Etwa 4.300 km Luftlinie entfernt lag eine gedachte rote Linie von Chile über Bolivien bis Brasilien, bis zu der wir gerne mindestens noch reisen wollten. Klang nicht besonders weit, unterwegs gab es aber viel zu sehen, die tatsächliche Strecke würde ein Vielfaches betragen… Der lange Weg zurück nach Norden führte unweigerlich durch das stürmische Patagonien.

Unsere Route:

Mittwoch, 07.01.2026

Zeit, umzudrehen und dem Ende der Welt den Rücken zu kehren. Wir hatten tolle Dinge in/um und ab Ushuaia erlebt, jetzt stand der Rückweg an. Wir verließen den kalten und nassen Südzipfel des Kontinents und „arbeiteten“ uns über bekannte Stellplätze wieder nach Norden.

Unser erster Halt war der Strandplatz am Cabo Domingo nördlich von Rio Grande. Kurz vor Weihnachten waren wir bei eisigem Wind schon einmal hier, dieses Mal schien bei 14°C die Sonne. So machte der Spaziergang auf die Steilklippe hinter uns gleich sehr viel mehr Spaß.

Den ganzen Tag über herrschte reger Auto- und Picknickbetrieb, nachts war es aber wieder absolut ruhig, auch wenn wir dieses Mal deutlich mehr campende Nachbarn hatten als das letzte Mal. Der Saisonbeginn war deutlich spürbar.

Donnerstag, 08.01.2026

Tierra del Fuego (Feuerland) ist auf Argentinien und Chile aufgeteilt, es stand also mal wieder ein Grenzübertritt an. Die Chilenen sind sehr viel strenger als alle anderen Nationen, was das Mitführen von Lebensmitteln anbelangt, die Einreise ist damit immer noch umständlicher als durch den jedesmal nötigen Papierkram sowieso schon. Nervig, zumal wir am kommenden Tag schon wieder ausreisen würden… Dafür kamen wir direkt nach der Einreise wieder in den Genuss der guten chilenischen Straßen, alles geht nicht.

Die außerordentlich langweilige Landschaft Feuerlands hatte uns wieder, nach insgesamt ca. 200 km reichte es uns, wie schon auf der Fahrt nach Süden stoppten wir in Cerro Sombrero.

Dieses Mal parkten wir direkt auf dem Hauptplatz im Zentrum des ziemlich verschlafenen und etwas desolat wirkenden Ortes. Cerro Sombrero hat eine seltsame Ausstrahlung, viele Gebäude könnten einen neuen Anstrich vertragen, andere wie z.B. das Kino haben eine schön gestaltete Fassade. Der Ort wurde ursprünglich als Arbeitersiedlung gegründet und profitierte von der Ölförderung ab 1958 durch die ENAP, seine Blütezeit hatte er bis Mitte der 80er Jahre. Offensichtlich wurde dann durch die Umstellung auf Erdgasförderung die Anzahl der Beschäftigten stark reduziert, trotzdem hat sich dieser Ort „durchgebissen“, Grünanlagen sind gepflegt, öffentliche Gebäude teilweise im guten Zustand, die Touristeninformation top ausgestattet.
Das Internet dazu: „Cerro Sombrero gilt als einzigartiges Beispiel für eine geplante Industriestadt und ist ein wichtiges historisches Denkmal der Ölförderung in Chile. Viele Einrichtungen funktionieren noch wie in den Anfangstagen, und die Siedlung bewahrt ihren besonderen Charakter als „Stadt in der Zeit“.“ So kann man es auch sagen…

Freitag, 09.01.2026

Weiter immer geradeaus fuhren wir wieder zurück Richtung Festland. Während der 20 Minuten Wartezeit an der Fähre konnten wir dummen Menschen beim Füttern von Wildtieren zuzusehen, so etwas macht uns jedesmal aufs Neue fassungslos.

Die anschließende Einreise nach Argentinien verlief mal wieder völlig entspannt, die Fahrzeugkontrolle bestand aus einem Blick in die Wohnkabine von der Tür aus, keine Fragen, keine Schränke mussten geöffnet werden. „Listo ! Buen Viaje!“ (Fertig! Gute Reise!), so geht es auch.

Nur 10 km weiter erreichten wir unser Tagesziel, die Laguna Azul. Der See liegt im Krater eines seit mehr als 10.000 Jahren inaktiven Vulkans, die intensive Blaufärbung verdankt er dem Fehlen von Schwebeteilchen und Algen, was das Wasser wie einen Spiegel wirken lässt der den Himmel reflektiert. Wir stellten Ingo mit der Schnauze in den üblichen patagonischen Wind und erkundeten ein wenig den Kraterrand. Für mehr Aktivitäten reichte es an dem Tag nicht mehr, Ute hatte mit den Auswirkungen der vielen erkälteten Menschen im Waschsalon nach der Antarktis Kreuzfahrt zu tun.

Samstag, 10.01.2026

Wind, Wind, Wind. Wir waren mal wieder sehr froh über unsere Spanngurt-Sicherungen an den Türen der Fahrer- und Wohnkabine. Etwas unbequem, aber in Patagonien hatten sie uns schon ein paar Mal die Türen gerettet…

Weit fuhren wir nicht an diesen Tag, nachdem Uwe den Alkoholtest am Ortseingang von Rio Gallegos bestanden hatte (den im Übrigen jeder machen musste) fuhren wir zum nächsten großen Supermarkt in der ziemlich uncharmant wirkenden Stadt. Danach steuerten wir einen praktisch gelegenen Parkplatz etwas außerhalb am Rio Gallegos an, besonders hübsch war er nicht, dafür standen wir hervorragend behütet durch diverse Heilige mit erstaunlich großen Häusern und zu Füßen der Jungfrau von Güer Aike.

Das Wetter wurde im Laufe des Abends immer schlechter, es regnete Bindfäden, der Wind nahm deutlich zu und wechselte die Richtung um 180°. Wir packten also nochmal alles zusammen und drehten Ingo wieder mit der Front in den Wind. Zumindest optisch wurden wir für den Aufstand aber entlohnt.

Sonntag, 11.01.2026

Viel passierte nicht an diesem Tag. Langweilige 120 km durch die argentinische Pampa, viele Guanakos rechts und links, ein paar Nandus, ansonsten nur plattes Grasland.

Für den nächsten Tag waren wir in El Calafate verabredet, wir legten noch einen Zwischenstopp zum weiteren Auskurieren ein. Wieder nur ein praktischer Platz ohne irgendetwas zu sehen, ein paar rätselhafte alte Betonfundamente und ein paar Bäume als Windschutz, das war‘s.

Gerade hatte Ute sich darüber ausgelassen wie langweilig dieser Platz sei, da tauchten wie bestellt zwei Nandus auf. Also doch noch ein bisschen Unterhaltung am Nachmittag 👍.

Montag, 12.01.2026 bis Mittwoch, 14.01.2026

Unsere Verabredung mit Tanja und Gunnar (3weltreisen.de) verschoben wir krankheitsbedingt auf den nächsten Tag, Utes Grippe war hartnäckig. Die beiden fuhren inzwischen zum nahegelegenen Perito Moreno Gletscher und wir richteten uns auf dem kostenlosen Wohnmobil Parkplatz in EL Calafate ein. Der Platz war zweckmäßig, mehr auch nicht, v.a. war er aber gut besucht.

Nach einer ruhigen Nacht starteten wir am Vormittag zum zweiten Grund unseres Aufenthaltes in El Calafate, Ute hatte einen Termin beim deutschen Honorarkonsul. Für eine in Deutschland benötigte beglaubigte Unterschrift hatten wir völlig unkompliziert und schnell einen Termin bei Herrn Ferstl bekommen, der im Ort eine deutsche Bäckerei incl. Brezeln, Hamburger Franzbrötchen und Vollkornbrot betreibt.

Nach 2 Minuten war das Amtsgeschäft erledigt und nach einer netten Unterhaltung incl. vieler Reisetipps für Argentinien war es Zeit für ein Frühstück „wie Zuhause“. Der anschließende Bummel durch El Calafate gab nicht viel her, ein Touristenort wir jeder andere.

Ingo stand inzwischen in Gesellschaft diverser deutscher, genauer gesagt überwiegend schwäbischer Reisemobile, u.a. trafen wir nach unserer Begegnung mitten im Wald auf Feuerland wieder auf Simone und Chris (two-walkabouts). Auch Ingos kleiner Bruder Baloo mit Tanja und Gunnar war mittlerweile angekommen, den Abend verbrachten wir zu viert in einem kleinen arabischen Restaurant.

Mittwoch, 14.01.2026

Am Vormittag stand Bildung auf dem Programm. Kurz hinter El Calafate liegt das Glaciarium, ein Gletscher-Interpretationszentrum, das sich der Aufklärung über Eis, Gletscher, das südpatagonische Gletscherfeld und klimatische Veränderungen widmet. Es war zwar alles relativ modern gemacht, für unseren Geschmack aber viel zu überfrachtet, diese Massen an Informationen waren zu viel für unsere nicht mehr taufrischen Gehirne…

Wir verließen das sehr touristische Calafate und fuhren zum Lago Argentino. Der größte See Argentiniens wird von mehreren Gletschern gespeist und ist mit knapp 1.500 km2 etwa dreimal so groß wie der Bodensee. Seine kräftige türkis-blaue Färbung verdankt er u.a. feinen Gesteinspartikeln und Mineralien, der sog. „Gletschermilch“, die das Sonnenlicht streuen und v.a. das blaue Licht reflektieren. Wir fanden erneut in Gesellschaft von Baloo einen schönen Platz am Ufer des Sees, leider nervte mal wieder der permanente Wind. Patagonien wurde zunehmend anstrengend!

Lange schon war Ute auf der Jagd nach einem Foto des Carancho, bzw. Schopfkarakara, einer Falkenart, die eine Körpergröße von bis zu 60 cm und eine Spannweite von maximal 130 cm erreicht. Man sieht die Vögel relativ häufig, in der Regel sind sie aber nicht so zugänglich wie das Exemplar, das sich in aller Seelenruhe direkt neben Ingo in Positur warf und uns vergleichsweise nahe an sich heran ließ. Sehr schöne Tiere !

Donnerstag, 15.01.2026 bis Freitag, 16.01.2026

Wir verabschiedeten uns von Tanja und Gunnar und dem schönen Lago Argentino und fuhren weiter Richtung Norden.

Zwischen uns und unserem Tagesziel lagen die „Malditas 73“, diese „verdammten 73“ km Schotterpiste waren auf der Fahrt nach Süden schon etwas nervig, damals hatten wir aber noch das Ziel „Ushuaia“ vor Augen. Jetzt auf der Rückfahrt hatten wir noch weniger Lust auf das Geschaukel in Ingo, das Waschbrett, den teilweise sehr tiefen Kies und den Staub. Zwar ist die Strecke insgesamt gut fahrbar, trotzdem waren wir froh, irgendwann wieder Asphalt unter den Rädern zu haben.

Wenigstens wurden wir mit ein bisschen „wildlife“ entschädigt, unterwegs begegneten uns u.a. ein paar suizidale Guanakos und eine Nandu-Henne mit ihren drei Jungen.

Irgendwann hatten wir es hinter uns und erreichten Gobernador Gregores. Wie schon vor sechs Wochen flüchteten wir vor dem Wind auf den von Bäumen umstandenen Camping El Nene, erledigten ein paar Servicearbeiten und planten unsere weitere Reise.

Für die Route ab Feuerland hatten wir uns gegen die Atlantikküste entschieden, die noch mehr flache langweilige Landschaften, ungeschützte Stellplätze und noch mehr Wind bedeutet hätte. Für uns geht es über bekannte Straßen noch ein Stück weiter, bevor wir etwas weiter nördlich die Seiten wechseln und uns Richtung Buenos Aires bewegen.

Patagonien ist schön, aber einmal im Leben reicht…

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Thomas Glissmann
Thomas Glissmann
11 Tage zuvor

Alles Gute an Euch 2 Helden von Thomas aus Schwerin. Ich feiere Euch!

Gerd Rother
Gerd Rother
23 Tage zuvor

Super , bin gespannt auf die Berichte entlang der Ostküste !

Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
24 Tage zuvor

Super. Schön, war es mit Euch. Danke auch nochmal für das Franzbrötchen. Gute Weiterfahrt. Wir können den Wind auch nicht mehr leiden.

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