In Norwegen sind wir in 4 Wochen, 5 Tagen, 18 Stunden und 2 Minuten 3.878 Kilometer gefahren. 

Irgendwie sprang der Funke nicht über und wir können noch nicht einmal genau sagen, woran es lag.

Unsere Route durch Norwegen

Vielleicht daran, dass wir noch in keinem anderen Land so wenig Kontakt zu den Einheimischen bekommen hatten ? Vorsichtig formuliert wirkten die Norweger auf uns distanziert, zurückhaltend und ein bisschen sauertöpfisch.

Oder am Wetter ? Meistens hat es geregnet, dies kann einem jedes Land vermiesen. In den knapp fünf Wochen hatten wir nur fünf Tage, die wirklich komplett durchgängig trocken waren.

Norwegisches Sommeroutfit

Sicher nicht an der Landschaft, die ist toll. Wunderschöne Fjorde, Seen, Berge, Täler und ganz viel unberührte Natur. 

Wir würden dieses Land aber wahrscheinlich trotzdem nicht noch einmal bereisen und wenn, dann ganz sicher nur in der absoluten Nebensaison. Die Sommerferien hatten noch nicht einmal begonnen und trotzdem empfanden wir es als unglaublich voll. Es waren wahnsinnig viele Wohnmobile auf den Straßen und wirklich einsame Stellplätze waren so gut wie gar nicht zu finden.  

Norwegen ist aber auch das absolute Paradies für Leute, die nicht gerne auf Campingplätzen stehen. Die Infrastruktur für Wohnmobile ist super. In fast jeder größeren Stadt und an vielen Tankstellen gibt es kostenlose Ver- und Entsorgungsstationen und durch das sogenannte „Jedermannsrecht“ ist frei stehen prinzipiell kein Problem. Man kann sich hinstellen, wo man möchte, so lange man keinen anderen stört, die Umwelt respektiert und sich mindestens 150 Meter vom nächsten Haus fern hält. Eigentlich gilt das nur für Zelte, wird aber auch für Wohnmobile gelebt und toleriert. Leider gibt es aber immer mehr „no Camping“ Schilder und Schranken, was vielleicht auch am Benehmen mancher Reisender liegt, die ihren Müll nicht mitnehmen, ihr Toilettenpapier in den Büschen liegen lassen, wirklich überall ihre Klappstühle etc. aufstellen und den Abstand zu Häusern nicht einhalten.

Auf jeden Fall ist man in diesem Land als Nichtraucher gut bedient und am Besten mag man auch keinen Alkohol. Ersteres war für uns kein Problem (seit ca. 9 Monaten rauchen wir nicht mehr), so haben wir uns die ca. 16,00 € für eine Schachtel Zigaretten gespart. Rauchen in der Öffentlichkeit ist verpönt, man sieht aber auch eigentlich niemanden mit einer Zigarette. 

Mit dem Alkohol liegt die Sache anders… Bier gibt es im Supermarkt, eine kleine Dose für ca. € 2,30, Wein ist nur in staatlichen Alkoholgeschäften, den „Vinmonopolet“ zu bekommen. Die günstigste Flasche Weißwein kostet dann um die 12,00 €, in Restaurants und Bars fangen die Preise für ein Glas Bier bei € 8,00 an. 

Insgesamt ist Norwegen unglaublich teuer. Egal ob Lebensmittel, Diesel oder Restaurantpreise, alles kostet ca. 30 – 50% mehr als in Deutschland. 

Richtig sparen kann man bei der Maut, jedenfalls wenn man mit einem Fahrzeug > 3,5 t unterwegs ist. Die Anschaffung der „autopass“ Box lohnt sich, genauso wie die Registrierung bei „autopass ferje“ für die obligatorischen Fährfahrten. Mit beidem spart man ca. 40-50%. Wenn man schlau ist, organisiert man das noch von zu Hause aus, lässt sich die Box schicken und registriert sich bei einem der vier Anbieter. Wir haben das erst vor Ort erledigt, was ziemlich nervig war, ohne den Tipp von Steffi hätten wir davon aber gar nichts mitbekommen. Danke an Max ExMo !!!

Auffallend ist die hohe Dichte an Elektroautos, v.a. hat man das Gefühl, die Hälfte aller Teslas fahren in Norwegen. Es gibt aber auch Ladesäulen an jeder Ecke, selbst in den entlegensten Gebieten. 

Was dagegen überhaupt nicht im Straßenbild auftaucht, ist die Polizei. In der ganzen Zeit haben wir vier Polizeiautos und eine Radarkontrolle gesehen, einen Uniformierten zu Fuß gar nicht. 

Ähnlich verhält es sich mit Hunden. Vom 01.04  bis 20.08. herrscht im gesamten Land Leinenzwang. Vielleicht ist das der Grund, warum kaum jemand einen Hund hält. Wenn man welche sieht, gehören sie meist zu Touristen. Auch Lui war deshalb nicht ganz so begeistert von Norwegen. 

Die Norweger dekorieren gerne, v.a. Herzen sind gerne genommen. An Hauswänden, in Fensterscheiben, auf Zaunpfählen, eigentlich überall. Aber auch sonst ist alles liebevoll gestaltet, bepflanzt, bemalt und arrangiert. 

Dazu passt vielleicht auch die unglaubliche Dichte an Rasenmährobotern. Selbst die abgelegenste Waldhütte hat einen Golfrasen vor der Tür. Im ganzen Land ziehen die kleinen Maschinen einsam ihre Kreise und sorgen für das richtige Ambiente für all die Dekoartikel.

Insgesamt wirkt Norwegen sehr sauber und aufgeräumt und vermittelt ein “sicheres Gefühl“, was vielleicht daran liegt, dass es außer um Weideflächen so gut wie keine Zäune gibt.

Noch ein Punkt zur Einreise mit Hund: Es muß eine durch einen Tierarzt im Heimtierausweis eingetragene Entwurmung nachgewiesen werden, mindestens 1 Tag, maximal 5 Tage darf sie her sein (auf die viel kompliziertere 28 Tage Variante gehen wir hier nicht ein). Die Grenze passiert man auf der roten Spur und zeigt den Heimtierausweis vor. Und das macht man besser auch. Wenn der Hund auf der grünen Spur aus dem Seitenfenster schaut, ist man ganz schnell rausgewunken und im Zoll-Kontrolltunnel verschwunden. Wir drücken dem Italiener, dem das passiert ist die Daumen, dass er sich an die restlichen Zollvorschriften gehalten hat. Wie gesagt, Alkohol ist teuer in Norwegen…

Auch wir haben zur Fülle in Norwegen beigetragen. Auch wir standen auf Parkplätzen und irgendwo in der Natur und haben dafür gesorgt, dass es kaum ein freies Parkfleckchen gab. Wo die Aussicht einigermaßen ist, der Platz halbwegs eben und groß genug für ein WoMo, steht auch mindestens eins. Wir werden künftig dafür sorgen, dass Norwegen um einen Camper leerer ist und dieses Land nicht mehr bereisen (Stand jetzt ?).

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Chris
Chris
4 Monate zuvor

Tscha, als reichstes Land in Europa bauen die Norweger den Tourismus und insbesondere auch den Wohnmobilismus mit unvorstellbarem Ausmaß weiter aus, dass hat Spuren hinterlassen, nicht nur in der Landschaft sondern auch in den Norwegern. Wie mir in Geiranger erzählt wurde, verlassen die Bewohner zu großen Teilen in der Saison ihr Dorf und übergeben die Geschäfte an Studenten und Saisonkräfte um dem Trubel zu entfliehen, immerhin haben sie es erreicht, dass die Anzahl der Kreuzfahrtschiffe limitiert wurde. Die Anzahl der Reisebusse, die diese Menschenmassen täglich zu den Aussichtsplattformen oder zum zubetonierten Dalsnibba Skywalk karren war und ist fürchterlich.Und ja, Norwegen… Weiterlesen »

Detlev Ascherl
Detlev Ascherl
4 Monate zuvor

Nachdem ich dieses Land inzwischen 8 mal zu verschiedenen Jahreszeiten bereist ( zuletzt 2016 ) und von oben bis unten einschliesslich Lofoten, Vesteralen, Nordkap und dem leeren Südosten vollständig „abgegrast“ habe, kann ich mich diesem Resumee überhaupt nicht anschliessen. Für mich ist und bleibt es eines der schönsten Länder dieser Erde. Die Sucht hört nicht auf?

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