Paraguay ist ein gern genommenes Einwanderungsland für Europäer, es bietet steuerliche Vorteile, eine unkomplizierte Bürokratie und persönliche Freiheit. Die Reiseführer bewerben es gerne als Geheimtipp für Reisende. Auswandern wollen wir nicht und das Geheimnis hinter dem Land konnten wir nicht ergründen.

Unsere Route:

Freitag, 05.06.2026

Nach dem morgendlichen Besuch der Iguazú Wasserfälle machten wir uns auf den Rückweg nach Paraguay. Die Ausreise aus Brasilien stellte die Einreise in Sachen Chaos locker in den Schatten. Freitag Mittag, gefühlt halb Brasilien wollte nach Paraguay in das angebliche Shoppingparadies Ciudad del Este, etwa 2 km vor der Grenze begann der Stau. Aus 2 Spuren werden 4 gemacht, wer nachgibt verliert, wer jemanden einscheren lässt, wird des Landes verwiesen, Motorradfahrer bremsen nie, hupen ist völlig sinnlos, Größe beeindruckt in keinster Weise. So ungefähr waren die Regeln auf dem Weg zur Grenze, auf der Brücke zwischen Brasilien und Paraguay und in Ciudad del Este in Paraguay. Die Grenzformalitäten selbst liefen völlig geschmeidig, wenn man in dieser Anarchie das Auto irgendwo los geworden war…

In die Gegenrichtung sperrte die Polizei irgendwann die Zufahrten zur Grenze, das Chaos Richtung Brasilien war noch größer und wurde durch diese Maßnahme nicht besser. Irgendwann hatten wir die Stadt verlassen, allerdings nicht ohne vorher noch einen innerstädtischen Supermarkt angesteuert zu haben, dessen Parkplatz eigentlich zu klein und zu voll für Ingo war. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wurden wir kurz hinter der Stadt von der Polizei angehalten, weil wir mit unserem Wohnmobil nicht in die Lkw-Wiegestation gefahren waren. In jedem unserer bisher bereisten Länder waren wir an diesen Stationen vorbeigefahren bzw. durchgewunken worden, nicht so in Paraguay. Aus den zunächst aufgerufenen 300€ Bussgeld wurde nach ein bisschen Hin und Her eine kostenlose Verwarnung. Ob es an der Weigerung zur Barzahlung und der Forderung nach einem Beleg lag, entzog sich unserer Kenntnis…

Unser erster anvisierter Stellplatz nach ca. 50 km erwies sich als ungeeignet, die Alternative war der ziemlich enge Vorgarten von „Le Chef Cedric“, einem gastfreundlichen Koch und Hostelbetreiber aus der französischen Schweiz. Was für ein Tag…

Samstag, 06.06.2026

Wir begannen den Tag entspannt mit einem von Cedric servierten französischen Frühstück incl. Baguette und Croissant und machten uns im Anschluss mal wieder auf den Weg in eine deutsche Kolonie. Zwischenstopp Nr. 1 lag noch im Ort und war die örtliche Käserei, wir erstanden echten Appenzeller und einen Ziegenkäse. Viele europäische Einwanderer in einem Land können für Reisende von Vorteil sein 😉. Nächster Halt war der Fabrikverkauf des größten Milchverarbeitungsunternehmens Paraguays. Lactolanda wurde ursprünglich von mennonitischen Siedlern gegründet und verarbeitet heute über 50% der gesamten Milch des Landes. Der riesige Laden wartete mit unglaublich niedrigen Preisen und v.a. einer etwa 15 m langen Softeis-Theke auf. Seeehr lecker !

Unser Ziel des Tages war Independencia, eine 1919 von deutschen Einwanderern gegründete Kolonie. Als erstes steuerten wir die bei Reisenden legendäre „deutsche“ Metzgerei Willy an und deckten uns mit Thüringer Würstchen und Leberkäse ein. Über solche Oasen freut sich der Langzeitreisende 🙂.

Unseren Stellplatz fanden wir beim Deportivo Alemán, dem deutschen Sportverein in Independencia. Ursprünglich wurde der Verein gegründet, um den deutschen Einwanderern und ihren Nachkommen einen sozialen und sportlichen Treffpunkt zu schaffen, heute gilt er als das kulturelle und gesellschaftliche Herzstück der gesamten Region. Wir durften mit Ingo kostenlos auf dem riesigen Gelände übernachten und kamen in den Genuss guter deutscher Küche incl. Weißbier aus Bamberg im angegliederten Restaurant. Die Atmosphäre erinnerte an ein ländliches Vereinsheim Ende der 80er Jahre auf der schwäbischen Alb, alle anwesenden Gäste waren deutschsprachig, Chef Rony sowieso, fast „wie daheim“ – nur sehr viel günstiger…

Jedes Jahr Ende Oktober findet auf dem Gelände des Sportvereins das sog. Chopp Fest statt, das größte, älteste und bekannteste Oktoberfest des Landes. Es erreicht Besucherzahlen von bis zu 20.000 pro Tag, wir waren nicht böse, dieses Event verpasst zu haben. Nach zwei ruhigen Nächten verabschiedeten wir uns und fuhren weiter Richtung Asunción, der Hauptstadt Paraguays.

Montag, 08.06.2026 bis Mittwoch, 10.06.2026

Unmöglich konnten wir Independencia verlassen, ohne noch einmal bei der Metzgerei Willy und dem örtlichen Supermarkt mit großer Importado-Ecke anzuhalten. Dieses Mal wanderten u.a. frische Brezeln, Sauerkraut und Schokolade in den Einkaufswagen.

Auf der folgenden Strecke konnten wir gleich das Gelernte vom vergangenen Freitag umsetzen, wir fuhren wie angeordnet durch die Wiegestation für Lkw. Völlig sinnlos, aber was soll‘s… Wenn die Obrigkeit das wünscht…

In dem kleinen Ort Sapucai wollten wir uns das Eisenbahnmuseum ansehen, eines der bedeutendsten industriellen Denkmäler des Landes. Die paraguayische Eisenbahn war im 19. Jh. eine der ersten in Südamerika, das Museum beherbergt u.a. eine Werkstatt mit riesigen Industriemaschinen sowie den Präsidentenwaggon. Geöffnet ist es täglich, leider aber nicht an diesem Tag, warum auch immer. Das bekannte (südamerikanische) Phänomen, an der Tür hängt ein bunt blinkendes „Abierto“ Schild, die Tür ist aber fest verschlossen, wenn es den Laden überhaupt noch gibt. Nervig!

Also unverrichteter Dinge weiter zum Camping Pequeña Baviera, einem kleinen Campingplatz in der Nähe von Asunción. Empfangen wurden wir vom etwa 10 jährigen Sohn der deutschen Betreiber-Familie, wir bekamen eine top Einweisung, leider schätzte der Junge aber Ingos Gewicht in Bezug auf den Untergrund falsch ein. Ingo versank fast knietief in der schiefen Wiese, dank Mitteldifferential aber nur ein Problem für die Wiese und nicht für uns.

Letztlich fanden wir einen Platz mit festem Untergrund auf dem uncharmanten Storage Areal, umgeben waren wir u.a. von zwei kleptomanischen Nandus, einem übergewichtigen Hahn, zwei Katzen, drei Hunden und v.a. einem (aus unserer Sicht) etwas nervigen Kapuzineraffen. Für unseren Geschmack kein Traumplatz, dafür waren aber die Betreiber sehr nett und die Duschen super.

Mittwoch, 10.06.2026 bis Freitag, 12.06.2026

Nach zwei Tagen hatten wir genug und fuhren weiter. Den eigentlich geplanten Besuch von Asunción strichen wir spontan aus dem Programm, das Wetter war schlecht und v.a. hatten wir keine Lust auf eine weitere Stadt mit einem äußerst überschaubaren attraktiven Zentrum. Vielleicht taten wir der Hauptstadt unrecht, aber außer der zentralen Plaza gibt es scheinbar nicht viel Sehenswertes, solche Städte hatten wir schon zuhauf besucht und brauchten nicht noch eine weitere.

Es schüttete wie aus Kübeln, kein schönes Wetter für unser 6-jähriges Reisejubiläum… Unglaublich, vor sechs ereignisreichen, schönen, spannenden, aber auch nicht immer einfachen Jahren waren wir mit Ingo in Elmshorn vom Hof gerollt. Wir freuen uns auf die nächsten, wo auch immer es uns hintreiben wird.

Aufgrund der Wetterlage mieden wir alle unbefestigten roten Matschstraßen und nahmen lieber einen asphaltierten Umweg von ca. 50 km in Kauf. Nach gefühlt ungefähr 5.000 Topes (Bodenschwellen) und insgesamt 300 km nervigen und zähen Kilometern erreichten wir kurz vor der Dämmerung die Laguna Blanca. Ohne ein bisschen roten Matsch ging es aber natürlich trotzdem nicht ab, die ersten 1,5 km und die letzten 3,5 km bestanden aus nassem und teilweise weichem roten Sand.

Wir richteten uns für die kommenden zwei Nächte auf dem großen Parkplatz der Freizeitanlage am Seeufer ein und saßen das miese Wetter aus. Die Laguna Blanca gilt als „kleine Karibik“ und bester Strandersatz für das Binnenland Paraguay ohne Meerzugang. Die Uferbereiche bestehen aus feinem weißen Sand, das Wasser ist glasklar, das Gebiet um die Lagune ist geschützt, alles nett also – nur eben das Wetter nicht. In einer der wenigen Regenpausen erkundeten wir das überwiegend gepflegte Gelände, fanden natürlich wieder Kaninchenkäuze und ließen die Drohne fliegen. 90% der Zeit saßen wir aber in Ingo und lauschten dem Regentrommeln auf dem Dach.

Morgen werden wir Paraguay früher als ursprünglich angedacht verlassen und nach Brasilien einreisen. Bis zum Schluss wurden wir nicht richtig warm mit diesem Land. Die Landschaft empfanden wir als etwas eintönig, die Straßen abseits der asphaltierten Hauptrouten nervten in trockenem wie in nassem Zustand. Überall hat man den roten Sand bzw. Matsch – an und in Ingo und an den Schuhen und Hosen, über allem liegt ein roter Schleier, noch nirgends vorher hatten wir rote Schafe und Hunde gesehen. Die deutschen Kolonien waren eine willkommene Einkaufsabwechslung, wir freuten uns über gutes Brot und z.B. Leberkäse, mit Südamerika, wie wir es kennenlernen durften, haben diese Gegenden nicht viel zu tun. Natürlich sahen wir nur einen Bruchteil des Landes , auf den Rest sind wir aber auch nicht neugierig…

Jetzt sind wir sehr gespannt auf Brasilien und freuen uns auf das Land, das man v.a. mit Karneval, Lebensfreude, Samba, Fußball und Stränden verbindet.

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2 Kommentare
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Uta
Uta
1 Monat zuvor

Liebe Grüße und Glückwünsche zu Eurem 6-jährigen Reisejubiläum! Auf dass Euch der Spaß und die Neugier nicht ausgeht. 😘

Frank Dzierzon
Frank Dzierzon
1 Monat zuvor

Herzlichen Glückwunsch zum sechsjährigen Jubiläum 👍, wir wünschen Euch noch unzählige schöne Ereignisse auf Eurer Reise und freuen uns auf ein Wiedersehen.
LG
Ulli und Frank

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