1.300 km hin und zurück incl. 3 Fährüberfahrten betrug in etwa der Umweg nach Puerto Montt zu MAN, aber was tut man nicht alles für sein rollendes Zuhause. Wenigstens bewegten wir uns wieder auf der schönen Carretera Austral.

Unsere Route:

Sonntag, 25.01.2026 und Montag, 26.01.2026

Die Ausreise aus Argentinien dauerte etwa 3 Minuten, die Einreise nach Chile überraschenderweise nicht sehr viel länger. Und das, obwohl der Paso Futaleufú einer der abgelegeneren und wenig frequentierten Grenzübergänge ist, die Beamten der „Lebensmittelbehörde“ dementsprechend gaaanz viel Zeit zum Suchen haben. Alle waren aber sehr gut gelaunt und entspannt und insgesamt mehr an unserer Reise interessiert als an unseren mitgeführten und potentiell verbotenen Lebensmitteln. Wie immer begann direkt bei dem chilenischen Grenzhäuschen ein perfekter Asphaltbelag, Bienvenido a Chile !

Die anschließende Fahrt durch das enge Tal des Rio Futaleufú war landschaftlich wunderschön, auch wenn wir nach ein paar Kilometern schon wieder das Vergnügen mit einer Schotterpiste hatten und die Brücken unterwegs weder besonders üppig dimensioniert noch sehr vertrauenswürdig wirkten… Kaum waren wir aber wieder auf dem uns schon bekannten Abschnitt der Carretera Austral, rollten wir über eine top Straße, das Wetter war uns etwas wohlgesonnener als im November letzten Jahres, ein schöner Tag !

Auch die Sicht auf den Gletscher „Ventisquero el Trono“ war trotz nicht ganz wolkenlosem Himmel dieses Mal sehr viel besser.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Chaitén, stellten uns auf den Trucker-Parkplatz am Ortsrand und warteten darauf, dass es 19.00 wurde und wir im Büro der Fährgesellschaft unsere reservierten Tickets bezahlen konnten. Die Abfahrt sollte um 1.00 Nachts sein, ein sehr langer Abend stand uns bevor.

Es war faszinierend mit anzusehen, wie lange man für die Beladung einer mittelgroßen, nicht ausgebuchten Fähre benötigen kann. Etwas über 2,5 Stunden hat es gedauert, bis 10-13 Lkw, ca. 20 Pkw und eine Handvoll Motorräder verladen waren. Und das zu einer Uhrzeit, zu der unsere Betten laut und deutlich nach uns riefen… Irgendwann war es aber geschafft, wir standen, waren verzurrt und hatten trotz des Platzes neben einem sehr lauten Abgasrohr eine erstaunlich gute Nacht. Die Verspätung in Summe hielt sich in Grenzen, Ingo tat uns den Gefallen, auf der Fähre noch einmal anzuspringen und unser erster Weg führte zu MAN, um den Ablauf des folgenden Werkstatttages zu besprechen.

Zwischendurch fuhren wir mit Uber zu einem riesigen Lider und frönten einem kleinen bis mittelgroßen Kaufrausch. Unglaublich, wie man gut sortierte und bezahlbare Supermärkte vermissen kann… Das Verstauen in Ingo glich einem 3D Puzzle mit 500 Teilen, aber wo ein Wille ist… 😉

Kleine Auswahl der Beute

Kurz vor Feierabend der Werkstattbesatzung zogen wir auf das Firmengelände um, die Nacht würde vermutlich sehr viel leiser werden als die vorherige.

Dienstag, 27.01.2026

Um 9.00 sollte es losgehen, um Punkt 9.00 fuhren wir in die Halle, um 9.30 fing ein Mechaniker an zu arbeiten, um 11.30 war er fertig mit dem Austausch des Anlassers, dem Einbau eines neues Luftfilters, der Montage eines neues Differentialsteckers und dem Check unserer Bremsbeläge. Unglaublich, seit MAN in Hermosillo war es das erste Mal, dass ein Werkstattaufenthalt so glatt und top organisiert ablief. Danke an Esteban und seine Jungs aus der Werkstatt !

Unser auf Argentiniens Holperpisten verlorenes Scheinwerfergitter konnte leider nicht beschafft werden, dafür steuerten wir MMS Maestranza an, ein Metallbauunternehmen, das angeblich alles kann. Vier Herren standen beratschlagend vor Ingo, am Ende hieß es „Si, hasta el Viernes“ („Ja, bis Freitag“). Wunderbar! Um die Anpassungsarbeiten etwas einfacher zu machen, demontierten die Scheinwerferverkleidungen, was für uns drei relativ laute Nächte auf einer Copec Tankstelle in der Nähe bedeutete, aber dafür bekamen wir maßgeschneiderte Gitter zu einem unschlagbaren Preis.

Über Langeweile auf dem Parkplatz konnten wir uns auf jeden Fall nicht beschweren. Für Unterhaltung sorgten laufende Motoren und/oder Kühlaggregate zu jeder Uhrzeit, Pieptöne in unterschiedlichen Frequenzen, um die Menschheit vor sich rückwärts bewegenden Fahrzeugen zu warnen, Reparaturarbeiten direkt vor unserer Nase und schreiende Einweiser auf dem Firmengelände nebenan.

Zwischendurch suchten wir den einzigen Self Service Waschsalon im weiten Umkreis auf und zelebrierten in unserem chilenischen Lieblingssupermarkt ein weiteres Einkaufserlebnis, es geht nichts über das „Importado“ Regal bei Jumbo 😉.

Freitag, 30.0.01.2026

Da war es wieder, das klassische „mañana“ (morgen), das bei der eigentlich sehr sympathischen Mentalität auf dem Zentral- und Südamerikanischen Kontinent ab und zu einmal vorkommt, das einem aber den letzten Nerv rauben kann, wenn man auf etwas wartet und die Rahmenbedingungen dafür nicht besonders angenehm sind. Die Fertigstellung der Gitter war von zunächst 12.00 Uhr wegen einer defekten Metallschneide-Maschine auf 17.00 Uhr verschoben worden, um 16.30 Uhr standen wir auf der Matte und bekamen ein entschuldigendes „mañana“. Das Ersatzteil für die Maschine war noch auf dem Weg von Santiago, „mañana“ gegen Mittag würden unsere Gitter aber ganz bestimmt fertig sein…

Um die Gastfreundschaft auf der Copec Tankstelle nicht noch einmal zu strapazieren, zogen wir auf die nächste Tankstelle um, dieses Mal auf einen klassischen Trucker-Parkplatz mit allem was dazugehört. Laufende Motoren, Piiiep Piiiep Piiiep bei allem, was rückwärts fährt, zwischendurch Gabelstapler, die Lkw beladen und „Ameisen“, die mit Metallrädern über den Asphalt gezogen werden, untermalt von Straßenlärm und das Ganze dieses Mal auch noch gegen Bezahlung. Niemals sollte man diesen ganzen Youtube Filmen, instagram Beiträgen und Blog Berichten glauben, bei denen immer die Sonne scheint, alle Stellplätze toll und einsam sind und glückliche Overlander mit einem Drink in der Hand den Sonnenuntergang betrachten.

Samstag, 31.01.2026

Was für eine Nacht… Zu dem sowieso schon vorhandenen Grundlärm kam noch ein die ganze Nacht laufender Generator genau hinter Ingo. Irgendwann vormittags kam dann aber (auf Nachfrage) die erlösende Nachricht „listo!“, die Gitter sind abholbereit. Bei der Firma MMS angekommen folgte sofort die Ernüchterung, auf den ersten Blick sah alles ganz gut aus, allerdings waren die Abstände zwischen den einzelnen Streben entgegen unserer Absprache viel zu groß. Mit unserem zur Anschauung in der Werkstatt gelassenen Muster hatte das nicht viel zu tun…

Auf unseren Vorschlag hin machte sich einer der Jungs auf den Weg, um engmaschiges Gitter zu besorgen, das dann zugeschnitten, lackiert und mit Kabelbindern auf dem vorhandenen Gitter befestigt wurde. Was für ein Pfusch, aber eine andere Möglichkeit gab es auf die Schnelle nicht. Dazu kamen falsch gesetzte Schraublöcher, unterschiedliche Abstände zwischen den Streben bei dem hergestellten Teil, ein paar Kerben hier und da etc. etc. Von der dilettantischen Optik am Ende ganz abgesehen, nur gut, dass die beiden Jungs wirklich sympathisch waren und aus dem Dilemma (nach ihrer eigentlichen Arbeitszeit) noch das Beste rausgeholt hatten.

Sei‘s drum, Hauptsache die Scheinwerfer sind geschützt… Nichts wie weg aus dem lauten und unattraktiven Puerto Montt. Dieses Mal passierten wir das Carretera Austral Km 0,00 Schild auf eigener Achse und nicht nur zu Fuß wie im November 2025. Weiter ging es durch dichte Bebauung entlang der Küste Richtung Süden, wo wir in Caleta La Arena ohne nennenswerte Wartezeit auf die Fähre fuhren und sie 30 Minuten später in Caleta Puelche wieder verließen.

Kurz danach fanden wir einen schönen und v.a. ruhigen Stellplatz auf einer kleinen Landzunge mit hübscher Aussicht auf die Berge. Die einzigen Geräusche waren die Rufe von Möwen und der mal wieder wehende Wind, was für eine Wohltat !

Eigentlich wollten wir am nächsten Morgen die 5 stündige Fährüberfahrt von Pichicolo nach Caleta Gonzalo nehmen, die erforderliche Buchung gestaltete sich allerdings zäh und am Ende erfolglos, am Samstag Nachmittag war bei der Fährgesellschaft niemand besonders motiviert, auf Emails oder Whatsapp zu antworten.

Sonntag, 01.02.2026

Der Wecker klingelte um 5.30, wir hatten beschlossen die 30 km zum Fähranleger zu fahren und möglichst früh unser Glück ohne Buchung zu versuchen. Falls es eine Warteliste geben sollte, wollten wir darauf ganz oben stehen. Kaum angekommen trafen wir auf eine sehr nette Dame, die uns zunächst erklärte, dass auf der von uns gewünschten Route keine Busse und Lkw mitgenommen werden, sie würde das aber mit dem Kapitän klären und uns schon mal auf die Liste setzen. Der Kapitän gab etwas später sein OK, wir waren auf Platz 3 der Wartenden und konnten tatsächlich um kurz vor 9.00 Uhr auf die Fähre rollen. An einem Wochenende in der Hochsaison, was für ein Glück !

Weder der Aufenthaltsraum noch die Cafeteria des Schiffes wirkten besonders einladend, mal wieder waren wir sehr froh, unser rollendes Zuhause dabei zu haben. Erstmal Kaffee und Frühstück in Ingo! Die Fahrt führte zunächst an unzähligen Muschelbänken vorbei, war insgesamt landschaftlich hübsch, das Wetter meinte es auch gut mit uns, strahlender Sonnenschein und das Wasser des Pazifiks glatt wie in einer Badewanne, perfekt.

Gut erholt verließen wir mit einer Stunde Verspätung das Schiff und waren damit ansatzweise gewappnet für die folgenden 30 km miese Schotterpiste durch den Wald. Ausblicke auf die Landschaft waren selten, meistens fuhren wir durch einen dicht bewachsenen grünen Tunnel, den Blick starr auf die Straße gerichtet, um die schlimmsten Löcher und Wellen evtl. umfahren zu können.

Irgendwann fing dann doch wieder der Asphalt an, wir durchquerten zum inzwischen vierten Mal den Ort Chaitén und steuerten einen schon bekannten Stellplatz an. Nach insgesamt 100 km parkten wir wie schon im November auf einer stillgelegten Landebahn und schauten dem Wetter beim schlechter werden zu. Logisch, wir waren ja auch in der Nähe von Chaitén, da regnet und stürmt es jedesmal, wenn wir dort sind…

Montag, 02.02.2026

Yippiiee ! Endlich wieder Schotter ! 😵‍💫 So langsam waren wir etwas genervt von diesem Geschaukel in Schrittgeschwindigkeit über Wellblechpisten, die zusätzlich von Schlaglöchern übersät sind. Dieses Mal kam stellenweise auch noch rutschiger Lehm dazu.

Wenigstens führte die Strecke wieder durch die inzwischen gut bekannten hübschen Landschaften, im zweiten Teil hauptsächlich durch das Tal des Rio Futaleufú. Der Fluß steht v.a. bei Wildwasserpaddlern hoch im Kurs, er gilt als einer der weltweit besten Flüsse für Rafting.

In dem netten kleinen Ort Futaleufú kurz vor der Grenze zu Argentinien machten wir noch einen Übernachtungsstopp, wieder mussten ein paar verbotene Dinge aufgegessen bzw. gekocht werden, obwohl die argentinischen Grenzbeamten das in der Regel nicht ganz so eng sehen… Wir parkten am Ortsrand neben einem hübschen kleinen See, bei dem anschließenden Stadtbummel durch den Ort wurde schnell klar, was die Haupteinnahmequelle ist. Rafting Anbieter an jeder Ecke.

Morgen geht es für uns zurück nach Argentinien, eine Woche dauerte unser Abstecher nach Chile. Unter dem Strich ein sehr erfolgreicher, wenn auch anstrengender Aufenthalt. Ingos kleinere und größere Probleme wurden behoben, neue Scheinwerfergitter sind montiert und wir hatten die Möglichkeit in gut ausgestatteten Supermärkten unsere europäischen Gelüste zu befriedigen. Dafür hatten wir schlechte Nächte an Tankstellen, miese Straßen und teure Fähren 🤷🏻‍♀️.

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