr rücksichtsvoll gefahren, dies trug auch zu unserer Entspanntheit bei.

Nur drei Beispiele:

Nach einer etwas unruhigen Nacht bei IKEA, die naheliegende Autobahn störte unseren Schlaf ein wenig, ging es für uns weiter Richtung Süden. 

Das Ziel war ein Platz an der Steilküste bei Siracusa. Die Strecke führte entlang einer schier endlosen Strandpromenade und wurde immer enger und zugewachsener. Die letzten Meter waren wirklich sehr holprig und haben uns das erste Mal den Unterfahrschutz hochklappen lassen. Der Platz hat das aber alles wettgemacht. Im Sommer bestimmt sehr überlaufen, waren jetzt nur ein paar Spaziergänger unterwegs und abends und nachts war es himmlisch ruhig und einsam. 

Die Woche in Torrenova haben wir u.a. dazu genutzt, Ingo von dem Staub und getrockneten Matsch der vergangenen Stellplätze zu befreien, ein bisschen technischen Service durchzuführen und uns mit der Stellplatzsuche für Silvester zu beschäftigen. 

Unsere Weihnachtsvorbereitungen hielten sich in Grenzen. Bei Sonne, Strand und teilweise um die 20° fiel es uns schwer, in Festtagsstimmung zu kommen. 

Die Weiterfahrt Richtung Norden führte durch ca. 40 Km Plastik. Gewächshäuser so weit das Auge reicht, wir waren froh diese Gegend hinter uns zu lassen.

Unterwegs durchquerten wir u.a. Gela und Licata, beides sehr spannende Ortsdurchfahrten. Es war Sonntag und die Städte waren voll. Es machte den Eindruck, als ob alle Einwohner zum Weihnachtsshopping auf den Straßen und in den Geschäften waren. So diszipliniert die Bevölkerung in Bezug auf die Coronaregeln hier sonst wirkt, hier war von Abstand etc. keine Rede mehr…

Die Nacht verbrachten wir auf dem Stellplatz eines sehr geschäftstüchtigen Betreibers in San Leone bei Agrigento. Abgesehen davon dass Ingo mal wieder zu groß für das Gelände des „Albachiara“ war, hatten wir Mühe nicht mit literweise Wein und Olivenöl wieder vom Hof zu fahren. Natürlich alles selbstgemacht und supergünstig… 😉

Ich bin Lui und habe es wirklich nicht leicht.

Als Welpe mit meinen Geschwistern auf Sardinien ausgesetzt, dann im Tierheim mit der Flasche aufgezogen und danach mit ganz vielen anderen in einem Zwinger die ersten Monate meines Lebens verbracht. Ich kann mich nicht genau erinnern, was genau da alles passiert ist, schön war es auf keinen Fall ! Und das einzige, was ich gelernt habe ist, dass Angriff die beste Verteidigung ist. 

Eigentlich wollten wir jetzt wieder unterwegs sein, auf Grund der immer noch aktuellen Bewegungseinschränkungen stehen wir aber immer noch auf dem Agricampeggio Alessandra-und das auch wahrscheinlich noch für mindestens 3-4 Wochen…

Wir hatten die Wahl: Entweder hier bleiben, nach Heidenheim zurück oder verbotenerweise weiter über Sizilien fahren. Nach Hause zieht es uns immer noch nicht und auf evtl. geschlossene Stellplätze oder Diskussionen mit den hiesigen Ordnungshütern hatten wir auch keine Lust. 

Hier wissen wir, was wir haben, der Platz ist OK, die Umgebung auch, trotzdem fängt es an langweilig zu werden. 

Der Plan war ja eigentlich bis 20.11. auf dem Agricampeggio Alessandra zu bleiben und dann weiter zu ziehen, um uns die Insel anzusehen. Momentan sieht es ganz danach aus, als ob unser Aufenthalt hier sich etwas verlängert.

Italien ist mittlerweile in 4 Coronazonen eingeteilt: grün (gibt es nicht…), gelb, orange (dazu gehört Sizilien) und rot. Orange bedeutet, wir dürfen uns bewegen, allerdings nur innerhalb der „Commune“, also des Ortsgebietes. Nach ganz kurzer Überlegung haben wir uns entschlossen, das Ganze hier erstmal auszusitzen, eine mögliche Rückkehr nach Heidenheim war für uns keine Option. Auf dem Platz hier stimmt die Infrastruktur, wir haben wenig Sozialkontakte (und die nur draußen und mit Abstand), das Wetter ist schön, der Strand nah, Lui kann sich frei bewegen und Einkaufsmöglichkeiten sind im nächsten Ort vorhanden. Mal sehen, vielleicht können wir Sizilien noch umrunden, wenn sich die Lage wieder etwas entspannt hat-momentan fühlen wir uns hier wohl und sicher.

Einen Tag vor dem Lockdown sind wir nochmal mit den Fahrrädern ins ca 10 km entfernte Sant‘Agata di Militello zum Einkaufen gefahren. Dort ist einer der wenigen „Eurospin“ weit und breit, ein relativ großer Discountsupermarkt. Als wir ankamen bestand die Schlange vor dem Eingang aus 6 Leuten, als wir wieder draußen waren standen die Menschen über den halben Parkplatz an. Wir waren nicht die einzigen die den letzten Tag mit freier Bewegungsmöglichkeit dazu genutzt haben die Vorräte aufzufüllen…

Unsere Tage hier sehen eigentlich alle gleich aus-typischer Standurlaub 😉. Erste Hunderunde gegen 7.30, spät frühstücken, gegen frühen Nachmittag mit Lui am Strand spazieren gehen, von Zeit zu Zeit mal Wäsche waschen, putzen und einkaufen. Uwe geht ab und zu ins Meer und ansonsten gammeln wir bei strahlendem Sonnenschein eigentlich nur rum 😎. Die Tage sind warm, die Abende kalt, Regentage extrem selten – perfektes Überwinterungswetter.

Ansonsten beschäftigen wir die italienische Post mit der Auslieferung unserer diversen Bestellungen. Kaffeemühle, Wifi-Verstärker (Danke an Philip für die Weiterleitung und die Beigabe von Mon Cherie und Eszet-Schnitten 👍), unterwegs verloren gegangene Aschenbecher und Falteimer, Hundefutter etc.

Zwischendurch stand Christian mit seinem zum Camper / Shirtmobil umgebauten Rettungswagen auf dem Campingplatz und hat Uwe ein T-Shirt mit unserem Logo bedruckt. Klasse geworden-vielen Dank dafür ! 👍

Meinen Geburtstag habe ich das erste Mal im Süden verbracht und es sehr genossen, den Morgenkaffee in kurzer Hose und T-Shirt draußen zu mir zu nehmen und einen herrlichen Nachmittag am Stand zu verbringen.

Uwe hat mir unter erschwerten Bedingungen einen Birnen-Walnuß-Schoko-Crumble gebacken. In sämtlichen Supermärkten waren keine gemahlenen Mandeln zu bekommen. Kokosflocken und Pistazienmehl en masse, aber Mandeln nur als Ganzes. In Ermangelung einer Mühle wurden die Mandeln mit dem Hammer zu Mehl verarbeitet – hat super funktioniert und das Ergebnis war total lecker !!! Vielen Dank für die Mühe und den schönen Tag 😘.

Mal sehen was die nächste Zeit so bringt. Wie gesagt, momentan fühlen wir uns hier gut aufgehoben, genießen die reisefreie Zeit, freuen uns aber auch auf die Weiterfahrt und den Rest von Sizilien.