Die Einreise nach Ungarn war so problemlos, wie man es sich nur vorstellen kann. Manchmal zahlt es sich aus, über kleine Grenzübergänge zu fahren. Wir wählten eine winzige Straße von Deutsch-Jahrndorf (A) in das unbesiedelte Grenzgebiet von Ungarn.

Auch in Ungarn kann die Maut für Wohnmobile über eine E-Vignette beglichen werden. In unserem Fall haben wir vorab im internet eine für 10 Tage gebucht. Umgerechnet hat uns das Ganze € 21,60 gekostet. Dafür haben wir aber nicht das Problem der Beschaffung und Rückgabe einer Box und können sämtliche Autobahnen und Schnellstraßen befahren.

Unser erster Stellplatz sollte an einem kleinen See liegen – leider war die Straße aber kurz vor dem Ziel für uns gesperrt. Nach Peilung der Lage entschlossen wir uns dazu einen anderen Ort für die Nacht zu suchen. Es kamen uns unglaublich viele Motorradfahrer entgegen und der Verdacht lag nahe, dass es sich bei dem See um einen klassischen Treffpunkt handelte. Auf einen solchen Massenauflauf hatten wir keine Lust und fuhren ein Stück weiter Richtung Süden.

Mal wieder landeten wir auf einem Wanderparkplatz am Wald, wieder relativ dicht an der Straße, aber trotzdem ganz schön.

Die Nacht war nicht ganz so erholsam, der Verkehr auf der Landstraße endete spät und begann früh. Wir entschlossen uns dazu, nur eine kurze Strecke zu fahren und einen Erholungstag einzuschieben.

Nach nur 45 Minuten Fahrt waren wir bei der „Intersport Siarena“ in Epleny. Ein Skigebiet auf max. 500 m Höhe, der Sessellift allerdings auch im Sommer in Betrieb. Auf dem großen Parkplatz herrschte die ganze Zeit ein stetiges Kommen und Gehen, als die Anlage aber um 16.00 ihre Tore schloss, waren wir kurze Zeit später mutterseelenallein.

Die Nacht war ruhig, morgens bekamen wir noch Besuch von zwei Hirschkühen und nach einer Hunderunde durch den Wald machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten angepeilten Stellplatz ca. 125 Km entfernt.

Eigentlich wäre es dort ganz nett gewesen – ein kleines Rondeel im Wald und direkt an der Donau. Über den überall herumliegenden Müll hätten wir noch hinwegsehen können, nicht aber über den Verkehrslärm der naheliegenden Schnellstraße.

Nach kurzer Überlegung beschlossen wir, bis kurz vor die serbische Grenze weiter zu fahren, nochmal ca. 100 Km. Wir landeten auf dem Waldgrundstück eines nicht anwesenden Holländers, der seinen Garten gegen einen kleinen Obolus als Stellplatz zur Verfügung stellt. Leider hörte man auch hier die Straße, aber irgendwas ist immer und jetzt hatten wir wirklich keine Lust mehr, nach einer Alternative zu suchen.

Ungarn war irgendwie nicht unser Land. Wahrscheinlich waren wir in den falschen Ecken unterwegs, aber der Funke sprang nicht über. Die Landschaft war uns zu platt und zu karg, Monokultur mit Maisfeldern ohne Ende, die Landstraßen zermürbend holprig, die Ortschaften irgendwie immer gleich und die Menschen eher zurückhaltend. Dazu kam eine extrem ermüdende Verkehrsführung. 5 Km geradeaus, dann eine 10° Kurve, dann wieder 5 Km geradeaus, dann ein Kreisverkehr für einen Richtungswechsel und alles wieder von vorne…

In Ungarn sind wir in 3 Tagen, 1 Stunde und 18 Minuten 480 Km gefahren, jetzt waren wir gespannt auf Serbien !

Wir wählten wieder einen kleinen Grenzübergang, scheiterten allerdings an der Gewichtsbeschränkung von 3,5 t und dem ungarischen Grenzbeamten, der uns nicht durch ließ. Also ein Umweg von ca. 30 Minuten zur Grenze an der Autobahn, wo wir den LKW Stau auf der Busspur (Tipp des Grenzbeamten) umfuhren und nach kurzer Wartezeit vor der serbischen Abfertigung und dem Wechsel auf die PKW Spur nach einer flüchtigen Besichtigung von Ingos Wohnkabine nach Serbien einreisen konnten.

Als Erstes fuhren wir einen Geldautomaten an. Für die wohl meistens in bar zu entrichtende Autobahnmaut benötigten wir serbische Dinar. Vom Erwerb des Transponders für die elektronische Mautabrechnung (€ 17,00) sahen wir ab und entschlossen uns für das analoge System. Ticket bei der Einfahrt ziehen und am Ende bezahlen.

Unser erster Übernachtungsstopp war das Eko Kamp am Rand des Nationalparks Fruska Gora. Der erste Eindruck war so sympathisch, dass wir spontan entschieden, zwei Nächte zu bleiben und uns von den vielen Fahrtagen in letzter Zeit zu erholen. Ein riesiges Areal, schön angelegt mit altem Baumbestand und fußläufig in den Nationalpark. Eine gute Gelegenheit für einen Großwaschtag und sonstigen Service.

Das einzige Manko waren hunderte von Stinkwanzen (stinky Martins), die Ingo als neues Zuhause auserkoren hatten. So schnell konnte man die Fliegentür gar nicht schließen, als daß die Viecher nicht auch drinnen waren. Nicht schön…

Für ausgedehnte Spaziergänge war es mit 30° zu heiß, aber einen kurzen Ausflug in den Park machten wir dann doch. Bei der Gelegenheit haben wir auch festgestellt, daß Serbien offensichtlich das Land der Picknickplätze ist. Überall Areale mit Tischen, Bänken und Grills – in mehr oder weniger gepflegtem Zustand.

Die zwei Tage Pause taten gut und wir machten uns etwas ausgeruhter auf den 240 Km langen Weg zum Manastir Ravanica bei Senje. Südlich von Belgrad, das wir links liegen ließen, wurde auch die Landschaft endlich wieder abwechslungsreicher und so war die 3,5 stündige Fahrt relativ kurzweilig. An dem kleinen Kloster angekommen richteten wir uns auf dem Parkplatz „häuslich ein“ und besichtigten die sehr hübsche Anlage. Das Fotografieren in der fantastisch bemalten Kirche war leider verboten.

Abends hatten wir reichlich Hundegebell um uns herum, morgens wurden wir um 6.30 durch die Kirchenglocken geweckt, aber es war eine mehr oder weniger ruhige Nacht und wir machten uns halbwegs ausgeschlafen auf den Weg weiter Richtung Süden.

Kurz vor der Grenze zu Nordmazedonien erreichten wir unseren letzten Stellplatz in Serbien, den Campingplatz Enigma. Den dazugehörigen Pool nutzten wir nicht, wohl aber die Bar und das Restaurant 😉. Das Essen war ausgesprochen lecker, die Getränke auch und der Betreiber super freundlich und hilfsbereit.

Unser Eindruck von Serbien ist ein bisschen zwiegespalten. Der Norden ist landschaftlich nur platt und in unseren Augen langweilig. Je weiter man nach Süden fährt, desto bergiger und abwechslungsreicher wird es, dafür liegt aber auch zunehmend Müll in den Straßengräben und auf den Parkplätzen. Dazu kommt, daß wir es hier das erste Mal seit langem wieder mit streunenden Hunden zu tun hatten. Für die 600 Km durch Serbien haben wir ca. 40,00 € Maut bezahlt (Klasse 3).

Morgen fahren wir nach Nordmazedonien, an Skopje vorbei in die Berge. Wir freuen uns !!

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Chris
Chris
25 Tage zuvor

Moin…
die USA hat angekündigt, dass ab November, mit vollständiger Impfung, die Einreise wieder möglich wird…
cu
Birgit&Chris

Gerd Rother
Gerd Rother
28 Tage zuvor

Es gäbe viel zu sagen, angefangen von Eurer beeindruckenden Buchführung, in Tagen, Stunden, Minuten ! Und zurückgelegten Strecken km . 👍👍😅