Die Antarktis ist der kälteste, trockenste und windigste Kontinent der Erde, der den Südpol umgibt und fast vollständig von einer dicken Eisschicht bedeckt ist. Sie besteht aus dem Festland Antarktika, dem umliegenden Südpolarmeer und ist ein riesiges Süßwasserreservoir, das 80 % des Eises der Erde beherbergt. Trotz extremer Bedingungen beheimatet sie einzigartige Tierarten wie Pinguine, Robben und Wale und wird durch den Antarktisvertrag als Naturreservat für Wissenschaft und Frieden geschützt, obwohl sie zunehmend vom Klimawandel bedroht ist. Und sie ist so schön, dass sie einen sprachlos macht.

Unser Route:

Wir bewegten uns ausschließlich auf einem winzigen Teil der antarktischen Halbinsel im Norden, die noch nicht einmal 10% der Gesamtfläche des Kontinents ausmacht.

Mittwoch, 24.12.2025

Der Endspurt vor unserer Reise auf den 7. Kontinent begann entspannt. In dem kleinen Fischerdorf Puerto Almanza am Beagle Kanal nutzten wir eine der wenigen Regenpausen, um zum 600 m entfernten „El Frontón“ zu gehen. Das kleine Restaurant hatte eine hervorragende Küche, eine super nette Chefin und v.a. frische Centolla (Königskrabbe) im Angebot. Wir verzichteten auf das ganze Tier und begnügten uns mit Centolla natural mit Salat und einem Eintopf mit Centolla und Langusten.

Beides sehr lecker, obwohl der Eigengeschmack der ziemlich hochpreisigen Riesenkrabbe geschmacklich eher als zurückhaltend bezeichnet werden könnte.

Den Nachmittag verbrachten wir in netter Runde mit unseren englischen Reisefreunden, bis es allen zu kalt und zu windig wurde und jeder sich in sein „Wohnzimmer“ zurückzog.

Donnerstag, 25.12.2025

Wir verließen das beschauliche Puerto Almanza und fuhren zurück zum Rio Olivia kurz vor Ushuaia. Alles wie gehabt, tagsüber Menschen, die bei ungemütlichen 10° C picknicken, abends und nachts nichts mehr los und herrlich ruhig.

Freitag, 26.12.2025 und Samstag, 27.12.2025

Die Tage vergingen mit letzten Erledigungen und Besorgungen. Unsere 10 tägige Reise hatten wir etwa vor 3 Wochen über die Agentur „Wayfinders“ in Ushuaia gebucht. Im Reisepreis enthalten waren u.a. vom Veranstalter „Quark Expeditions“ gestellte Ausrüstung in Form von einem Parka zum Behalten und warme und wasserdichte Stiefel als Leihgabe, den Rest legte Wayfinders als Leihgabe drauf, eine wasserdichte Hose und Handschuhe. Daneben gab es ein paar kleine Geschenke, wir waren gerüstet.

Den genauen Ablauf bzgl. Buchung etc. ersparen wir der Leserschaft an dieser Stelle, wer es genauer wissen möchte, kann gerne bei Polarsteps nachlesen.

Sonntag, 28.12.2025

Es ging los !!!

Morgens brachten wir unser Gepäck zur Aufbewahrung, am frühen Nachmittag kam Ingo in sein von Wayfinders angebotenes Zwischenlager, ein Mitarbeiter fuhr uns zurück in die Stadt, wir tranken noch einen letzten Kaffee in Ushuaia und dann mussten wir auch schon zum Treffpunkt am Hafen. Die 170 Passagiere waren auf 4 Busse verteilt, alles war im Vorfeld schon top organisiert. Nach etwa 400 m (!) erreichten wir die World Explorer, unser Quartier für die nächsten 10 Tage. Auch hier lief alles reibungslos, alle waren super nett und freundlich, unsere Balkonkabine war schön, kleine Extrawünsche wurden sofort erfüllt. Auf dem Bett wartete der im Preis enthaltene Parka auf uns, nach der folgenden „Parka Tausch Party“ hatte Ute dann auch die richtige Größe. Zwischendurch gab es die obligatorische Sicherheitsübung, alle Mann mit Schwimmwesten am richtigen Sammelpunkt antreten.  

Expeditionsleiter Shane mit 30 Jahren Antarktiserfahrung sah aus wie Amundsen persönlich und gab uns erste Infos zu den Abläufen an Bord und für die kommenden Tage. U.a. auch bzgl. der Wetters, die berüchtigte Drake Passage erwartete uns zwei Tage lang mit Wellen bis zu 4 m, also weit entfernt von „Drake lake“, aber nach Shanes Aussage auch noch kein „Drake shake“, irgendetwas Unangenehmes dazwischen. Wir holten uns Pillen gegen Seekrankheit an der Rezeption, genossen unser erstes Abendessen an Bord, nahmen die Tabletten zum Dessert und hofften das Beste. 

Ab Mitternacht wurde es unruhig, solange man nicht aufstand war aber alles OK, die Tabletten halfen. 

Montag, 29.12.2025

Etwas unausgeschlafen begannen wir den erstaunlich durchgetakteten ersten Seetag. Nach dem Frühstück folgte direkt der erste Vortrag über Seevögel, im Anschluss erkundeten wir ein bisschen das Schiff, bevor der zweite Vortrag mit Walen als Thema startete. Es folgten Mittagessen, Zodiac (Schlauchboot)-Einweisung und Ausrüstungskontrolle auf biologische Sauberkeit und dann tatsächlich etwa eine Stunde Freizeit. Am frühen Abend ging es vom Briefing für den nächsten Tag fast nahtlos über den Captains Welcome Cocktail weiter zum Abendessen. Wir waren aber ja schließlich auch nicht zum Vergnügen an Bord 😉. 

Dienstag, 30.12.2025

Mit einem ähnlichen Programm wie am Vortag begannen wir den zweiten Tag auf See. Diverse Vorträge, eigentlich nur unterbrochen von den Mahlzeiten und ein bisschen Zeit dazwischen. Die Pillen gegen Seekrankheit halfen zwar, hatten aber die unangenehme Nebenwirkung, dass man extrem schläfrig wurde. Besonders doof während den eigentlich sehr interessanten Vorträgen… Irgendwann hatten wir die Drake Passage aber hinter uns, der Übergang zum Küstenbereich wurde noch einmal unruhig mit geschätzten 5m Wellenhöhe, einige Tische beim Abendessen blieben leer. Die Nacht war ruhig, wir setzten die Tabletten ab und freuten uns auf die erste Landsichtung am nächsten Morgen. 

Als Vorbereitung für die Landgänge und Zodiac Fahrten wurden alle Passagiere in vier Gruppen eingeteilt, zwei Gruppen würden an Land gehen, die anderen beiden zunächst Zodiac Cruises machen, bevor nach etwa 1 bis 1,5 Stunden getauscht werden würde. Nur so war gewährleistet, dass nie mehr als 100 Menschen gleichzeitig an Land sein würden, eine der vielen Regeln zum Schutz der Antarktis. Statt Marienkäfer, Storch und Löwenzahn gab es hier Robbe, Albatros, Pinguin und Wal als Gruppennamen.

Mittwoch, 31.12.2025

Dank der zu dieser Jahreszeit nie ganz untergehenden Sonne sahen wir schon in der Nacht die ersten Eisberge, Uwe hatte das Glück, kurz einen Wal beobachten zu können, um 06.30 standen wir an Deck mit Blick auf den Lemaire  Channel, dessen Durchquerung geplant war. Der Kanal ist 11 km lang und bis zu 1,6 km breit und trennt Booth Island vom Antarktischen Kontinent. An seiner engsten Stelle ist er weniger als 800 m breit, umgeben von bis zu 700 m hohen Bergen. Der Kanal ist häufig voller Eisberge, was das Manövrieren extrem schwierig macht. Leider war genau das an diesem Morgen der Fall, der Eingang war mit Eisschollen versperrt, eine Durchfahrt damit nicht möglich. 

Plan B trat in Kraft, der Kapitän drehte um und wir näherten uns Port Charcot auf Booth Island von Norden. 

Port Charcot liegt im Norden der Insel und wurde 1904 von Jean-Baptiste Charcot entdeckt. Sein Schiff, die Français lag in der Bucht vor Anker und er verbrachte mit seiner Crew den Winter dort. Obwohl sie auf dem Schiff schliefen, richteten sie an Land eine Station für Forschungszwecke und als Notunterkunft ein. 

Kaum hatten wir die World Explorer zum ersten Mal mit den Zodiacs verlassen, waren wir umgeben von hüpfenden Eselspinguinen und mindestens 10 Buckelwalen. Ein unfassbares Erlebnis, das uns einfach nur sprachlos machte. Wir waren unglaublich glücklich, das in dieser wunderschönen und fast unwirklichen Natur erleben zu dürfen. 

Nach etwa 1 Stunde auf dem Wasser legten die Schlauchboote an und wir setzten das erste Mal die Füße auf antarktischen Boden. Natürlich waren wir zusammen mit 50% der Schiffspassagiere unterwegs, aber auch in Gesellschaft dieser ca. 85 Menschen plus Mitgliedern des Expeditionsteams war es ein überwältigendes Erlebnis. Wir bewegten uns 1,5 Stunden lang zwischen Eselspinguin Kolonien, umgeben von Eis und Schnee in eigentlich absoluter Stille. Die einzigen Geräusche waren die Rufe der Pinguine und gelegentlich brechendes Eis, wenn man von den wie meistens zu lauten Menschen absah. 

Die World Explorer machte erneut kehrt, Expeditionsleiter Shane wollte uns unbedingt den immer noch mit Eis versperrten Lemaire Channel zeigen. Wir stoppten vor dem nördlichen Eingang und erkundeten den Kanal mit den Zodiacs bzw. für die noch etwas Abenteuerlustigeren mit Kajaks. 1,5 Stunden fuhren wir durch Eisschollen, passierten unglaubliche Eisgebilde, sahen Pinguine und Seeleoparden. Das zunehmende Schneetreiben tat der Sache keinen Abbruch, glücklich kehrten wir zu unserem schwimmenden Hotel zurück. 

Nach einem hervorragenden Silvester Menu und einem Absacker in der Bar beschlossen wir, den Jahreswechsel nach deutscher Zeit zu feiern, also 4 Stunden vor Ortszeit. Am nächsten Tag würde der Wecker wieder früh klingeln, der nächste Landgang war in Aussicht. 

Donnerstag, 01.01.1026

Uwe öffnete am Neujahrsmorgen um kurz nach 6.00 die Vorhänge und das erste, was er  sah, war ein Buckelwal. Was für ein Start in das neue Jahr !

Wir lagen inzwischen am Damoy Point auf der Westseite von Wiencke Island im Palmer Archipel. An Land gibt es eine immer noch unterhaltene britische und eine verfallende argentinische Schutzhütte. Die britische Hütte wurde zwischen 1973 und 1993 als Transitstation für den Transport von Menschen und Material von den jeweiligen Schiffen zur Rothera Station weiter südlich genutzt, wenn im Winter der Zugang dorthin durch Eis blockiert war. Flugzeuge landeten auf einem nahe gelegenen Gletscher und übernahmen den Weitertransport.

Wir hatten eine Stunde Zeit an Land, um u.a. diverse brütende und fütternde Pinguine zu beobachten. Die Küken waren zwischen 10 Tagen und 10 Monaten alt, insgesamt mal wieder phantastische Momente, die sicher im Kopf bleiben werden. 

Im Anschluß folgte ein einstündiger Cruise mit den Zodiacs durch die Bucht, wir hatten das Glück, neben den entzückenden Pinguinen auch wieder Buckelwale und unsere erste (schlafende) Krabbenfresser-Robbe zu sehen. Und das alles in dieser atemberaubenden Umgebung. Ohne Worte. 

Während des Mittagessens setzten wir um, das nächste Ziel war Borgen Bay an der zerklüfteten Küste von Anvers Island, ebenfalls im Palmer Archipel. Dank mit Eisschollen gespicktem Wasser und umgeben von steilen vergletscherte Bergen bietet die Bucht eine klassische antarktische Szenerie mit hohem Potential für Wildtierbeobachtungen. Soweit die Ankündigung im Tagesprogramm, wir waren sehr gespannt. 

In der Tat wäre das die Antarktis wie aus dem Bilderbuch gewesen, wenn die Wolken die Sicht auf die umliegenden bis zu 2.800m hohen Berge freigegeben hätte. Aber auch so saßen wir wieder nur staunend in unserem Schlauchboot und sogen alles in uns auf. Die Tierwelt war tatsächlich vielfältig, ein fotoscheuer Minkwal, die üblichen Eselspinguine, einige Zügelpinguine, zwei Buckelwale und ein ziemlich verschlafener Seeleopard. 

Die World Explorer machte sich durch den schmalen Neumeyer Channel zwischen Anvers- und Wiencke Island weiter auf den Weg Richtung Norden. Am liebsten wären wir ständig auf dem Vorderdeck gestanden, aber irgendwann wurde es selbst in den wirklich guten Quark-Parkas zu kalt…

Alle waren schon seelisch auf das Abendessen vorbereitet, als die Durchsage kam: „Orcas“ vor dem Schiff“. Also wieder die dicken Klamotten an und raus. Was wir zu sehen bekamen, war jedes Frieren wert ! Etwa 20 Orcas kamen auf uns zu und schwammen in unmittelbarer Nähe an der Bordwand vorbei. Wieder ein unglaubliches Erlebnis, das wir in unseren Köpfen abspeicherten und mitnahmen. 

Freitag, 02.01.2026

Ketley Point bildet das wesentliche Ende von Ronge Island vor der Westküste von Graham Land. Es wurde 1897 bis 1899 von Kapitän Gerlache mit seinem Schiff Belgica erstmalig kartiert.

Knapp zwei Stunden erkundeten wir die Gegend im Rahmen eines Zodiac Cruise, der geplante Landgang musste leider entfallen. Eis, Schnee und Pinguinguano hatten den Untergrund zu rutschig gemacht. Ganz langsam fuhren wir die Küstenlinie entlang und beobachten u.a. Imperial-Kormorane mit ihren braunen fluffigen Küken, Esels- und Zügelpinguine sowie eine Südpolarskua (Raubmöwenart) im Beuteflug über einer Pinguinkolonie.

Nach etwa 1,5 Stunden drehten wir Richtung offenes Meer ab und kreuzten zwischen den fast unwirklich schönen Eisbergen. Wieder ein unglaublich schöner Vormittag im Rahmen dieser top organisierten Kreuzfahrt. 

Auf der Fahrt zu unserem nächsten Ziel setzte sich das erste Mal die Sonne durch und wir hatten strahlend blauen Himmel. Sprachlos standen wir auf dem Oberdeck und konnten so viel Schönheit kaum fassen. 

Wilhelmina Bay liegt zwischen der Reclus Halbinsel und Cape Anna an der Westküste von Graham Land. Es wurde im Rahmen einer belgischen Antarktisexpedition (1897 bis 1899) von Adrien de Gerlache entdeckt. Benannt wurde die Bucht nach der damaligen niederländischen Königin Wilhelmina. Es handelt sich um eine 24 km breite vergletscherte Bucht mit vielen kleinen Inseln, tollen Aussichten auf die umliegenden Berge und Gletscher, einem (wie immer…) schlafenden Seeleoparden – und Walen !

Mindestens 5 Buckelwale schwammen um uns herum, immer wieder tauchte mindestens einer irgendwo auf, der Spitzname „Wale Helmina“ besteht zu Recht. Wir waren mal wieder sprachlos…

Der Punkt aus dem englischen Tagesprogramm bzgl. des sogenannten Polar Plunge wirkt im Original sehr viel besser als die deutsche Übersetzung und sagt eigentlich alles…

Polar Plunge ! The time has come – weather permitting – for those who are keen, to throw yourselves from a perfectly functioning ship into the frigid waters of the Antarctic!

(Polar Sprung! Die Zeit ist gekommen -abhängig vom Wetter- für diejenigen, die scharf darauf sind, ihren Körper von einem perfekt funktionierenden Schiff in die eisigen Gewässer der Antarktis zu werfen!)

Und wer von uns hat es gemacht und ist in das 1,4°C kalte Wasser gesprungen? … Genau ! 👍

Eine(r) musste ja draußen bleiben und die Fotos machen 😉 

Samstag, 03.01.2026

Portal Point liegt am Eingang zu Charlotte Bay auf der Reclus Halbinsel an der Westküste von Graham Land. Die Briten errichteten 1956 hier eine Schutzhütte, die es ihnen ermöglichte, über einen nahe gelegenen Schneehang auf den Gipfel der Halbinsel zu gelangen. 

Das erste Mal betraten wir antarktisches Festland, jetzt waren wir wirklich auf dem 7. Kontinent angekommen ! Durch die Abwesenheit von Pinguin-Kolonien oder anderen Tieren durften wir auch zum ersten Mal mit etwas anderem als unseren Füßen den Boden berühren. Normalerweise gilt: Nichts anfassen, nichts irgendwo abstellen, nicht sitzen oder knien etc. Wir nutzen die Gelegenheit, saßen im Schnee auf einem Hügel und genossen die phantastische Aussicht. Bis es uns zu warm wurde… Die Sonne hatte eine immense Kraft und wir waren für den folgenden Zodiac Cruise angezogen, d.h. mit insgesamt drei Schichten Merino, Fleece und gefüttertem Parka…

Auf dem Rückweg zu den Zodiacs begegnete uns eine dritte Pinguinart, zwei einsame Adelie-Pinguine gingen auf den Felsen am Ufer spazieren, irgendwie wirkten sie ein bisschen verloren. 

Die Fahrt mit dem Schlauchboot war zum wiederholten Male einfach atemberaubend. Wir sahen einige Krabbenfresser-Robben und waren wieder von zig Walen umgeben, überall sah man die Wasserfontänen, hörte das Pusten, sah Rücken- und v.a. Schwanzflossen. Was für ein Vormittag ! 

Besonders schön war auch die Aussicht auf die „Minions“ beim Landausflug, die gelben Parkas weckten unweigerlich Assoziationen mit den kleinen pillenförmigen Wesen aus den gleichnamigen Animationsfilmen. An dieser Stelle viele Grüße an unseren britischen Reisebekannten Stephen 🤟. 

Weiter ging es zur Graham Passage, die Murray Island von der Westküste von Graham Land trennt. Sie wurde von Kapitän Skidsmo nach seinem Walfangschiff Graham benannt, mit dem er sie am 20.03.1922 als erster durchfuhr. 

Zum ersten Mal war der Seegang abseits der Küste etwas heftiger, auf den Zodiacs war festhalten angesagt. Die Umgebung war wie bisher einfach phantastisch. Ins Wasser kalbende Gletscher, Moos mit ca. 4.000 Jahre alten Wurzeln, unglaubliche Schnee- und Eisformationen und das alles bei strahlendem Sonnenschein. 

Wieder sahen wir diverse Krabbenfresser-Robben, Vögel und und Pinguine. Auf einer Eisscholle lagen ca. 9 Robben in ihrem Blut, schwere Verletzungen waren (zum Glück!) aber nicht sichtbar. Vermutlich waren sie Opfer von Orcas oder Seeleoparden geworden. 

Leider war das unsere letzte Exkursion, die World Explorer machte sich auf den Rückweg nach Ushuaia. Viel zu schnell waren die vier Tage in der Antarktis vergangen, für unzählige Bilder im Kopf hatten sie aber auf jeden Fall gesorgt. 

Expeditionsleiter Shane rief Nachmittags zum Toast auf die Antarktis und verkündete bei der Gelegenheit, dass die Rückfahrt durch die Drake Passage wohl nicht so relativ entspannt wie die Hinfahrt sein würde. Wir legten schon mal wieder die Tabletten gegen Seekrankheit bereit…

Sonntag, 04.01.2026

Ausschlafen ! Kein wake up call von Shane, keine Aussicht mehr vom Observationsdeck, wir waren auf der Drake Passage. Wie angekündigt ziemlich unruhig, die Kaffeetassen beim Frühstück sollten nicht zu voll sein. Der Kapitän fuhr einen Umweg Richtung Westen, um zwischen zwei Stürmen durchzunavigieren, wir hofften, das würde klappen…

Die Vorträge am Vormittag verfolgten wir über unseren Fernseher in der Kabine, das im Bug liegende Auditorium war nicht der beste Platz für den aktuellen Seegang…

Nachmittags bekamen wir die Möglichkeit, die Brücke zu besichtigen. Im 15 Minuten Takt wurden alle Interessierten durchgeschleust und ein Dank Kapitänspatent sehr kompetentes Mitglied des Expeditionsteams erklärte die Abläufe. Sehr interessant!

Der Seegang nahm weiter zu, geradeaus gehen war kaum noch möglich, besser man befolgte die Regel „immer eine Hand frei für das Schiff“, alles etwas nervig. Wenn man ohne sich selbst zu bewegen durch das Bett rollt, ist irgendwas nicht richtig. Die Nacht war entsprechend…

Montag, 05.01.2026

Der Sturm um die Südspitze Südamerikas sollte im Laufe des Tages immer stärker werden, der Kapitän gab Gas, damit wir den geschützten Beagle Kanal erreichen würden, bevor alles noch ungemütlicher werden würde. Wir wankten zum Frühstück, versuchten unfallfrei vom Buffet zu unserem Tisch zu kommen und verfolgten ansonsten hoffnungsvoll die Route des Schiffs auf seinem Weg in ruhigere Gewässer. 

Zwischendurch gab uns die zum Expeditionsteam gehörende Biologin Ema aus Brasilien jede Menge Reise Tipps zu ihrem Heimatland. Incl. markierter Karte und einer vorbereiteten Liste, super nett !

Wir bekamen die letzten Infos bzgl. unserer Ankunft in Ushuaia, beobachteten die letzten Albatrosse, die das Schiff begleiteten, der Kapitän lud zum Abschieds-Cocktail und wir genossen unser letztes Abendessen an Bord. Die Zeit ging rasend schnell vorbei, v.a. die vier Tage in der Antarktis vergingen wie im Flug. In einigen Wochen werden wir per mail unser Reisepaket von Quark Expeditions bekommen, u.a. mit der genauen Reiseroute und Daten von der Brücke sowie einer 10 minütigen Diashow des Bordfotografen Keith. Die Premiere gab es an diesem Abend schon als letzte Veranstaltung im Auditorium.

Dienstag, 06.01.2026

Morgens um 6.00 mussten die gepackten Koffer vor der Kabinentür stehen und nach einem sehr frühen Frühstück begann um 8.00 das Ausschiffen. Gegen 8.30 hatten wir die World Explorer verlassen und der Alltag hatte uns wieder. Ushuaia begrüßte uns kurz nach Sonnenaufgang zunächst mit blauem Himmel über den schneebedeckten Bergen, die Wege zum Supermarkt und anschließend in den Waschsalon legten wir dann aber schon im für diese Stadt gewohnten Regen bei windigen 3°C zurück.

Alles zog sich etwas in die Länge, am späten Nachmittag erreichten wir zum inzwischen dritten Mal den Stellplatz am Rio Olivia kurz hinter Ushuaia, uns reichte es für den Tag.

Unser Resümee: Wir hatten bei unserer Last minute Buchung Glück, an Quark Expeditions geraten zu sein. Das 25 köpfige Expeditionsteam war mit einigen Wissenschaftlern top besetzt, jederzeit ansprechbar und super nett. Die Zodiac Fahrer/innen verstanden ihren Job durch die Bank hervorragend, auch wenn für unseren Geschmack ein bis zwei von ihnen einfach zu laut waren. Ständige „amazing !!!“ Rufe stören beim Genuss der Natur, gleiches galt für Teile der Passagiere… Unser Schiff, die „World Explorer“, mit 100 Personen Besatzung war super komfortabel, hervorragend ausgestattet mit sehr guten Stabilisatoren und sehr leisen Maschinen, das Essen an Bord war hervorragend. Bordsprache war durchgängig englisch, etwa 50% der 172 Gäste kamen aus den USA oder Kanada, die anderen 50% überwiegend aus China. Die paar Europäer, Inder, Russen etc. fielen nicht ins Gewicht. Insgesamt eine angenehme Truppe, Ausnahmen gibt es immer… Alles war hervorragend organisiert, das Programm war straff, Freizeit gab es wenig, der Begriff „Expedition“ besteht zu Recht, mit Urlaub hatte das Ganze wenig zu tun. 

Für uns war diese Reise ein absolut unvergessliches Erlebnis und ein erfüllter Lebenstraum, von dem wir unzählige Erinnerungen und Bilder im Kopf mitnehmen. Derartige Natur in dieser Schönheit und Unberührtheit erleben zu dürfen ist ein riesiges Geschenk ! 

Leider ist aber auch die Antarktis massiv bedroht durch u.a. die Erwärmung der Ozeane und den allgemeinen Klimawandel, von dem direkten Eingriff des Menschen in das Gleichgewicht der Natur ganz abgesehen. 

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Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
12 Stunden zuvor

Sehr schön geschrieben. Ein unglaubliches Lebenshighlight.

Chris
Chris
8 Tage zuvor

Happy New Year,
einmal mehr, schön Euch bei Eurem Lebenstraum begleiten zu dürfen, in diesem Fall einfach nur Cool……..
Danke
Birgit&Chris

Gerd Rother
Gerd Rother
8 Tage zuvor

Moin IHR BEIDEN !
Was soll ich , als nun 90 jähriger , dazu sagen ?? Mein Respekt und meine Bewunderung , für Euch und Eure Erlebnisse in Worte zu fassen , gelingt mir nicht !!
Weiterhin !!! 👍💪🙏 Liebe Grüße. Gerd aus Leo 13

Frank Dzierzon
Frank Dzierzon
9 Tage zuvor

Moin Ihr Beiden! Ein Frohes Neues! Das Jahr beginnt mit Eurem EINZIGARTIGEN Erlebnis, so darf es nun auch weitergehen.

Liebe Grüße
U+F

Hans Georg Lerdo
Hans Georg Lerdo
9 Tage zuvor

Allein bei den verschiedenen Blautönen im Eis bekommt man schon eine Gänsehaut!!
Tolles Erlebnis und Reisebeschreibung!! Danke Euch!! 👍🏻🙋🏼

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