Auch unsere letzte Nacht in den Bergen war extrem windig. Nach Gran Sasso dachten wir eigentlich der Sturm wäre nicht mehr zu toppen, in Aremonga gingen durch Ingos Geschaukel nachts sogar die Schubladen auf… Kein schönes Gefühl, irgendwie schon ziemlich beunruhigend,  und so waren wir froh am nächsten Morgen in Richtung Adria zu fahren. 

Das Ziel war der Campingplatz Villagio la Torre bei Petacciato, direkt am Meer. Nach einer sportlichen Zufahrt (👍 Uwe) über den sehr engen terrassenförmigen Platz standen wir leicht erhöht direkt am Strand. Lt. Betreiber Strom „no problemo“, allein die Kabelverbindung unsres intakten Kabels ohne große Verbraucher ließ die Sicherungen fliegen. 🤔 Also Solarzellenenergie, ist eh umweltfreundlicher. 

Uwe hat sich gefreut, nach Jahrzehnten mal wieder im Mittelmeer zu baden, Lui fand das Meer immer noch komisch und mir ging es wie immer-ich kann mit Wasser einfach nichts anfangen…😳. Trotzdem ein netter Platz mit entspannten Betreibern und als Zwischenstop Richtung Gargano (der „Sporn“) auf jeden Fall OK. 

Die nächste Station war ein Campingplatz bei Peschici kurz vor Vieste.

Das erwähnenswerteste hier waren die Anfahrt und das Einparken auf dem Platz. Unser Navi hat uns und gleichzeitig drei andere WoMos auf eine völlig falsche Fährte gelockt. Wir sollten in einem nahe am Ziel gelegenen Bergdorf in eine für LkW und Camper gesperrte Straße fahren. Die drei anderen kamen da relativ schnell wieder raus, wir waren gar nicht erst reingefahren. Von der Alternativroute riet uns wild gestikulierend eine nette Italienerin ab. Am Ende half uns ein freundlicher Carabinieri mit einer für uns fahrbaren Wegbeschreibung. Mal wieder äußerst enge Serpentinenstraßen, auf denen uns aber auch ein LkW mit 3-achsigem Anhänger entgegenkam-also alles nicht so schlimm…🤓. Immer wieder stellen wir fest, dass italienische Autofahrer äußerst zuvorkommend fahren, wenn es eng wird, wird für unseren Ingo nahezu immer nett der Weg frei gemacht. Danke! 😀

Endlich am Platz angekommen ging es aber erst richtig los mit dem Fahrvermögen-Test. Mit der engste Stellplatz, den wir bisher hatten: schmale Wege, viele viele Bäume und ein schlafender Camper, die sich auch nicht davon stören ließen, dass wir 2 cm an seinem Kopf vorbei fuhren.  (viele Grüße an Ika und Günter ✌️). Wäre der Platzwart nicht gewesen, der Uwe trotz Sprachbarrieren erstklassig eingewiesen hat, hätten wir, glaube ich, aufgegeben. Ich wäre auch, im Gegensatz zu ihm sicher nicht auf einen Baum geklettert, um ein paar Äste aus dem Weg zu räumen… 

Der Platz selbst war OK, mehr aber auch nicht. Direkt am Meer mit schönem Blick auf Peschici blieben wir hier zwei Tage, von denen der 2. ziemlich verregnet war. Mal wieder ein Wasch- und Putztag. 

Die weitere Strecke führte uns durch den Parco nazionale del Gargano. Eine schöne Route durch endlose Laubwälder, Olivenhaine und teilweise freie Blicke in die Meeresbuchten. 

Der erste angesteuerte Campinplatz war uns nach den letzten Erfahrungen zu eng, also weiter ca. 7 Km hinter Manfredonia zum Lido Salpi. Ein schön angelegter Platz mit einem schwäbischen Platzwart aus der Nähe von Neu-Ulm. Ellenlange Sandstrände rechts und links – Freilaufzonen für Lui. Er findet Strand mittlerweile richtig gut, hält sich vom Meer aber komplett fern (ganz die „Chefin“ 😎). 

Wir haben uns mittlerweile entschlossen zu versuchen, den Winter auf Sizilien zu verbringen. Der Weg führt also südwärts, zunächst in die Nähe von Andria nach Castel del Monte. Die Burg mit ihren acht Türmen wurde um 1240 erbaut, wahrscheinlich nie fertig gestellt und gehört heute zum UNESCO-Welterbe. Über ihre ursprüngliche Funktion wird bis heute gerätselt. 

Unesren ersten Stellplatz zu Füßen der Burg haben wir nach ein paar Stunden wieder geräumt, die Überzahl der auf Ingo (und das angrenzende Restaurant) aufpassenden Hunde war einfach zu groß. Tagsüber zwar sehr entspannt, waren wir uns nicht sicher, was die vier Haushüter abends und nachts machen, v.a. weil Lui unseren Begleitschutz gar nicht lustig fand…

Ein paar hundert Meter weiter standen wir schließlich neben einem sehr gut besuchten Restaurant mit schöner Terrasse, haben uns erst einmal einen Aperitif genehmigt und trotz überquellendem Parkplatz, der sich nachts wieder geleert hat, gut geschlafen. 

Die Planung der weiteren Route war etwas schwierig, die Stellplätze im Landesinneren sind dünn gesät, wir werden uns also eher wieder Richtung Küste orientieren. 

Zunächst ging es aber weiter nach Tricarico in der Region Basilikata. Durch endlose Ackerlandschaften, extrem dünn besiedelt, ohne Tankstellen oder sonstige Infrastruktur landeten wir schließlich auf dem Agricampeggio San Tereza.

Sehr herzlich aufgenommen von Pino, incl. Versorgung mit eigenen Weintrauben und selbst gemachtem Olivenöl, verbrachten wir hier einen entspannten Nachmittag und eine ruhige Nacht. Das einzig nervige war eine kleine Katze, die wirklich sehr hartnäckig um uns herum schlich, in einer Tour miaute, ständig auf den Treppenstufen lag und schließlich auch noch in Ingos Motorraum verschwand. Und es war nicht so, dass es ihr schlecht ging, sie war gut genährt, sah gesund aus und gehörte offensichtlich zum Hof. 

Die nächste Etappe führte 150 Km weiter in den Süden zum Lago Sirino. Auf der Fahrt hierher haben wir ein Biotop auf der rechten Fahrspur der Autobahn gesehen (eine mit Gras und kleinen Büschen zugewachsene Baustelle…) und die Straßen im mit Abstand schlechtesten Zustand bisher erlebt. Asphaltabsenkungen in beeindruckender Tiefe von ca. 30-50cm und das mal wieder auf engen Bergstraßen. 

Das Ziel war ein kostenloser städtischer Stellplatz, nett gelegen in Seenähe und umgeben von Bergen mitten im Wander- und Skigebiet. 

Wieder am Meer, etwas südlich von Scalea, standen wir auf dem Sosta Camper „Lido Zio Tom“. Onkel Tom, der eigentlich Francesco heißt, hat uns nett empfangen, der Platz lag mal wieder direkt am Meer und am um diese Jahreszeit menschenleeren Strand. Das Positivste hier war zur Abwechslung mal wirklich funktionierendes WiFi, ansonsten ein eher einfacher und in die Jahre gekommener Platz.

Den als nächstes angedachten Stellplatz bei Falerna haben wir ohne Halt in verlangsamter Fahrt passiert. Er war von der Straße so gut einsehbar, dass wir auch aus Ingo heraus erkannt haben: Das ist nicht unser Ding!

Ein Stellplatznachbar am Lago Sirino hatte uns aber einen Campingplatz ca. 90 km weiter südlich empfohlen, den wir dann angesteuert haben. Durch das landschaftlich sehr schöne Kalabrien landeten wir schließlich auf dem Camping Mimosa bei San Fernandino. Die Fahrt war interessant. Teilweise an der Küste durch Touristenorte, z.T. über die Berge durch kleinere Städte. Was in dieser Gegend aber immer auffällt, sind sehr viele leerstehende und /oder verfallene Gebäude. Sowohl Gewerbe- als auch Wohnungsbau sind teilweise in einem desolaten Zustand. Was das Ganze aber noch deprimierender macht, ist der viele Müll, der auf jedem Parkplatz, an vielen Straßenrändern und auch am Strand herumliegt sowie die Straßenhunde, die das Bild noch abrunden.

Nachdem wir unter einer Brücke durchgefahren waren, bei es der nicht mehr viel Luft nach oben gab (das erste Mal mit aussteigen und gucken ob es passt…), waren die letzten km zum Campingplatz teilweise so uneinladend vermüllt, dass wir uns nicht vorstellen konnten, noch auf einem schönen Platz zu landen. Der „Mimosa“ war dann aber ganz nett, eine saubere Insel sozusagen. Von ehemals zu vermietenden Wohnwagen geprägt, Orangenbäume an vielen Stellen, komplett eingezäunt (abends zu… 😳) und ruhig direkt am Stand gelegen. 

Wir blieben zwei Nächte, nutzten das funktionierende WiFi, um uns über die Fährverbindungen nach Sizilien schlau zu machen und die Einreiseformalitäten zu erledigen. 

Sizilien verlangt momentan eine ausgefüllte und ausgedruckte Selbstauskunft und eine online- Registrierung auf „SiciliaSicura“ mindestens drei Tage vor Einreise. Für die Fähre müssen wir den Fahrplan, und die höheren Preise für das Transportgewerbe nutzen, Ingo ist um 20 cm zu lang für den normalen Tarif. 🤥.

Unsere letzten drei Tage vor dem Übersetzen zu unserem Winterquartier werden wir wohl auf dem Area Camper Prajola in Palmi verbringen. Die Stellplätze an diesem Küstenabschnitt sind dünn gesät bzw. geschlossen und so ist die Auswahl nicht besonders groß. Der Platz ist klein, einfach, aber OK. Die Betreiber sind super nett und die sehr schlichten Sanitäranlagen werden wir wohl nicht nutzen.

Auf jeden Fall Zeit genug, um mal wieder technischen Service an Ingo durchzuführen, den Kühlschrank abzutauen und ein paar persönliche Pflegestunden einzulegen 😉.

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Silke Stock
Silke Stock
1 Monat zuvor

Hallo Ihr Drei,

wünsche Euch eine schöne Zeit auf Sizilien, hoffe ihr findet einen schönen Platz zum Überwintern!

Euer Bericht liest sich wie immer sehr gut und ich bin immer ganz gespannt, wenn ich die Mitteilung bekomme, dass wieder neue Berichte da sind.
Hoffe auf Sizilien sind die Coronazahlen nicht so hoch wie hier in Deutschland, die ersten teilweisen Lockdowns sind bereits ausgesprochen und die Zahlen steigen täglich!
Also bleibt gesund und lasst es Euch weiter gut gehen!

Liebe Grüße
Silke

Ariane und Udo Janshen
Ariane und Udo Janshen
1 Monat zuvor

Guten Morgen Ihr Lieben, wir freuen uns, dass es euch weiterhin gut geht auf eurer
Abenteuerreise und wünschen euch weiter viel Glück. Wir verfolgen eure Berichte mit Interesse. Bleibt gesund, dass es jetzt sicher das Wichtigste, hier herrscht wegen der
dramatisch steigenden Fallzahlen, heute über 7000 Neuinfektionen, große Unsicherheit.
Wir sind in Gedanken bei euch. Passt auf euch auf. Ariane und Udo

Tanja Storm
Tanja Storm
1 Monat zuvor

Hallo ihr lieben, freuen uns immer eure Berichte zu lesen. Super interessant geschrieben. Eine gute Zeit auf Sizilien wünschen wir euch. . Liebe Grüße von Tanja und Knut

Chris
Chris
1 Monat zuvor

moin, buongiorno,
nachdem Ihr Hannibal am Trasimeno ja knapp vepasst habt nun also Sizilien im Winter….Rund um den Aetna fährt eine Bahnlinie, falls das für Euch von Interesse ist….
Der Berg ist ja immer mehr oder weniger aktiv…
http://www.vulkan-etna-update.de/etna_update.html
Auf Sizilien gibt es mehrere auch international aktive Organisationen gegen die Mafia.
https://www.libera.it/
https://www.addiopizzo.org/index.php/who-we-are/
Da sind u.a. Restaurants, Hotels, landwirtschaftliche Betriebe aus ehemaligem Mafiabesitz hervorgegangen….und die Gegend um Corleone (Mama Corleone) ist sicher einen Besuch wert.
cu
Chris

Gerd Rother
Gerd Rother
1 Monat zuvor

Ist ja beeindruckend, landschaftlich aber auch abenteuerlich ! Dass Ingo zum Schaukeln gebracht wurde, ist schon heftig ! Jedenfalls, eine tolle beeindruckende
Reisebeschreibung! Euch weiterhin toi,toi toi ! (arbeite etwas viel mit !!! , weil
Ich so begeistert bin ) LG Gerd

Chris
Chris
1 Monat zuvor
Reply to  Gerd Rother

…“, weil
Ich so begeistert bin ) LG Gerd“…

…nicht nur Du, lieber Gerd, erinnerst Du Dich noch an unser Wildwasserabenteuer!?!?
liebe Grüße
Chris(tian) Koch

Gitti und Chris
Gitti und Chris
1 Monat zuvor

Haha ….. ja die Geschichte mit dem Navi bei Pescichi haben wir auch erlebt! Der Wahnsinn 😜 wir sind la durch ganz Apulien bis Santa
Maria di Leuca gefahren ….. die Küstenstraße von Vieste nach Mattinata ist traumhaft! Was mich sehr traurig gemacht hat, waren die vielen Toten Olivenbäume in ganz Apulien! Viel Spaß noch euch dreien! ( wir hatten uns kurz am mittelmeer bei cecina getroffen – haben uns mit unserem safrangelben Wohnmobil vor euch gestellt wegen dem Sturm 😜)