Gut, dass wir keinen Youtube Channel betreiben, sonst würde wahrscheinlich der Titel des Films so oder ähnlich lauten, Ute würde Haare raufend und mit entsetztem Gesicht vor Ingo stehen und Uwe mit ölverschmiertem Arbeitsoverall daneben. Doch dazu weiter unten mehr 😉, zunächst genossen wir u.a. den Perito Moreno Nationalpark.

Unsere Route:
Samstag, 17.01.2026
Weit kamen wir nicht an dem Tag. Auf dem Programm stand zunächst ein Einkauf in Gobernador Gregores, um unsere Vorräte für den bevorstehenden Aufenthalt im sehr abgelegenen Nationalpark Perito Moreno aufzustocken. Der anschließende Versuch, Bargeld über Western Union abzuholen, scheiterte leider an den Öffnungszeiten, beide Stellen hatten samstags geschlossen, wie eigentlich fast alles im Ort. Immerhin hatten der Supermarkt und die Tankstelle geöffnet…
Eine Anmerkung zum Bargeld in Argentinien: Man braucht es selten, aber manchmal eben doch. Am naheliegendsten wären die Geldautomaten der Banken, wenn man als Ausländer allerdings überhaupt Geld abheben kann, sind die Gebühren unglaublich hoch. Was immer geht, ist US Dollar oder Euro zu tauschen, nicht zwingend in offiziellen Wechselstuben, gerne auch in Kneipen, Geschäften, Hinterzimmern oder bei Geldwechslern auf der Straße. Hauptsache die Scheine sind brandneu… Eine andere Alternative besteht darin, sich selbst über Western Union Geld zu senden und es dann in irgendeiner Filiale abzuholen, vorausgesetzt sie hat geöffnet und dann auch genügend Bargeld vorrätig. Alles etwas mühsam, v.a. in Verbindung mit der sehr hohen Inflation.

Am frühen Nachmittag erreichten wir unseren Zwischenstopp auf dem Weg in den Nationalpark. Am Rio Chico boten uns ein paar Bäume Windschutz, in Patagonien für uns seit längerem das Hauptkriterium bei der Stellplatzwahl.




Sonntag, 18.01.2026 und Montag, 19.01.2026
Nach 50 km bester Asphaltstraße bogen wir links ab auf die 90 km lange Schotterpiste zum Nationalpark Perito Moreno. Wikipedia dazu: „Der Park umfasst eine Fläche von 1.150 km² und liegt durchschnittlich 900 Meter über dem Meer. Für Touristen ist nur ein Drittel des Nationalparks zugänglich, der übrige Teil ist der Forschung vorbehalten. Bekannt ist der Park v.a. durch die türkisblauen und smaragdfarbenen Seen, die in der gelblich-bräunlichen patagonischen Steppe liegen und von vegetationslosen grauen und schwarzen Bergen eingefasst werden. Der Nationalpark wurde nach dem Entdecker Perito Moreno benannt, der auch Namenspate für den Perito-Moreno-Gletscher im Nationalpark Los Glaciares und die Kleinstadt Perito Moreno in Patagonien war.“
Durch die sehr abgeschiedene Lage und die teilweise nur für Vierradantrieb empfohlenen Pisten innerhalb des Parks beschränken sich die jährlichen Besucherzahlen auf etwa 1.000 bis 1.500. Sehr gut ! Nichts wie hin 👍

Die Fahrt auf der gut ausgebauten Piste wurde jäh unterbrochen, als in Ingos Display die Anzeige für die Sperre des Hinterachs-Differentials erschien. Da niemand von uns den entsprechenden Schalter betätigt hatte, bedeutete das erstmal nichts Gutes. Uwe fand den Fehler schnell, eine Steckverbindung am Sensor des Differentials war gebrochen und hatte die Meldung ausgelöst. Nach telefonischer Rücksprache mit einem sehr technikaffinen und immer hilfsbereiten Reisebekannten (Danke Klaus!!) fuhren wir weiter. Er hatte uns in unserer Meinung bestätigt: Die Sperre war nicht eingelegt, es konnte also kein Schaden entstehen. Damit hatte Ingo die weitere Route Richtung Norden festgelegt, zu seinem seit längerem schwächelnden Anlasser war nun noch dieses Problem dazugekommen. Da in Argentinien MAN Werkstätten so gut wie nicht vorhanden sind, würden wir wahrscheinlich einen Umweg über Chile machen müssen.

Innerhalb des Parks gibt es für Wohnmobile nur zwei erlaubte Stellplätze, nach der Registrierung an der Ranger Station steuerten wir zunächst den am Lago Burmeister an. Schon die 15 km lange Fahrt dorthin rechtfertigte die etwas zähen 90 km Schotter zum Nationalpark.




Ein bisschen Vertrauen und v.a. gute Kenntnisse der Fahrzeugabmessungen halfen bei den diversen Bachüberquerungen unterwegs. Viel Platz war nicht mehr rechts und links zu den unbefestigten Rändern.


Wir parkten Ingo auf dem ausgeschilderten Wohnmobil-Parkplatz (leider ohne Sicht auf den See) und erkundeten die Umgebung. Kaum waren wir um eine Ecke gebogen lag der unglaublich blaue Lago Burmeister vor uns, umgeben von Bergen, kreisende Kondore, ein Bilderbuchanblick. Die einzige Wandermöglichkeit am See ist ein einfacher 700 m langer Weg zu einem Aussichtspunkt auf einem exponierten Felsen, von dem wir zwar eine schöne Aussicht hatten, uns bei dem üblichen patagonischen Wind aber auch nicht besonders wohl fühlten…







Schon beim Betreten des Parks waren wir von den Rangern gewarnt worden, der Montag würde noch windiger werden. Und so war es dann auch… Bis auf einen kurzen Spaziergang „um den Block“ verließen wir Ingo nicht, es war einfach zu ungemütlich.
Dienstag, 20.01.2026
Wir hatten Glück, es blieb bei einem Tag Hausarrest. Der Wind hatte spürbar abgenommen, wir wechselten den Standort und zogen auf den zweiten erlaubten Platz um, einen Parkplatz am Lago Belgrano. Unterwegs machten wir einen 4 km langen Abstecher durch diese tolle und v.a. menschenleere Landschaft.






Die Piste endete an einem Aussichtspunkt über den Belgrano See, der mit seinem Blau den Lago Burmeister locker in den Schatten stellte. Was für eine Farbe vor dieser Kulisse ! Und „Nein“, wir haben nicht am Farbregler gedreht.


Ein kurzer Stopp an der Ranger Station musste sein, wir hatten uns bei der Registrierung zunächst für 4 Tage angemeldet, wollten das aber auf Grund der schlechten Wettervorhersage etwas ausdehnen, um ggf. einen Regentag aussitzen zu können. Wir gerieten an eine sehr paragraphentreue Rangerin… Nicht nur, dass wir ihr Misstrauen erregten, weil wir trotz Bestätigungsmail im System nicht auffindbar waren, sie wollte auch für jeden Tag unser exakt geplantes Programm. Etwas schwierig bei unbeständigem Wetter und Unkenntnis der örtlichen Gegebenheiten… Irgendwann waren wir entlassen und näherten uns dem Lago Belgrano.

Wir parkten Ingo auf einem der standesgemäß 😉🚛 ausgewiesenen Wohnmobil-Stellplätze und waren erstaunt, wie relativ wenig auf dem Parkplatz los war, trotz gutem Wetter und Hochsaison.


Den sonnigen Nachmittag nutzten wir für eine einfache aber wunderschöne 10 km lange Wanderung über die benachbarte Halbinsel. Immer wieder hatten wir tolle Ausblicke auf den knallblauen See, die verschiedenen Färbungen entstehen durch mehrere Zuflüsse die unterschiedliche Mineralien und Sedimente enthalten. Einen der ansässigen Pumas haben wir unterwegs leider/zum Glück ? nicht getroffen, genauso wenig wie andere Menschen. Himmlisch, wie ungestört wir uns in dieser Landschaft bewegen konnten.






Auf dem letzten Bild haben wir unser perfekt getarntes Auto versteckt 😎.
Mittwoch, 21.01.2026
Wie vorhergesagt wurde das Wetter schlechter, die Wolken hingen tief in den Bergen. Das in Verbindung mit den schlimmer werdenden Startschwierigkeiten von Ingo führten zu dem Entschluss, den Park vorzeitig zu verlassen. Schweren Herzens traten wir den Rückweg an, nur ungern verließen wir diesen schönen Ort.


Die knapp 100 km zurück auf die Hauptstraße waren in besserem Zustand als die folgenden Abschnitte der Ruta 40. Schlaglöcher wechselten sich ab mit Absenkungen und angekündigten sowie unangekündigten Schotterabschnitten. Auf jeden Fall gab das den zahlreichen Guanakos rechts und links reichlich Gelegenheit in aller Seelenruhe vor uns die Straße zu überqueren. Ansonsten war die Landschaft so langweilig wie eh und je…








Nach insgesamt etwa 250 km richteten wir uns in dem eigentlich nur aus einer Kneipe und einer etwas schrägen Tankstelle bestehenden Bajo Caracoles auf einem staubigen Parkplatz ein. Der Nachmittag war der Kommunikation mit diversen Werkstätten sowohl in Argentinien als auch in Chile gewidmet. Ingos Anlasser hatte einen Zustand erreicht, der nach dringender Zuwendung verlangte.





Nach einem Telefonat mit der MAN Zentrale in Chile war klar, dass unser nächstes Ziel die dichteste MAN Werkstatt in Chile sein würde. Argentinien ist nicht die erste Wahl für Probleme mit unserem Auto, abgesehen davon, dass die nächste Werkstatt im 2.300 km entfernten Buenos Aires lag. „Gehen Sie nicht über Los, gehen Sie direkt dorthin“ lautete die Devise, alle geplanten Abstecher waren erstmal gestrichen.
Die Nachricht verdauten wir bei einer mehr oder wenigen guten, dafür umso größeren Pizza und einem Bier in der wirklich sehr speziellen Kneipe. Man sitzt mitten in dem vollgestopften Laden, in unserem Fall direkt vor dem Tresen, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, alles ist voller Aufkleber, dazwischen wuseln diverse Kinder der Betreiberfamilie und der ein oder andere Hund, im Fernsehen läuft ein Musiksender, natürlich zu laut. Hatte aber was 😎.





Donnerstag, 22.01.2026
Weiter Richtung Werkstatt, immer Richtung Norden, immer auf der langweiligen Ruta 40 und immer auf Habacht wegen des teilweise sehr schlechten Straßenzustandes. Nicht alle Krater in der Straße werden durch Schilder angekündigt. Wir ließen den Abzweiger zum UNESCO Weltkulturerbe „Cueva de las Manos“ (die Höhle der Hände) links liegen, bloß nicht anhalten und Ingos Anlasser noch mehr strapazieren. Schade, die 9.000 bis 13.000 Jahre alten Felsmalereien hätten wir uns gerne angesehen.


Einziges Highlight unterwegs war die Durchquerung des Nationalparks Patagonia, Sektor „Cañón Colorado“. Natürlich hielten wir auch hier nicht an für eine Wanderung zu den farbigen Schluchten, hatten aber zumindest von der Straße aus ein paar schöne Ausblicke auf die roten Felsen.



Für einen Einkaufs- und Tankstopp im Ort Perito Moreno mussten wir Ingos Motor zwangsläufig zweimal abstellen, beide Male tat er sich beim wieder Anlassen schwer. Kein beruhigendes Gefühl…
Einen ganz hübschen Platz für die Nacht fanden wir am Rio Mayo etwas abseits der gleichnamigen kleinen Stadt, der selbst ernannten nationalen Hauptstadt der Schafschur. Leider hatten wir nicht das Vergnügen dem einmal jährlich stattfindenden Festival beiwohnen zu können, wir hatten es knapp verpasst, Schade ! Gut, dass wir vorher schon wussten, um was es geht, das sehr abstrakte Denkmal am Ortseingang wäre keine Hilfe gewesen.






Freitag, 23.01.2026
Es fing alles an wie immer, geradeaus durch langweilige Landschaften. Rechts und links ein paar Guanakos und Nandus, ein Gürteltier leider nur noch von hinten und ohne Foto, dafür konnte man gefahrlos während der Fahrt die Kabine entstauben.


Bis nach etwa 70 km ein Straßenzustand begann, den wir selbst bei den regelmäßig schlechten Straßen in Argentinien so nicht erwartet hätten. Die eigentliche Straße war durch Schlaglöcher und fehlenden Belag so gut wie nicht mehr befahrbar, die zwei bis vier eingerichteten Parallelfahrbahnen in großen Teilen nicht viel besser. Bei jeder der spärlich vorhandenen Möglichkeiten hin und her zu wechseln stand man vor der Entscheidung „Teufel oder Beelzebub“. Etwas derart materialmordendes und das v.a. über eine Distanz von 40 km hatten wir noch nirgends gesehen. Für einen kurzen Abschnitt auf der Schotterpiste hatten wir zumindest das Glück, dass kurz vor uns der Grader (Straßenhobel) unterwegs gewesen war.







Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir es geschafft und den völlig durcheinander geratenen Inhalt des Kühlschranks wieder aufgeräumt (zum Glück war nichts kaputt gegangen), als die Landschaft abwechslungsreicher wurde. Es gab wieder Pflanzen, die höher wachsen konnten als eine Handbreit über dem Boden und nicht von einem ständig über die Ebenen fegenden Wind rasiert wurden. Berge kamen in Sicht, es gab gerade Bäume und nicht nur solche, die nach 30 cm einen Knick in die vorherrschende Windrichtung machten und parallel zum Boden weiter wuchsen. Sogar grüne Wiesen sahen wir. Eine Wohltat !



Zwar waren wir immer noch in Patagonien, „das Schlimmste“ schienen wir aber hinter uns zu haben. Nach insgesamt 315 km erreichten wir den kleinen Ort Tecka, richteten uns neben einer kaum befahrenen Schotterstraße am Ortsrand ein und bereiteten den Grenzübertritt nach Chile vor. Lebensmittel mussten entweder verkocht oder aufgegessen, die Fähre von Chaitén nach Puerto Montt gebucht und letzte Abstimmungen mit der Werkstatt vorgenommen werden. Dienstag wollten wir mit Ingo auf dem Hof von MAN stehen.

Die ausgelassene Sehenswürdigkeit des Tages war der versteinerte Wald bei Sarmiento, in dem über 65 Millionen Jahre alte Baumstämme in einer mondähnlichen Landschaft verstreut sind.
Samstag, 24.01.2026
Endlich fuhren wir wieder Richtung Berge, erste schneebedeckte Gipfel tauchten am Horizont auf, leider etwas getrübt durch den immer noch in der Luft hängenden Rauch der kürzlichen schweren Waldbrände.

Einen Zwischenstopp machten wir in Trevelin, einer Ende des 19. Jhd. durch walisische Auswanderer gegründeten Siedlung. Die Menschen hatten ihre Heimat verlassen, um der zunehmenden Zwangsangleichung durch England zu entgehen. Von Argentinien wurden sie mit offenen Armen empfangen und bekamen Land zur Verfügung gestellt, allerdings mit dem Hintergedanken als Bollwerk gegen Chile zu dienen, mit dem das Verhältnis damals nicht das Beste war. Zum Glück für die Waliser wurde das nie notwendig, bis heute finden sich in dem Ort z.B. zweisprachige Schilder und an vielen Stellen der walisische Drache.




Leider waren wir zur falschen Uhrzeit vor Ort, gerne hätten wir in einer der typisch britischen Teestuben einen „Afternoon Tea“ eingenommen, Trevelin hat sich aber den flächendeckenden argentinischen Gepflogenheiten angepasst, zwischen 12.00 und mindestens 15.30 hat alles geschlossen. Uwe hatte noch das Glück einen Barbershop zu erwischen, der tatsächlich etwas länger geöffnet hatte. Was nicht so ganz in den Ort passt, ist der überall in Argentinien präsente Hinweis auf die Tatsache, dass die Malvinas (Falklands) argentinisch waren, sind und immer bleiben werden. In diesem Fall auf jedem Straßenschild…




Da wir keine Lust hatten, stundenlang auf die Öffnung der Geschäfte zu warten, verließen wir den Ort relativ schnell wieder und nahmen das letzte Stück Strecke Richtung Grenze in Angriff. Landschaftlich zwar sehr schön, aber mal wieder 30 km übelste Schotterpiste mit tiefen Wellblechabschnitten. Langsam hatten wir die Nase gestrichen voll von diesen desolaten Straßenzuständen.


Aus Ermangelung an Alternativen fuhren wir auf den Glamping Patagonia 500 m vor der Grenze, einem schön gelegenen aber sehr einfachen Campingplatz direkt am Rio Futaleufú. Von „Glamping“ war nichts zu sehen, zumindest war es aber sauber und die Betreiberin sehr nett. Kaum hatten wir uns eingerichtet bemerkten wir, dass wir auf der miserablen Piste unser rechtes Scheinwerfergitter verloren hatten. Der Laune war das nicht unbedingt zuträglich, zumal die Teile teuer, auf diesem Kontinent schwer zu bekommen und bei den miesen Pisten wichtig sind. Wir mussten wohl kreativ werden…





Morgen reisen wir nach Chile ein, die Fähre von Chaitén nach Puerto Montt ist für die Nacht von Sonntag auf Montag gebucht, Dienstag bekommt Ingo bei MAN endlich die wohlverdiente Zuwendung. Für den Anlasser wird es allerhöchste Zeit, der Stecker des Differentials steht auch auf dem Zettel und jetzt vielleicht auch noch neue Scheinwerfergitter. Worauf wir uns auf jeden Fall freuen, sind die hervorragenden chilenischen Straßen und (ganz banal) die Supermärkte.
Oh Man oh Man. Nicht optimal gelaufen. Drücken weiterhin alle Daumen. Jetzt seit ihr sehr fix weg. Mal schauen, wann und wo wir uns wieder sehen. Alles Gute.