Wenn zwei relativ erfahrene Overlander phasenweise keine Lust auf eine zeitraubende Reiseplanung für die nächsten Monate unter Berücksichtigung der Trocken- und Regenzeiten, Temperaturen, Jahreszeiten, evtl. Paarungszeiten irgendwelcher Wildtiere, maximalen Aufenthaltszeiträumen in diversen Ländern etc. etc. haben, dann kann nichts Vernünftiges dabei herauskommen… Diese Erfahrung machten wir in Uruguay.

Unsere Route:
Mittwoch, 04.03.2026 bis Samstag, 07.03.2026
Und wieder ein Morgen ohne Kaffee, höchste Zeit für Ingos neue Aufbaubatterien…TerraVentura, bzw. UY Storage, die Werkstatt unserer Wahl lag nur 70 km entfernt mitten im Nirgendwo, auf unser Klingeln öffneten uns zu unserer Überraschung Petra und Michael die Tür. Wir hatten uns von den beiden vor etwa 2 Wochen auf der Zapparancho schon verabschiedet und nicht damit gerechnet, sie noch einmal wiederzusehen. Umso größer war die Freude, auch wenn es leider wieder nur bei einem gemeinsamen Abend blieb, die beiden verschifften zurück nach Deutschland.

Das folgende Empfangskomitee war nicht ganz so nett, auf dem Grundstück lebten diverse Eupalaestrus weijenberghi oder auch Argentinische Vogelspinnen. Die Tiere sind wohl relativ selten, erreichen eine Beinspannweite bis zu 15 cm, gelten aber eher als ruhige Vertreter der Familie der Vogelspinnen. Na dann…

UY Storage gehört drei Brüdern aus der Nähe von Hamburg, zum Repertoire gehört alles in Sachen Wohnmobil. Reparaturen, Umbauten aller Art und komplette Neuaufbauten. Elektrofachmann Timo besprach die Details mit uns, Freitag sollte der Austausch über die Bühne gehen. Die Zeit bis dahin nutzten wir u.a., um mal wieder die provisorische Folie um unseren zerlöcherten Balg zu ersetzen, ein ärgerliches Dauerthema…

Pünktlich um 8.00 am Freitag ging es los, um 11.00 war alles fertig, wir hatten wieder Strom 👍. Ingos alte AGM Batterien wurden ausgetauscht gegen vier Lifepo4 Lithium Akkus à 180 Ah von Victron. Ein neues Ladegerät musste in dem Zusammenhang leider auch sein, das alte war nicht lithiumfähig. Dafür hatten wir aber so viel Strom wie noch nie zuvor, v.a. unter dem Aspekt, dass wir mit Gas kochen und heizen.


Zwischendurch legte sich Ute mit einer Polistes carnifex oder auch Henkerwespe an. Das Tier wird bis zu 3 cm groß und ihr Stich gilt als extrem schmerzhaft, das konnte Ute bestätigen. Der betroffene Arm brannte, die Muskeln schmerzten, um die Einstichstelle entstand eine größer werdende geschwollene Rötung. Super… Als ob die Vogelspinnen nicht schon genug gewesen wären.

Von den vielen unsympathischen Tieren abgesehen lief die Abwicklung bei UY Storage aber super, die Jungs waren nett, hilfsbereit und machten einen ausgesprochen kompetenten Eindruck, nach drei Nächten fuhren wir glücklich vom Hof.
Samstag, 07.03.2026 bis Montag, 09.03.2026
Wie war das mit der Schweiz Südamerikas ? Wir hielten an einer Apotheke und erstanden das mit großem Abstand teuerste Nasenspray der Geschichte. Knapp 30 € kostete das kleine Fläschchen, aber was will man machen ? Uwes verstopfte Erkältungsnase verlangte nach Medikamenten… Von der Idee, etwas gegen die Nachwirkungen von Utes Wespenstich zu kaufen, sahen wir unter diesen Umständen ab.

Den kleinen Schock verdauten wir im Paraiso Suizo, einem von einer Schweizerin (logisch…) betriebenen Campingplatz am Meer. Es war ziemlich voll, am Vortag war ein RoRo Schiff aus Deutschland mit jeder Menge „neuen“ Reisenden angekommen, andere bereiteten sich auf einen Heimaturlaub oder die Rückreise vor. Spürbar war das v.a. beim natürlich stattfindenden Apéro, am ersten Abend saßen 26 Leute am Tisch.


Nach zwei Tagen hatten wir unsere neuen Batterien ausreichend getestet, alles an Wäsche war gewaschen, Zeit weiter zu fahren.
Montag, 09.03.2026
Nur etwa 50 km weiter erreichten wir den kleinen Ort Punta Ballena und parkten Ingo mit Sicht über eine kleine Landzunge und auf das mondäne Punta del Este in den fast schon patagonischen Wind. Es nervte, wir waren windgeschädigt. Aber es half nichts, wir wollten „Casapueblo“ besichtigen, das Haus und Atelier des Malers, Schriftstellers, Komponisten und Architekten Carlos Páez Vilaró (1923-2014), dem „Picasso Südamerikas“.


Es heißt, der Künstler habe das weiße Gebäude im Andenken an den Flugzeugabsturz 1972 entworfen, der als „Wunder der Anden“ auch in Europa bekannt wurde. Einer seiner Söhne gehörte zu den Überlebenden, die 72 Tage nach dem Absturz gefunden wurden. Das riesige Gebäude beherbergt neben Museum, Atelier und Café auch ein Hotel und soll mit seinen weißen und gewundenen Wänden an einen typisch mediterranen Baustil erinnern. Insgesamt hat sich der Bau des Komplexes über drei Jahrzehnte hingezogen. Mit den Skulpturen und Gemälden konnten wir nur bedingt etwas anfangen, das Gebäude gefiel uns dagegen ausgesprochen gut, auch wenn leider nur ein sehr kleiner Teil im Rahmen des Museums zugänglich ist, für den Rest müsste man in dem wohl nicht besonders guten Hotel ein Zimmer mieten.













Eine nette Begegnung hatten wir direkt nach unserer Ankunft, als uns Marion und Klaus ansprachen. Die beiden waren im Urlaub in Uruguay und über unser Autokennzeichen gestolpert. Sie stammten aus der selben Ecke Deutschlands, so klein ist manchmal die Welt.

Dienstag, 10.03.2026
Punta del Este, das Monaco oder Saint Tropez Südamerikas – heißt es. Kein Ort auf dem Kontinent sei im Sommer so mondän, in den Wochen der Hauptsaison überrennen angeblich bis zu 700.000 Touristen die Stadt mit nur 10.000 permanenten Einwohnern, unser Ding war das nicht. Glücklicherweise waren wir in der Nachsaison vor Ort, die Hochhausschluchten wirkten insgesamt ziemlich verschlafen, ein paar Souvenirgeschäfte hier und da, das ein oder andere Restaurant, ansonsten nichts, was auf diesen Massenansturm hinweisen würde. Außer der endlosen Kette von Bettenburgen, die sich parallel zum Strand zog…





Der meist fotografierte Ort in der Stadt ist die Skulptur „La mano“ (die Hand) des chilenischen Künstlers Mario Irrazábal. Von ihm stammt auch die „Mano del desierto“ in der Atacama-Wüste, die wir sehr viel beeindruckender fanden.



Ein paar hübsche Gebäude entdeckten wir dann aber doch noch, über Nacht wollten wir in dem Ort aber trotzdem nicht bleiben, auch wenn es einen riesigen Parkplatz direkt am Strand gegeben hätte.



Augen auf bei der Routenplanung. Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel scheiterten wir an einer Brücke über den Rio Maldonado. Die Brücke war zwar sehr hübsch, die diversen Sperrschilder für schwere Fahrzeuge über 5 t aber leider nicht zu übersehen. Uns bescherte das einen Umweg von ca. 40 km. Selbst schuld, mit ein bisschen Vorabrecherche hätten wir uns zumindest ein paar dieser km sparen können.

Etwas später als geplant erreichten wir deshalb das Museo de Arte Contemporeáno Atchugarry (MACA). Zu dem 2022 eröffneten Museum gehören neben diversen Sälen mit wechselnden Ausstellungen in wunderschönen Gebäuden auch ein über 400.000 qm großer Skulpturenpark. Das Projekt beruht auf einer Idee des v.a. für seine teilweise farbigen Bronze- und Marmorskulpturen berühmten Bildhauers Pablo Atchugarry und ist Bestandteil einer von ihm gegründeten Stiftung, Architekt für die unglaublich gut gelungenen Bauten war Carlos Ott. Eine beeindruckende Anlage, die nicht nur kostenlos besucht werden kann, sondern wir durften auf dem Parkplatz auch noch übernachten 👍.
















Ein schöner Abschluss eines Tages, der etwas unerfreulich mit einem Lebensmitteleinkauf in einem der wenigen großen Supermärkte des Landes begann. Dass Uruguay teuer ist war uns nichts Neues, dass man aber z.B. für ein Glas Pesto umgerechnet ca. 10 € oder für ein Sechserpack Dosenbier 20 € bezahlen soll, war dann doch etwas schockierend…
Mittwoch, 11.03.2026
Der Besuch des um die Ecke liegenden Automuseums entfiel leider, die Öffnung um 11.00 war uns etwas zu spät. Ähnlich ging es uns mit der nächsten Sehenswürdigkeit, der Leuchtturm in José Ignacio hatte Mittwochs komplett geschlossen, es blieb bei einem kurzen Fotostop von außen bei dem 1877 in Betrieb genommenen nationalen Denkmal.

Kurz hinter José Ignacio liegt die kreisrunde Laguna Garzón Brücke, ein tolles Straßenbauprojekt entworfen vom Architekten Rafael Viñoly. Die Baukosten betrugen 11,8 Mio US$ , die Bauzeit nur 12 Monate. So schön können Straßen sein…



Leider wurde das Wetter immer schlechter, das außergewöhnlich große Exemplar eines Maguari-Storchs konnten wir gerade noch im Trockenen beobachten, bevor der Regen einsetzte und für die nächsten Stunden auch nicht mehr aufhörte.


Den Ort La Paloma erreichten wir bei ergiebigem Regen, die Stadtbesichtigung entfiel, wir fuhren auf direktem Weg zu dem offiziellen und kostenlosen Wohnmobilstellplatz in der Nähe des Hafens. Mal wieder ein Ort für die Betrachtung unterschiedlichster Behausungen auf Rädern, vom europäischen oder kanadischen Lkw über sog. Vans bis zu den typischen argentinischen umgebauten Reisebussen war in großer Anzahl alles dabei. Bemerkenswert war die Tatsache, dass nur der ziemlich neue kanadische Expeditionstruck ein Aggregat laufen hatte, jeder noch so zusammengeschusterte ehemalige Reisebus hatte genügend Solarpanels auf dem Dach, um nicht alle Nachbarn nerven zu müssen…



Donnerstag, 12.03.2026
Cabo Polonio ist ein kleines Fischer- bzw. Hippiedorf an der Küste, ohne Strom und fließendes Wasser. Der Zugang erfolgt entweder zu Fuß oder per doppelstöckigem Touristen-Allrad-Lkw, natürlich gegen Gebühr… Eigentlich hatten wir geplant, den Ort zu besuchen, beim ersten Kaffee des Tages entschieden wir uns spontan dagegen, irgendwie hatten wir keine Lust auf den Touristen-Zirkus. Das Alternativziel war das 100 km entfernte Punta del Diablo, ebenfalls ein buntes Aussteigerdorf am Meer, nur leichter zu erreichen. Kaum am geplanten Strandstellplatz angekommen, drehten wir auch schon wieder um, irgendwie gefielen uns die möglichen Parkplätze nicht, Strand und Meer sind sowieso nicht so wirklich unser Ding, also weiter zum nahegelegenen Nationalpark Santa Teresa.

Der Park besteht aus einem weitläufigen Küstenschutzgebiet, das für seine Mischung aus militärischer Geschichte, weitläufigen Wäldern und unberührten Stränden bekannt ist. Er umfasst etwa 30 km2 und beherbergt über zwei Millionen Bäume (zum Großteil Eukalyptusbäume) sowie eine historische Festung aus dem 18. Jahrhundert. Insgesamt ist das Gebiet ziemlich verwirrend, es gibt acht verschiedene Campingareale, auf denen sich teilweise offensichtliche Dauerbewohner in Zelten und Wohnwagen niedergelassen haben, Supermärkte, Kioske, irgendwo auch einen Botanischen Garten und so etwas ähnliches wie einen Zoo. Die ausgewiesenen Campingareale waren uns zu schattig, zu voll oder zu dicht an der Straße, wir entschieden uns für einen abgelegenen Parkplatz oberhalb des Strandes, auf dem Camping nicht explizit verboten war und hofften das Beste.






Der Park steht unter der Verwaltung der urugayischen Armee, die das gesamte Gelände unterhält und auch für die Registrierung der Camper zuständig ist. Wir hatten für zwei Nächte bezahlt, die weitere Reiseplanung machte uns ein bisschen Kopfzerbrechen, wir brauchten etwas Zeit und Muße. Unsere angedachte Route über Paraguay und Brasilien nach Argentinien machte bei näherer Betrachtung überhaupt keinen Sinn, wir mussten umdisponieren. Unter Berücksichtigung aller Faktoren entschieden wir uns für die umgekehrte Reihenfolge, hätten wir darüber vorher nachgedacht, wären uns ein paar hundert km erspart geblieben…
Samstag, 14.03.2026 bis Montag, 16.03.2026
Die gesammelte Tierwelt des Parks verabschiedete uns. Neben den üblichen grünen Schreihälsen (Mönchssittiche) stolzierte ein Nandu vor uns über die Straße und die unglaublich niedlichen Capybaras = Carpinchos = Wasserschweine lagen grasend, bzw. schlafend in der Gegend herum.






Eigentlich hatten wir geplant, eine Runde durch das Landesinnere zu drehen, um uns die einzigen beiden aus unserer Sicht dort vorhandenen Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Eine davon, die sog. Rabenschlucht, würde aber erst am Mittwoch wieder öffnen, darauf irgendwo am Strand zu warten erschien uns nicht besonders reizvoll. Auf einen Umweg von etwa 600 km für die andere, das Valle de Lunarejo, hatten wir auch keine Lust, wir entschieden uns für die schon bekannte Küstenautobahn zurück Richtung Argentinien und einen Zwischenstopp auf bekanntem Terrain im Paraiso Suizo. Ein schöner Nebeneffekt war ein erneutes Treffen mit Brigitte und Manfred, die ebenfalls auf dem Platz waren.


Wieder lief die Waschmaschine auf Hochtouren, erneut trafen wir nette Reisende, tauschten Geschichten und Tipps aus und saßen abends beim Apéro zusammen. Zwei ganz normale Tage auf einem sog. Overlander Campingplatz eben.

Montag, 16.03.2026
Der Abschied von neuen und alten Reisebekannten und -freunden zog sich etwas in die Länge, erst gegen Mittag rollten wir vom Hof. Brigitte und Manfred würden wir wohl leider eine ganze Weile nicht mehr sehen, unsere Reiseplanungen waren völlig konträr, umso schöner, dass es hier noch einmal geklappt hatte.
Durch teilweise spannende „Ortsumgehungen“ erreichten wir im uns schon bekannten Ort Nueva Helvecia das Granja Hotel Suizo, wo wir Ingo bei unerträglichen 40°C auf das Campingareal des Hotels stellten.





Und wieder konnten wir unterwegs eine Sehenswürdigkeit leider nicht besichtigen, die „Grutas del Palacio“ hatten nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Öffnungszeiten, die für Uruguay scheinbar völlig normal sind, trotzdem schade, wir hätten uns die etwa 70 Mio. Jahre alten Sandsteinsäulen gerne angesehen.
Alles in allem wurden wir mit Uruguay nicht so richtig warm, von einigen Highlights abgesehen empfanden wir es als etwas langweilig, zumindest den kleinen Teil, den wir gesehen hatten. Für den Rest waren wir irgendwie immer zum falschen Zeitpunkt vor Ort, aber man kann ja auch nicht nur zwischen Mittwoch und Sonntag reisen… Das sehr hohe Preisniveau kommt erschwerend dazu, insgesamt freuen wir uns wieder auf Argentinien, das wir morgen erreichen werden. Unser nächstes großes Ziel ist die Puna, eine Hochwüste auf 3.500 m bis 5.000 m Höhe in den Zentralanden.
Moin, klasse, auch das Startbild. Reiseplanung ist so aufwändig und schwierig und manchmal ändern wir sogar am Tag noch die Richtung. Wie immer schön beschrieben. Uruguay ist quasi Erholung für all die Sinnesorgane (ausser Fray Bentos). Gute Weiterreise, die Entscheidungen sind immer richtig. Liebe Grüsse
Moin Uwe, mal wieder ein Klasse Report mit tollen Bildern! Alles Gute weiterhin, bleibt gesund und habt viel Spaß! Grüße aus Hamburg, Horst