Unsere letzten Tage in Peru verbrachten wir hauptsächlich in der tollen Stadt Arequipa und genossen noch ein bisschen Kultur sowie die hervorragende peruanische Küche. Ein schöner Abschluss für ein aus unserer Sicht zweischneidiges Land.

Unsere Route:
Donnerstag, 28.08.2025 bis Montag, 01.09.2025
Arequipa, die „weiße Stadt“, oder auch die „Hauptstadt des Südens“, ist nach Lima die zweitgrößte Stadt Perus, das historische Zentrum wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Der palmenbestandene Plaza de Armas (zentraler Platz) ist an drei Seiten von zweigeschossigen Kolonialgebäuden eingerahmt und gilt als der schönste seiner Art des Landes. Als Kulisse dienen die schneebedeckten Gipfel des Chachani-Massivs und das Wahrzeichen der Stadt, der Vulkan Misti.

Wie immer, wenn wir eine neue Stadt besuchen, gehen wir komplett unvorbereitet zunächst zum zentralen Platz und schlendern ziellos durch die umliegenden Straßen. Das verschafft uns einen ersten Eindruck und ein Gefühl für die Stadt. Manchmal reicht das schon und wir können uns jegliche weitere Arbeit sparen, oft gefällt uns, was wir sehen und wir informieren uns über Sehenswürdigkeiten, Geschichte und Besonderes. Arequipa war uns sympathisch.












Tag 2 in Arequipa war dem Kloster Santa Catalina gewidmet, der „Stadt in der Stadt“. Etwas Vergleichbares hat kein Land der neuen Welt zu bieten, die Anlage beeindruckt durch ihren guten Zustand, v.a. aber ihre schiere Größe von 20.000 m2. Das Kloster wurde 1578 von Dominikanerinnen gegründet und im 17. Jhd. erweitert. Zur damaligen Zeit war es üblich, die zweitgeborenen Töchter in ein Kloster zu stecken, die Auswahlkriterien für Santa Catalina waren streng, nur die Töchter der reichsten Familien wurden aufgenommen, die Mitgift beim Einzug war hoch. Dafür fehlte es den bis zu 150 Damen aber an nichts, sie lebten in luxuriösen Wohnungen mit Küche und Dachterrasse und hatten insgesamt bis zu 300 Dienerinnen. Knapp 400 Jahre lang waren die Klostermauern für die Öffentlichkeit verschlossen, gelegentlicher Kontakt zur Außenwelt bestand nur in speziellen Sprechräumen mit doppelten Holzgittern zwischen den Nonnen und den Besuchern, Gegenstände wurden über eine Drehscheibe ausgetauscht. Erst 1970 öffnete sich das Kloster auf Wunsch der dort lebenden Nonnen, heute besuchen rund 300.000 Touristen jährlich die Anlage, etwa 24 Schwestern halten den Klosterbetrieb aufrecht. Die ursprünglich weißen Mauern sind heute bunt gestrichenen, die Atmosphäre in der Anlage ist ruhig, entspannt und absolut faszinierend.






























Nach knapp 3 Stunden machten wir uns um viele Eindrücke reicher auf den Rückweg. Die erste Einschätzung vom Vortag bestätigte sich, die Stadt gefiel uns ausgesprochen gut. Natürlich ist das gesamte historische Zentrum auf Tourismus ausgelegt, es waren aber deutlich mehr Einheimische als (erkennbare) Besucher unterwegs und nirgendwo war es überfüllt.









Tag 3 in Arequipa war Uwes Geburtstag und der nationale Feiertag „Dia de Santa Rosa de Lima“. Für den Vormittag hatten wir uns ein für uns absolutes Novum vorgenommen, eine Free Walking Tour durch das Zentrum. Wir erwarteten auf dem Weg dorthin diverse Prozessionen zu sehen, immerhin ist die heilige Rosa die Schutzpatronin ganz Amerikas und steht für Barmherzigkeit, Nächstenliebe und einen tiefen Glauben. Das Einzige, was es aber tatsächlich zu sehen gab, war eine Parade der in Schale geworfenen Polizei vor der Kathedrale und ein paar Sandbilder auf dem Boden.







Immer wieder erstaunlich, wie normal das öffentliche Leben selbst an hohen Feiertagen läuft.
Um 10.00 waren wir bei dem Treffpunkt für die Tour, unser Guide Edgar sprach ein extrem schnelles, stark spanisch eingefärbtes und schwer zu verstehendes Englisch und wir waren schon kurz davor abzubrechen. Nach ein paar Minuten hatten wir uns aber „eingehört“ und genossen die Stadtführung z.T. auch etwas abseits der ausgetreten Pfade, bekamen viele praktische Tipps und jede Menge Infos zur Geschichte und Kultur der Stadt. „Free walking“ ist selbstredend missverständlich, ein Trinkgeld wird natürlich erwartet und war in unserem Fall auch mehr als angebracht.












Nachmittags gab es selbst gemachten Geburtstagskuchen nach deutschem Rezept mit südamerikanischen Zutaten 🫣, abends ließen wir uns im „Roqoto“ mit hervorragender peruanischer Küche verwöhnen. Peru wurde mehrfach als bestes kulinarisches Reiseziel der Welt ausgezeichnet, wir konnten dem nur zustimmen, v.a. nach monatelangem „Reis, Bohnen, Huhn“ in Zentralamerika, Kolumbien und Ecuador.





Tag 4 und 5 standen hauptsächlich im Zeichen von Ingo-Pflege, Wäsche waschen, Reste essen, Einkaufen etc. Unsere Einreise nach Chile rückte näher, einige Dinge sind dort sehr viel teurer als in Peru, andere dürfen nicht eingeführt werden, wieder andere nur unter bestimmten Voraussetzungen. Unser Auffahrholz zur Nivellierung von Ingo musste z.B. gestrichen werden…

Unseren letzten Abend verbrachten wir gleich in zwei netten Restaurants in der Stadt, schließlich mussten wir uns von der guten peruanischen Küche gebührend verabschieden. Das eigentliche Abendessen war zwar ausgesprochen lecker, aber zumindest für 50% der Ingo Besatzung nicht ganz ausreichend. Das Dessert zum Lammrücken in Form von Kässpätzle im Anden-Style nahm der „Herr des Hauses“ im „Servus“ ein, einem Craft Beer Haus, in dem nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut sowie sehr deutsch angehaucht gekocht wird.




Nach knapp einer Woche in der tollen Stadt Arequipa war es Zeit weiterzureisen, es zog uns in unser nächstes Reiseland. Wir wollten Chile, das längste Land der Welt mit einem Zwischenstopp erreichen.
Dienstag, 02.09.2025 bis Donnerstag, 04.09.2025
300 km und 6,5 Stunden später erreichten wir ca. 100 km vor der Grenze unseren letzten Stellplatz in Peru, den Playa Arena Blanca. Die Fahrt führte teilweise kurvig durch farbige und hügelige Wüsten, andere Abschnitte waren kilometerweit nur geradeaus, die trockene Gegend ging plötzlich in ein fruchtbares Tal über, bevor wir die die landschaftlich hübsche Küstenstraße erreichten. Insgesamt eine kurzweilige und gut zu fahrende Strecke mit wenig Verkehr, abgesehen von plötzlich auftauchenden Straßensperrungen durch Baustellen oder undefinierbare Sandhaufen auf der Fahrbahn. Wie meistens resultierten daraus Umleitungen durch enge Seitenstraßen in kleinen Dörfern, Wendemanöver oder holprige Schotterstraßen.












Wir parkten Ingo in einiger Entfernung zu den „Humedales de Ite“, dem zweitgrößten künstlichen Feuchtgebiet Südamerikas sowie den vielen verlassenen Restaurants, Kiosken, Picknickplätzen und Figuren in leeren Springbrunnen. Das einzige, was wir hörten war das Rauschen des Meeres, eine Wohltat nach den lauten Nächten in Arequipa, wo wir auf Armeslänge neben der Schnellstraße gestanden hatten. In Kombination mit der „normalen“ Luft auf Meereshöhe die pure Erholung…








Unser Fazit zu Peru ist sehr gemischt. Der Norden konnte nicht wirklich überzeugen, trotz teilweise beeindruckender Kultur und hübscher Landstriche war es uns insgesamt einfach zu staubig und v.a. zu vermüllt. Der Süden bietet aus unserer Sicht die sehr viel spektakuläreren Sehenswürdigkeiten, ist insgesamt etwas sauberer, aber dafür auch sehr viel touristischer. Was sich durch das gesamte Land zieht, ist die unglaubliche Freundlichkeit und positive Ausstrahlung der Menschen. Umso erstaunlicher, wenn man sich die Lebensumstände der Leute ansieht, die oft von Armut und Überlebenskampf geprägt sind. Dazu kommt ein unfassbar korruptes politisches System und ernsthafte Umweltprobleme. Insgesamt zählt Peru nicht zu unseren Lieblingsreiseländern, auch wenn wir tolle Begegnungen und in Erinnerung bleibende Erlebnisse hatten.
Euer Bericht wie immer!
Interessant, lebendig und mit Humor beschrieben. !!
Sehr interessant war für mich der Aufmarsch der Polizei!
Als ich vor paar Wochen, in DK / ESBJERG zum Hafenfest war ,
Besonders der peruanische Segler war auffällig !
Alles an Deck und in den Wanten was 2 Beine hatte war herausgeputzt , fast wie in einer Operette , so mein Eindruck !
Das VOLLSCHIFF aus OMAN war aber nicht zu toppen !!
Ich freue mich schon auf Euern nächsten Bericht !
Weiterhin Glück und gute Reise !
Gerd aus Leo 13