…den See-Elefanten. Bei „Urmel aus dem Eis“ ist der See-Elefant „Seele-Fant“ kein besonders fröhlicher Zeitgenosse. Gewöhnlich sitzt er weit draußen auf einem einsamen Felsenriff und singt eines seiner „traurögen“ Lieder. Besonders traurig sahen die Seeelefanten am Playa Isla Escondido zum Glück nicht aus, laut „gesungen“ haben sie aber auch.

Unsere Route:

Dienstag, 03.02.2026 bis Donnerstag, 05.02.2026

Wie immer lief die Einreise nach Argentinien völlig unkompliziert und reibungslos. Ein kurzer Blick in das Auto, ein bisschen Smalltalk, der nötige Papierkram war in ein paar Minuten erledigt und schon waren wir zurück auf argentinischem Schotter.

Auf den folgenden 20 km schlechter Wellblechpiste war unser Blick hoch konzentriert auf den Fahrbahnrand gerichtet, wir hofften unser verlorenes Scheinwerfergitter wieder zu finden, das wir vor einer Woche auf diesem Abschnitt eingebüßt hatten. Leider ohne Erfolg, dafür passierten wir aber einen Grader, künftig sollte die miserable Piste also etwas besser zu befahren sein.

Unser Ziel war das Weingut „Viñas del Nant y Fall“ kurz vor dem sehr walisisch geprägten Ort Trevelin. Auf dem schönen Grundstück gibt es hervorragend ausgestattete Stellplätze, ein riesiges Picknickareal, ein Restaurant und ein kleines Gourmetgeschäft. Wir brauchten eine kleine Auszeit und blieben zwei Tage.

„Nant y Fall“ setzt sich aus zwei Wörtern zusammen: Nant (Walisisch für Bach) und Fall (Englisch für springen oder fallen). Im Walisischen bedeutet „Nant y Fall“ also so viel wie „Bach der Wasserfälle“. Die Familie hinter dem Projekt hat italienische Wurzeln, was sich unübersehbar auf der sehr Pasta-lastigen Speisekarte und v.a. im stilvollen Ambiente niederschlägt.

Den Mittwoch verbrachten wir mit überwiegend so profanen Dingen wie Putzen, Wäsche waschen und kleineren Reparaturen, bevor wir Abends im Restaurant des Weingutes unseren Hochzeitstag feierten. Die Pasta war hervorragend, der Wein zum Teil auch, die Empanadas leider nicht, insgesamt aber ein schöner Abend in netter Atmosphäre.

Donnerstag, 05.02.2026

Eine unspektakuläre Fahrt führte zu einem unspektakulären Stellplatz. Auf überraschend guten Straßen begannen wir die Durchquerung Argentiniens von West nach Ost. Eine erste Zwischenübernachtung machten wir etwas abseits und außer Sichtweite der Hauptstraße neben ein paar Bäumen. Windschutz boten diese leider nicht, seit längerem standen wir mal wieder im heulenden Sturm, trotz strahlendem Sonnenschein war an Aussteigen nicht zu denken, der Sand flog quer.

Freitag, 06.02.2026

Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, die „Deko“ an einem Zaun neben der Straße fanden wir gelinde gesagt etwas gewöhnungsbedürftig. Da gefiel uns doch der aus einem Berg springende Dinosaurier irgendwo unterwegs sehr viel besser.

Insgesamt war die 330 km lange Etappe ausgesprochen kurzweilig, die Landschaft im Tal des Rio Chubut erinnerte mit den beeindruckenden Felsen rechts und links in weiten Teilen an den mittleren Westen der USA. Selbst die Straße war überwiegend in hervorragendem Zustand, obwohl es so ganz ohne Löcher und Schotter natürlich nicht abging.

Leider hatte uns irgendwann aber die ebene und langweilige Pampa wieder, wenigstens kam der Wind an diesem Tag von hinten… Nach knapp 6 Stunden Fahrt bogen wir von der Hauptstraße ab und erreichten nach etwa 15 km hinter dem Staudamm des Rio Chubut einen winzigen Ort mit dem eingängigen Namen „Villa Dique Florentino Ameghino“. Schon die Zufahrt war speziell, über eine kurvige Betonstraße durch drei in den Fels gehauene Tunnel erreichte man das Dorf, das mit seiner Lage zwischen hohen Felswänden wie eine kleine Oase wirkte.

Die winzige Ansammlung von Häusern verfügt über einen städtischen Campingplatz am Fluß, inmitten von Felsen und von beeindruckender Größe. Immerhin knapp 1,5 km lang ist das Areal mit Picknicktischen, Grills (natürlich…), Kiosken, Fahrradverleih etc. Eigentlich weniger ein Campingplatz sondern mehr ein Ort, wo tagsüber ein ausgedehntes Asado gepflegt werden kann, DIE Wochenendbeschäftigung argentinischer Familien, bei der i.d.R. große Stücke Fleisch langsam über offenem Feuer gegart werden. Wir parkten mit Ingo abseits des Geschehens am Ende des Areals und freuten uns auf eine weitere ruhige Nacht.

Samstag, 07.02.2026

Durch die Pampa auf Asphalt, durch die Pampa auf Schotter, landschaftlich hatte diese Etappe rein gar nichts zu bieten.

Irgendwann bogen wir Richtung Küste ab, unser Ziel war der Playa Isla Escondida, zeitweilige Heimat von Seeelefanten-Kolonien. Natürlich waren wir nicht alleine am Strand, es war ein Wochenende in den Ferien, mögliche Stellplätze für Ingo waren dünn gesät. Am Ende der befahrbaren Sandpiste hielten wir kurz an, um uns zu orientieren und waren im Anschluss 2 Stunden beschäftigt. Ingo steckte hauptsächlich mit der rechten Seite im überraschend weichen Sand fest, also Schaufeln raus und graben. Publikum hatten wir genug, bis auf einen älteren Herren, der einen Abschlepper für uns rufen wollte, bot uns allerdings niemand seine Hilfe an. Das kannten wir aus anderen Ländern anders. Irgendwann hatten wir es aber auch alleine geschafft, Ingo war wieder auf festem Untergrund, wir drehten um und suchten uns einen Platz für die Nacht.

Zwischendurch hatten uns mehrere Menschen auf Nachfrage erklärt, dass die Seeelefanten nicht mehr da seien, mittlerweile wären sie deutlich weiter südlich. Na super, der riesige Umweg quer durch das Land zurück Richtung Süden, das Steckenbleiben – und alles umsonst ? Wir gaben noch nicht auf, wer viel fragt, bekommt viele Antworten, ein anderer Herr gab uns den Tipp, etwa 2 km weiter südlich zu suchen, da seien noch welche. Die Richtung des Morgenspaziergangs am nächsten Tag war damit klar.

Sonntag, 08.02.2026

Etwa 3 km folgten wir zu Fuß dem Schotterweg parallel zum Strand Richtung Süden, als wir einen merkwürdigen Geruch wahrnahmen. Zu sehen war nichts, die Kiesbänke am Ufer waren zu hoch, um aus der Entfernung über sie hinweg zu sehen. Wir bogen zum Strand ab und da waren sie, zwei Gruppen von jeweils etwa 10 Tieren, ausschließlich Seeelefantendamen mit ihren Jungen.

Mit der Anwesenheit von Bullen hatten wir auch nicht gerechnet, sie lassen sich nur zur Paarungszeit blicken, wenn sich die Tiere zu großen Kolonien zusammenfinden und die Bullen Kämpfe um ihren Harem von 10-20 Kühen ausfechten. Dieses Schauspiel hatten wir um ein paar Wochen verpasst, aber auch so waren die Tiere beeindruckend und wir sehr glücklich, sie doch noch gefunden zu haben.

See-Elefanten sind die größten Robben der Welt, Bullen erreichen Längen von 4 bis über 6 Metern und wiegen 2.000 bis zu 4.000 kg. Weibchen sind deutlich kleiner, mit ca. 2,5 bis 3,5 Metern Länge und 600 bis 900 kg Gewicht. Den typischen und namensgebenden rüsselartigen Vorsprung an der Nase weisen nur die Männchen auf. Die Hauptnahrung besteht bei den Bullen aus Haien und Rochen, die Weibchen ernähren sich in erster Linie von Fischen, Kraken und Krebstieren.

Ab und zu gab es ein bisschen Stress zwischen den Damen, die Geräusche dabei erinnerten an eine Mischung aus Bellen, Schnarchen und Knurren. Mit dem eigentlich ganz guten Gesang des Seele-Fanten bei Urmel hatte es auf jeden Fall rein gar nichts zu tun.

Montag, 09.02.2026

Zum Abschied von diesem hübschen Platz kreuzte noch ein Gürteltier unseren Weg. Gürteltiere gehören zu der einzigen bekannten Säugetiergruppe mit einer knöchernen Panzerbildung, ihre stammesgeschichtliche Entwicklung kann bis vor mehr als 56 Mio. Jahren zurückverfolgt werden. V.a. sind sie aber irgendwie sehr niedlich und überraschend haarig.

Wie schon auf dem Hinweg passierten wir die Stadt Trelew, der erste Ort in Argentinien bisher an dem wir rechts und links der Straße große Ansammlungen von Müll zu Gesicht bekamen. Ein überraschender Anblick und für Argentinien völlig untypisch.

Über eine autobahnähnliche Straße in top Zustand erreichten wir nach insgesamt ca. 150 km Puerto Madryn, eine typische Stadt am Meer, wie es sie auf der ganzen Welt gibt. Für uns ein praktischer Zwischenstopp für diverse Erledigungen, zumal argentinische Städte sich zwar bisher nie durch Schönheit auszeichneten, dafür aber durch breite, oft schachbrettartig angelegte Straßen im Einbahnsystem mit ausreichend Platz zum Parken. Besonders freuten wir uns über die Bäckerei „Manjares“, ein kleines Brotparadies, das unser deutsches Herz höher schlagen ließ.

Etwas außerhalb der Stadt parkten wir an einem kleinen Leuchtturm mit hübschem Blick über den Hafen auf die Stadt. Zwar lag auch hier relativ viel Müll herum und die umliegenden Industriebetriebe und der Hafen waren deutlich hörbar, wir hofften trotzdem auf eine ungestörte Nacht.

Dienstag, 10.02.2026

Weiter auf der gut ausgebauten Ruta 3 Richtung Norden. Wieder durch eintönige Pampa, wieder durch den patagonischen Wind, wieder nichts zu sehen unterwegs. Einzige Abwechslung boten ein paar kleinere Hügel und einer dieser riesigen Kreisverkehre im Nirgendwo, die immer etwas fehl am Platz wirken. An der sehr touristischen, teuren und reglementierten Halbinsel Valdez fuhren wir vorbei, aus unserer Sicht lohnt sich ein Besuch nur zur Walsaison und die war lange vorbei.

Irgendwann bogen wir rechts ab und fuhren Richtung Küste, unser Ziel war die „Área Natural Protegida Bahía San Antonio“, eine kleine Halbinsel bei San Antonio Oeste. Am Beginn des Schutzgebietes wurden wir von einer netten Dame unter die Fittiche genommen und bekamen die Verhaltensregeln und ein paar Informationen über die anwesende Tierwelt mitgeteilt. Es sollte Orcas, Pinguine und Delphine geben, na dann mal los. Das Erste, was wir sahen, waren unzählige mehr oder weniger fahrbereite Wohn“mobile“, die sich am Strand aufreihten, nicht der beste erste Eindruck… Der Playa Las Conchillas selbst bestand wie der Name sagt, hauptsächlich aus Muschelschalen und war tatsächlich ganz hübsch.

Unsere Erkundungsfahrt über die Halbinsel war schnell beendet, wir fanden nichts, was uns besonders ansprach, v.a. keines der angekündigten Tiere. Dazu kam der unerträgliche Wind, der Aufenthalte im Freien nahezu unmöglich machte. Wir parkten Ingo in Gesellschaft der unzähligen anderen „Fahr“zeuge mit der Schnauze in den Wind und hatten mal wieder Hausarrest. Patagonien nervte !!

Kaum zu glauben, aber abends nahm der Sturm noch weiter zu, Ingo wurde sandgestrahlt, durch jede Ritze kam der feine Muschelstaub, super ! Die Vorhersage für den kommenden Tag sah nicht viel besser aus, an eine Weiterfahrt war unter diesen Umständen nicht zu denken.

Mittwoch, 11.02.2026

Der Wind hatte nachts zum Glück nachgelassen, wir nutzten die Chance und fuhren weiter. Vor uns lagen 150 km Schotter, immer auf der Ruta 1 entlang der Küste, links meistens die übliche Pampa, rechts Dünen oder das Meer. Stellenweise wechselte die Landschaft in weitläufige Sandberge, auf der gesamten Strecke sahen wir etwa 10 Autos, alles in allem eine sehr einsame und abgelegene Gegend. Das Bemerkenswerteste war aber der hervorragende Zustand der Schotterpiste auf der gesamten Länge, geht doch…!

Für Abwechslung unterwegs sorgten eine kleine Bootswerft im Nirgendwo, ein noch abgelegener Parkplatz, wo wirklich gar nichts in der Nähe war, ein kleines Hotel und zu vermietende Wohnwagen in der Einöde und ein kleines Dorf namens Bahia Creek, das für etwa 100 km in jede Richtung keine Nachbarn hatte.

Unser Zwischenziel war die 6 km2 große Área natural protegida Punta Bermeja bzw. La Loberia. Das Naturschutzgebiet beherbergt mit über 4.000 Tieren eine der größten Mähnenrobben-Kolonien der Welt, die man von drei verschiedenen Aussichtspunkten aus beobachten kann. Männliche Mähnenrobben oder auch Südamerikanische Seelöwen werden bis zu 2,50 m groß und bis zu 500 kg schwer, die weiblichen Tiere sind etwas kleiner und wiegen etwa die Hälfte.

Überall wuselten einen Monat alte Jungtiere herum, die Erwachsenen lagen in größeren Gruppen faul in der Gegend herum und taten eigentlich gar nichts – außer Brüllen. Selbst auf die leider sehr große Entfernung zu den Aussichtsbalkonen waren die Knurrlaute deutlich hörbar. Für wirklich gute Bilder reichte unsere Kameraausrüstung nicht aus, mit bloßem Auge waren die Tiere kaum zu erkennen, trotzdem ein lohnender Abstecher.

Nur eine halbe Stunde entfernt wartete der nächste Superlativ, die weltweit größte Kolonie von Felsensittichen. Bei dem kleinen Ort El Cóndor sammeln sich zur Brutzeit etwa 35.000 der kleinen Papageien in den Klippen, ein Schauspiel, das wir uns nicht entgehen lassen wollten. Wir wussten zwar, dass wir eigentlich 2-3 Wochen zu spät waren, dass sich die Vögel aber mehr oder weniger als komplettes „no show“ herausstellten war dann doch etwas enttäuschend.

Eigentlich hatten wir einen Logenplatz, wir standen direkt oberhalb der Felsen, außer ein bisschen Geschrei und einer Handvoll Sittiche war aber leider von dem Spektakel nichts zu sehen. Man kann nicht für alles immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein 🤷🏻‍♀️.

Für uns geht es weiter Richtung Norden, unser nächstes größeres Ziel Buenos Aires ist noch knapp 1.000 km entfernt. Nach der vielen einsamen Natur wird es mal wieder Zeit für ein paar Tage Großstadt.

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Kerstin Möhle
Kerstin Möhle
27 Tage zuvor

Hallo ihr 2!
Eure Berichte sind wie immer sehr interessant. Was mich allerdings auch beschäftigt, ist die Frage, ob ihr von den Feuern nichts mitbekommt. Hier lese ich in den letzten Tagen oft Berichte, dass in Argentinien, insbesondere in Patagonien, furchtbare riesige Feuerstürme toben. Sind die Berichte übertrieben, oder seid ihr in ganz anderen Gegenden unterwegs?
Liebe Grüße und weiterhin alles Gute von Kerstin

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