Die Cenote Suytun gilt als einer der „most instagrammable“ spots in Yucatán. Normalerweise suchen wir solche Orte nicht gezielt auf, hier wollten wir es wissen…

Unsere Route:

Donnerstag, 02.05.2024

Das Wort Suytun kommt aus der Maya Sprache und bedeutet „Zentrum der Felsen“. Ein Zentrum besitzt die Cenote unbestritten, wenn auch ein künstliches… In der Mitte des Wasserbeckens befindet sich ein Steg aus Stein mit einer kreisrunden Plattform am Ende. Um die Mittagszeit fällt das Sonnenlicht durch ein kleines Loch in der Decke und beleuchtet die Plattform, incl. des jeweils dort posenden Models- eines DER instagram-Fotomotive in Yucatán.

Offiziell öffnet die Cenote um 9.00, da wir ja um die Ecke auf dem Campingareal wohnten, gingen wir um 8.30 mal nachsehen und waren schon nicht mehr die ersten. Netterweise durften wir die Cenote schon betreten, um unsere Poser-Fotos zu schießen, nachdem die Plattform akribisch gereinigt worden war… Ab Punkt 9.00 bildete sich eine immer länger werdende Schlange vor dem Steg, eine ausgesprochen nette, aber auch sehr burschikose Dame sorgte für zügige Abwicklung. „Who‘s next ? Adelante, adelante !!“. Das Ganze war ein Musterbeispiel für „Schein und Sein“.

Schwimmen war irgendwie auch kein Spaß, wenn man nicht allen anderen das Bild verderben wollte und sich von der Plattform fern hielt, dafür war das Becken insgesamt zu klein.

Für die etwas abseits liegende zweite Cenote Ka‘ape interessierte sich kein Mensch, dort war das Wasser auch noch trüber als in Suytun und es fehlte komplett das instagram Motiv…

Das gesamte Areal war top in Schuss und hübsch angelegt, die sicher nicht unerheblich fließenden Einnahmen wurden offensichtlich auch in den Unterhalt gesteckt. Bei einem derzeitigen Eintrittspreis von ca. 14 €/Person und einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer der Gäste von geschätzten 15 Minuten kein schlechtes Geschäft…

Brauen-Motmot

Wir hatten unseren Spaß und immerhin reichte es für knapp 10 Minuten fast alleine in der schönen Cenote und eine morgendliche Abkühlung.

Im Anschluss machten wir uns auf den Weg nach Norden und 115 langweilige Km später erreichten wir wieder den Golf von México. Insgesamt zeichnet sich Yucatán nicht durch schöne oder abwechslungsreiche Landschaften aus. Eigentlich fährt man nur geradeaus durch Gestrüpp, bis man irgendwann an einer Maya-Stätte, Cenote, oder der Küste landet.

Unser Ziel war Rio Lagartos. Im April und Mai halten sich angeblich tausende Flamingos in dem vorgelagerten Feuchtgebiet auf und bringen ihre Jungen zur Welt. Dem kleinen Ort ist deutlich anzusehen, was die Haupteinnahmequelle ist, in der ganzen Stadt bis hin zu den Randsteinen dominiert die Farbe Rosa. Sehr sympathisch!

Wir parkten Ingo am Ende des Malecón neben einem mit Mangroven bewachsenen Süßwasserteich, in dem es auch Krokodile gab 🫣. Nur ein kleines Stück weiter am Ende eines Weges durch einen Mangrovenwald lebten noch ein paar mehr der possierlichen Tiere, wir beruhigten uns mit der Tatsache, dass sie dem Menschen eigentlich nicht zu nahe kommen – hoffentlich…

Für den folgenden Morgen buchten wir eine private Bootstour und hofften auf viele Flamingos.

Freitag, 03.05.2024

Pünktlich um 7.00 legten wir mit Cesar, unserem englischsprachigen Capitano ab und fuhren etwas über zwei Stunden durch das Biosphärenreservat Ria Lagartos. Das Feuchtgebiet gilt aufgrund seiner Artenvielfalt als weltweit einzigartig, wir waren in erster Linie wegen der rosa Vögel dort. Die Tour entlang der Mangroven war toll, Cesar entdeckte jedes versteckte Tier in irgendeinem Winkel, unser Highlight waren aber die Flamingos, auch wenn es bei weitem nicht tausende waren…

(1 und 2: Amerika-Schlangenhalsvogel, 3: Rötelreiher, 4: Fischadler, 5: Waldstorch, 6: Schwarzbussard)

Samstag, 04.05.2024

Die Nacht war erstaunlich ruhig verlaufen. Um 22.30 herrschte Totenstille, völlig untypisch für México an einem Wochenende… Wir freuten uns und traten ausgeruht den Rückweg ins Landesinnere an. Über die gleiche langweilige Strecke ging es zurück, mit einem kurzen Zwischenstopp in Kikil bei einer Klosterruine und einem hübsch bemalten Baum. Nichts besonders spektakuläres, aber eine kleine Abwechslung nach dem langen Geradeausfahren durch die Büsche.

Etwas abseits der Hauptstraße lag Ek-Balam, eine Maya Stätte, die ihre Blütezeit zwischen 100 und 300 n.Chr. erlebte. Der Name bedeutet „schwarzer Jaguar“, der bis heute freigelegte Teil ist sehr überschaubar und wird dominiert von der Acrópolis, dem größten erhaltenen Gebäude der Maya Kultur in Yucatán. Es hat eine Fläche von 160 x 70 m und war ursprünglich knapp 40 m hoch, heute steigt man immerhin noch 31 m über steile Treppen nach oben. Nach heutigem Grabungsstand weist es 72 Räume auf, das beeindruckendste ist ein Tor im 4. Stockwerk, das je nach Quelle ein Jaguar- oder Schlangenmaul darstellt und von ungewöhnlichen Figuren verziert wird. Davon abgesehen bietet die Anlage aus unserer Sicht nichts besonders sehenswertes und ist mit umgerechnet 31€/Person viel zu teuer. Damit toppt Ek-Balam gerechnet auf die Fläche sogar Chichén-Itzá, ist aber meilenweit von einem Weltwunder entfernt… Vielleicht lag es daran, dass wir trotz Wochenende fast alleine unterwegs waren. Für den Eintrittspreis hätten wir zumindest auch ein paar Infotafeln erwartet, auf dem gesamten Gelände gab es keine einzige.

Im Anschluss griffen wir auf Altbewährtes zurück und steuerten den Zoo in Valladolid an, der so abgelegen liegt, dass wir auch dort auf eine ungestörte Nacht hoffen konnten.

Sonntag, 05.05.2024

Wochenenden sind für Menschen wie uns immer schwierig, egal in welchem Land. Wobei sich die Faustregel „je südlicher, desto schwieriger“ in México mehr als bewahrheitet. Alle Leute fahren irgendwo hin, unternehmen etwas, sind an Stränden und im Grünen. Verständlich, für uns nur ein bisschen doof, weil alles voll ist. Freitag- und v.a. Samstagabend ist Party bis in die Morgenstunden, Sonntag ist Familientag. Wir wunderten uns also nicht wirklich, dass an unserem ausgesuchten Übernachtungsplatz bei der Cenote Choj Ha ein ständiges Kommen und Gehen herrschte. Für uns bedeutete das, die Abkühlung wird verschoben auf Montag Morgen.

Nachdem um 16.00 Feierabend war und wir mutterseelenallein auf dem Gelände waren, kehrte sehr schnell absolute Ruhe ein. Kein Wunder, wie die Erkundung der Umgebung mit der Drohne zeigte. Urwald pur…

Montag, 06.05.2024

Mit dem Begriff „must see“ tun wir uns sehr schwer, zum einen ist er extrem abgenutzt, zum anderen muss man gar nichts gesehen haben. Interpretiert man den Ausdruck mit „absolut sehenswert“, trifft er auf jeden Fall auf die Cenote Choj Ha zu. Es handelt sich um eine riesige Tropfsteinhöhle mit türkisblauem Wasser, aus dem die Stalagmiten wachsen. Es gibt kein natürliches Licht, die Beleuchtung erfolgt über gut angebrachte Scheinwerfer, an der Decke kreisen die Fledermäuse um die Stalagtiten. Man kann sich nicht satt sehen. Das Wasser ist kristallklar und wie immer seeeeehhhr erfrischend 🥶. Eine Cenote, die aus unserer Sicht auch einen längeren Umweg wert ist.

Nach dieser beeindruckenden Abkühlung machten wir uns auf den weiteren Weg Richtung Cancún, von wo in ein paar Tagen unser Flug nach Frankfurt starten wird. Mit Quintana Roo erreichten wir unseren letzten méxicanischen Bundesstaat, stellten die Uhren eine Stunde vor und hatten damit das nahezu Topes freie Paradies Yucatán verlassen. México hatte uns wieder… Schlechte Straßen mit unzähligen der materialmordenden Bodenwellen… Klasse war auch der Gehweg in einem der durchfahrenen Orte. Da gibt es schon mal einen – und dann so…

Den restlichen Tag und die Nacht verbrachten wir auf der Finca Kookay, einem teilweise etwas verwilderten, aber nett gemachten Grundstück mit angenehm viel Schatten. Ingo hätte sich bei der Anfahrt ein bisschen ducken müssen, aber wir erreichten unseren Stellplatz ohne größere Flurschäden.

Dienstag, 07.05.2024 bis Freitag, 10.05.2024

Mal wieder kam es anders als gedacht… Wir wollten noch ein paar Tage Beachlife an einem einsamen Strand nördlich von Cancún einlegen, leider standen wir nach 70 Km Fahrtstrecke vor einem weichen, verwehten und tiefen Haufen Sand. Das letzte Stück war nicht mehr fahrbar, dort wo wir waren gefiel es uns nicht und ruhige Alternativen rund um den Touristen-Molloch Cancún gab es nicht, also alles zurück zur beschaulichen Finca Kookay, wo wir bis Freitag bleiben wollten.

Aber auch das lief nicht einfach so… Bei der Einfahrt auf die Halbinsel Isla Blanca, wo wir eigentlich übernachten wollten, wurden wir von einem Polizisten freundlich durchgewunken, nur um bei der Rückfahrt gestoppt zu werden. Zu groß, zu schwer und überhaupt, wir bräuchten eine Genehmigung zum Befahren des gesamten Stadtgebietes. Für 3.500 Pesos (knapp 200 €) könnten wir die in irgendeinem Büro erwerben oder direkt vor Ort (natürlich ohne Quittung) viel günstiger bekommen. Wir hatten die Nase gestrichen voll von korrupter Polizei und wollten die entsprechende Vorschrift incl. Preis sehen. Ein paar Minuten später wurde uns irgendeine Mappe unter die Nase gehalten, in einem markierten Textabschnitt war von groß, schwer und überhaupt die Rede. Dank Google Übersetzer konnten wir den Herren in Uniform aber dahingehend belehren, dass das nur für öffentliche und gewerbliche Fahrzeuge gilt. Nach noch ein bisschen Hin und Her und einem Blick auf den Führerschein und in Ingo konnten wir nach ca. 30 Minuten ohne irgendetwas bezahlt zu haben weiter fahren. Mal gewinnt man, mal verliert man – in diesem Fall 1:0 für das Doppel-U.

Nach der Rückkehr auf unseren angestammten Platz war erstmal Abkühlung angesagt, wenn man mehr als eine Nacht bleibt, wird der Mini Pool gefüllt. Da wir immer noch alleine auf dem Gelände waren, freuten wir uns über unsere private Badewanne 👍.

Die restlichen Tage verbrachten wir mit der Vorbereitung Ingos für seine sechswöchige Pause, Wäsche waschen und ein bisschen Hausarbeit, in erster Linie aber mit dem Hin und Her wandern zwischen Pool und wechselnden Schattenplätzen.

Freitag, 10.05.2024 bis Sonntag, 13.05.2024

Für die letzten zweieinhalb Tage zogen wir auf das Gelände um, auf dem Ingo gut behütet seinen Reiseurlaub verbringen wird. Die Tage waren gut gefüllt mit räumen, packen, Kühlschrank leer essen, noch ein bisschen Büroarbeit und prophylaktischer Insektenvernichtung – wir waren die Raubwanzen leider noch nicht los…

Die Temperaturen machten die ganze Aktion nicht leichter, bei ständig über 30° und keinem Schatten war jeder Handgriff eine Quälerei. Schlafen ging nur noch mit jeweils zwei Ventilatoren direkt über den Betten, einer in Betrieb, einer als Reserve, wenn beim ersten der Akku schlapp macht. Normal ist das nicht…

Für uns geht es am Sonntag nach Hause, die ersten vier Wochen werden wir in Heidenheim verbringen, die restlichen knapp zwei Wochen in Hamburg. Wieder wird die Zeit leider nicht reichen, um alle lieben Menschen zu treffen, die wir eigentlich gerne sehen würden. Wir freuen uns aber auf jede Begegnung, die gegenseitig möglich gemacht werden kann !

Wir melden uns nach unserem Heimaturlaub wieder, wenn wir den Rest von Méxicos Ostküste in Angriff nehmen und uns über Belize und Guatemala Richtung Süden bewegen werden.

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Kim
Kim
6 Tage zuvor

Good to hear you are both still enjoying your travels and are safe. Lovely photos!!!

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