Chile ist im Durchschnitt nur 180 km breit, der Weg an die Küste ist also eigentlich nie richtig weit – leider. Wie immer zogen wir die Berge dem Meer vor, v.a. wenn sie so aussehen wie im Regenbogental.

Unsere Route:
Samstag, 20.09.20025
Nach einer herrlich ruhigen Nacht im Valle de la Muerte fuhren wir nur knapp 100 km weiter in das nächste Tal. Einem Tipp unserer Freunde Tanja und Gunnar (www.3weltreisen.de) folgend steuerten wir das Valle del Arcoíris (Regenbogental) an. Die letzten paar Kilometer führten über eine Schotterpiste durch das Tal des Rio Salado, vorbei an einigen Wildeseln (Ute liebt Esel 😍).


Schon vor Erreichen unseres auserkorenen Stellplatzes erkannten wir den Grund für die Namensgebung des Tals. Die Farben der umliegenden Felsen reichten von rot über braun bis v.a. grün, in Summe sah die Landschaft aus wie aus bunten Blumenvasen-Deko-Steinen gelegt. Wunderschön und fast schon unwirklich. Die Farben entstehen durch unterschiedliche Konzentrationen von Mineralien wie Eisen, Kobalt und Salz, die durch geologische Prozesse vor Hunderten von Millionen Jahren entstanden sind.

Wir parkten Ingo in einiger Entfernung zu dem kostenpflichtigen Parkplatz für u.a. die Tour-Minibusse und wanderten auf einem markierten! Weg durch die unglaublich bunte Umgebung.









Unterwegs gewann Uwe einen neuen Freund. Ein Jungesel aus einer grasenden Herde kam zielstrebig auf ihn zugelaufen, ließ sich streicheln und folgte uns auf dem Fuße. Bis er irgendwann erkannte, dass nichts mehr zu holen war…


Sonntag, 21.09.2025
Das Regenbogen-Tal gefiel uns so gut, dass wir noch eine Nacht dranhängten, bevor wir uns auf den Rückweg Richtung Küste machten. Die morgendliche Temperatur von -1°C ließ Erinnerungen an die „Hotels“ in Bolivien wach werden.
Bevor wir den Stellplatz wechselten, nutzten wir aber den windstillen Vormittag, um eine Runde mit der Drohne zu fliegen. Die farbige Landschaft wirkte von oben noch viel beeindruckender.




Nur 3,5 km weiter fanden wir einen tollen und v.a. abgelegeneren Platz, wieder vor einer super Kulisse und auch mit ein paar Möglichkeiten, sich durch diese phantastische Natur zu bewegen.










Montag, 22.09.2025
Etwas ungern verließen wir diese tolle Gegend und machten uns auf den Rückweg Richtung Calama. Ein Großeinkauf beim hervorragend sortierten Jumbo Supermarkt musste noch sein, v.a. an der „Importado“ Ecke mit vielen deutschen und europäischen Produkten kamen wir nicht vorbei… Ansonsten war die insgesamt 240 km lange Strecke durch die Wüste zwar top ausgebaut, aber sterbenslangweilig. Immer geradeaus durch braunen Sand links und rechts. Irgendwann erreichten wir das extrem staubige und windige Kaff Baquedano, das offenbar hauptsächlich ein Warenumschlagplatz für die vielen umliegenden Minen ist. Einen kurzen Stopp machten wir beim Eisenbahnmuseum Ferroviario an der Hauptstraße, „Museum“ war allerdings in diesem Zusammenhang extrem hochgegriffen.

Das Ganze erinnerte eher an ein Lost Place, in einem halb verfallenen Lokschuppen standen ein paar verstaubte Dampflokomotiven, drumherum gab es ein paar nicht minder vergammelte Wagons. Uns reichte das als Eindruck, auf eine Besichtigung des restlichen Geländes verzichteten wir.


Offenbar wurden Teile des James Bond Films „Ein Quantum Trost“ hier gedreht, das machte den Ort für uns aber auch nicht interessanter…
Wir durchquerten den staubigen Ort voller Lkw und Güterzüge und parkten etwas außerhalb am Friedhof. Was für ein Unterschied zu den letzten Tagen!




Dienstag, 23.09.2025
Die Tagesetappe von nur 50 km führte über die hervorragend ausgebaute Panamericana weiter durch langweilige und windige Wüste, die gesamte Infrastruktur war auf den Minenbetrieb ausgelegt, der sich entlang der gesamten Strecke seit Calama zog. Kaum ein Berg auf der rechten Seite der Straße war natürlich, jeder Hügel war Abraum der Kupferminen. Erschreckend.






Der Hauptprogrammpunkt des Tages bestand aus Wäsche waschen, es hatten sich Berge angesammelt. Insgesamt fast vier Stunden verbrachten wir an einer Tankstelle auf dem Weg mit angegliedertem „Waschsalon“. Im Anschluß steuerten wir den einzigen Ort weit und breit mit Bäumen an, irgendwo mussten wir die Wäscheleine ja festmachen. Unglücklicherweise handelte es sich dabei um ein nicht besonders attraktives Picknick/Camping/Freizeit Areal direkt neben der Bahnlinie, das insgesamt ein mittelschweres Pflege- und Unterhaltsdefizit aufwies. Günstig war es auch nicht, aber es hatte Bäume…





Mittwoch, 24.09.2025
Nachts fuhren die Züge genau in der Mitte durch Ingo, entsprechend froh waren wir, das „Corperación Gen“ wieder verlassen zu können. Einige der Ideen der Gemeinschaft, z.B. dass der Mensch im Einklang mit der Natur leben sollte sind prinzipiell nicht schlecht, insgesamt wirkte das Ganze aber leider ein bisschen verwahrlost.
Wir passierten endlose staubige Industrieareale und ein riesiges Zementwerk, bevor plötzlich mitten in der Wüste ein paar sehr gut besuchte Truck Wash Anbieter auftauchten. Ingo hatte es nach unserem Ausflug nach San Pedro de Atacama bitter nötig, wir stoppten beim Erstbesten, der gerade Zeit hatte und drei Jungs schrubbten ca. 1 Stunde den Sand und Staub von unseren Zuhause. Besondere Aufmerksamkeit bekamen, wie immer…, die Reifen 🤷🏻♀️.


Mitten in der Atacama Wüste steht die „Mano del Desierto“ (Hand der Wüste), eine 1992 geschaffene 11 m hohe Eisen- und Zementskulptur des Künstlers Mario Irarrázabal. Sie mahnt, mit den Umweltsünden aufzuhören, damit die Erde nicht überall zu einer Wüste wird. Netter Gedanke, den zahlreichen Besuchern geht es aber wohl in erster Linie um ein Foto vor der Skulptur, ehrlicherweise auch uns… Man muss schon ein wenig Geduld aufbringen, bis man sein Fahrzeug und sich selbst alleine vor der Hand positionieren kann.

Wenn man dann aber an der Reihe ist, bekommt man nette Erinnerungsbilder vor einer ganz speziellen Kulisse.



Unseren Stellplatz fanden wir nach einer erneut ziemlich langweiligen Fahrt mit insgesamt etwa drei Kurven mitten in der Wüste auf einem Plateau in der Nähe des „Euopean Southern Observatory Paranal“ (ESO). Gerne hätten wir das Observatorium besichtigt, leider fanden die Führungen aber nur Samstags statt, davon abgesehen waren sie für die nächsten Wochen ausgebucht. Nähere Infos zu der beeindruckenden Anlage s. Wikipedia.






Auf jeden Fall würde die Nacht ruhig und v.a. dunkel werden, die Damen und Herren des ESO hatten sich den Standort ja nicht umsonst ausgesucht.
Donnerstag, 25.09.2025
Bei angenehmen und sonnigen 23°C verließen wir unseren Platz in den Bergen auf 2.100 m, fuhren mal wieder viel geradeaus und landeten irgendwann bei wolkigen 13°C am Meer.


Auffällig unterwegs war der mit mindestens 80% extrem hohe Anteil an Lkw, wahrscheinlich muss deshalb in Chile bei den Verkehrsschildern auch nicht gegendert werden, wir haben noch nie eine weibliche Lkw-Fahrerin gesehen. Vielleicht ist den Chilenen „Sr*a Usuaria/o“ aber auch einfach nur zu doof, Recht hätten sie…


Kurz vor dem Nationalpark „Pan de Azucár“ parkten wir Ingo neben der kaum befahrenen Straße und hofften auf besseres Wetter. Für den Besuch des Parks am folgenden Tag wäre ein bisschen Sonne nicht schlecht gewesen.


Freitag, 26.09.2025
Leider wurde unser Wunsch nicht erfüllt, im Gegenteil. Zu den tiefhängenden Wolken kam auch noch hartnäckiger Nieselregen dazu, die Sicht ging gegen Null. Nachdem wir eine Stunde auf dem Parkplatz von einem der Wanderwege ausgeharrt hatten und das Wetter eher schlechter als besser wurde, gaben wir auf und fuhren Richtung Ausgang.


Leider verwandelte die nasse Erdpiste unseren frisch gewaschenen Ingo in ein komplett mit Dreck überzogenes Etwas, das man nirgends mehr anfassen wollte. Wir hatten also nicht nur umgerechnet 20€ Eintritt für den Park in den Sand gesetzt, sondern auch 20€ für die Autowäsche vom Vortag 🤷🏻♀️.


Kaum hatten wir den Nationalpark verlassen, wurde das Wetter langsam besser, die Aussichten auf der gut zu fahrenden Küstenstraße waren nett und unser Zwischenstopp am „Santuario de la Naturaleza Granito Orbicular“ fand im strahlenden Sonnenschein statt.




Ein langes Wort für ein faszinierendes Phänomen namens „Kugelgranit“: Es handelt sich um plutonisches Gestein, die kugelförmigen Aggregate entstehen durch eine durch rapiden Druckverlust ausgelöste Kristallation in der Schmelze um einen Kristallationskern herum. In diesem Fall fand der Prozess vor mehreren Millionen Jahren statt, das Ergebnis war ausgesprochen hübsch und gut auf „spenglisch“ erklärt von Gabriel, dem anwesenden Aufpasser.




Einen sehr schönen, aber auch extrem windigen Platz fanden wir oberhalb des Playa los Chorillos. Vermutlich war es der hervorragend asphaltierten 2 km langen Zufahrt zu verdanken, dass wir nachmittags noch relativ viel Gesellschaft hatten, nach Sonnenuntergang waren wir aber mal wieder völlig allein auf weiter Flur. Wir mögen Chile !




Samstag, 27.09.2025
Ein Erledigungs- und ansonsten völlig ereignisloser Tag, auch mal schön. Auschlafen, Frühstück, gegen Mittag Fahrt nach Copiapó zum Einkaufen und ab in die in Wüste. Ende des Programms.



Sonntag, 28.09.2025 bis Dienstag, 30.09.2025
Nachdem wir die Nacht am Rande des Nationalparks „Desierto Florido“ (blühende Wüste) verbracht hatten, aber kein einziges Blümchen gesehen hatten, hofften wir auf mehr Glück unterwegs. Die blühende Wüste ist ein Naturphänomen in der Atacama Wüste, das nur alle paar Jahre nach außergewöhnlichen Niederschlägen auftritt. Samen und Zwiebeln, die jahrelang unter der Erde schlummerten, fangen an zu sprießen und verwandeln die trockene Landschaft in einen grünen und bunten Blumenteppich. Wir hatten den Tipp bekommen, dass es dieses Phänomen derzeit gäbe und unsere Fahrtstrecke genau durch eines der Gebiete führen würde. Und tatsächlich, plötzlich war die Wüste grün, durchsetzt mit weißen, blauen und gelben Blumen. Faszinierend !






Nach einer abwechslungsreichen Fahrt durch unterschiedlichste Landschaften erreichten wir erneut die Küste und fanden nach einigen Anläufen einen schönen Stellplatz am Ortsrand von Punta Choros oberhalb einer Steilküste zu Füßen eines kleinen Leuchtturms. Sehr malerisch 😉 und v.a. ruhig und wie eigentlich immer alleine.
















Punta Choros gehört zum Reserva Nacional Pingüino de Humboldt, unseren Plan, im Rahmen einer Bootstour diverse Kolonien der kleinen Humboldt Pinguine auf den vorgelagerten Inseln zu besuchen, scheiterte leider an der absoluten Nebensaison. Das Dorf wirkte wie ausgestorben, Touren fanden nicht statt. Schade ! Trotzdem blieben wir zwei Nächte, genossen die Ruhe und die Aussicht auf jagende Möwen und Tölpel.
Morgen biegen wir wieder ab ins Landesinnere, das nächste größere Ziel ist Santiago de Chile. Wir sind gespannt auf die Hauptstadt mit immerhin knapp 7 Mio. Einwohnern ! Im Anschluß ist mal wieder ein Grenzübertritt geplant, wir wollen über die Anden nach Argentinien, unser 34. Land wartet 🙂.
Danke schön. Tolle Bilder, schön geschrieben. Chile ist ein tolles Land.