Das Wetter am nächsten Morgen in Pomeranca war deutlich besser als am Vortag, so dass wir erst einmal einen Waldspaziergang unternahmen, bei dem wir unversehens auf einen Aussichtspunkt mit kleinem Amphitheater stießen. Freie Sicht auf toskanische Landschaften und einen riesigen Greifvogel (Adler ?).

Nachmittags war Putzen und technischer Service angesagt. Uwe hat u.a. Ingos Bremsendruckkessel und den Vorabscheider in der Luftansaugung entwässert 🤔🤷🏻‍♀️. 

Unsere zweite Nacht hier war unruhig. Sturm und sintflutartige Regenfälle, die sich auf Ingos Dach noch dramatischer anhörten. 

Das Ziel für den folgenden Tag lag Richtung Küste – die 5 Km lange Zypressen-Allee bei Bolgheri, die längste der Toskana. Bestimmt sehr sehenswert, nur leider gesperrt für Fahrzeuge über 6,5 t🤥. Die nicht anzusteuernden Ziele häufen sich…

Unseren in der Nähe liegenden Stellplatz fast direkt am Meer in Castagneto-Carducci erreichten wir noch im trockenen und bei relativer Windstille. Die Area Sosta war allerdings schon zu einem Drittel überflutet, der Wind nahm stetig zu und wuchs sich zu einem handfesten Orkan aus. 

Das Meer hatte beeindruckenden Wellengang und wir hatten Mühe, uns am Strand auf den Beinen zu halten. Die Nacht war unruhig und das Gefühl im schwankenden Ingo nicht besonders gut.

Am nächsten Morgen hatte sich das Wetter beruhigt und Lui konnte das erste Mal in seinem Leben an den Strand. Das Ganze war ihm ein bisschen unheimlich, Wasser, das auf einen zukommt und komisch schmeckt… Den Sand fand er aber super, fast so gut wie Schnee 😃.

Damit war der Abstecher an die Küste auch schon wieder vorbei, es ging zurück ins Landesinnere. 

Das zunächst über Agricamper angesteuerte Landgut entpuppte sich als ziemlich zugemülltes Grundstück mitten in einem kleinen Ort zwischen Siena und Grosseto. Hier wollten wir nicht bleiben und fuhren ein Stück weiter südlich nach Roccastrada auf den Parkplatz eines Restaurants (gefunden über „park4night“). Zwar direkt an der Straße gelegen, aber (mal wieder…) mit einem tollen Blick über Olivenhaine und die Hügel der Toskana. Das Essen abends war der Hammer und mit das Beste, was wir in Italien bisher hatten. Wir haben es uns u.a. mit Wildschweingulasch, Roast Beef und Tiramisu gut gehen lassen und haben nach leckerem vino de la casa auch gut geschlafen 😉.

Die Wettervorhersage für den folgenden Tag war eine Katastrophe, starke Regenfälle den ganzen Tag und das landesweit. Für die Route nach Umbrien wählten wir daher die harmlosere Variante über Staatsstraßen und kamen im strömenden Regen am Lago Trasimeno an. Ein ca. 120 km2 großer See mit drei Inseln westlich von Perugia. Unser Stellplatz, eine kommunale Camper Area, lag direkt am Ufer und bot am nächsten Tag einen schönen Blick über den See. 

Das nächste Ziel hatte ich ausgesucht. Ich wollte gerne noch einmal nach Orvieto, dort war ich vor einigen Jahren schon einmal und wollte wieder gern dorthin.

Unser Stellplatz lag verkehrsgünstig – neben der Autobahn und der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke, auf der die Züge im 10 Minuten Takt vorbei donnerten… Aber auch direkt neben der Funicolare, der Standseilbahn hoch in die Altstadt. 

Meine Erinnerung hatte mich nicht getäuscht, die Stadt ist toll ! Errichtet auf einem Felsplateau aus Tuffstein, mit engen Gässchen, einem schönen Dom, tollen Blicken von der Stadtmauer (u.a. auf Ingo 😉) und v.a. total leer. Wir hatten einen schönen Nachmittag und für die Nacht mal wieder Oropax.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Collestatte Piano bei Terni. Endlich mal wieder ein Stellplatz nach Luis Geschmack. Direkt an einer großen Wiese, neben einem Naturpark mit den „Cascata delle Marmore“ (künstliche 165m hohe Wasserfälle, Baubeginn in der Römerzeit) und v.a. angrenzend an ein großes Waldgebiet.

Unsere Wanderung durch den Wald wurde allerdings unversehens gestoppt, der Weg war blockiert durch umgefallene Bäume und Felsbrocken.

Nachdem wir hier noch eine Nacht verlängerten, hatten wir am nächsten Tag mit unserer Wanderung mehr Glück. Den Wasserfällen kamen wir zwar auch nicht näher, wurden aber mit schönen Aussichten über die Landschaft belohnt. Alles was in Sichtweite der Cascata ist, kostet Eintritt, den wir uns gespart haben, zumal das Wasser nur drei Mal am Tag für ca. 30 Min herabstürzt.

Die Bezahlung des Stellplatzes gestaltete sich schwierig. Der Automat wollte die Parkkarte nicht und das Büro machte eine Stunde zu spät, erst um 11.00 auf. Da dort auch die Eintrittskarten für die Wasserfälle verkauft werden, war die Schlange 50 m lang. Nachdem um 12.00 Uhr die Bezahlung erledigt war, machten wir uns auf den Weg Richtung Gran Sasso, einem Gebirgsmassiv im Osten Italiens. Die Strecke war super: schöne kurvige Straßen in top Zustand, durch enge Täler mit tollen Ausblicken. 

Das Ziel, der Stellplatz „Selvarotonda di Cittareale“, entpuppte sich als Parkplatz eines (stillgelegten ?) Skiliftes am Ende einer Gebirgsstraße weit außerhalb in den Bergen. Hier standen wir in 1.583 m Höhe und 8°C ganz alleine in himmlischer Ruhe und einem Traum-Panorama. Die einzige Gesellschaft waren Herden von Pferden und Kühen.

Lui hat sich ausgetobt und ist erschöpft über seinem Kaustick eingeschlafen 😴.

Die Route für den nächsten Tag führte mal wieder über schmale Bergstraßen in den Nationalpark Gran Sasso in den Abruzzen zum Campo Imparatore, einer Hochebene, die in weiten Teilen irgendwie an den Mond erinnert.

Eine wahnsinns Landschaft, das schrägste aber sind zwei Metzgereien mitten im Nichts. Dort kauft man das Nationalgericht Arrosticini, Schaffleisch am Spieß, geht damit nach draußen, wo diverse Grills unter Feuer sind und bereitet sich sein Essen zu. Sitzen kann man an Holztischen mit integriertem Windschutz. Wirklich skurril das Ganze, aber auch sehr lecker ! Theoretisch kann man auch auf den Parkplätzen dahinter campen, war uns aber zu voll, wir sind ca. 1,5 Km weiter auf einen WoMo Parkplatz gefahren, auf dem wir nahezu alleine standen. 

Nach einer stürmischen Nacht hatte ich das Bedürfnis nach ein bisschen Luxus, der ins Auge gefasste 5* Campingplatz am Meer war aber leider voll… Also ab nach L’Aquila, der nächstgelegenen Stadt, zum Ver-und Entsorgen und Kühlschrank füllen und wieder zurück in die Berge. Diesmal entschieden wir uns für einen nicht offiziellen Stellplatz abseits der Straße (Ingo kann ja Schotter 😉) vor einem tollen Panorama – wenn die durchziehenden Nebelbänke den Blick freigaben. Es war immer noch sehr stürmisch und auch nicht besonders warm, aber die Landschaft hat uns beide so fasziniert, dass wir uns zu dieser zweiten Nacht hier entschlossen. 

Es wurde immer windiger, der Gipfel mit dem Observatorium des Campo Imperatore verschwand im Nebel-und bald auch wir… Irgendwann fing es dann auch noch an zu regnen und der Wind wuchs sich zu einem handfesten Sturm aus. Die Nacht war ungemütlich! Ingo bewegte sich wie auf hoher See, der Sturm pfiff um das Auto und wir waren froh, dass in der Nähe keine Bäume standen. Der nächste Morgen war zumindest trocken, aber immer noch neblig, windig und v.a. kalt 🥶 .

Wir verließen diese nun unwirtliche Gegend und fuhren weiter Richtung Süden in das Skigebiet um Roccaraso, immer noch in den Abruzzen. Die Strecke war mal wieder sehr kurvig, extrem eng (mit weniger Ausweichbuchten als auf schottischen single trails…), aber durch tolle Landschaften mit abwechslungsreicher Vegetation und malerischen Bergdörfern.  

Unser neuer Stellplatz lag unterhalb der Lifte und Hotelburgen in Aremonga, in die andere Richtung hatten wir aber freien Blick und Zugang in die Berge. Eine Schafherde incl. Herdenschutzhunden zog direkt an Ingo vorbei, herrliche Ruhe, für Lui das Paradies und für uns Erholung nach der letzten Nacht-dachten wir…

Je später der Abend, desto mehr nahm der Wind zu. Es wird also wohl wieder eine laute und  wackelige Nacht werden-vielleicht wird es morgen an der Küste besser. Es geht an die Adria. 

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Ingeborg
Ingeborg
1 Monat zuvor

Ich habe Eure Reise virtuell begleitet und so richtig mitten drin. Faszinierende Fotos zeigt Ihr uns. Der ungestüme Himmel und das brausende Meer, dann wieder die herrliche Landschaft klar übersehbar.
Wunderbar! Der Reisebericht ist so lebhaft, dass man wirklich ganz nah dabei ist! Dankeschön!
Freue mich schon, wenn ich wieder dabei sein darf. Bis dann! LG Ingborg und Helmut

Wolfgang Lindner
Wolfgang Lindner
1 Monat zuvor

Hallo ihr zwei, eure Berichte klingen sehr spannend und faszinierend. Da ihr auch an der Stadt L’Aquila vorbeigekommen seid, hier eine kleine Anmerkung für den ehemaligen CMI-Mitstreiter Uwe. Der CMI in Italien wurde seinerzeit in Rom durchgeführt und die Donnerstagsübung in der durch das damalige Erdbeben stark angegriffenen und teilweise zerstörten historischen Stadt L’Aquila. Eine sehr befremdliche, aber natürlich äußerst reale Szenerie.
Euch weiterhin viele Freude auf der Tour.

Gerd Rother
Gerd Rother
1 Monat zuvor

Als die Nachrichten über die Umwetter in Italien gemeldet wurden, habe ich an Euch gedacht! Aber, Ingo kann sicherlich noch mehr wegstecken ?! Bei den noch vor Euch liegenden Abenteuern , war das bestimmt nur ein kleiner Test ?!! Weiterhin 👍👍