Die Hauptstadt Argentiniens hat in der Metropolregion etwa 13 Mio. Einwohner, im südamerikanischen Vergleich gilt sie als relativ sicher, die Architektur ist stark europäisch geprägt, sie ist bekannt als Geburtsort des Tango und für ihre Leidenschaft zu Büchern und Fußball und jeder schwärmt von ihr. Das schürte hohe Erwartungen…

Unsere Route:
Donnerstag, 12.02.2026
Wir ließen Patagonien hinter uns. Kein Transparent quer über die Straße, keine Blaskapelle, keine Tanzgruppe oder Blumen werfende Kinder, wir überquerten still und leise die Grenze der Region Patagonien. Es hatte jetzt auch wirklich gereicht, diese in weiten Teilen sterbenslangweiligen Landschaften und v.a. der permanent wehende Wind bzw. Sturm hatten uns mit der Zeit mürbe gemacht. Wir feierten unsere Rückkehr in grüne Regionen mit Landwirtschaft und Kühen auf saftigen Wiesen. Patagonien reicht aus unserer Sicht einmal im Leben.



Nach 200 km bogen wir von der Hauptstraße ab, durchquerten ein sehr verlassen wirkendes Dorf mit vielen vernagelten Schaufenstern und erreichten die Laguna la Salada. Der kleine Salzsee ist ein super gepflegtes Naherholungsgebiet mit diversen Wochenendhäusern und v.a. unzähligen Grills, Picknicktischen und kostenlosen Campingmöglichkeiten. Unglaublicherweise waren wir allein auf weiter Flur, Ingo parkte auf grünem Gras !!, nur den leidigen Wind waren wir noch nicht ganz los, weshalb auch der Spaziergang zu den Flamingos auf der anderen Seeseite entfiel.




Freitag, 13.02.2026
Unglaublich, wir wachten auf und hörten – nichts. Es war absolut windstill und damit herrlich leise. Bis in den umliegenden Bäumen die Mönchssittiche zum Leben erwachten und mit ihrem Geschrei die Ruhe beendeten. Schon am Vorabend flogen ganze Schwärme von Felsensittichen laut schreiend über Ingo hinweg, leider gelang uns nicht herauszufinden, wo die Tiere nisten, es war also wieder nichts mit der Beobachtung der kleinen bunten Papageien. Wir begnügten uns mit dem etwas unscheinbareren Verwandten in den Bäumen neben uns, was auch schon sehr schön war.




Als Ergänzung stattete uns ein einsamer Chile-Flamingo einen Besuch ab. An den Tieren kann man sich nicht sattsehen, bevor wir den Salzsee verließen und weiter Richtung Norden fuhren, stoppten wir deshalb noch am anderen Ufer beim Rest der Kolonie.





Das Verkehrsaufkommen auf der Ruta 3 war wieder überraschend hoch, v.a. Lkw kamen uns in ganzen Konvois entgegen, vermutlich meiden alle die miserable Ruta 40 im Westen des Landes, wir hatten vollstes Verständnis… Bei Bahia Blanca passierten wir eine etwa 10 km lange Straßenbaustelle mit kaum noch fahrbarem Belag, die vermutlich seit mindestens 5 Jahren so aussieht und wahrscheinlich niemals beendet werden wird. Nach etwa einer Stunde, in der wir keine einzige Baumaschine gesehen hatten, waren wir erlöst. Irgendwann bogen wir aus der platten Ebene rechts ab und befanden uns relativ schnell in einer hübschen Hügellandschaft.


Das Highlight der Gegend ist der Cerro Ventana, ein 1.134 m hoher Berg mit einem „Fenster“. In Ermangelung von Alternativen parkten wir am sehr straßennahen dazugehörigen Aussichtspunkt, von dem man das Loch im Berg in weiter Ferne bewundern kann und hofften auf nachlassenden Verkehr und eine ungestörte Nacht. Der Berg gilt als Naturmonument, für uns war es einfach ein Loch im Fels in einer hübschen Landschaft 🤷🏻♀️.




Irgendwie völlig fehl am Platz wirkte der Wifi Hotspot incl. Ladestation und Sitzbänken gegenüber unseres Parkplatzes. Vermutlich befand er sich genau dort, damit die mit dem Handy gemachten Fotos direkt in den social medias hochgeladen werden konnten…

Samstag, 14.02.2026
260 km mehr oder weniger ausschließlich geradeaus durch Felder mit Sonnenblumen oder Mais und Wiesen mit grasenden Rindern, soweit das Auge reichte. Und es reichte weit… Schleswig Holsteins Werbeslogan „Land der Horizonte“ bekam hier eine völlig neue Dimension. Dazu kam der uns immer noch verfolgende Wind, wir hatten schon schönere Etappen. In Azul reichte es uns, wir parkten auf dem Parkplatz des städtischen Badesees, am nächsten Tag stand uns eine ähnliche Fahrt bis kurz vor Buenos Aires bevor.


Nachmittags nahm die Aktivität auf dem Parkplatz zu, um 19.00 waren wir eingeparkt, um 21.30 wussten wir warum. Zwei Straßen weiter fand der Umzug des Kinder(!)karnevals fand, der um Mitternacht schließlich beendet war. Nein, wir haben uns das Ereignis nicht angesehen, manchmal hat man einfach Kopfschmerzen und will seine Ruhe, Eintauchen in fremde Kulturen hin oder her…
Sonntag, 15.02.2026 bis Dienstag, 17.02.2026
Auch über diese Tagesetappe von 270 km durch landwirtschaftlich genutzte Ebenen gab es nichts zu sagen außer der Tatsache, dass wir einige als potenziell gefährdet eingestufte Maguari-Störche neben der Straße sahen.

Etwa 30 km vor Buenos Aires hatten wir mit der Zapparancho unser vorläufiges Ziel erreicht. Die Familie Zapp genießt in Argentinien und unter Reisenden einen gewissen Kultstatus. Im Januar 2000 starteten Herman und Candelaria Zapp mit ihrem Graham Paige Modell 610, Bj. 1928 zu einer sechsmonatigen Reise durch ihr Heimatland Argentinien und kehrten im März 2022 mit vier unterwegs geborenen Kindern zurück. So können sich Pläne ändern… Im Laufe dieser 22 Jahre legten sie 362.000 km zurück und besuchten 102 Länder auf 5 Kontinenten.


Mittlerweile betreiben sie einen Campingplatz in der Nähe von Buenos Aires, der sich zu einem Treffpunkt für Reisende aus aller Welt entwickelt hat. Leider trafen wir die Familie nicht persönlich an, sie waren kurz vor unserer Ankunft zu einem Urlaub nach Brasilien aufgebrochen, in einem Mietcamper ! Eine Premiere für die Zapps. Sehr schade, dafür freuten wir uns über ein Wiedersehen mit unseren englischen Reisefreunden Jo und Kevin und lernten Petra und Michael mit Ingos großem Bruder kennen.




Wir verbrachten zwei Nächte auf dem sehr belebten Platz incl. einer Karnevalsparty in der Nachbarschaft bis morgens um 3.30, bevor wir für die kommenden 5 Tage in eine Ferienwohnung in Buenos Aires umzogen. Es konnte nur ruhiger werden.
Dienstag, 17.02 2026
Mit dem Taxi waren wir in 1,5 Stunden im Zentrum. Wir hatten uns für eine Ferienwohnung in Palermo Soho entschieden, ein Restaurant- und Kneipenviertel mit vielen Bäumen, kleinen Galerien und Modegeschäften und hübsch bemalten Häusern. Für die Hamburg Kenner: Das Ganze wirkte wie eine Mischung aus Altona und Eppendorf und gefiel uns ausgesprochen gut.








Unseren ersten Nachmittag verbrachten wir mit einem im Reiseführer empfohlenen Bummel durch unser Viertel zu mehreren besonders hervorzuhebenden „Murales“ (Wandmalereien). Das erste auf der Liste war zwar riesig groß, aber leider verwittert und es gefiel uns auch nicht, bei den nächsten waren mittlerweile die dazugehörigen Häuser abgerissen, ein weiteres traf auch nicht unbedingt unseren Geschmack. Abgesehen von den vielen bunten Fassaden unterwegs wurden wir in der Pasaje Rusell am Ende der Runde aber dann doch noch fündig, hübsche Malereien auf kleinen Häuschen in einer engen Gasse. Allgegenwärtig ist auf jeden Fall das Thema Fußball, insbesondere natürlich „die Hand Gottes“ Diego Maradonna. Insgesamt ein schöner Spaziergang durch das hübsche Palermo.








Den Abend verbrachten wir mit Bettina und Michael, lieben Reisefreunden, die wir zuletzt Anfang Oktober 2024 in Costa Rica getroffen hatten. Zufällig waren wir aus unterschiedlichen Richtungen zur gleichen Zeit in der Gegend von Buenos Aires angekommen, was für ein wunderschönes Wiedersehen!

Mittwoch, 18.02.2026
Nachdem es uns im dritten Kiosk endlich gelungen war, eine sog. SUBE Karte für den öffentlichen Nahverkehr zu kaufen, die eigentlich in allen Kiosken verkauft wird, konnten wir sie dann im 5. Kiosk auch aufladen. Allerdings nur gegen Barzahlung in kleinen Scheinen, entsprechend gering fiel die Aufladung aus. Für die erste Fahrt in das historische Zentrum reichte das Guthaben aber aus, zumal eine Fahrt egal wie lang umgerechnet nur etwa 0,40 € kostet. Erst später lernten wir, dass eine Bezahlung auch problemlos direkt in den Bussen mit Kreditkarte möglich ist, wir uns den ganzen Aufstand also auch hätten sparen können. Zum Trost konnten wir aber an jeder Haltestelle ein „Queuing“ beobachten und praktizieren, das dem Schlange stehen in England in nichts nachstand 😉.
Wir starteten unseren Rundgang am argentinischen Nationalkongress und bummelten weiter entlang der Avenida Mayo bis zum ersten Café, das uns gefiel. Erstmal Frühstück.


Mit ein paar Abstechern links und rechts (bei ca. 30°C immer auf den Schattenseiten der jeweiligen Straßen) erreichten wir nach ein paar Kilometern den Plaza de Mayo, den Hauptplatz der Stadt. Buenos Aires hat eine auffallende Anzahl an gut erhaltenen Gebäuden hauptsächlich aus der Zeit zwischen 1840 bis 1914, alle groß, reich verziert und in der Regel von Bäumen verdeckt. Letzteres ist für einen schattigen Spaziergang optimal, für Fotos leider nicht.






Kernstück des Plaza Mayo ist das Casa Rosada, der argentinische Präsidentenpalast, von dessen Balkon Evita Perón ihre berühmten Reden an das argentinische Volk hielt.

Einen Blick von oben über die Stadt bekamen wir vom Turm der Galeria Güemes, einer Einkaufspassage aus dem Jahre 1915 im Art Nouveau Stil, die als der erste Wolkenkratzer der Stadt gilt. Buenos Aires ist auf jeden Fall keine Stadt, die aus der Vogelperspektive besonders attraktiv ist, ihre Schönheit nimmt man bei einem Bummel durch die Straßen sehr viel besser wahr.




Den Abend begannen wir entspannt bei einem guten Glas Malbec im Wine Window Argentina. Die Tradition der Weinfenster entstand ursprünglich Ende des 16. Jhd. in Italien. Insbesondere in der Toskana wurde auf diese Art Wein direkt aus den Palästen mit angegliederten Weinbergen verkauft, ohne zusätzliche Steuern entrichten zu müssen. Während der Covid Pandemie erwachten die Fenster in Florenz zu neuem Leben, seitdem gibt es diese Einrichtung weltweit, um die Florentiner zu ehren.


Donnerstag, 19.02.2026
Endlich zum Friseur ! Die Suche auf Google maps ergab einen Friseur in der Nähe der Wohnung mit ansprechenden Fotos und guten Bewertungen. Gelandet war Ute dann anscheinend im angesagtesten Laden des Viertels, was sich v.a. im Preis niederschlug, der locker mit deutschen Großstadtpreisen mithalten konnte und in etwa 10 Mal so hoch war wie sonst in Zentral- und Südamerika üblich. Dafür passte aber auch der Schnitt. Nach diesem „Schock“ gönnten wir uns ein Frühstück in einer gegenüberliegenden Boulangerie mit leckerem europäischen Brot und hervorragendem Kaffee. Unter dem Strich ein guter Start in den Tag.

Neugierig auf neue Eindrücke machten wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle und warteten und warteten und warteten auf den Bus. Bis eine nette Dame uns darüber informierte, dass es einen 24 h langen Generalstreik gäbe, von dem auch der Nahverkehr betroffen war. Gut, dass es Uber gab, wir ließen uns zum El Alteneo Grand Splendid fahren, das als eine der weltweit schönsten Buchhandlungen gilt. Das Geschäft ist in einem ehemaligen Theater aus dem Jahr 1919 untergebracht, die Sitzreihen wurden durch Bücherregale ersetzt, auf der Bühne befindet sich ein Café, u.a. existieren noch die originalen (etwas kitschigen) Deckenmalereien.



Zu Fuß ging es weiter zum 1908 eröffneten Teatro Colón, einem der weltweit bedeutendsten Opernhäuser mit einer angeblich perfekten Akustik. Wir beließen es bei einer Besichtigung von außen, die Warteschlange für die angebotenen Führungen war uns zu lang und aus unserer Sicht passte auch das Preis-Leistungsverhältnis nicht, wie leider häufig in Argentinien…


Unser nächster Stop war schon wieder etwas weltweit schönstes oder bestes, in diesem Fall die Galerias Pacificos, das Einkaufscenter gilt als eines der prachtvollsten und geschichtsträchtigsten weltweit. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1889, die Kuppel beherbergt Fresken berühmter argentinischer Künstler, das Preisniveau der Geschäfte hat sich allerdings dem prunkvollen Gebäude angepasst. Aber auch wenn man nichts kaufen möchte, lohnt sich aus unserer Sicht ein Besuch.



Vormittags war uns das Wetter noch wohl gesonnen, es war bewölkt mit äußerst angenehmen Temperaturen, Nachmittags war es mit der Schonzeit vorbei, die Sonne brannte wieder bei 30°C. Zeit für einen Besuch des nächsten Superlativs, dem gut klimatisierten Palacio Libertad Domingo F. Sarmiento. Das größte Kulturzentrum Lateinamerikas befindet sich im ehemaligen Hauptpostamt von Buenos Aires und ist u.a. bekannt für „La Ballena Azul“ (der Blauwal), einem schwebenden Konzertsaal mit 2.000 Plätzen und herausragender Akustik. Das Gebäude verfügt über eine Gesamtfläche von 110.000 qm, die sich über neun Stockwerke und drei Untergeschosse erstreckt. Im Nachhinein waren wir ganz froh, dass wegen dem Streik nur zwei Geschosse geöffnet waren, die Besichtigung der vielen kleinen Ausstellungen in diesen beiden Etagen reichte zur Deckung unseres Kunstbedürfnisses völlig aus.







Zeit für eine Kaffeepause ! Der Rio de la Plata lag um die Ecke und damit das moderne Hafenviertel Puerto Madero. Eine „Hafencity“ wie es sie so oder ähnlich in jeder Hafenstadt zu geben scheint, wir hielten den Besuch kurz, für alte Hafenkräne neben Hochhäusern mit Glasfassaden muss man nicht nach Buenos Aires fahren. Auch die vielgelobte Puente de la Mujer konnte uns nicht wirklich begeistern. Sie gilt als technisches Meisterwerk mit einem der weltweit größten (da war es wieder…) Drehmechanismen, ihr Design ist vom Tango inspiriert, der weiße Mast stellt den Mann dar, die geschwungene Silhouette der Brücke die Frau in einer Tanzpose. Aha…




Buenos Aires ist groß, die Wege lang, auf den Strecken von einem Highlight zum nächsten kamen wir wieder an vielen schönen Gebäuden vorbei, passierten die völlig unattraktive Fußgängerzone, in der man alle 10 m von einem Geldwechsler angesprochen wird und leider auch viele Müllberge. Der Generalstreik hatte auch optische und olfaktorische Auswirkungen.













Zwischendurch fand Uwe noch einen alten MAN, der ursprünglich der Feuerwehr gehörte, jetzt aber im Polizeieinsatz ist. Der dazugehörige Polizist war super nett und fotografierte Uwe selbstverständlich vor seinem alten Schätzchen.


Mit platten Füßen waren wir am späten Nachmittag zurück in unserer Wohnung, Zeit für eine kurze Pause. Den Abend verbrachten wir wieder mit Bettina und Michael in „unserem Viertel“. Wieder waren das sehr schöne Stunden mit tollen Menschen.
Freitag, 20.02.2026
Nach einem kleinen Frühstück in einem Café um die Ecke starteten wir den „Tag der Kultur und Natur“. Wir ließen uns von einem Uber bei „La Colorada“ absetzen, dem sog. „Stück London in Buenos Aires“. Das Gebäude wurde 1911 vom britischen Ingenieur Regis Pigeon entworfen und die roten Backsteine und Baumaterialien eigens per Schiff aus England importiert. Der Aufzug im Inneren ist einer der ältesten noch funktionierenden der Stadt.


Unser nächstes Ziel war der japanische Garten innerhalb des Parque Tres de Febrero, der mit 4 km2 Fläche größten Grünanlage der Stadt. Unterwegs begegneten uns unzählige Hundesitter, die mit ihren Rudeln von bis zu 10 in der Regel völlig entspannten Hunden unterwegs waren. Respekt !

Der 1967 eingeweihte Jardin Japonés gilt als der größte japanische Garten außerhalb Japans, er beinhaltet u.a. die typischen traditionellen roten Brücken, einen Bonsai Garten und ein Teehaus. In einem der trüben Teiche zogen ein paar Koi Karpfen ihre Kreise, in dem angegliederten Kulturzentrum fand eine Sonderausstellung zum Thema Kimonos statt, insgesamt alles ganz hübsch, den relativ stolzen Eintrittspreis für Ausländer war der Garten aus unserer Sicht aber nicht wert.









Einen schönen Spaziergang durch den Park später erreichten wir mit dem MALBA (Museo de Arte Latinoamericano de Buenos Aires) eines der bedeutendsten Kunstmuseen Argentiniens. Architektonisch gut gemacht, die Exponate natürlich Geschmacksache, fest steht auf jeden Fall, dass der Tinto de Verano im angegliederten Restaurant hervorragend und der Service bemerkenswert waren.










Besonders beeindruckend fanden wir den „Schädel 05“ (Bild 4 und 5) des Künstlerkollektivs Mondongo, weitere Infos siehe hier.
Weiter ging es durch das wunderschöne Botschaftsviertel, in dem sich vorwiegend europäische Staaten in pompösen Villen angesiedelt hatten, zur abgrundtief hässlichen Nationalbibliothek. Was für ein Kontrast ! Der Fachbegriff für dieses Monstrum lautet „brutalistische Architektur“, offensichtlich stellt das Gebäude ein Meisterwerk dieser Stilrichtung dar. Wer es mag…



Der nächste Stopp gefiel uns da schon sehr viel besser, nur ein paar hundert Meter weiter lag die 23 m hohe und 18 Tonnen schwere Stahl- und Aluminiumskulptur „Floralis Generico“. Das beeindruckende Kunstwerk in Form einer Blume hat bewegliche Blätter, die sich je nach Tageszeit öffnen und schließen.

Kurz vor Ende unserer Tour passierten wir die pompöse juristische Fakultät der Universität Buenos Aires. Die Regeln in dem Neoklassizismus Bau von 1949 sind streng, im Inneren darf nur die erste Halle betreten werden und Fotos sind nur mit dem Smartphone erlaubt. Überwacht wird das Ganze durch eine ziemlich resolute Dame eines privaten Sicherheitsdienstes.



Den Abschluss unseres Tagesprogramms bildeten der Bahnhof Retiro Mitre und der Torre Monumental. Das riesige Bahnhofsgebäude im französischen Stil sieht man hervorragend aus dem 6. Stock des gegenüber liegenden Uhrturms, der im Volksmund immer noch als Torre de los Ingleses bezeichnet wird. Der Turm wurde 1916 als Geschenk der britischen Gemeinschaft eingeweiht, nach dem Falklandkrieg 1982 wurde der Turm offiziell in Torre Monumental umbenannt, um die Distanz zu Großbritannien zu unterstreichen. Das Bauwerk ist mit Symbolen des britischen Empire dekoriert, u.a. mit der schottischen Distel, der englischen Rose, dem walisischen Drachen und dem irischen Kleeblatt. Auch für dieses Bauwerk wurden die Materialien aus England importiert, so schloss sich der Kreis zu unserem ersten Stopp des Tages, dem „La Colorada“.




Auch an diesem Tag machten wir Pausen in netten Cafés, sahen unterwegs tolle Gebäude und schöne Parkanlagen, leider aber wie schon an den vorherigen Tagen auch sehr viele Obdachlose.








Den Abend verbrachten wir erneut in Palermo Soho, nach so vielen eindrücklichen Kilometern tagsüber reichte uns „unser Quartier“ völlig aus.
Samstag, 21.02.2026
Für knapp 0,50 € mit dem Bus quer durch die Stadt, traumhafte Preise für ein wirklich gut funktionierendes Nahverkehrssystem. Wir wollten in das Stadtviertel La Boca, bekannt für seine bunten Häuser v.a. in der kleinen Gasse Caminito und die tiefe Verwurzlung zum Fußball, auch durch das berühmte Stadion der Boca Juniors, bei denen Maradonna Anfang der 80er Jahre unter Vertrag war. Auf einem der Balkone der bunten Eckhäuser kann man sich zusammen mit einer Pappfigur von Lionel Messi und dem WM Pokal von 2022 fotografieren lassen, wahlweise auch mit diversen als Tangotänzer verkleideten Menschen. Insgesamt alles ganz hübsch, aber für unseren Geschmack viel zu touristisch und v.a. zu voll.



















Nur ein paar Blocks vom Caminito entfernt liegt das Gebäude einer ehemaligen Eisenhütte, in dem sich das Colón Fábrica befindet. Die Ausstellung zeigt einige der Kostüme und Bühnenbilder aus den erfolgreichsten Produktionen des berühmten Theaters. Entstanden sind die Kulissen etc. in der eigenen Theaterwerkstatt. Das Ganze ist hervorragend gemacht mit kurzen informativen Filmen, in denen die Kulissen der jeweiligen Stücke auf der Bühne zu sehen sind. Ein faszinierender Besuch und den Weg quer durch die Stadt auf jeden Fall wert !










Auf dem kurzen Weg vom Caminito zu der Ausstellung lief uns ein Polizist hinterher und hielt uns vom Abbiegen in eine Seitenstraße ab. Die Gegend sei zu gefährlich, wir sollten uns nur dort bewegen, wo viele Menschen sind, den Rückweg zur Bushaltestelle beschrieb er uns bei der Gelegenheit auch gleich. Gut, dass er nicht wusste, dass wir in Unkenntnis der Lage auf dem Hinweg genau durch diese nicht so tolle Gegend gegangen waren. Gefährlich hatte die Umgebung nicht auf uns gewirkt, es war aber auch kaum jemand auf der Straße, nach Einbruch der Dunkelheit mag die Sache anders aussehen…
Den Abend verbrachten wir in San Telmo, dem ältesten Viertel von Buenos Aires und der angeblichen Geburtsstätte des Tango. In Gesellschaft von Bettina und Michael schlenderten wir durch die Kopfsteinplasterstraßen und nahmen einen Aperitif im Británico. In der Bar hat sich seit der Eröffnung 1928 nicht viel verändert, sie galt früher als Treffpunkt für Schriftsteller und diente im Laufe der Zeit mehrfach als Filmkulisse.


Nach einem Abendessen in einem einfachen, aber sehr authentischen Restaurant beschlossen wir den schönen Abend auf der Plaza Dorrego. Wir hatten nicht das Glück, eine der dort regelmäßig stattfindenden spontanen Tango Aufführungen zu erleben, immerhin gab es aber wirklich gute Live Musik.
Der Abschied von unseren lieben Reisefreunden fiel schwer, man begegnet unterwegs zwar vielen Menschen, sehr selten aber welchen, mit denen man so gerne Zeit verbringt. Wir freuen uns auf das nächste Wiedersehen irgendwo 😘.
Sonntag, 22.02.2026
Noch einmal machten wir uns auf den Weg nach San Telmo, wir wollten den berühmten Künstlermarkt besuchen, der immer Sonntags stattfindet, durch die Markthalle schlendern und vielleicht doch noch den Tango finden. Kaum in der Gegend angekommen waren wir etwas geschockt von den Menschenmassen, die sich durch die Straßen schoben, von denen wir natürlich wieder ein Teil waren… Bis auf einige Seitenstraßen war es uns einfach viel zu voll, so machen uns Besichtigungen keinen Spaß.













Dafür hatten wir aber das Glück, auf der Plaza Dorrego eine Tango Aufführung erleben zu können. Ein mindestens semiprofessionelles Paar bot etwa 30 Minuten lang eine aus unserer laienhaften Sicht gute Show, und erfüllte damit einen der Wünsche für unseren Aufenthalt in Buenos Aires.








Unseren letzten Abend begannen wir mit einem kleinen Aperitif in Form von 1 l Tinto de Verano. Die Mischung war zwar sehr lecker, entsprach aber in keinster Weise dem Rezept (50% Rotwein, 50% Zitronenlimonade), zum anschließenden Abendessen konnten wir noch problemlos geradeaus gehen 😉.

Buenos Aires hatte uns gut gefallen, die große Begeisterung für die Stadt konnten wir allerdings nicht ganz teilen. An unsere Lieblingsmetropole Mexico City kam sie bei weitem nicht heran, aber das ist natürlich nur unsere ganz persönliche Meinung.
Heute geht es für uns zurück zu Ingo und dann langsam weiter Richtung Uruguay. Wir freuen uns auf unser rollendes Zuhause und das neue Land !
…was für ein Bruch, aus dem windumtosten Süden mitten hinein in den Trubel einer City…
aber wenn schon, hätten wir Euch gerne bei den ersten Tangoversuchen beobachtet 🙂
Hier neigt sich der, gefühlt, ewig lange Winter dem Ende. Nix spektakuläres, einfach nur ungemütlich und zu lang.
Weiterhin gute Reise Richtung Uruguay
LG
Birgit&Chris
Wenn man bedenkt , daß die Kamera immer nur ein kleines Blickfeld des gesamten Panoramas einfängt , …. mir fehlen die Worte !! 👌👍