Das Pantanal ist das größte Binnenland-Feuchtgebiet der Erde und gilt in Bezug auf Tiersichtungen als das Juwel Südamerikas. Man nennt es auch die Serengeti Südamerikas, es bietet in der Trockenzeit zwischen Juni und Oktober die weltweit größte Chance, Jaguare zu sehen. Deshalb waren wir da!

Unsere Route:

Montag, 22.06.2026

350 km lagen vor uns, mindestens 100 km zu viel für unseren Geschmack, aber das Pantanal wartete und akzeptable Plätze für eine Zwischenübernachtung gab auch es nicht. Die Landschaft wechselte von endlosen Maisfeldern und Rinderweiden in der Ebene über fast unbewohnte dicht bewachsene Hügel und kleine Berge wieder zu Landwirtschaft in der nächsten Ebene. Was immer gleich blieb, war der Verkehr. Unglaublich viele Lkw, die ungefähr 90% des Verkehrsaufkommens ausmachten, den Rest teilten sich Pickups und Pkw hauptsächlich von VW. Der Straßenbelag erinnerte in Teilen an die miesen argentinischen Straßen, allerdings kostete das Gehoppel hier Maut.

Pünktlich zum Feierabendverkehr erreichten wir die 700.000 Einwohner Stadt Cuiabá und arbeiteten uns zum einzigen offiziellen Stellplatz, der Estancia Karimã vor. Eigentlich handelt es sich um eine nett angelegte Event- und Hochzeitslocation, die aber auch ein paar Plätze zum Campen anbietet. Zu unserem Glück fand gerade keine Veranstaltung statt, die Lage direkt in der Einflugschneise reichte völlig aus an Lärm… Die Flugzeuge überquerten Ingo in erschreckender Tiefe.

Dienstag, 23.06.2026

Die Nacht war begleitet von Regengeprassel auf dem Dach und irgendeinem seltsamen Wummern in der Nachbarschaft, der Morgen begann um 6.00 mit Fliegern, die gefühlt auf Ingo landeten und dem Laubbläser des hauseigenen Gärtners um 6.50. Aber wir wollten ja sowieso nicht ausschlafen.

Bevor wir uns auf die 120 km lange Tagesetappe machten, fanden wir unseren ersten Supermarkt in Brasilien, der diesen Namen auch verdiente. Bisher waren wir nur in riesigen Hallen in denen aus deckenhohen Regalen Zucker, Reis und Mais in 20-30 kg Säcken verkauft wird und man Milch palettenweise bekommt. Der durchschnittliche Großgrundbesitzer will nicht so häufig zum Einkaufen fahren…

Das Pantanal empfing uns mit Regen und einer nassen, matschigen Sandpiste. So hatten wir uns das nicht vorgestellt.

Direkt hinter dem Portal liegt die Pousada Portal Paraiso, eine Rinderfarm mit hübsch gemachtem Campingbereich und reichlich Platz, damit Ute den Rindviechern aus dem Weg gehen konnte. Wir machten zwei Tage Urlaub auf dem Bauernhof und hofften auf besseres Wetter.

Mittwoch, 24.06.2026

Was für eine ruhige Nacht, kein Hundegebell, kein Verkehr und ein völlig normaler Hahn, der um 5.00 kurz den Tag begrüßte und danach einfach die Klappe hielt und sich nicht stundenlang mit fünf Nachbarhähnen austauschte. Wir schliefen aus, machten uns einen entspannten Tag, suchten und fanden ein paar Tiere und fuhren mit Chef Guilherme in einen etwas entlegeneren Teil seines riesigen Grundstücks. Die dort erhofften Tapire zeigten sich allerdings leider nicht.

Donnerstag, 25.06.2026

Bevor wir am Nachmittag die Transpantaneira in Angriff nahmen, legte sich die Tierwelt auf der Pousada nochmal ordentlich ins Zeug. V.a. ein Gelbrust-Ara Paar warf sich in Pose und ließ sich in keinster Weise durch teilweise sechs anwesende Fotografen aus der Ruhe bringen.

Kaum auf der Sandpiste unterwegs ging es schon los mit dem wildlife, dutzende Yacare-Kaimane sonnten sich an einem Wasserloch unterhalb der Straße.

Davon abgesehen gab es auf den 45 km bis zum Zwischenziel aber nur Vögel zu sehen, in erster Linie die goßen und nicht besonders hübschen Jabirus, die genauso wenig attraktiven Waldstörche und ein paar Savannen- und Schwarzbussarde.

Neben dem Rio Pixaim fanden wir einen eigentlich hübschen Stellplatz, leider sahen wir nur nicht mehr viel davon, wegen Millionen hungriger Moskitos war an Aussteigen nicht zu denken. Fast noch schlimmer waren aber die Verantwortlichen in einem Hotel schräg gegenüber, ab 17.00 beschallte laute Musik die gesamte Gegend. Und das in dieser Natur, wie ignorant kann man sein? Offensichtlich ging der Lärm den Gästen aber auch auf die Nerven, um 19.30 war der Spuk vorbei.

Um 21.30 hörten wir das Pfeifen eines Tapirs in unmittelbarer Nähe, gefolgt von Getrappel und Geräuschen im Wasser. Natürlich machten wir kein Licht an, um unseren nächtlichen Besucher zu sehen, auch so war das ein ganz tolles Erlebnis ! Tapire gehören zu den am schwierigsten zu beobachtenden Großsäugetieren der Erde. Sie sind scheu, haben extrem gute Sinne und meiden jede menschliche Begegnung, sie sind selten, stehen auf der roten Liste der stark gefährdeten Arten, sie sind nachtaktiv sowie durch ihr graues Fell perfekt getarnt.

Freitag, 26.06.2026

Noch im Morgennebel verließen wir unseren Platz am Fluß, wir hofften auf viele Tiersichtungen auf unserem zweiten Abschnitt der Transpantaneira.

Das Ergebnis war allerdings ein wenig enttäuschend. Bis auf die üblichen Jabirus, Eisvögel, Reiher, Kraniche, sonstige Vögel und Kaimane gab es rein gar nichts zu sehen. Und dafür waren wir so früh aufgestanden…

Aber dann! In etwa 500 m Entfernung saß irgend etwas großes auf der Straße, mit bloßem Auge nicht erkennbar, erst das Fernglas bestätigte, dass es sich um zwei Jaguare handelte. Näher als ungefähr 300 m ließen sie Ingo aber nicht an sich heran, zu weit weg für unsere Kamera… Was hatten wir für ein riesiges Glück !!

Nach insgesamt 147 km auf der berühmten Rodovia Transpantaneira erreichten wir gegen Mittag den Endpunkt der Piste in Porto Jofre. Die Strecke ist legendär und v.a. bekannt für die reichhaltige Tierwelt rechts und links der Straße, aber auch für die über 120 teilweise alten und morschen Holzbrücken mit unbekannten Traglasten. Mittlerweile sind aus den 120 Brücken nur noch 87 geworden, 48 davon sind inzwischen aus Beton, 39 immer noch aus Holz, bei den restlichen wurde die Fahrbahn aufgeschüttet, nur zwei Mal sahen wir ein Schild mit einer 5t Begrenzung. Von den teilweise vorhandenen Umfahrungen der Holzbrücken war nur eine tatsächlich passierbar, der Rest war zugewuchert oder überschwemmt.

Die 39 Holzbrücken waren überwiegend in guten Zustand, eigentlich gab es nur zwei, bei denen wir schlucken mussten, v.a. die längere der beiden hatte es in sich. Bauarbeiter waren gerade mit der Sanierung beschäftigt, im ersten Drittel fehlten die Längsbohlen, die restlichen 2/3 waren morsch und wiesen riesige Löcher auf. Puhhh… Wir hofften nur, dass die Reparatur bis zu unserer Rückfahrt abgeschlossen sein würde.

Die „Endstation“ Porto Jofre ist entweder auf dem Landweg über die Transpantaneira zu erreichen oder per Ponton-Fähre von Corumbá weiter südlich. Diese Variante hätte uns zwar die knapp 300 km lange Sackgasse erspart, aber zum einen hatten wir keine Lust, ca. 3 Tage lang auf einem Ponton eingesperrt zu sein, der oft auch Rinder transportiert. Zum anderen wird der Ponton über notdürftig zusammengebundene Holzplanken be- und entladen, nichts was wir mit Ingo unbedingt haben mussten. Das Internet ist voll mit Beinah-Abstürzen…

In Porto Jofre angekommen parkten wir Ingo neben der Sand-Landebahn des „Flugplatzes“, der Erkundungsspaziergang fiel extrem kurz aus, es gab schlichtweg nichts zu sehen. Der „Ort“ besteht nur aus einem Hotel, ein bis zwei Lodges und einem Bootsanleger, es gibt zwei Straßen und keinerlei Infrastruktur. Dafür aber am späten Nachmittag eine Reihe der wunderschönen Hyazinth-Aras, die auf dem Boden unter den Palmen nach ihrer Lieblingsspeise, den Palmnüssen, suchten.

Für den folgenden Tag hatten wir eine Bootstour gebucht, wir wollten die Könige des Pantanals aus nächster Nähe sehen, Jaguare.

Samstag, 27.06.2026

Wow! Was für ein Tag ! Pünktlich um 7.00 starteten wir zu unserer ganztägigen Jaguartour. Wir hatten uns für eine Privattour mit einem leisen und bequemen Boot, v.a. aber mit einem oft empfohlenen Guide entschieden und damit alles richtig gemacht. Bis zu den ersten Sichtungen dauerte es nicht lange, wir teilten uns die Tiere mit ganz vielen anderen Touristen, die Boote stapelten sich vor den völlig entspannten Jaguaren.

Irgendwann verlief sich das Ganze aber, Guide Branco hatte ein hervorragendes Gespür und kannte das Verhalten der Tiere ganz genau, des öfteren waren wir alleine oder mit nur wenigen anderen Booten auf Beobachtungsposten. Insgesamt sahen wir sechs verschiedene Jaguare, manche davon mehrmals, was für ein Erlebnis.

Die Krönung bot uns aber ein etwa dreijähriges Männchen auf Nahrungssuche, das wir über eine längere Strecke verfolgten. Nach einem Fehlversuch riß er einen riesigen Kaiman, die Geräusche des Kampfes und des knackenden Panzers waren zutiefst beeindruckend!

Nachmittags gegen 16.30 waren wir glücklich zurück bei Ingo, diese Eindrücke mussten wir erstmal sacken lassen.

Das Pantanal beherbergt mit bis zu 7.000 Tieren die weltweit größte Dichte an Jaguaren, Weibchen wiegen bis zu 70 kg, große Männchen können um die 140 kg wiegen, ihre Kiefermuskeln sind so stark, dass sie problemlos die Panzer von Kaimanen knacken können. Mit einer Körperlänge von bis zu 185 cm plus Schwanz rangieren sie auf Platz 3 der größten Raubkatzen der Welt, nach Tiger und Löwe. Ein bisschen erschreckend war die Ungerührtheit der Tiere in Bezug auf die vielen Boote, Menschen und Geräusche, teilweise hatten wir nur etwa 5 m Abstand. Natürlich ein phantastischer und respekteinflössender Eindruck, v.a. wenn man bedenkt , dass sie 5-6 m aus dem Stand springen können, ihre natürliche Scheu hatten zumindest diese Exemplare weitgehend verloren. Aber wie immer gilt, wir sind Teil des Zirkusses…

Sonntag, 28.06.2026

Über 87 Brücken musst du gehen… was wir befürchtet hatten, traf leider ein, die Baustellenbrücke war nicht fertig, im Gegenteil. Es fehlten noch ein paar Bohlen mehr, dafür lagen ein Haufen Bretter teilweise ziemlich planlos auf dem morschen Unterbau. Ein entgegenkommender Touristen-Safari-Bus ließ seine Fahrgäste zur Sicherheit aussteigen und zu Fuß über die Brücke gehen. Nicht gerade beruhigend…

Immerhin hatten wir das Glück, die mit 120m längste Brücke auf der Transpantaneira auf Beton überqueren zu können. Ende 2024 wurde die alte Holzbrücke außer Betrieb genommen, der Zustand ist erschreckend wenn man bedenkt, dass dies erst 1,5 Jahre her ist…

Irgendwann hatten wir die meisten Holzbrücken hinter uns, wir genossen unsere Rückfahrt durch das Pantanal und freuten uns unterwegs über einen Sumpfhirsch, zwei Anakondas und ein Ozelot (die letztgenannten leider zu schnell für ein Foto).

Wieder steuerten wir als Zwischenübernachtung den moskitoverseuchten Platz am Rio Pixaim an, wir hofften noch einmal auf den Tapir. Wie schon drei Tage zuvor wurden wir auch dieses Mal wieder von dem nebenan liegenden Hotel beschallt, welcher Gast will so etwas ???

Montag, 29.06.2026 bis Mittwoch, 02.06.2026

An einen Aufenthalt im Freien war wegen den Moskitos überhaupt nicht zu denken, der Tapir hatte sich auch nicht blicken lassen, wir fuhren weiter. Bei 32°C genossen wir jede Minute in der klimatisierten Fahrerkabine, auch den Hirschen war es offensichtlich zu warm…

Unser Ziel für die folgenden zwei Nächte war erneut die Pousada Portal Paraiso, der Platz war einfach zu schön, um daran vorbei zu fahren.

Unterwegs hatten wir ein paar Wasserbüffel auf dem Gelände der Farm gesehen, Juniorchef Mateo klärte uns über den Zweck der Tiere auf. Regelmäßig würden Jaguare seine Kälber reißen, alleine dieses Jahr hatte er schon fünfzehn verloren. Jaguare mögen anscheinend keine Büffel und halten sich fern, die Büffel allerdings mögen die Weiden der Kühe nicht und stehen lieber im Wasser. So ganz ausgereift schien das System noch nicht zu sein.

Mittwoch, 01.07.2026

Um viele unvergessliche Eindrücke reicher verließen wir das Pantanal, diese über 300 km lange Sackgasse ist jeden Meter wert gewesen!

Über weitgehend bekannte Strecken machten wir uns auf den Weg Richtung Osten. Wieder wechselten sich Rinderweiden mit Maisfeldern ab, nur unterbrochen von dem bergigen Abschnitt der weder das eine noch das andere zuließ, sondern überwiegend aus Urwald bestand. Wir reihten uns in eine endlose Lkw Schlange ein, wieder waren normale Pkw die absolute Ausnahme. In Campo Verde fanden wir einen halbwegs akzeptablen Parkplatz gegenüber eines kleinen Parks. Zwar an einer viel befahrenen Straße, aber immer noch besser als eine Tankstellenübernachtung.

*) Brasilien auf dem Weg zum sechsten Titel ⚽️😎

Hübsche Plätze werden wir in nächster Zeit wohl nicht mehr finden, unser Weg nach Brasilia, der Hauptstadt des Landes, führt durch endlose Landwirtschaft, alles ist privat und eingezäunt. Keine schönen Aussichten, zumal Brasilien groß ist und die Wege weit…

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2 Kommentare
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Uta
Uta
11 Stunden zuvor

… dann könnt Ihr die bevorstehende langweilige Strecke ja noch dafür nutzen, die vielfältigen Eindrücke vom Pantanal sacken zu lassen.
Schön, dass Ihr alle Brücken unbeschadet hinter Euch gebracht habt!

Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
18 Stunden zuvor

Mega, mega schön. Aber das Ute Rindsviecher nicht nah mag oder gar die stundenlange oft die bereits sehr früh morgens beginnende Hähne Unterhaltung….Danke für den tollen Bericht und wunderbaren Bilder.

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