Der Kondor gilt als der König der Anden und ist mit einer Flügelspannweite von mehr als 3 m der größte Raubvogel der Welt. Wir wollten die einmalige Chance nutzen, ihre Majestät in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten. Auf dem Weg dorthin gab es aber noch einiges zu sehen.

Unsere Route:
Donnerstag, 21.08.2025
Nach dem beeindruckenden Besuch der Palccoyo Regenbogen Berge machten wir uns auf den Weg Richtung Titicaca See. Die Strecke führte über gute Straßen durch endlose gelbe Pampa, die Besiedlung war dünn, wir passierten die Meerschweinchen-Hauptstadt der Region, Ingo meckerte auf 3.900 mal wieder wegen seinem Dieselpartikelfilter, beruhigte sich dann aber wieder.






Unser Ziel war der Cañon de Tinajani, ein 250 Ha großes Gebiet mit fast schon surrealen rötlichen Gesteinsformationen, die im Laufe der Jahrtausende durch Wasser und Wind geformt wurden. Schon die letzten Kilometer der Anfahrt waren landschaftlich toll, das versprach ein schöner Aufenthalt zu werden.


In einem der drei Täler der Schlucht kann man neben ein paar Häusern und einem sehr schrägen Museum übernachten. Der Chef des Ganzen war extrem freundlich, sprach ein hervorragendes und sehr schnelles Spanisch (wir leider nicht…) und das Museum glich mit seinen irgendwie präparierten Tieren eher einem Gruselkabinett (Fotos ersparen wir der Leserschaft…). Egal, die Umgebung war super, wenn auch mit 3.950 m eigentlich zu hoch zum Schlafen für unseren Geschmack.



Von den drei möglichen Wanderwegen durch die Felsen wählten wir zielsicher den, der vermutlich am meisten Trittsicherheit, Schwindelfreiheit, Kletterfähigkeiten und Wahnsinn erforderte. Das Schild mit „Abenteuer und Adrenalin“ sahen wir erst nach unserer Rückkehr. Die nicht besonders vertrauenserweckende Hängebrücke zu Beginn war harmlos im Vergleich zu den folgenden steilen und rutschigen Stufen, Passagen, die Schlangenmenschqualitäten erforderten und ausgesetzten schrägen Stellen. Das alles auf knapp 4.000 m und damit in sehr dünner Luft. Gelohnt hat es sich aber trotzdem !

















Freitag, 22.08.2025
Es gefiel uns so gut in dieser bizarren Landschaft, dass wir noch eine Nacht dran hängten, obwohl wir wegen der dünnen Luft nicht besonders gut geschlafen hatten und das Außenthermometer morgens -4°C anzeigte. Den zwar kalten, aber windstillen und noch weidetierfreien Vormittag nutzten wir für einen Drohnenflug, die vielen Kühe, Schafe, Pferde und Lamas wollten wir nicht unnötig in Aufruhr versetzen.




Für unseren zweiten Tag suchten wir uns eine entspanntere Wanderung in der Ebene aus, die zu Felsformationen am Beginn des Canyons führte. Unterwegs hatten wir es immer wieder mit relativ schlecht gelaunten Herdenschutzhunden zu tun, die aber natürlich nur ihren Job machten. Durch Aufbauen einer gewissen Bedrohungslage unsererseits ließen sie uns dann aber in Ruhe unseres Weges gehen.


Am Ziel angekommen standen wir u.a. vor einem Felsmonolithen, der die Ausmaße eines 10-stöckigen Gebäudes hatte und in Felsnischen und Vorsprünge geschmiegte Lehmhäuschen. Leider trafen wir aber auch hier auf das allgemeine Zivilisationsproblem, überall lagen Glassplitter, Kronkorken und Plastikteile. Schade !








Gegen Abend bekamen wir noch netten und nicht so netten Besuch. Dass Ute keine Kühe mag ist, ja kein Geheimnis… Die Lamas waren da schon sehr viel sympathischer – und deutlich eleganter.








Ein sehr lohnender Abstecher, den wir unserem Reisefreund Thomas zu verdanken hatten, vielen Dank für den Tipp !
Samstag, 23.08.2025
Die netten Lamas kamen noch zum Tschüss sagen vorbei und dann verabschiedeten wir uns von diesem herrlich entspannten Platz.

Die Fahrt zu unserem Zwischenziel Lampa führte zunächst durch die Gegend von Pucará, unübersehbar durch die vielen „Toritas de Pucará“ am Straßenrand, bunte Stierfiguren, die als Schutzsymbole oder Glücksbringer gelten. Die kleineren Versionen sitzen oft auf Dächern, um Wohlstand und Fruchtbarkeit zu sichern.


Die gesamte Gegend war geprägt durch Viehwirtschaft in breiten Tälern, das typische Pampagras, wenig Verkehr und gute Straßen.




Nach etwa 70 km erreichten wir Lampa, die rosa Stadt. Viele der Gebäude sind mit Chocorosí, einem tonähnlichen Material mit rosa Farbton, bemalt. 1972 wurde die Stadt deshalb zum historischen Denkmal Perus erklärt. Bekannt ist die Stadt aber hauptsächlich wegen der 1678 erbauten Kirche des Apostels Santiago. In einem Teil der Kirche befindet sich die Kapelle der heiligen Dreifaltigkeit oder auch „La Sixtina de América“. Sie trägt diesen Namen, weil sie eine exakte Aluminiumnachbildung des Werks „La Piedad“ des italienischen Künstlers Miguel Ángel Buonaroti darstellt. Noch bemerkenswerter ist aber die Christusstatue aus Rindsleder, die Adern des Leders lassen die Figur sehr real erscheinen. Weltweit gibt es nur zwei Christusfiguren aus Rindsleder, eine in Spanien und eine in Lampa, Peru.



Wir kamen relativ unvorbereitet in den Ort, ließen uns ein bisschen treiben, waren erstaunt über die vielen und riesigen Sport- und Bildungseinrichtungen und beobachten neben hauptsächlich alten indigenen Einwohnern eine Feier mit festlich gekleideten Menschen, einer Madonna und ganz viel Bier.













Der gute Straßenzustand endete abrupt mit Erreichen der 220.000 Einwohner Stadt Juliaca. Die westliche Haupteinflugschneise erwies sich 5 km lang als staubige, mit Schlaglöchern übersäte und zugemüllte Piste. Hatte man das hinter sich gebracht und bog einmal rechts ab, befand man sich auf einer nagelneuen 4-spurigen Promenade, die kurze Zeit später in eine wunderbare Ortsumgehung überging. Verstehen muss man das alles nicht…







Unterwegs sahen wir zum wiederholten Male abgebrannte Mautstationen, eine für uns sehr angenehme, weil preiswerte Form der peruanischen „Meinungsäußerung“ sowie Frauen, die Berge von Wäsche in jedem zur Verfügung stehenden Wasserlauf waschen. Von Bewässerungsgräben über Seen bis zu Flüssen wie in diesem Fall ist alles dabei, alle Gewässer in der Regel nicht besonders sauber.


Nachdem wir das hässliche Juliaca hinter uns hatten, steuerten wir direkt die nächste unattraktive Stadt an, Puno am Titicaca See. Die Stadt hat ca. 125.000 Einwohner, wirkt insgesamt ärmlich, ist völlig verbaut, mit engen steilen Straßen und dem üblichen Verkehrschaos.








Wir kämpften uns über die einzige mit Ingo mögliche Verbindung durch das Gewühl zum Seeufer und erreichten beim 4 Sterne Hotel Sonesta eine kleine Oase. Ingo parkte hinter dem Haus auf einer riesigen Rasenfläche mit See- und Alpakablick, der Empfang war außergewöhnlich freundlich und zuvorkommend und im Hotelgarten sahen wir das erste Mal in Peru unzählige lebendige Meerschweinchen. Bisher kannten wir die Tiere nur auf dem Grill oder dem Teller… Auch mal schön.










Das Haus zeichnete sich u.a. auch durch diverse Aufenthaltsmöglichkeiten mit offenen Kaminen, einer fast privaten 24 h zugänglichen heißen Dusche incl. Handtüchern und dem angegliederten wirklich guten Restaurant und der dazugehörige Bar aus. Perfekt für den Ausklang des Tages und die seelische Vorbereitung auf unsere Bootstour zu den schwimmenden Inseln am kommenden Tag. Wir rechneten mit einer 3 stündigen Touristen-Nepp-Veranstaltung, die in erster Linie dem Verkauf von irgendwelchem „Kunsthandwerk“ dient, leider sind die Inseln aber nur im Rahmen einer solchen Tour zu besichtigen.



Sonntag, 24.08.2025
Um 10.00 ging es los, wir starteten mit Yordy, unserem Kapitän und Reiseführer auf eine 2-3 stündige Privattour zu den schwimmenden Inseln der Uros. Das Programm sah einen Besuch seiner Familieninsel incl. Familie, die Besichtigung einer der Schulen und einen Stopp auf der Hauptinsel vor. Ursprünglich begannen die Uros schwimmende Inseln zu bauen, um sich vor den kriegerischen Inkas zu schützen oder zu verbergen. Die Inseln bestehen aus kreuzweise aufgebrachten Lagen aus Totora-Schilf, immer wenn ein Angriff drohte, lösten sie die Verankerung und zogen sich mit ihren Inseln auf den See zurück. Das Totora-Schilf ist eine wichtige Lebensgrundlage, die Boote für den Fischfang und die Matten für den Bau der einfachen Hütten bestehen daraus, auch in der Ernährung spielt es eine Rolle. Inzwischen leben nur noch mehrere hundert der insgesamt etwa 2.000 Uros auf den traditionellen Inseln. Nach einer 20-minütigen Fahrt durch das Schilf erreichten wir das Gebiet der schwimmenden Inseln.





Programmpunkt 1, der Besuch der Familie auf ihrer Insel:
Schon beim Anlegen sahen wir ungefähr 10 überwiegend traditionell gekleidete Frauen und Kinder in einer Gruppe zusammen sitzen sowie überall ausgebreitetes Kunsthandwerk und die üblichen bunten Plüschalpakas, Windspiele etc. Nach Betreten der Insel, die sich überraschend weich und schwingend anfühlte, wurden wir von „Mama Rosa“ herzlich empfangen, im Anschluss beschrieb Yordy uns ausführlich und sehr informativ die Herstellungstechnik der Inseln. Nach seiner Aussage dauert es 2 Jahre bis eine Insel fertig ist, die Haltbarkeit beträgt 8 Jahre.



Im Anschluss wurden wir in „Mama Rosas“ Haus eingeladen, machten ein bisschen Smalltalk, das Angebot uns als Uros zu verkleiden und für ein Foto zu posieren lehnten wir dankend ab… Es folgte der aus Sicht der Familie eigentliche Grund unseres Besuches, der Verkauf der Handarbeiten aus Eigenproduktion. „Mama Rosa“ und eine ihrer Enkelinnen gaben alles. Von „die Familie muss leben“, über „ich habe zwei kleine Kinder zu versorgen“, bis „die Herstellung eines Wandteppichs dauert einen Monat“ war alles dabei. Die Sachen waren aber teilweise wirklich schön und irgendwann hatten sie uns weichgekocht 🫣. Nach relativ zähen Preisverhandlungen mit der Enkelin wechselte eine der Wandteppiche den Besitzer.




Das Geschäft war erledigt, die Auslage wurde weggeräumt, wir bekamen ein bisschen Zeit zur freien Verfügung. Spannend war die Beobachtung der zahlreichen Kinder, alle nett frisiert, teilweise mit (teuren) Zahnspangen, einige sprachen ganz gut Englisch, sobald die Kamera auf sie gerichtet wurde folgte ein automatisches Lächeln und Winken. Insgesamt wirkten die Kinder irgendwie instrumentalisiert. Besonders auffällig war das bei einem kleinen Mädchen, das zuerst wie auf Kommando in die Kamera winkte, dann ein paar Worte sprach, mechanisch Utes Beine umarmte und sich mit ernstem Blick wieder entfernte. Kein schönes Gefühl…








Es folgte das obligatorische Foto mit „Mama Rosa“ (ohne Verkleidung unsererseits) und weiter ging es, jetzt auch mit „Mama Rosa“ an Bord, zu Programmpunkt 2, der Schule:

Gem. Yordy werden in der Grundschule zwischen 9.00 und 14.00 Uhr 75 Kinder von 6 Lehrkräften unterrichtet und von den Müttern umschichtig mittags bekocht. Für uns sah das Ganze eher aus wie ein Museum, die Luft in dem „Klassenzimmer“ war extrem muffig, wenn überhaupt Kinder unterrichtet werden, dann aus unserer Sicht höchstens 6. So viele Schüsseln standen in einem Regal neben der Tür…






Auf dem Rückweg hatten sich zwei der kleinen Inseln verschoben, den schmalen Zufahrtskanal zugemacht und unser Boot hing im Schilf fest. Die alarmierten Enkelinnen rückten an, mit vereinten Kräften wurden die Inseln weggeschoben und wir waren wieder frei.


Weiterfahrt zu Programmpunkt 3, der Hauptinsel, die nur Restaurants, Souvenirshops und ein Kiosk beherbergt. Yordy setze uns ab, wir reduzierten seine Zeitvorgabe von 45 Minuten auf eine halbe Stunde und sahen uns um. Alles wirkte ein bisschen gammelig, der Geruch war in manchen Ecken nicht besonders angenehm, natürlich gab es die üblichen Fotomotive in Form von bunten Buchstaben, Herzen und Plastikfiguren. Volle Touristenboote legten an, insgesamt herrschte eine etwas merkwürdige Stimmung, v.a. weil das Wetter zunehmend schlechter wurde und alle frierend irgendwo herumstanden und auf Abholung warteten.





Yordy hatte Erbarmen und schon nach 20 Minuten verließen wir die Insel. Insgesamt bestehen die „Islas flotantes de Uros“ aus (lt. Wikipedia) 120 einzelnen Inseln in mehr oder weniger gutem Zustand. Das Ganze wirkte auf uns zum größten Teil wie ein Themenpark und erinnerte uns ein bisschen an Disneyland. Trotzdem war es ein interessantes Erlebnis, wir haben einiges über die Geschichte der Uros und der Inseln erfahren und schließlich hatten wir ja auch mit einer Art Butterfahrt gerechnet…


















Auf der Rückfahrt kauerte „Mama Rosa“, die mitfuhr, weil sie zum Markt in Puno wollte, auf dem Boden und stickte an einem Wandteppich. Zumindest vermittelte uns das das Gefühl, mit unserem Kauf tatsächlich Handarbeit erworben zu haben.


Zum Abschied bekamen wir noch einen kleinen Anhänger aus Stroh geschenkt, hübsch und eine nette Geste !

Der Titicacasee (spanisch Lago Titicaca; Quechua Titiqaqa qucha) ist mit einer Fläche von 8.372 km2 der größte Süßwassersee Südamerikas. Er befindet sich auf der Altiplano-Hochebene in den Anden, der westliche Teil mit 4.832 km² des Sees gehört zu Peru, der östliche Teil mit 3.372 km² zu Bolivien. Seine Fläche ist etwa 15,5-mal so groß wie die des Bodensees (einschließlich Untersee) und fast so groß wie Korsika. Der Titicacasee liegt auf ca. 3.800 m und ist damit das höchstgelegene kommerziell schiffbare Gewässer der Erde. Die Wasserqualität des Sees nahm in den vergangenen Jahren deutlich ab. Julián Barra, Präsident der peruanischen autonomen Region Titicaca, macht die mehr als 30.000 illegalen Minen am See und an den Zuflüssen verantwortlich. Die giftigen mit Blei und Quecksilber stark belasteten Abwässer der Goldminen fließen ungereinigt in den See. Bei der Kontamination handelt es sich aber auch um die Schadstoffe aus Abwässern der Großstadt Puno. Das bestehende Algenproblem beschränkt sich momentan noch auf die Bucht von Puno. Der See wurde 2012 und 2023 vom Global Nature Fund zum bedrohten Gewässer ernannt. Erschreckend ist die Tatsache, dass lt. Aussage von Yordy das Seewasser auf den Inseln ungereinigt als Trinkwasser benutzt wird. Wir hatten nicht ohne Grund auf einen Verzehr in irgendeiner Form auf der Restaurantinsel verzichtet.

Insgesamt aus unserer Sicht ein interessanter Zwischenstopp, einen riesigen Umweg würden wir für diesen Zirkus allerdings niemandem empfehlen.
25.08.2025
Wir konnten nicht widerstehen. Das Hotel bot ein 10 Meter langes Frühstücksbuffet das kaum Wünsche offen ließ. V.a. der männliche Teil des „Team Ingo“ war im siebten Frühstückshimmel 😉.

So gestärkt arbeiteten wir uns über steile Straßen mit mal wieder unzähligen und überflüssigen Topes durch das unattraktive Puno und fuhren guter Dinge Richtung Berge. Kaum hatten wir ein paar Höhenmeter gemacht, gab Ingo uns mal wieder zu verstehen, dass er hohe Lagen in Verbindung mit ständigem Abbremsen und wieder Anfahren doof findet. Wie die letzten Male wies er uns zuerst in orange und dann in rot auf eine nötige DPF Regeneration hin. Erneut konnten wir nichts tun und sahen uns schon mit 20 km/h im Notlauf bis zur nächsten MAN Werkstatt in Chile fahren.

Irgendwann hatte Ingo ein Einsehen, die Warnleuchten gingen aus und wir konnten unsere Fahrt auf ständig mindestens 4.000 m Höhe deutlich entspannter fortsetzen. Schon seit längerer Zeit bewegten wir uns im Altiplano, einer baumlosen Hochebene, die sich vom Südosten Perus, über Westbolivien, bis nach Chile und Argentinien erstreckt. Das Gebiet liegt auf einer durchschnittlichen Höhe von 3.600 m mit einer Fläche von etwa 170.000 km2. Nach dem sog. „Dach der Welt“, dem Tibet Plateau, ist der Altiplano die zweitgrößte Hochebene der Welt.








Wir passierten sonderbare Felsformationen mitten in der Ebene, eine nicht besonders umweltfreundlich aussehende Fabrikanlage, mehrere Tieflader mit beeindruckend großen Reifen, leider den ersten schweren Lkw Unfall unserer Reise und v.a. große Herden von Alpakas und den zierlichen Vicuñas.








Zwischendurch standen wir eine Stunde im Stau vor einer Baustelle mit Einbahnregelung. Das überraschendste daran war, dass wir einen Absicherungsposten nach der ungefähren Dauer der Sperrung gefragt hatten, als Antwort „una hora“ (eine Stunde) bekamen und wir tatsächlich nach genau dieser Zeit weiterfahren konnten. Und das in Südamerika, wo 60 Minuten zwischen 2 Stunden und morgen alles bedeuten kann… 😉.
Nach einer insgesamt angenehmen Fahrt durch eine tolle Landschaft fanden wir einen netten Platz mit Sicht auf den 5.812 m hohen inaktiven Vulkan El Misti, dem Wahrzeichen der Stadt Arequipa. Wir stellten Ingo mit der Schnauze in den heulenden Wind und freuten uns auf eine ungestörte Nacht, leider auf 4.060 m, nicht die besten Schlafbedingungen…


Dienstag, 26.08.2025
Nach einer erwartungsgemäß nicht ganz so optimalen Nacht brachen wir am späten Vormittag zu unserem eigentlichen Ziel auf, dem Cañon del Colca. Der Canyon gehört mit einer Tiefe von bis zu 3.400 m zu einer der tiefsten Schluchten der Welt, im Vergleich dazu bringt es der Grand Canyon in den USA gerade einmal auf 1.800 m Tiefe. Dazu kommt eine Länge von mehr als 100 km und eine Höhe über NN von etwa 3.600 m, in Summe eine der beeindruckendsten Landschaften unserer Reise.


Schon die Anfahrt war ein Genuss und führte durch karge Landschaften zunächst zum 4.920 m hohen Mirador de los Andes. Wieder passierten wir große Herden von Alpakas, Lamas und Vicuñas, der Straßenzustand war super, Ingo war gut gelaunt und verzichtete auf gravierende Fehlermeldungen. Ein guter Start.






Von dem Aussichtspunkt hat man eine phantastische Aussicht auf mehrere der umliegenden Vulkane, u.a. den 6.200 m hohen inaktiven Volcán Ampato. Das gesamte Gebiet auf der Passhöhe war übersät mit Steinmännchen, für einen ganz besonderen Menschen fügten wir noch eines dazu.






Auf relativ kurzer Distanz folgte der Abstieg auf 3.400 m in die Stadt Chivay, dem Eintrittstor in das Valle del Colca. Den am Ortseingang zu zahlenden Eintrittspreis i.H.v. umgerechnet 15€ pro Person empfanden wir für peruanische Verhältnisse als relativ hoch, immerhin darf man sich dafür aber auch 3 Tage in dem Tal aufhalten. Klar war aber, dass das Geld nicht in den Straßenunterhalt fließt, schlagartig fuhren wir auf einer Mischung aus Asphalt, Schotter, Schlaglöchern und Fahrbahnabsenkungen. Spannend war auch der Tunnel kurz hinter Maca, irgendwie schien das Größenverhältnis Ingo zu Tunnel nicht so ganz zu passen. Am Ende sah das unbeleuchtete und kurvige Loch aber schlimmer aus als es war, solange kein Gegenverkehr kommt, ist alles gut…




Das Colca Tal gehört zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsflächen ganz Perus, wie schon seit Jahrhunderten werden an den terrassierten Berghängen Mais, Bohnen, Kartoffeln sowie zahlreiche Obst- und Gemüsesorten angebaut. Die Terrassenhänge mit ihren künstlichen Bewässerungskanälen gehören zu den spektakulärsten des Landes, schon lange vor den Inkas terrassierten hier die Völker der Collahuas und Cabanas das Land.





Nachmittags erreichten wir den Aussichtspunkt „Cruz del Cóndor“, einen der wenigen Orte an denen man Andenkondore in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann. Ingo parkte allein auf weiter Flur auf dem riesigen Parkplatz, die einzige Gesellschaft waren Kühe, Wildpferde und ein Fuchs.




Morgens ungefähr zwischen 8.00 und 10.00 sollen die „Könige der Anden“ über den diversen Aussichtsterrassen kreisen, wir würden bereit stehen. Nur ihretwegen hatten wir diesen 125 km langen Abstecher gemacht.
Mittwoch, 27.08.2025
Morgens um 7.30 begann die Show, der erste Kondor verließ seinen Horst und kreiste über dem Canyon. Die Tiere erreichen ein fast schon biblisches Alter von bis zu 100 Jahren, eine Länge von 1,60 und wiegen bis zu 12 kg. Bei der Nahrungssuche lassen sie sich durch Aufwinde in Höhen von 8.000 m tragen und umkreisen ihr Nest täglich in einem Radius von 100 km. Kondore sind keine reinen Aasfresser, sondern reißen auch junge oder kranke Lämmer, was sie bei den Bauern nicht unbedingt beliebt macht, der Vogel wird erbarmungslos gejagt. Der König der Anden gilt als vom Aussterben bedroht.






Wir hatten das Glück in aller Ruhe einen Jungvogel beobachten zu können, der sich auf einem Felsen niedergelassen hatte und sich vor dem inzwischen zahlreich vorhandenen Publikum in Positur warf.








Teilweise kreisten bis zu 10 Tiere über unseren Köpfen, ein wahnsinnig beeindruckendes Erlebnis. Einigen Besuchern schien das Insta Foto aber wichtiger zu sein als die Kondore, das Ganze ist natürlich mit Souvenir Ständen vollgestopft und zur Krönung kann man sich noch mit einem Menschen im Kondorkostüm fotografieren lassen.


Wir beließen es beim klassischen Selfie vor der Kondor Statue und machten uns glücklich auf den Rückweg durch das schöne Valle de Colca und die tolle Gebirgslandschaft mit den vielen Alpakas und Vicuñas.














Nicht alle Tiere haben das Glück wild leben zu können, wir kamen an einem gut besuchten „Streichelzoo“ für Alpakas vorbei. Bestimmt 20 Tiere ließen die Kuschel Attacken der Touristen stoisch über sich ergehen.



Auf dem weiteren Weg zu unserem Ziel Arequipa, der „weißen Stadt“, kämpften wir uns kilometerlang durch extrem staubige Luft, alles lag unter einer beigefarbenen Schicht aus feinem Mehlstaub. Verursacher war ein riesiges Zementwerk, umgeben von einer kleinen Stadt für die Arbeiter. Die armen Menschen, die täglich diese Luft einatmen müssen. Im krassen Gegensatz dazu stand nur einige Kilometer weiter ein breites und satt grünes Tal voller landwirtschaftlicher Flächen.


Die Straße schraubte sich kontinuierlich bergab, irgendwann erreichten wir die Ausläufer von Arequipa auf 2.300 m. Eine Wohltat, endlich wieder Luft zum Atmen. Zum Vergleich, der höchste Berg Deutschlands, die Zugspitze, ist 2.900 m hoch, so verschieben sich die Relationen… So schön die Hochlagen waren, sowohl wir als auch Ingo hatten genug von der dünnen Luft und ihren unangenehmen Begleiterscheinungen. Die Fahrt durch die Stadt zu unserem sehr zentralen (und lauten) Stellplatz lief erstaunlich gut und wir erreichten das Hotel Las Mercedes ohne größere Probleme. Ingo stand auf einem schmalen Grasstreifen an die Mauer gequetscht, der Blick aus dem Küchenfenster ging auf eine Schnellstraße über zwei Etagen, vor uns war eine vielbefahrene Brücke, aber immerhin mit schönen Bergen als Kulisse. Dafür war das Hotel hübsch und die Altstadt fußläufig in 10 Minuten erreichbar, man kann nicht alles haben… Wie schon so häufig in letzter Zeit hatten wir nette Gesellschaft von den beiden Kolumbianern vom Team „losdelosviajes“, das erste Mal trafen wir uns in Ecuador.





In den kommenden Tagen werden wir uns der Kolonialarchitektur der 1,3 Mio Metropole widmen. Zum Glück ist das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärte historische Zentrum räumlich sehr überschaubar 🙂.
Moin,
einmal mehr, danke….im Vergleich zu dem, was uns das Fernsehen so an Reisereportagen vorsetzt…Euer Gespür für die Realität, die Detailschärfe und, ich widerhole mich, eine professionelle Bebilderung…Chapeau!
LG
Birgit&Chris
Großartig und beeindruckende Bilder. „relativ schlecht gelaunte Hirtenhunde“ 😂 herrlich. Und dazu die vielen Fakten, das war ja schon fast ein Buch. 👍
Ich freue mich immer über eure interessanten Reiseberichte👍🏻