Uruguay gilt (auch preislich) als die „Schweiz Südamerikas“, es ist das kleinste spanischsprachige Land des Kontinents und gehört zu den stabilsten, demokratischsten und wohlhabendsten Ländern Südamerikas. Bekannt ist es v.a. für sein exzellentes Rindfleisch und guten Wein. Klang alles erstmal nicht schlecht, wir waren gespannt.

Unsere Route:
Montag, 23.02.2026 bis Mittwoch, 25.02.2026
Zwei Tage verbrachten wir noch auf der „Zapparancho“, bevor wir uns Richtung Uruguay bewegten. Die Zeit war gefüllt mit ein paar Servicearbeiten, Wäsche waschen und auf den Abend warten, bis es endlich kühler wurde. Ingo bekam seit ewigen Zeiten mal wieder eine Wäsche, nicht perfekt, aber sehr viel besser als vorher.

Den zweiten Abend verbrachten wir in netter Runde, Jo und Kevin warteten auf ihre Verschiffung und waren noch auf dem Platz, Brigitte und Manfred hatten sich extra beeilt, um unser Treffen möglich zu machen. Vielen Dank dafür! Jo und Kevin würden wir mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr wiedersehen, die beiden hatten andere Reisepläne für die Zukunft, bei Brigitte und Manfred würde es wohl einige Zeit dauern. Umso schöner, dass es an diesem Abend geklappt hatte.


Mittwoch, 25.02.2026
Der Abschied von unseren Reisefreunden fiel ein bisschen schwer, zum Trost erstmal zu Jumbo. Wir nutzten noch einmal die Gelegenheit für einen Einkauf in unserem chilenischen Lieblingssupermarkt, den es in Argentinien leider nur rund um Buenos Aires gibt. Wieder wanderten ein paar Dinge aus dem Importado Regal in den Einkaufswagen, wer kann an z.B. „richtigem“ Vollkornbrot schon vorbeigehen ?

Die weitere Fahrt Richtung Uruguay war ein bisschen nervig, ziemlich viel Verkehr quälte sich über mal wieder schlechte Straßen durch langweilige Landschaften. Wir überquerten den tiefbraunen Rio Paraná de las Palmas, einen der wichtigsten Großschifffahrtswege Argentiniens, ansonsten passierte nicht viel. Nach insgesamt 160 km reichte es uns, wir stoppten im kleinen Ort Ceibas, parkten am Straßenrand, lauschten dem ständigen Rauschen des Verkehrs und bereiteten den Grenzübergang nach Uruguay am folgenden Tag vor.



Donnerstag, 26.02.2026
Wir näherten uns der Grenze bei Gualeguaychu und fühlten uns stark an die chaotischen Länderwechsel in Zentralamerika erinnert. Überall parkten Lkw, Menschen liefen kreuz und quer zwischen Containern herum, der Verkehr staute sich. Gut, dass uns dieses Chaos nicht betraf, als Wohnmobil konnten wir einfach weiterfahren. Wir überquerten die Brücke über den Grenzfluss Rio Uruguay, entrichteten die dafür anfallende Maut (Ingo bekam den PKW Tarif 👍) und standen vor dem urugayischen Grenzposten.




Was für eine perfekt organisierte Grenze ! Man erledigt die Aus- und Einreise im Drive in Verfahren, wäre Ingo nicht so hoch, hätten wir bis zur Zollkontrolle nicht aussteigen müssen. Die Untersuchung von Ingos Innen- und Außenleben fiel dann allerdings etwas genauer aus, lief aber immer nett und freundlich ab. Nach insgesamt etwa 30 Minuten waren wir eingereist, herzlich willkommen in Uruguay, unserem 36. Reiseland.

Es folgte eine kleine Odyssee durch den Grenzort Fray Bentos, die Zufahrt durch den Ort zu unserem anvisierten Stellplatz am Rio Uruguay war mit Ingo z.T. etwas schwierig… Irgendwann kamen wir aber an und fanden einen schönen Platz in der Nähe des Museo de la Revolución Industrial. Als Nachbarn hatten wir ein paar Pferde und mal wieder die kleinen grünen Schreihälse, ab und zu kam ein Auto vorbei, ansonsten herrschte eine himmlische Ruhe im Vergleich zum Vortag.




Das Industriemuseum neben uns befand sich auf dem ehemaligen Werksgelände der „Liebig’s Extract of Meat Company“ und gehört seit 2015 zum UNESCO Weltkulturerbe. Zu sehen sind u.a. Maschinen zur Fleischverarbeitung, eine Konservenfabrik, eine Fleischkocherei und ein Labor, alles aus dem 19. und 20. Jhd.

Wir verschoben den Besuch auf den nächsten Vormittag und freuten uns auf eine ruhige Nacht.
Freitag, 27.02.2026
Morgens um 10.00 sollte die englisch sprachige Tour durch das Industriemuseum starten, mit 40 Minuten Verspätung tauchte schließlich Siri, unsere Führerin aus Deutschland auf und machte durch ihre sympathische Art evtl. aufgekommene Ungeduld mehr als wett. Wir hatten ja auch Zeit… Die Tour durch das Fleischverarbeitungswerk war super interessant, auch wenn man danach kurz davor stand, zum Vegetarier zu werden.

Der Deutsche Justus von Liebig machte durch seine Erfindung des Fleischextrakts und der Massenproduktion von Dosenfleisch, v.a. Corned Beef, das Städtchen Fray Bentos bekannt als „die Küche der Welt“. Seine Produkte versorgten sowohl die deutsche als auch die englische Armee in beiden Weltkriegen, sein Corned Beef schaffte es schon um 1900 bis in die Antarktis und ab 1965 in den Weltraum. Für 1 Kg Fleischextrakt wurden 32 Kg knochenloses Fleisch benötigt, zwischen 1865 und 1901 wurden unglaubliche 4.824.277 Rinder dafür geschlachtet (entspricht 367 Rinder/Tag). Menschen aus über 60 Nationen arbeiteten in der Anlage, bevor sie nach mehreren Besitzerwechseln 1979 endgültig ihre Tore schloss.












Nach 1,5 spannenden Stunden machten wir uns auf den Weg in den Süden des Landes, unser Ziel war das kleine Weingut Almacén de la Capilla. Zunächst mussten wir Ingo aber für die uruguayische Maut registrieren. An der ersten Mautstation erledigten wir das Prozedere mit Hilfe einer netten Dame, die uns einen Aufkleber für die Windschutzscheibe in die Hand drückte und unser neu angelegtes Konto gem. unserer geplanten Route mit Deckung versorgte. Sehr unkompliziert, hilfsbereit und nett.


Nachmittags erreichten wir unser geplantes Ziel, parkten Ingo neben den Reben und begaben uns zur erstmal Weinprobe. Das schöne Anwesen ist in der 5. Generation in Familienbesitz, die Gründer stammten aus Italien, heute managt der ziemlich resolute Diego das Unternehmen. Nach einer kurzen Führung über das Gelände starteten wir mit der (relativ hochpreisigen) Verkostung von 5 sehr guten und großzügig eingeschenkten Weinen, einem Likör und einem Grappa. Gut, dass es dazu eine hervorragende Käse- und Schinkenplatte gab und wir es v.a. nicht weit zurück zu Ingo hatten…








Samstag, 28.02.2026
Wieder fuhren wir durch Landschaften, die uns stark an unser „Zuhause“ auf der schwäbischen Alb erinnerten. Viel grün, alles voller Landwirtschaft, ein paar Hügel und Bäume, nichts Spektakuläres, aber angenehm für das Auge. Was nicht so ganz ins Bild passte, waren die Gauchos auf ihren Pferden.





In Colonia del Sacramento, der ältesten Stadt Uruguays, machten wir einen Zwischenstopp und waren begeistert von der tollen Altstadt mit ihren grob gepflasterten Gassen in riesigen Platanenalleen, den hübschen Häusern im Kolonialstil, den Oldtimern, die überall herumstanden und der entspannten Atmosphäre. Zu unserem Glück bummelten wir um die Mittagszeit durch den Ort, die Fahrgäste der vielen geparkten Reisebusse saßen alle in den diversen Restaurants, die Straßen waren verhältnismäßig leer. Seit 1995 gehört die Stadt zum UNESCO Weltkulturerbe, u.a. befindet sich hier die älteste Kirche Uruguays (1680 errichtet).




















Über eine endlose Palmenallee verließen wir den schönen Ort und steuerten das Museo del las Colecciones an. Neben diversen kleineren Sammlungen beinhaltet die Ausstellung unglaubliche 24.026 Bleistifte und 46.000 Schlüsselanhänger. Die Glasvitrinen reichen vom Boden bis zu Decke, die Bleistiftsammlung hat es in das Guiness Buch der Rekorde geschafft. Insgesamt ein faszinierender Anblick und einen Stopp auf jeden Fall wert, zumal es im dazugehörigen Laden u.a. richtig guten selbst hergestellten Käse gibt.






Obwohl wir noch etwa 100 km entfernt waren von „Nuevo Helvecia“, einer Schweizer „Kolonie“ in Uruguay, fuhren wir an dem leider geschlossenen Lebensmittelgeschäft „Edelweiß“ vorbei und steuerten mit der Posada Casavieja einen Campingplatz mit Schweizer Besitzern an. Der Empfang durch Susanne und Ruedi war super nett, wir parkten in einer Reihe mit einigen anderen Overlandern auf dem sehr aufgeräumten Platz, um 17.30 traf man sich zum typisch schweizerischen Apéro*, alles sehr unkompliziert und wohltuend.

*mit dem sog. Apéro hat man es immer zu tun, wenn man es mit Schweizern zu tun hat. Man trifft sich zwischen 17.30 und 18.00 für ca. eine Stunde in zwangloser Runde zu einem (gerne alkoholischen) Getränk. Eine nette Tradition 🙂.
Sonntag, 01.03.2026
Der Tag begann mit einem sehr guten Frühstück. Susanne hatte Zopf gebacken, es gab selbst gemachte Marmeladen, Obst und eine Käseauswahl zum Niederknien. Das Ganze in 100% Schweizer Gesellschaft in Form der Gastgeber, zwei „Gastarbeitern“ aus der Schweiz und einem Schweizer Overlander Paar. Sprachlich teilweise für uns etwas schwierig, zumal die eigentlich geltende Regel „es wird eine Sprache gesprochen, die jeder versteht“ nicht immer eingehalten wurde…
Montag, 02.03.2026
Wir verabschiedeten uns von unseren Gastgebern und den neuen Reisebekannten und fuhren in die Schweiz. Das Ziel war Nueva Helvecia, eine 1862 von hauptsächlich aus der Schweiz stammenden Einwanderern gegründete Gemeinde. Viele Häuser tragen die Wappen der Kantone, aus denen die Gründerväter stammten, es gibt eine bedeutende Käseproduktion, im August wird die Schweizer Bundesfeier begangen und auf dem Friedhof überwiegen Schweizer Namen. Ansonsten gibt der Ort aus unserer Sicht nicht besonders viel her, ein Stopp lohnt sich nicht wirklich.









Weiter ging es nach Montevideo, der Hauptstadt Uruguays und dem klassischen Verschiffungshafen für z.B. die Rückreise nach Europa. Aber so weit waren wir noch nicht 😁. Unterwegs hielten wir an einem kleinen Obst- und Gemüseladen in Ciudad del Plata. Während Ute die Einkäufe verstaute, kam Uwe mit dem Besitzer der benachbarten Panaderia (Bäckerei) und dessen Schwester ins Gespräch. Am Ende bekamen wir 2 Tüten mit super leckerem Blätterteiggebäck und eine riesige Tüte Kekse geschenkt. Was für eine nette Geste !


In Montevideo angekommen umrundeten wir das historische Zentrum und parkten Ingo in der Nähe des Leuchtturms Punta Carretas – in Gesellschaft diverser anderer Camper. Prinzipiell ein hübscher Platz, rechts und links der Atlantik und vor uns die dicht bebaute Uferstraße.







Der erste Eindruck der Stadt war durchwachsen, wir waren gespannt auf die Stadtbesichtigung am kommenden Tag.
Dienstag, 03.03.2026
Mit dem Uber ließen wir uns zum Palacio Municipal bringen, wo wir unsere Stadterkundung eigentlich mit der kostenlosen Aussichtsplattform im 22. Stock beginnen wollten. Allerdings gab es eine etwas undurchsichtige ellenlange Schlange am Eingang und für den Mirador musste man sich ziemlich umständlich online registrieren – wir verzichteten. Kaum losgelaufen wurden wir schon gewarnt, auf die Kamera und unsere Taschen aufzupassen, super… Das fing ja gut an. Der Eindruck auf den Straßen war dann aber völlig OK, Großstadt eben.




Wir hatten keine besonders hohen Erwartungen an die Stadt, Montevideo gilt gemeinhin als nicht sonderlich hübsch. Insgesamt waren wir positiv überrascht, die Dichte an schönen Gebäuden unterschiedlichster Stilrichtungen ist hoch, besonders auffällig ist das Wahrzeichen der Stadt, der 1928 fertiggestellte Palacio Salvo, das einst höchste Gebäude Südamerikas.












Einen gezielten Stopp machten wir am Palacio Taranco, einem zwischen 1908 und 1910 gebauten privaten Stadtpalast, der heute das Museum für dekorative Künste beherbergt. Das dreistöckige Gebäude hat eine Grundfläche von 1.480 m2, unzählige Zimmer, spezielle Flure für die Dienstboten etc. Auch wenn die Inneneinrichtung nicht ganz unserem Geschmack entsprach, war das insgesamt aber ein beeindruckender Besuch.




Wir beendeten unseren Spaziergang am Mercado del Puerto, wo in alten Markthallen hauptsächlich traditionelles Asado (Grillfleisch) serviert wird. Natürlich ließen wir uns das nicht entgehen und entschieden uns für ein kleines Restaurant in einer abgelegenen Ecke, dem einzigen, vor dem man nicht von einem „Aufreißer“ angesprochen wurde. Eine gute Wahl! Mit Argentinien, unserer bisherigen Nummer Eins in Sachen Rindfleisch kann Uruguay locker mithalten !


Am frühen Nachmittag waren wir zurück bei Ingo, nach diesem halben Tag in Montevideo hatten wir nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben.
Morgen geht es 70 km weiter, unser Ziel ist „UY Storage“, ein von drei Hamburger Brüdern betriebener Campingplatz incl. u.a. einer Werkstatt. Ingos Aufbaubatterien schwächeln inzwischen so sehr, dass es meistens morgens noch nicht einmal für einen Kaffee aus der Maschine reicht. Höchste Zeit etwas, zu tun !
Hallo ihr Beiden, immer wieder schön euren Bericht zu verfolgen. Uruguay interessiert mich auch 😉 Viele Grüße aus Hamburg, wo zurzeit der Frühling Einzug hält.