Die Küste des Bundesstaates Santa Catarina in Südbrasilien ist etwa 500 km lang, landschaftlich extrem abwechslungsreich, reich an Kolonialgeschichte, Walen und Delfinen – und Hochhäusern.

Unsere Route:
Montag, 03.07.2026
Irgendwie hatten wir es ja geahnt… Pomerode, „die deutscheste Stadt Brasiliens“ riß uns nicht vom Hocker. Die Stadt machte einen äußerst aufgeräumten Eindruck, es gab Gehwege, die man auch benutzen konnte, wir sahen ein paar nette Fachwerkhäuser, viele weiß-blaue Fahnen, pseudo bayerischen Andenkenkitsch, Cafés mit Torten und Strudel, das war es dann aber eigentlich auch schon.














Die Stadt wurde im 19. Jhd. von Einwanderern aus Pommern gegründet, angeblich sprechen bis heute viele Bewohner Deutsch als Zweitsprache, wir haben allerdings zunächst nirgendwo Deutsch gehört. Ingo parkte neben einem 16m hohen Osterei und nach dem etwas ernüchternden Stadtbummel am Nachmittag machten wir uns abends auf die Suche nach typisch deutscher Küche – wo wir schon mal da waren… Gelandet sind wir im Biergarten Pomerânia mit deutschem Küchenchef und Live Musik. Der brasilianische Akkordeonspieler hatte die Texte der süddeutschen Volkslieder offensichtlich nur abgelesen, ohne die Sprache zu verstehen, was dabei herauskam, war teilweise wirklich lustig. Der Koch verstand sein Handwerk deutlich besser, insgesamt versöhnte uns der Abend ein wenig mit der Stadt.




Dienstag, 04.08.2026
Der Tag begann anders als geplant. Aus einem frühen Start zu einem kleinen Auswanderermuseum und Weiterfahrt in das 30 km entfernte Blumenau wurde erstmal nichts, der Geber unserer Hebeanlage hatte mal wieder den Geist aufgegeben. Uwe hing also mit der Nase 3 cm vom Abwasser entfernt halb in den Küchenschränken, bis alles repariert und wieder verstaut war, hatten wir keine Lust mehr auf Weiterfahrt. Etwas später als ursprünglich geplant machten wir uns mit Uber auf den Weg zu dem winzigen Museum in einem Fachwerkhaus einer ehemaligen Immigrantenfamilie, ein insgesamt für unseren Geschmack eher enttäuschender Abstecher. Der Fabrikverkauf einer gegenüberliegenden Metzgerei war da schon lohnender.




Da drei Apfelstrudel besser sind als ein Apfelstrudel, ergänzten wir am Nachmittag das Dessert vom Vorabend um zwei weitere Apfelstrudel, deutsche Einwandererstädte haben schon auch ihre Vorteile 😉. Zwischendurch lernten wir dann doch noch drei Menschen kennen, die neben portugiesisch auch noch Deutsch sprachen, interessante Begegnungen!
Mittwoch, 05.08.2026
Spontan beim morgendlichen Kaffee strichen wir die nächste „deutsche Stadt“ aus dem Programm, wir ließen Blumenau links liegen und fuhren direkt an die Küste. Beim ersten anvisierten Stellplatz war überall Halteverbot, beim zweiten hingen an jeder Ecke „No Motorhomes“-Schilder, mittlerweile hatte es sich eingeregnet, es gibt Tage, die braucht man nicht. Nach insgesamt 200 km landeten wir kurz vor Florianópolis, der Hauptstadt des Bundesstaates Santa Catarina, wo wir eigentlich nie hin wollten. Wir parkten mit Ingo auf einem kleinen Parkplatz mit ganz hübscher Aussicht über eine Bucht und lauschten den Regentropfen auf dem Dach. Seit ewigen Zeiten mal wieder am Meer und dann sowas…




Donnerstag, 06.08.2026
Was für ein Start in den Tag. Nachdem schon die ganze Nacht über erstaunlich viel Betrieb auf dem Parkplatz gewesen war, pöbelte um 5.30 morgens ein Frühsportler in unsere Richtung, dem wir mit unserem „Lastwagen“ wohl ein Dorn im Auge waren. Es ließ ihm keine Ruhe, um 6.00 klopfte er und teilte Uwe schlecht gelaunt mit, dass er jetzt die Polizei rufen würde. Die entspannte Antwort, dass er das ruhig tun könne, brachte ihn noch mehr auf, wir wollten keinen weiteren Ärger provozieren, packten zusammen und fuhren los. Um eine Uhrzeit, zu der wir normalerweise gerade unseren Morgenkaffee getrunken hatten, kamen wir am nächsten Stellplatz in Imbituba an.

Erstmal Kaffee… Der anschließende Spaziergang über den Strand war nett, auch wenn wir (natürlich) keinen einzigen der zahlreichen Glattwale sahen, die sich eigentlich um diese Jahreszeit vor der Küste aufhalten sollten. Die Surfer im Wasser warteten auf Wellen und wir auf Wale. Dem etwa 4-jährigen Mädel auf ihrem Elektro-Motorrad mit Soundchip war das alles herzlich egal, sie schrubbte mit geschätzten 20 km/h über den Strand und hatte ihren Spaß 👍. Bis der Strom alle war und Papa das Teil huckepack nach Hause transportieren musste…






In der kleinen Touristeninformation des Ortes erfuhren wir etwas später, dass sich die Wale ein paar Kilometer weiter nördlich aufhielten, damit war unser Ziel für den nächsten Tag klar.
Freitag, 07.08.2026
Entlang der Küstenstraße mit hübschen Aussichten fuhren wir zwei Buchten weiter, den Walen entgegen. Und tatsächlich, am Praia Ribanceira konnten wir mehrere Tiere verhältnismäßig dicht am Ufer beobachten. Jedes Jahr ziehen die Südkaper-Wale (Südlicher Glattwal) aus der Antarktis nach Norden, um zu kalben und ihre Jungen aufzuziehen. Das Schutzgebiet um Imbitumba gilt zwischen Juli und November als Hochburg für Sichtungen der Tiere vom Ufer aus.





Um ein wenig mehr über die Tiere zu erfahren, fuhren wir im Anschluss nach Itatiruba, wo sich seit sechs Jahren das Forschungsprojekt ProFRANCA um die Erforschung und den Schutz der Wale kümmert und ein kleines Besucherzentrum unterhält. Wir bekamen eine sehr informative Führung auf Englisch, Ingo parkte für die Nacht vor der Tür und wir konnten noch einige Wale direkt vor unserem Fenster beobachten. Eigentlich perfekt !








Die Herkunft ihrer englischen Bezeichnung spiegelt ihr trauriges Schicksal wieder. Im Englischen heißen sie Right Whale („richtiger Wal“), da sie langsam schwimmen, sich nahe an der Küste aufhalten und wegen ihrer dicken Fettschicht nach dem Töten oben treiben, wurden sie im 18. und 19. Jahrhundert leider zur perfekten und fast ausgerotteten Beute der Walfänger. Also „der richtige Wal“ für eine einfache Jagd, heute erholen sich die Bestände dank strengem Schutz langsam wieder. Der Südkaper wird im Schnitt 14-17 m lang und wiegt zwischen 40 und 60 Tonnen. Schon die Kälber sind riesig, bei ihrer Geburt sind sie 4,5 bis 6 m lang und wiegen 5-6 Tonnen.
Samstag, 08.08.2026 bis Montag, 10.08.2026
Wenn es nachts an einem Stellplatz heller ist als in der Morgendämmerung, ist aus unserer Sicht irgendwas falsch. Wir standen unter Straßenlaternen und neben den Flutlichtstrahlern des Instituts, wenn man gerne mit geöffneten Fenstern schläft, ergibt das nächtlichen Schattenwurf auf dem Kopfkissen… Aber wir wollten nicht meckern, dafür was es leise.
Ganze 15 km betrug unsere Tagesetappe, im Prinzip fuhren wir nur eine Bucht weiter nach Süden. Unser Ziel für das Wochenende war ein Hügel auf der Ponta do Gi, einer abgelegenen Landzunge zwischen zwei vergleichsweise ruhigen Stränden, genau das richtige für ein entspanntes Wochenende ohne dröhnende Bässe in der Nachbarschaft – hoffentlich… Pünktlich mit unserer Ankunft fing es an zu stürmen und wie aus Kübeln zu schütten, was auch die folgenden 2-3 Stunden so blieb. Irgendwann hatte das Wetter doch noch ein Einsehen und wir konnten im Trockenen eine Erkundungsrunde drehen. Die Gegend war ausgesprochen hübsch und erinnerte uns ein wenig an Schottland.






Was für eine himmlische Nacht ohne künstliches Licht und Lärm, wenn man das ziemlich laute Meeresrauschen außen vor lässt. Aber irgendwas ist ja bekanntlich immer… Der Regen hatte aufgehört, der Wind leider nicht, wir ließen uns bei diversen Rundgängen über die landschaftlich schöne Landzunge ordentlich durchpusten.




Montag, 10.08.2026
Unsere Tagesetappen wurden immer kürzer, dieses Mal waren es gerade einmal 9 km, bis wir in Laguna ankamen. Mit der Fähre überquerten wir den Rio Aratingaúba und parkten am Ende der Landzunge Ponta da Barra direkt am Kanal zwischen dem Lago Santo Antônio und dem Atlantik. Rechts von uns standen die Angler, links von uns schwammen die Delfine, ein hübsches Plätzchen!


Der Küstenort Laguna ist berühmt für ein weltweit einzigartiges Phänomen, die kooperative Delfinfischerei. Große Tümmler treiben mit auflaufendem Wasser Fische aktiv in die Netze der Fischer, ein komplett freiwilliges Verhalten, das wir uns natürlich ansehen wollten. Mit einer kleinen Personenfähre setzten wir wieder auf die andere Flußseite über, von dort sollte man den besten Blick auf das Geschehen haben. Sollte… Leider gab es weder Fischer noch Delfine, außer einem Herrn, der seine Fischabfälle an die Vögel verfütterte, war nichts los.


Zur Entschädigung besuchten wir den symbolischen Delfinfriedhof. Für jeden verstorbenen Kooperations-Delfin wird ein weißes Holzkreuz mit seinem Namen errichtet, der Ort soll in erster Linie ein Mahnmal sein. Viele der Delfine starben nicht an Altersschwäche, sondern durch illegale Fangnetze, Plastikmüll oder Kollisionen mit zu schnellen Booten. Leider wirkt der Ort insgesamt ziemlich vernachlässigt. Nach einem netten Spaziergang in Richtung Leuchtturm fuhren wir wieder zurück zu Ingo und verschanzten uns den restlichen Nachmittag vor dem stürmischen und kalten Wind.



Dienstag, 11.08.2026 bis Donnerstag, 13.08.2026
Es ging noch kürzer, ganze 5 km betrug die Fahrtstrecke des Tages, davon 600 m auf einer Fähre. Eigentlich wären wir gerne noch 1-2 Tage an unserem hübschen Stellplatz geblieben, die Wettervorhersage verhieß allerdings nichts gutes. Mindestens 2 Tage Starkregen ab Dienstag Nacht waren vorausgesagt, nicht schön auf einem unbefestigten Platz am Ende einer Lehmpiste. Wir zogen um an die befestigte Mole in Laguna, direkt neben der Stelle für die Delfinfischerei.






Dieses Mal hatten wir mehr Glück. Bis zu vier Fischer standen hüfttief im Wasser und beobachteten vor ihnen kreuzende Delfine, auf ein für uns nicht nachvollziehbares Zeichen der Tiere warfen sie ihre Netze ins Wasser. Zwar blieben die Aktionen erfolglos, faszinierend zu beobachten war es trotzdem. Man muss den Beteiligten aber auch zugute halten, dass die Hauptsaison eigentlich schon vorbei war, die beste Zeit für den Fang von Meeräschen ist von Mai bis Juli. Das Verhalten der Tiere und die Kooperation mit dem Menschen begann vermutlich bereits vor mehreren hundert bis tausend Jahren bei den indigenen Ureinwohnern. Die Großen Tümmler kesseln Schwärme von Meeräschen ein und treiben sie gezielt ins seichte Wasser auf die Fischer zu, die auf ein Signal der Tiere hin ihre Netze auswerfen. Es handelt sich dabei um ein erlerntes Kulturverhalten der Delfine, keine Dressur oder angeborenes Verhalten. Die Delfine lernten, dass die Netze der Fischer Panik im Fischschwarm auslösen, entkommene Fische werden zur leichte Beute für die Tiere, eine klassische „Win-Win-Situation“ und in dieser Form weltweit einmalig. Nur ein Teil der gesamten Population in Laguna führt dieses Verhalten aus, von insgesamt etwa 60 Tieren arbeiten nur ca. 20 mit den Menschen zusammen. Jedes dieser Tiere hat einen Namen und wird als gleichberechtigter Partner gesehen, die Fischer unterscheiden die Delfine anhand der Rückenflosse.










Nachdem auch der letzte Fischer wieder ans Ufer gegangen war, fuhren wir mit Uber in die Stadt. Laguna hat den gleichen Hochhausgürtel wie alle anderen Städte entlang der Küste, aber auch einen netten kleinen historischen Kern mit bunten Kolonialhäusern. Wir bummelten ein bisschen durch die Gassen und probierten endlich Café Colonial, eine traditionelle und auf europäische Einwanderer zurückgehende Mahlzeit in Buffetform. Serviert wird neben herzhaften Spezialitäten v.a. Süßes. Es gibt eine große Auswahl an Kuchen und Torten, darunter gerne deutsche Klassiker wie Apfelstrudel oder Bienenstich, abgerechnete wird in der Regel zu einem sehr günstigen Kilopreis.












Ausgerechnet wenn man es nicht gebrauchen kann, hatte die Wettervorhersage einmal Recht. Es regnete. Ständig, viel und ohne absehbares Ende. Wir blieben, wo wir waren, verließen kaum das Auto und verfeinerten unsere weitere Planung.

Irgendwann im Herbst werden wir Ingo zurück nach Deutschland verschiffen. Es steht die Abarbeitung eines alten Gewährleistungsmangels an, danach wollen wir Ingo technisch und optisch ein wenig auf Vordermann bringen, bevor ein paar Monate später die Reise weitergehen soll. Die aktuellen politischen Lagen machen die Reisewelt kleiner und die Planung schwieriger, immerhin haben wir unsere nächste Tour aber schon mal auf zwei in Frage kommende Kontinente eingegrenzt 😉.
Moin Ihr Lieben,
eine weitere liebevoll präsentierte Geschichte Eurer unendlichen Reise und die Zusammenarbeit zwischen Delfinen und Menschen war uns bisher unbekannt.
Kilopreis beim Kuchen ließ die Frage aufkommen, ob Ihr vorher und nachher auf die Waage musstet? -:)
In Sachen Web-Props noch nix neues, ich werde mal mit Basti telefonieren.
Hier einfach zu warm und kein Regen….gestern 12m Holz bestellt…
liebe Grüße
Birgit&Chris