Das normale Straßenbild im südlichen Teil des Landes unterschied sich nur unwesentlich von Nord-Peru, die Landschaften und Sehenswürdigkeiten empfanden wir aber als spektakulärer und lohnender. Allen voran das sog. achte Weltwunder, die Nazca Linien.

Unsere Route:
Freitag, 01.08.2025
Etwa 100 km südlich von uns tobte ein Sandsturm mit Böen bis zu 50 km/h, der ganze Städte lahm legte und die sowieso schon marode Infrastruktur noch mehr zerstörte. Ursache für den Sturm war ein Antizyklon im Pazifik, der sog. Paracas-Winde erzeugt, die in Küstennähe an Kraft gewinnen und Unmengen an Staub und Sand aufwirbeln, etwas, wovon es in dieser Gegend reichlich gibt.


„Geliehene Bilder aus dem Netz“
Dieses Wetterphänomen sollte noch bis Sonntag anhalten, was nicht unbedingt zu unseren Plänen passte, eigentlich wollten wir zum Naturreservat Paracas, die Namensgleichheit mit den o.a. Winden ist leider nicht ganz zufällig. Bei uns war von dem Sturm zum Glück nichts zu spüren, wir spielten ein bisschen mit der Drohne und legten einen Wasch- und Servicetag ein.



Zwischendurch hatten wir neue „alte“ Nachbarn bekommen, Ingo stand zum wiederholten Male neben dem Maka von Brigitte und Manfred 👍.
Samstag, 02.08.2025
Morgens starteten wir im Nieselregen, bei einem kurzen Einkaufsstopp in Pisco schien bei 22° die Sonne, je weiter wir Richtung Paracas kamen, desto trüber wurde es, der Wind nahm deutlich zu, die Luft war voller Sand. Unterwegs passierten wir neben den üblichen Szenen auch diverse Legebatterien, bei denen teilweise auch die Seitenplanen offen waren und damit einen furchtbaren Anblick auf abertausende der armen zusammengepferchten Hühner boten.



Mit Erreichen des Naturreservat Paracas flog inzwischen soviel Sand durch die Luft, dass wir nur sehr ungern das Fenster öffneten, um den Eintritt zu bezahlen.

Das „Reserva Nacional de Paracas“ wurde 1975 eingerichtet und umfasst eine Fläche von 3.350 km2 mit einer Küstenlinie von 140 km Länge. Es beherbergt 216 verschiedene Vogelarten, 36 Säugetierarten, 10 unterschiedliche Reptilienarten und 168 Fischarten. Die vorgelagerten Inseln werden wegen ihrer Tierwelt auch „Galapagos für Arme“ genannt, u.a. lebt dort eine Kolonie Humboldt-Pinguine. Auf eine Bootstour um die Inseln verzichteten wir, wir zehrten noch von den Erinnerungen an das Original. Der Landteil des Reservats besteht hauptsächlich aus Wüste in unterschiedlichsten Farben, von Gelb über Braun bis Lila ist alles dabei. Auch wenn alles im trüben Sandnebel lag, ein faszinierender Anblick ! Passenderweise lautet der Slogan des Parks „Wo die Wüste das Meer trifft“.









Aussteigen machte bei diesem Wetter nicht wirklich Spaß, alles knirschte (auch zwischen den Zähnen…), wirklich überall war Sand und teilweise war der Sturm so heftig, dass wir die Türen nicht öffnen konnten, weil sie einem aus der Hand gerissen wurden. Selbst schuld… Wir hatten der Wettervorhersage geglaubt, die von abnehmendem Wind gesprochen hatte. Ein paar Mal stiegen wir aber doch aus, u.a. für „La Catedral“, das Wahrzeichen des Reservats. Die Felsformation im Wasser brach 2007 bei einem Erdbeben zusammen und ähnelte wohl früher in ihrer Form einer Kathedrale.

Ein seltenes Naturphänomen ist der Playa Roja. Er ist der einzige Strand mit rotem Sand Südamerikas, weltweit gibt es nur fünf Strände in dieser Farbe. Das Rot entsteht durch die Erosion von vulkanischen Gesteinen und Mineralien. Diese Gesteine, insbesondere rosa Granodiorit, werden durch die Meereswellen zersetzt und die resultierenden rötlichen Fragmente werden an den Strand gespült. Wir hätten das Ganze mit viel gutem Willen eher als rostbraun bezeichnet, hübsch war es trotzdem.

Natürlich waren wir nirgends alleine, es war Wochenende und der Park voll mit Bussen und geführten Strandbuggy Touren.




Irgendwann hatten wir genug von dem fliegenden Sand, fuhren einen Parkplatz in der Nähe an und standen wieder im Sturm. Der arme Ingo hatte mittlerweile einen flächigen Überzug aus Salz und Sand, der Wind ließ aber tatsächlich am späten Nachmittag nach, wir schöpften etwas Hoffnung für den nächsten Tag.


Sonntag, 03.08.2025
Der Tag begann mit Nieselregen und das blieb auch so bis zum frühen Nachmittag, wieder keine optimalen Bedingungen für den tollen Park. Wir besuchten zunächst das gut gemachte Museum, das sich in erster Linie mit den Bestattungsritualen der Menschen der Paracas Kultur (900-200 v.Chr.) beschäftigt, die als Mumienbündel sitzend begraben wurden.




Aus rituellen, teilweise auch medizinischen Gründen, wurden bei den Lebenden die Schädel geöffnet, ohne das Gehirn zu verletzen und mit Gold und anderen Materialien wieder verschlossen. Um soziale oder kulturelle Zugehörigkeit sichtbar zu machen, wurden schon im Säuglingsalter die Schädel durch enges Binden deformiert. Die Paracas-Menschen konnten aber auch „ganz normal“ und waren extrem versiert in der Produktion von Keramik sowie der Stoffherstellung und -verarbeitung.

Danach klapperten wir erstmal die selben Punkte ab wie gestern, dieses Mal ohne Sturm, dafür im Regen 🤷🏻♀️. Der nasse Sand ließ die Farben aber teilweise noch intensiver wirken.


















An einer der Klippen konnten wir einige der wirklich abgundtief häßlichen Truthahngeier beobachten, mit einer Spannweite zwischen 1,80 und 2,00 Metern aber beeindruckende Tiere.


Danach wollten wir eigentlich zur Laguna Rosa, einem pinkfarbenen Salzsee, scheiterten aber leider an der Zufahrt. Der nasse Untergrund war wie Schmierseife, das Profil setzte sich sofort zu und Ingo schlitterte wie mit Slicks auf festgefahrenem Schnee. Nach ein paar hundert Metern gaben wir auf, fuhren rückwärts wieder zurück und schickten die Drohne los. Das gefiel ein paar Vögeln gar nicht, einmal gab es kurz eine Berührung und unser kleines Flugobjekt geriet ins Trudeln 🫣. Das Ganze natürlich über Wasser… Ein zweiter Schwarm Vögel hielt sich zum Glück etwas zurück. Die Lagune war tatsächlich leicht rosa, bei Sonnenschein ist die Farbe bestimmt sehr viel intensiver.



Auf einer der Hauptachsen des Parks herrscht reger Lkw-Verkehr, alle unterwegs zu dem Verladehafen am Nordende der Halbinsel. Etwas störend in der wunderschönen Natur und vielleicht auch nicht unbedingt die glücklichste Kombination, allerdings gab es den Hafen schon 6 Jahre vor der Einrichtung des Reservats…



Das Reserva Nacional de Paracas war für uns eines der wenigen wirklichen Highlights bisher in Peru.
Zurück an unserem alten Stellplatz hatte es endlich aufgehört zu regnen, wir nutzen die Gelegenheit für einen Strandspaziergang. Von der Meerseite aus hatten wir beste Aussichten auf die sehr gepflegten Anwesen, die sich von der Straßenseite hinter hohen Mauern verstecken. Der Unterschied zwischen den teilweise sehr luxuriösen Hotels, Resorts und Privathäusern zu den „normalen“ Behausungen in Peru war extrem. Insgesamt wirkte der Ort im Großen und Ganzen sehr wohlhabend und aufgeräumt, wir waren überrascht und etwas überfordert mit diesem plötzlichen Kulturschock…








Zurück bei Ingo hatten wir wieder nette und bekannte Gesellschaft 🙂, unsere Wege würden sich sicher auch noch öfter kreuzen, letztendlich fahren alle die gleiche Route und der Kontinent ist ja nicht so groß 😉.

Montag, 04.08.2025
Manchmal weiß man vorher schon, dass man irgendwas doof findet und macht es trotzdem. Die Laguna de Huacachina war so ein Fall. Es könnte alles ganz nett sein, ein kleiner See, umgeben von gigantischen Sanddünen. Leider ist der winzige Ort mit nur 100 Einwohnern aber mehr als 1.000 Besuchern täglich bis ins letzte Detail vermarktet und unglaublich touristisch. Die Oase wird von einem unterirdischen Fluss aus den Anden gespeist, wegen des durch den Tourismus gestiegenen Wasserverbrauches fiel der See 1988 trocken, daraufhin wurden Rohrleitungen verlegt, über die zusätzliches Wasser aus dem nahe gelegenen Ica zugeführt wird.

Die Dünen zählen mit einer Höhe von ca. 100 m zu den größten des Landes und entstanden durch die Ansammlung von Sand, der durch Wind und Wasser aus den umliegenden Regionen herangetragen wurde. Um auch nur einen Fuß auf die beeindruckenden Sandberge zu setzen muss man bezahlen, die Dünen wimmeln vor Menschen und Sandbuggys, alles ist voll von irgendwelchen Verkäufern. Schade, die Landschaft für sich betrachtet ist eigentlich wunderschön.








Erstaunlicherweise wird dieses „Micky Maus Dorf“ vom nationalen Kulturinstitut Perus als nationales Kulturerbe eingestuft. Uns reichte es nach einer Stunde, wir fuhren weiter.
Unterwegs war mal wieder alles dabei, fruchtbare Täler mit Landwirtschaft und v.a. Weinanbau bis zum Horizont, gefolgt von staubtrockenen Wüsten, durch die sich die Straße kilometerlang ohne eine einzige Kurve zieht.






Erneut passierten wir unzählige Legebatterien, die typischen Behausungen und Ortschaften, den obligatorischen Müll am Straßenrand und dieses Mal auch eine weithin sichtbare „Müllverbrennungsanlage“.






Das Highlight des bisherigen Tages war eine einstündige Wäsche von Ingo. Vier Jungs in einer der relativ häufigen „Lavado de Autos“ Buden am Straßenrand befreiten unser geschundenes Zuhause von Salz, Dreck, klebrigem Schlamm und Sand. Zur Krönung bekamen die Kunststoffteile an der Fahrerkabine noch eine Sonderbehandlung, so gut sah Ingo schon lange nicht mehr aus 👍.



Schlagartig wurde die Landschaft wieder hügeliger, wir näherten uns der Region mit den sog. Palpa Linien, Geoglyphen, die von der Paracas Kultur (s.o.) geschaffen wurden und teilweise älter sind als die sehr viel bekannteren Nazca Linien. Über den Zweck der Zeichnungen reichen die Theorien von religiösen und rituellen Zwecken, über astronomische Bedeutungen, bis zu Landmarken. Ingo parkte zu Füßen der „Los Observatores“ (Beobachter), sehr passend für einen Übernachtungsplatz, unser Sicherheitsbedürfnis war befriedigt 😉.




Dienstag, 05.08.2025
Auf dem weiteren Weg Richtung Nazca gab es diverse Aussichtspunkte auf verschiedene Palpa Figuren, alle mit großen Parkplätzen, überdachten Plattformen und v.a. kostenlos. Kein Vergleich zum extrem vermarkteten Nazca…
1 La Familia, 2 und 3 Animales del Desierto, 4 Orca




Den Unterschied bekamen wir kurz darauf am „Torre Mirador Lineas de Nazca“ zu spüren. Ingo parkte in guter Gesellschaft einiger Busse, wir bezahlten Eintritt und marschierten im Gänsemarsch auf den Aussichtsturm und quetschten uns im Kreis um die Instagram Poser. Von oben hat man Sicht auf drei der Nazca Linien, „die Hände“, „den Baum“ und „die Eidechse“. Letztere wurde durch den Bau der Panamericana auf Höhe des Schwanzes geteilt.








Die deutsche Lehrerin und Archäologin Maria Reiche (* 15.05.1903 in Dresden; † 08.06.1998 in Lima) wurde durch die systematische Untersuchung der Nazca-Linien bekannt. Mehr als 40 Jahre widmete sie der Aufgabe, die Bedeutung der geheimnisvollen Bodenzeichnungen zu ergründen und sie vor Beschädigungen zu bewahren. Sie hat etwa 50 Figuren in der Ebene von Nazca entdeckt und insgesamt etwa 1000 Linien vermessen. Auf ihre kontinuierliche Anregung hin wurden die Nazca-Linien im Jahr 1994 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, sie gelten heute als achtes Weltwunder. Einzelheiten zu den Linien möge bitte jeder selbst unter diesem link (Wikipedia) nachlesen 🤓.
Für uns ging es weiter zum Flughafen in Nazca, wir hatten uns dazu entschlossen, die Linien mit einem der diversen Tour-Anbieter zu überfliegen, auch wenn man dafür wohl einen ziemlich stabilen Magen braucht… Die Nacht konnten wir auf dem Parkplatz vor Ort verbringen, der Start war für den nächsten Morgen um 7.30 angesetzt.


Um dem Lärm durch die ständig startenden und landenden Kleinflugzeuge zu entgehen, fuhren wir nachmittags in die Stadt, wir wollten das Archäologische Museum Antonini besuchen, das sich hauptsächlich mit der Kultur des Nazca Volkes (200 v.Chr. bis 600 n.Chr.) und am Rande auch mit den Linien beschäftigt. Wieder stießen wir neben u.a. gut gemachter Keramik und Schmuckstücken auf nach heutigem Verständnis etwas „schräge“ Opferrituale, die hauptsächlich der Machtdemonstration dienten. Menschen jeden Alters und Geschlechts des eigenen Volkes wurden enthauptet und die aufwändig präparierten Schädel mit Hilfe eines Lochs in der Schädeldecke transportiert und bei Zeremonien aufgehängt.









Bevor wir uns auf den Rückweg machten, schob Uwe noch einen Friseurbesuch ein. Dass es sich bei dem Laden um den Übungssalon einer Friseurschule handelte, merkten wir erst als der Rasierer schon angesetzt war. Jesus, der „Friseur“ war super glücklich mit seinem ersten ausländischen Kunden, das Ergebnis war zwar nicht perfekt, aber auf jeden Fall straßentauglich und mit Abstand der günstigste Haarschnitt aller Zeiten mit dem hübschesten Umhang 🇵🇪.


Mittwoch, 06.08.2025
Zur vereinbarten Startzeit war das Wetter schon eher suboptimal und es wurde nicht besser. Der Nebel wurde so dicht, dass man nicht mehr quer über die Startbahn gucken konnte, warten hieß die Devise.


Gegen 10.00 war es aufgeklart und es konnte losgehen. Wir bezahlten Flughafensteuer und Touristenabgabe, passierten überraschenderweise tatsächlich eine richtige Sicherheitskontrolle incl. Mensch- und Gepäck Scanner und gingen ein paar Meter zu unserem Flugzeug. Mit uns flogen noch vier weitere Passagiere, damit war die kleine Maschine ausgebucht, jeder hatte einen Fensterplatz, perfekt !

Der Pilot zeigte uns die einzelnen Linien mit Hilfe dem Ende der Tragflächen jeweils für beide Seiten der Maschine, was eine extreme Schräglage und ein ziemlich abruptes Kippen bedeutete. Diese Flugmanöver gab es für 13 Linien, nichts für schwache Mägen. Erstaunlicherweise wurde es niemandem in der Maschine schlecht, alle waren zu fasziniert und begeistert, um auf irgendwelche Unpässlichkeiten zu achten.

In der Vergangenheit gab es öfter Abstürze und Notlandungen bei den Rundflügen, die Gründe dafür waren i.d.R. technische Mängel der Maschinen und mangelnde Ausbildung der Piloten. Wir hatten uns für Aeronasca entschieden, weil dort die Standards wohl relativ hoch sind. Ohne die Hinweise des Copiloten, wohin wir schauen sollen und die Unterstützung des „Tragflächen-Zeigers“ hätten wir wahrscheinlich keine der Linien entdeckt. Für uns war der Flug ein einmaliges und unvergessliches Erlebnis !













Nach 35 Minuten waren wir glücklich zurück bei Ingo, endlich Frühstück! Aus Rücksicht auf unser Mägen waren wir nüchtern in die Maschine gestiegen…
Wir verließen Nazca und machten uns auf den Weg in die Berge. Relativ kurz hinter der Stadt stieg die Straße an, wir schlängelten uns auf 50 Kilometern 1.700 Hm durch Serpentinen nach oben und erreichten auf knapp 2.300 m unser Quartier für die Nacht. Die Strecke bot immer wieder tolle Ausblicke und die Aussicht von unserem „Akklimatisierungs-Stellplatz“ (am nächsten Tag würde es noch deutlich höher gehen…) war wunderschön. Es empfingen uns eine mit Steinen abgegrenzte Terrasse 🫣 und unser erster Andenkondor. Der Andenkondor ist mit einer Körperlänge von bis zu 130 cm, einem Gewicht von bis zu 15 kg und einer Flügelspannweite von bis zu 3,20 m einer der größten flugfähigen Vögel der Welt. Was für ein genialer Tag !











Donnerstag, 07.08.2025
Wir starteten früh, es lagen 270 kurvige Kilometer durch die Cordillera Central vor uns. Die Strecke schraubte sich hoch bis auf 4.564 m (unser Höhenrekord) und verlief relativ lang auf über 4.000 m. Aus Rücksicht auf Ingo und uns wollten wir auf keinen Fall in dieser Höhe übernachten, es blieb also nur zu fahren, bis es wieder etwas niedriger wurde. Zum Glück war die Straße in hervorragendem Zustand und es herrschte kaum Verkehr, beste Bedingungen (auch für den Fahrer), um den Blick über die phantastische Landschaft schweifen zu lassen.




Zu Beginn ging es durch die endlose goldgelbe Pampa, bevor die Landschaft wechselte, es wurde felsiger, in der Ferne sahen wir schneebedeckte Gipfel. Auf der gesamten Strecke gab es immer wieder Steinmännchen, meistens allein auf weiter Flur, teilweise aber auch mehrere Hundert Stück auf einem Haufen. Der Sinn erschloss sich uns für keine der beiden Varianten.












Ortschaften waren selten, je höher wir kamen, desto kleiner wurden die Ansiedlungen, viele der Häuser waren verfallen und standen leer, auf den Straßen sah man hauptsächlich alte Menschen. Die wenigen Kinder, die wir zu Gesicht bekamen, standen am Straßenrand und verkauften Chips etc. Insgesamt ein trostloser Anblick.










Die Menschen leben in erster Linie von der Viehzucht, neben ein paar Kühen und Schafen werden hauptsächlich Alpakas gehalten. Zu abertausenden grasten die Tiere in riesigen Herden rechts und links der Straße, die meisten in ihrem dicken Winterfell.









Als Ergänzung gab es eine weitere Art der vier Andenkamele, die grazilen Vicuñas. Das Vicuña ist eine der beiden wilden südamerikanischen Kamele, die in den hohen Lagen der Anden leben, die andere Art ist das Guanaco, das in niedrigeren Gebieten lebt. Vicuñas sind Verwandte des Lamas und gelten heute als der wilde Vorfahr der domestizierten Alpakas, die für ihre Felle gezüchtet werden. Vicuñas produzieren kleine Mengen extrem feiner Wolle, die sehr teuer ist, weil das Tier nur alle drei Jahre geschoren werden kann und aus der Wildbahn gefangen werden muss. Die Inka schätzten Vicuñas für ihre Wolle, und es war gegen das Gesetz, dass jemand außer dem König Vicuña-Kleidung trug, heute ist das Vicuña das Nationaltier Perus und auf der peruanischen Fahne abgebildet. Vicuñas sind heute geschützt, wurden aber in der Vergangenheit stark gejagt. Als sie 1974 für gefährdet erklärt wurden, waren nur noch etwa 6.000 Tiere übrig. Heute hat sich die Vicuña-Population auf etwa 350.000 erholt.



Nachdem wir alle vier Arten auf einem Schaubild gesehen hatten, konnten wir sie endlich auch auseinanderhalten… 🤓.

Nach insgesamt 7 Stunden für 270 km, davon 5.865 m bergauf und 4.583 m bergab, erreichten wir einen Platz an einem ziemlich trockenen Fluss auf 3.430 m Höhe. Auch keine optimalen Schlafbedingungen, sehr viel niedriger würden wir in der nächsten Zeit aber auch nicht kommen. Erschwerend dazu kam, dass die Straße auf Höhe unserer Kopfkissen ca. 10 m neben uns verlief…


Freitag, 08.08.2025
Erneut stand eine relativ lange Etappe durch die Berge an, 230 km waren es bis zum nächsten Etappenziel. Einen kleinen Schock bekamen wir schon beim Aufstehen, in Ingo war es verdächtig frisch, das Außenthermometer zeigte -1°, damit hatten wir nicht gerechnet… 🥶. Ingo sprang aber trotz Höhe, Kälte und nicht verfügbarem Winterdiesel anstandslos an, um 7.30 rollten wir auf die Straße, die folgenden 100 km verliefen gut ausgebaut und entspannt durch das enge und landschaftlich tolle Tal des Rio Chalhuanco, der im weiteren Verlauf noch drei Mal seinen Namen änderte.








Zum wiederholten Mal sahen wir eine „Revisión Tecnica de Vehiculos“, vergleichbar mit dem deutschen TÜV. Die Überprüfung der Fahrzeuge ist ab 4 Jahren nach Herstellungsdatum alle sechs Monate vorgeschrieben, kontrolliert werden der mechanische Zustand, Sicherheitsaspekte und Schadstoffemissionen.

An dieser Stelle eine kurze Pause, um sich die Lachtränen wegzuwischen: ⏯️⏯️⏯️⏯️
Mit dem angenehmen Fahren war es ab kurz vor Abancay schlagartig vorbei. Wir hatten die schlimmsten Geschichten über die Ortsdurchquerung gehört, was den Straßenzustand anbelangt, konnten wir nur zustimmen. Der Rest war völlig OK, weder war es besonders eng, noch war der Verkehr chaotischer als sonst. Allerdings hatten wir noch nirgends so tiefe Löcher, abgrundtief schlechten Belag, Gräben neben der Straße etc., in Verbindung mit Staub und Dreck gesehen.






Nach 20 Minuten hatten wir es geschafft, unmittelbar hinter der Stadt stieg die Straße über ein paar Serpentinen von 2.500 m auf 4.000 m an und entschädigte mit phantastischen Ausblicken auf u.a. schneebedeckte knapp 6.000 m hohen Berge für jede noch so miese Ortsdurchfahrt.




Nach etwas über 5 Stunden erreichten wir das Casa Lena, einen schön angelegten Campingplatz mit super Aussicht, dessen Betreiberinnen ein Projekt für die Unterstützung von benachteiligten Kindern ins Leben gerufen haben. Die Anfahrt war teilweise etwas eng, der zuständige Gärtner hatte den Bewuchs aber schneller zurückgeschnitten als wir mit Ingo überhaupt da waren.










Samstag, 09.08.2025
Wir verabschiedeten uns von unseren drei „Bewachern“, genossen noch einmal die tolle Aussicht, unterhielten uns mit einer der Freiwilligen in dem Kinderprojekt und waren startklar.


Und dann trafen wir ein Alpaka namens Lena… Er wurde von den Kindern des Projekts hergestellt und wollte nach Ushuaia. Natürlich nahmen wir ihn gerne mit, ab sofort reisten wir zu dritt 👍.


Direkt nach dem Start folgten zunächst 45 Minuten Stillstand vor einer Baustelle und dann 150 landschaftlich tolle Kilometer durch die Anden, mit vielen landwirtschaftlich genutzten Flächen, Hochebenen auf 3.500 m und den üblichen halbverlassenen Ortschaften.










Wir passierten den Ort Cachimayo, in dem gefühlt jedes fünfte Haus ein Geschäft für Textilien aus Alpaka-, oder Lamawolle war. Wessen Aufmerksamkeit nicht schon durch die bunte Deko erregt war, der bekam noch ein bisschen Unterstützung durch die entsprechenden Tiere, die vor den Läden angebunden waren.


Unser Ziel waren die Salinen von Maras, eine Salzgewinnungsanlage mit über 3.000 Becken die ihren Ursprung in der Zeit um 200 – 300 n.Chr. hat, in der Inkazeit wurde die Anlage vergrößert und die Terrassen angelegt. Die Anlage wird aus einer einzigen unterirdischen Quelle gespeist, ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem leitet das salzhaltige Wasser in die Becken, wo es durch die Sonne verdunstet und das „weiße Gold der Inkas“ zurücklässt. Die Herstellung erfolgt mit traditionellen Methoden und ist seit Jahrhunderten unverändert.

Die einspurige Piste bergab zu den Becken war alles andere als Ingo tauglich, wir gingen die 1,5 km vom Parkplatz zu Fuß und hatten unterwegs tolle Ausblicke auf die beeindruckende Anlage.




Je näher wir den Becken kamen, desto faszinierter waren wir, das Ausmaß der Saline war wirklich unglaublich. Leider darf man die Anlage selbst nicht mehr betreten, aber auch von den diversen Aussichtsbalkonen aus war der Anblick gigantisch und hinterließ einen bleibenden Eindruck.






Für den Rückweg nahmen wir ein etwas mitgenommen aussehendes „Servicio Especial“ Taxi (🤔) das zufällig auf dem Parkplatz stand, zu Fuß wollten wir die 200 Hm nicht gehen, wir befanden uns auf 3.200 m und damit in dünner Luft. Wir durften auf dem Parkplatz am Ticketschalter übernachten, Ingo parkte vor der tollen Bergkulisse und nach Einbruch der Dunkelheit herrschte absolute Ruhe. Das versprach eine ungestörte Nacht zu werden.


Morgen geht es weiter nach Cusco, von wo aus wir am Mittwoch mit dem Zug nach Machu Picchu fahren. Man kann nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, es ist Hochsaison und die berühmteste Sehenswürdigkeit Südamerikas und eines der sieben neuen Weltwunder platzt aus allen Nähten. Wir nehmen den Kampf um Eintrittskarten mit tausenden anderen Touristen auf…
Mir bleibt wieder einmal nur der Neid auf eure wunderschöne Reise. Viele Grüße aus Hamburg, Peter
Schöner Bericht. Tolle Reise. Liebe Grüße Michael und Bettina
Ein weiterer wunderbarer Bericht mit tollen Bildern und interessanten Details. Vielen Dank.
Tamara & myself get to live vicariously through you. Klingt in English besser 🙂
Immer wieder schön zu lesen, tolle Bilder. Wie schön, dass ihr den Nasca Flug ohne Probleme überstanden habt, die Alpaca Bilder sind göttlich und Lena auf jedenfall eine hübsche Ergänzung. Paritätisch besetzt! Toitoi mit den Karten für Macchu Picchu, wird schon, abwechseln beim frühen Anstehen.