Die Carretera Austral ist 1.240 km lang und verbindet Puerto Montt mit dem abgeschiedenen 500 Seelen Dorf Villa O‘ Higgins, ab dort ist eine Weiterreise mit dem Auto nicht mehr möglich, weiter geht es nur noch mit dem Boot.

Unsere Route:

Samstag, 15.11.2025 bis Dienstag, 18.11.2025

Das Einzige, was uns in Puerto Montt interessierte, waren das unscheinbare Km 0,0 Schild der Carretera Austral und zwei Supermärkte. Wir nutzten die auf längere Sicht letzte „vernünftige“ Einkaufsmöglichkeit in einem riesigen Hiper Lider (dem chilenischen Walmart) und einem Jumbo, wieder mit göttlichem Importado Regal. Dieses Mal wanderten u.a. Essiggurken, Geleebananen, Knäckebrot und deutsche Bratwürste in den Einkaufswagen.

Um 23.00 sollte unsere Fähre nach Chaitén eigentlich starten, um 23.30 begann das Verladen, um 1.00 legten wir dann endlich ab. Wir waren heilfroh, an Bord in Ingo schlafen zu können und die Nacht nicht in den mehr oder weniger bequemen Sitzen des Schiffes verbringen zu müssen. Die Fähre war höchstens zu 1/4 belegt, alles war entspannt und so erreichten wir nach 9 Stunden ziemlich ausgeruht Chaitén.

Chaitén wurde 2008 durch einen Vulkanausbruch teilweise zerstört, die Stadt wurde evakuiert, viele Bewohner kamen danach nicht wieder zurück. Der Ort wirkte zwar ausgesprochen aufgeräumt mit seinen breiten Straßen und der super gepflegten Uferpromenade, aber auch völlig verschlafen. Die meisten der wenigen Menschen auf der Straße waren auf dem Weg vom oder zum Wahllokal, in Chile waren Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.

Abgesehen von dem oft durch Wolken getrübten Blick auf den 2.300 m hohen Vulkan Corcovado war die einzige „Sehenswürdigkeit“ das ehemalige Gefängnis von Chaitén. Ein lost place mit für uns nicht ermittelbarer Geschichte, der heute leider nicht mehr zugänglich ist.

Die Wetterprognose für den folgenden Tag sagte ergiebigen Dauerregen und Sturm voraus, wir blieben, wo wir waren, schließlich wollten wir von der tollen Landschaft auf der Strecke auch etwas sehen. Unseren Stellplatz am Ortsende teilten wir uns mit diversen (Kuschel-) Campern in wechselnder Besetzung, v.a. aber mit zahlreichen Lkw, wir standen auf dem Pausen- und Ladungsumschlagplatz. Es war zwar interessant anzusehen, wie an einer selbst aufgeschütteten Laderampe u.a. riesige Sattelzüge mit Anhänger rückwärts durch den Kies rangierten, nach zwei Nächten reichte es uns aber, wir fuhren weiter.

Dienstag, 18.11.2025

Wetterbesserung war erst ab Donnerstag in Sicht, wir arbeiteten uns also sehr langsam Richtung Süden vor. Im nahegelegenen Pumalin Douglas Tompkins Nationalpark wollten wir trotz schlechter Sicht eine kurze Wanderung unternehmen, der Ranger am Eingang befand Ingo aber als zu groß und ließ uns nicht in den Park fahren. Aus 4 km Rundweg wären damit 12 km Fußweg geworden, bei den sehr tiefhängenden Wolken keine Option. Wir begnügten uns mit einem Blick auf den 2.460 m hohen Vulkan Michinmahudia vom Eingang aus und fuhren weiter.

In Sachen Vulkanwanderung passte es gerade nicht so gut bei uns. Die lange steile Wanderung über hauptsächlich hohe und sehr ungleichmäßige Stufen auf den Vulkan Chaitén hatten wir schon aus Rücksicht auf unsere Knie (und wegen des schlechten Wetters) gestrichen 🤷🏻‍♀️.

Nur 40 km südlich von Chaitén fanden wir einen ruhigen Stellplatz am Rande einer ehemaligen Landebahn, nicht ganz alleine, aber mit genügend Platz, um Abstand zu halten.

Auf der Strecke lag mal wieder einer dieser Aussichtspunkte für Botaniker. Komplett zugewachsen, nur Dank Ingos Höhe konnten wir überhaupt einen Blick auf den Gletscher des Cerro Hornos ergattern. Die Sicht von der Straße aus ein paar hundert Meter weiter war deutlich besser…

Mittwoch, 19.11.2025

Erstmal ausschlafen, untermalt von Regentrommeln auf dem Dach. Für unsere Verhältnisse extrem spät machten wir uns auf den nur 60 km langen Weg nach Villa Vanguardia. Unterwegs sahen wir weder den Vulkan Corcovado noch die vielen anderen schneebedeckten Gipfel, die Landschaft versank in tiefen Wolken. Gerade noch halbwegs im Trockenen erreichten wir unseren Stellplatz am Zusammenfluss der Rios Frio und Oeste und konnten einen kurzen Blick auf die Bergkulisse werfen, bevor es sich so richtig schön einregnete. Es konnte nur besser werden…

Donnerstag, 20.11.2025

…aber nicht viel… Wenigstens regnete es nicht mehr, die Sicht auf die Bergwelt war trotzdem sehr eingeschränkt.

An unserem Ziel, dem Nationalpark Queulat, gab es aber zumindest ein paar Wolkenlücken und tatsächlich ein bis zwei Fleckchen blauen Himmel. Wir parkten Ingo beim ersten Parkplatz an der Ranger Station, weiter durften wir nicht. Zu groß, zu schwer und überhaupt dürfen Camper gar nicht zum zweiten Parkplatz fahren !?? Egal, dann eben 2 km zu Fuß weiter zu den eigentlichen Wanderwegen, von denen allerdings die besten zwei wegen Unterhaltsarbeiten gesperrt waren. Neben zwei ca. 50 m langen „Wegen“ blieb ein 900 m langer Pfad, der zu matschig war, um ihn zu gehen und ein 250 m langer Spaziergang durch den Wald zu einem Aussichtspunkt auf den sehenswerten „hängenden“ Gletscher Ventisquero Colgante. Ob das den relativ stolzen Eintrittspreis für Ausländer wert ist muss jeder selbst entscheiden.

Wir hätten vor dem Parkeingang im Wald übernachten können, es war uns aber nach etwas mehr Licht bei dem trüben Wetter, wir fuhren 4 km zurück auf den Camping Las Toninas direkt am Puyuhuapi Fjord. Der Platz hatte seinen Namen zu Recht, bei unserer Ankunft konnten wir kurz einen Delfin (Tonina) beobachten, das war es dann aber leider mit den Sichtungen.

Freitag, 21.11.2025

Von einem kurzen Stück abgesehen, war unser erster unbefestigter Teil der Carretera Austral der Abschnitt mit den teilweise engen und steilen Serpentinen Cuesta Queulat, das Befahren bei Trockenheit wird empfohlen. Leider nieselte es als wir ankamen. Der Belag war schmierig, aber noch gut zu fahren, bei stärkerem Regen würde die Sache vermutlich anders aussehen.

Insgesamt ging uns das Wetter zunehmend auf die Nerven. Es war jammerschade, wir fuhren durch wunderschöne Berglandschaften und sahen so gut wie nichts davon. Ja, wir bewegten uns im patagonischen Regenwald, dem südlichsten gemäßigten Regenwald der Welt mit feucht gemäßigtem Klima, sprich vielen Regenfällen. Alles sehr hübsch, trotzdem wäre ein bisschen Sonne ganz nett gewesen.

Unser Bitten wurde erhört, je südlicher wir kamen, desto heller und wolkenloser wurde es, endlich bekamen wir von der tollen Landschaft auch etwas zu sehen.

Bei einem kurzen Fotostopp hatten wir das große Glück, Kondore beobachten zu können. Zuerst kreiste nur einer der Vögel über uns, plötzlich tauchten aus den Felsen 12-15 Tiere auf, zogen ihre Kreise und waren nach ein paar Minuten wieder verschwunden. Immer wieder beeindruckend, „den Giganten der Lüfte“ in freier Wildbahn zu sehen !

Unseren Stellplatz fanden wir am Ufer des Rio Aysén mit schöner Aussicht auf die umliegenden Berge. So hatten wir uns unsere Fahrt auf der Carretera Austral vorgestellt. Es ging aufwärts!

Nachdem sich die gesammelte Tierwelt in Form von Hähnen, diversen lauten Wildvögeln, Hunden und einem Pferd gegen 22.00 zurückgezogen hatte, kehrte eine himmlische Stille ein und wir hatten eine ungestörte Nacht.

Samstag, 22.11.2025

Wir verließen den Regenwald und durchquerten die riesige Ebene des Rio Simpson, bevor es wieder bergiger und damit für unseren Geschmack sehr viel attraktiver wurde. Leider waren unterwegs diverse Aussichtspunkte wegen Bauarbeiten geschlossen, z.B. der oberhalb der Serpentinen del Diablo. Wohl dem, der eine erhöhte Sitzposition im Auto hat…

Kurz hinter dem kleinen Ort Villa Cerro Castillo erreichten wir unser Ziel für den Tag, den Parkplatz der Petroglyphen Las Manos (Die Hände) und das daneben liegende Schulmuseum. Für die 3.000 Jahre alten Petroglyphen fehlte es uns ein bisschen an der nötigen Ehrfurcht, für uns sahen die Hände auf den Felsen aus wie die Hinterlassenschaften von mit Fingerfarben beschmierten Kinderhänden. Sorry !

Das im Eintrittspreis enthaltene Schulmuseum beeindruckte v.a. durch die Tatsache, dass die Schule erst Mitte der 50er Jahre errichtet wurde und es bis dahin keinerlei Bildungseinrichtungen in der gesamten Gegend gegeben hatte. Der Schulweg der Kinder betrug teilweise bis zu 2 Stunden zu Pferd – und das bei den patagonischen Wetterbedingungen…

In erster Linie hatten wir den Stellplatz aber wegen seiner Lage ausgesucht. Ingo stand dekorativ vor einem tollen Bergpanorama, u.a. dem gezackten 2.675 m hohen Cerro Castillo. Unter uns floß der Rio Ibañez, sehr schön !

Auf die Wanderung zum Aussichtspunkt für die Laguna Cerro Castillo verzichteten wir. Der 13 km lange Weg wäre sicher toll gewesen, wir hatten allerdings keine Lust auf Touristennepp. Der Weg liegt im Nationalpark Cerro Castillo, ist aber privat und kostet ca. 18€/Person, dazu kommen etwa 10€ Parkgebühr für große Autos. Knapp 50€ für eine Wanderung ? Nein danke.

Seit einiger Zeit begegneten uns ständig „Camping“ Schilder am Straßenrand, je touristischer die Gegend desto häufiger die Schilder. Wer hier allerdings Campingplätze im klassischen Sinn mit einer gewissen Infrastruktur erwartet, der irrt. In der Regel handelt es sich um die Vorgärten irgendwelcher Menschen, in denen irgendwelche anderen Menschen ein Zelt aufstellen können. Mehr nicht. Wir stellten uns oft vor, was passieren würde, wenn wir mit Ingo an der Tür klopfen…

Sonntag, 23.11.2025

Weiter ging es Richtung Süden, das Wetter war uns wohl gesonnen, die Landschaft phänomenal, die Straße zunächst auch. Bis der Asphalt endete, was auch für die nächsten paar hundert Kilometer so bleiben würde.

Die meisten Abschnitte der Schotterpiste waren gut zu fahren, offenbar liefen auch hier die Saisonvorbereitungen auf Hochtouren, in weiten Teilen war die Straße frisch planiert. Auch wenn es selbst gewähltes Schicksal ist, unseren größten Respekt hatten die zahlreichen Fahrradfahrer auf der Strecke, die sich teilweise durch tiefen Kies oder über Wellblechpisten kämpfen, bergauf, bergab, immer im Wind und v.a. immer im Staub. Noch bemerkenswerter fanden wir allerdings eine Gruppe von vier Wanderern, beschwerlicher kann man die Carretera Austral nicht bereisen.

Wir erreichten den winzigen Ort Puerto Rio Tranquilo, dessen einziger Sinn und Zweck es zu sein scheint, Anbietern von Bootstouren zu den Cavernas de Mármol eine Heimat zu geben. Die Marmorhöhlen sind DIE Attraktion im Lago General Carrera, mit 970 Km2 Fläche der größte See Chiles und nach dem Titicaca See der zweitgrößte Südamerikas. In der Hauptsaison besuchen täglich etwa 1.500 Menschen die Höhlen, wir waren froh, diesen Massen noch nicht zu begegnen, denn natürlich unternahmen auch wir eine Tour zu dem chilenischen Naturdenkmal. Im Laufe tausender Jahre erodierte das mineralhaltige Seewasser das Marmorgestein, es entstanden u.a. Höhlen, Tunnel und Säulen. In Verbindung mit der unglaublich türkisblauen Färbung des Wassers (wenn die Sonne scheint…) ergibt sich ein faszinierendes und wunderschönes Bild, das wir sicherlich dauerhaft in Erinnerung behalten werden.

Wir hatten unglaubliches Glück mit dem Wetter, auch wenn uns natürlich der patagonische Wind um die Ohren pfiff, im Bereich der Höhlen herrschte dagegen fast Windstille. Besonders auf der Rückfahrt kassierten wir aber durch den inzwischen noch stärker gewordenen Gegenwind die ein oder andere Dusche.

Die Nacht verbrachten wir auf dem ziemlich gut besuchten Campingplatz Rio Chifiro am Ortsrand, die zunächst noch sehr aktiven üblichen Nachbarn in Form von u.a. Hähnen, Hunden und Trompeten-Vögeln (wir erinnern uns, der Schwarzzügelibis) gingen glücklicherweise früh schlafen.

Montag, 24.11.2025

Unser Ziel war der Parque Nacional Laguna San Rafael mit 39 Gletschern, darunter die Hauptattraktion, der Glaciar San Rafael. Zu erreichen ist der Park über eine 50 km lange unbefestigte Sackgasse, wieder hatten wir aber sehr viel Glück, die Straße war zum größten Teil frisch planiert und gut zu fahren, bis auf die engen und holprigen letzten 5 km. Wir fuhren durch wunderschöne Natur, das anfänglich gute Wetter verschlechterte sich leider zunehmend, den Parkeingang erreichten wir bei 13° und Nieselregen, nicht ungewöhnlich für diesen Nationalpark.

Der Grund unseres Besuchs war der 5 km lange Wanderweg „Sendero Glaciar Exploradores“ der relativ nah an die Gletscherzunge des San Rafael führt. Schon sehr schnell nach dem Start war uns klar, warum die Gehzeit mit 3-4 Stunden für diese verhältnismäßig kurze Distanz angegeben ist. Der Weg verlief anfangs noch bequem über Stege und Treppen, ging aber sehr schnell in eine extrem unangenehme Wanderung über nasse Baumwurzeln, rutschige Steine und steile Sandabschnitte über, das Ganze permanent auf und ab.

Zum Trost trafen wir unterwegs auf die vom Aussterben bedrohte patagonische Riesenhummel, sie kann eine Größe von 4 cm erreichen und ist damit eine der größten Hummelarten der Welt.

Das Wetter wurde auch immer besser und der Ausblick am Ziel entschädigte dann für den ziemlich anstrengenden Weg. Getrübt wurde der Genuss allerdings durch das Wissen, dass Patagoniens Gletscher schneller schmelzen als irgendwo sonst auf der Welt. Der Glaciar San Rafael fließt mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von 7,6 km/Jahr und ist in den letzten 150 Jahren dramatisch geschrumpft.

Etwas erschöpft kamen wir nach 4 Stunden (incl. Pausen) wieder bei Ingo an und fanden außerhalb des Parks einen schönen Stellplatz am Rio Exploradores mit Blick auf verschneite Berggipfel. Der perfekte Ort für den Ausklang dieses schönen Tages.

Dienstag, 25.11.2025

Wir ließen das für den Nationalpark typische wolkenverhangene Wetter hinter uns und fuhren der Sonne entgegen. Unterwegs hatten wir phantastische Aussichten auf den Lago General Carrera, der fast schon zu blau war um wahr zu sein.

Die Strecke führte durch Patagonien wie aus dem Bilderbuch, blauer Himmel, verschneite Berge und kristallklare Seen. Man könnte den ganzen Tag irgendwo sitzen und nur die Landschaft genießen, ein Traum !

Einen schönen Stellplatz fanden wir auf einem Aussichtspunkt oberhalb des Zusammenflusses der Rios Baker und Nef, die tolle Aussicht erkauften wir uns allerdings mit kräftigen Windböen. Wie so häufig galt auch hier: Alles geht nicht…

An dem Abzweiger zum Grenzübergang Chile Chico nach Argentinien fuhren wir vorbei, ziemlich spontan hatten wir uns dazu entschlossen, die Carretera Austral bis zum Ende der Sackgasse in Villa O‘Higgins zu fahren. Diese Entscheidung bedeutet 300 km einfache Strecke auf Schotter – und alles wieder zurück. V.a. der südliche Teil ist mit einem Fahrzeug wie Ingo eine kleine Herausforderung. Rational ist das nicht zu erklären, muss es aber auch nicht !

5 2 votes
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
3 Kommentare
neueste
älteste meiste Bewertungen
Inline Feedbacks
View all comments
Michael
Michael
12 Tage zuvor

Was fuer tolle Bilder – Traumhaft ! Vielen Dank

Chris
Chris
15 Tage zuvor

Moin,
herrliche Bilder, so hab ich Patagonien in Erinnerung…
LG
Birgit&Chris

Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
15 Tage zuvor

Wie immer macht es (grösstenteils) Lust zum Nachreisen. Leider werden wir in den „Genuss“ der Strecke mit vielen anderen Campern im Januar kommen, Hochsaison. Gute Weiterreise und viel Spass bei der langen one way Tour, wir sind gespannt, ob es zum Nachreisen animiert.

Translate »