Peru machte es uns nicht besonders leicht es zu mögen. Die Ortschaften waren zwar nicht hübsch, dafür aber i.d.R. relativ sauber, an den Landstraßen stapelte sich dafür der Müll. Insgesamt kein besonders einladendes Bild…

Unsere Route:

Freitag, 04.07.2025 bis Sonntag, 06.07.2025

In Ecuador sind wir in 2 Monaten, 2 Tagen und 27 Minuten 2.001 km gefahren, jetzt waren wir gespannt auf Peru.

Der erste Eindruck nach einer unkomplizierten Einreise war nicht der Beste. Alles wirkte staubig und vermüllt, die erste Stadt nach der Grenze war einfach nur chaotisch und laut. Die Straßen waren voller TukTuks, die sich wild hupend kreuz und quer um Ingo herum quetschten, insgesamt herrschte ein unglaublicher Lärmpegel. Was für eine Umstellung nach dem sauberen und entspannten Ecuador…

Von diesem Kulturschock mussten wir uns erstmal erholen, genau der richtige Platz dafür war das Swiss Wassi, ein von Schweizern betriebener Campingplatz direkt am Meer. Chefin Melba mixte einen hervorragenden Pisco Sour, das peruanische Nationalgetränk aus Pisco (Traubenschnaps), Limettensaft, Zuckersirup und Eiweiß, den wir in netter Gesellschaft am Strand genossen. Darüber hinaus ist sie eine exzellente Köchin, wir blieben bei den landestypischen Dingen und genossen u.a. eine Ceviche de Pescado (das peruanische Nationalgericht aus rohem Fisch, der in gewürztem Limettensaft mariniert wird).

Zwei Tage genügten uns als Pause, wir fühlten und gewappnet für das, was uns erwarten würde. Wir waren gewarnt, der bisherige Müll sei wohl harmlos im Vergleich zur weiteren Strecke Richtung Süden…

Sonntag, 06.07.2025

Die relativ kurze Etappe von 70 km entschädigte etwas für den miesen ersten Eindruck des Landes. Kaum Müll, verhältnismäßig gute Straßen, wir bewegten uns spürbar in einer Touristengegend, auch wenn alles wie ausgestorben wirkte und außer Massen an TukTuks fast nichts und niemand unterwegs war, erstaunlicherweise nicht einmal streunende Hunde. Staubig war es trotzdem, in einer wüstenhaften Landschaft aber auch kein Wunder.

Gegen Mittag erreichten wir Los Órganos, einen kleinen Ort am Meer und parkten direkt am überraschend leeren und sauberen Strand. Für einen Sonntag war so gut wie nichts los, selbst die obligatorische Musik hielt sich sehr in Grenzen.

Die in der Bucht des Ortes vorkommenden größten Meeresschildkröten der Welt, die tortugas verde (grüne Meeresschildkröten) bekamen wir leider nur auf einem Wandgemälde zu Gesicht. Der Pier als Aussichtsplattform ist nicht mehr zugänglich und vom Ufer aus gab es keine Chance auf Sichtungen.

Montag, 07.07.2025 bis Mittwoch, 09.07.2025

Die Strecke begann eigentlich ganz nett, wir fuhren durch eine karge, hügelige und v.a. saubere Landschaft, die Straße war überwiegend OK, kaum Schlaglöcher und keine Maut.

Das Bild veränderte sich, rechts und links standen kleine Erdölpumpen, die immer noch relativ gute Straße führte schnurgeradeaus immer an der Pipeline entlang, die Landschaft war platt bis zum Horizont. Auf Schildern wurde man auf eigentlich völlig harmlose Kurven hingewiesen, entlang der Straße häuften sich ärmliche Behausungen.

Plötzlich wurde es grüner, wir fuhren durch weitläufige Anbauflächen von Zuckerrohr und v.a. Reis, dafür nahm der Müll am Straßenrand drastisch zu, die Luft war diesig durch abbrennende Felder und Staub in der Luft, wir passierten unsere erste Mautstation. Etappenweise näherten wir uns offensichtlich dem Peru, vor dem uns alle gewarnt hatten, staubig und v.a. mit unfassbar viel Müll…

Nachdem wir einen Stau auf einer beängstigend schwingenden Brücke und das totale Verkehrschaos aus wild hupenden TukTuks, Mopeds , Autos und Bussen in Piura hinter uns hatten, quartierten wir uns für die nächsten zwei Tage auf dem weitläufigen Gelände des Porta Verde ein. Mal wieder standen wir bei einer diesen typischen Event Locations mit Restaurant, Pool, Bar etc., genau das Richtige, um ein paar organisatorische Dinge zu erledigen und uns seelisch auf die nächste Etappe einzustellen. Peru ging bisher nur häppchenweise…

Mittwoch, 09.07.2025

Wir fuhren zwar nur 120 km, die waren aber dafür umso nerviger. Viele kleine hässliche Ortschaften mit unzähligen hohen Bodenschwellern zur Geschwindigkeitsreduzierung (und Ermordung des Materials…), miese Straßen und in einem der Orte eine LKW Route, die bescheuerter nicht hätte sein können. Der Schwerverkehr musste weg von der asphaltierten Hauptstraße, ab auf eine schlechte Sandpiste, dank eines Dorffestes dann auch noch durch ein paar ungeteerte Nebenstraßen mehr. Dafür waren aber eigentlich alle Städte auffallend sauber, den sich stapelnden Müll entlang der Landstraßen versuchten wir (erfolglos) zu ignorieren.

Die Strecke führte zurück ans Meer, wir passierten den wie ausgestorben wirkenden Fischerort Parachique, an der Küste lagen Hunderte großer Fischerboote auf Reede, in den unzähligen Werften stapelten sich die Schiffe, die großen Fischfabriken wirkten verlassen und die Häuser rechts und links waren noch verfallener als sonst üblich. Offensichtlich hat die industrielle Fischerei in der Region massive Probleme, für den „Hausgebrauch“ scheint es sie aber noch zu geben. Für die sowieso schon arme Bevölkerung auf jeden Fall eine Katastrophe!

Weiter ging es über viele Kilometer geradeaus durch die Küstenwüste Sechura, wir passierten eine so gut wie ausgetrocknete Lagune, bevor wir das winzige Fischerdorf Playa Blanca erreichten. Insgesamt gab die gesamte Gegend ein extrem trostloses Bild ab.

Unser Stellplatz außerhalb der paar Häuser entschädigte dann aber für den bis dahin nicht ganz so optimalen Tag. Ingo parkte mutterseelenallein auf einer Landzunge, kein Müll, kein Lärm, keine Menschen. Das einzige (etwas nervige) Geräusch war der ziemlich starke Wind, aber irgendwas ist ja immer… 😉.

Donnerstag, 10.07.2025

Nach einer himmlisch ruhigen Nacht wurden wir von einem Blaufußtölpel verabschiedet, verließen Playa Blanca, den Ort mit der wahrscheinlich kürzesten Uferpromenade (geschätzt 500 m zwischen Sandpiste links und rechts) und fuhren weiter Richtung Süden.

Die knapp 200 km lange Strecke führte fast ausschließlich geradeaus durch Wüste oder weitere nahezu ausgetrocknete Lagunen. Landschaftlich abwechslungsreich geht anders, trotzdem eine faszinierende Etappe durch eine extrem unwirtliche und fast unbewohnte Gegend.

Wir passierten eine riesige Paprikaplantage mitten in der Wüste, die wenigen Ortschaften unterwegs sahen aus wie alle Ortschaften davor und wahrscheinlich danach, Fotos vom allgegenwärtigen Müll sparten wir uns dieses Mal.

Unser Ziel für den Tag war die kleine Stadt Túcume, Heimat der größten bekannten Ansammlung von Pyramiden aus ungebrannten Lehmziegeln aus vorkolumbianischer Zeit. Die Ausgrabungsstätte zu erreichen war nicht ganz einfach, der offiziell ausgeschilderte Weg war ein schmaler Sandweg und maximal für Pkw geeignet, die Strecke durch den Ort über schmale Straßen und parkende TukTuks auch nicht super komfortabel… Wir stellten Ingo auf den Parkplatz vor dem Museum und machten mal wieder ein bisschen „in Kultur“.

Wikipedia: „Die historische Stätte wird von den Einheimischen auch Purgatorio, das Fegefeuer genannt. Es werden 26 große Pyramiden gezählt, insgesamt befinden sich in dem Gebiet größenordnungsmäßig etwa 260 Stück. Die höchste misst aktuell noch etwa 30 m und wird „Huaca 1“ genannt. Von der Größe her noch beeindruckender ist die „Huaca Larga“, die mit einem Grundriss von 700 mal 280 Meter eine der größten Pyramiden der Welt ist. (Zum Vergleich: Cheops-Pyramide 230 m × 230 m; Pyramide von Cholula 450 m × 450 m.) Die Archäologen gehen davon aus, dass die Pyramiden um 1100 für religiöse Rituale erbaut wurden, als die Sicán sich aufgrund des durch den Niedergang der Mochica-Kultur um 700 im Lambayeque-Tal entstandenen Machtvakuums ausdehnten. Es wird davon ausgegangen, dass die Lambayeque, mittelamerikanische Ureinwohner der Sicán-Kultur, in diesem Gebiet ein ausgedehntes administratives, militärisches und religiöses Zentrum unterhielten.“ Für weitere Infos s. den gesamten Wikipedia Eintrag.

Von der Struktur der Pyramiden ist nicht mehr viel übrig, die Ausgrabung beeindruckt mehr durch ihre Größe.

Zu dem Areal gehören auch ein Lehrgarten für Kinder, um sie an Umweltschutz heranzuführen (super Idee !!!) und ein Hundefriedhof für den peruanischen Nackthund 🤷🏻‍♀️🫣. Leider war die gesamte Gegend durch abbrennende Felder rauchgeschwängert, über allem hing Dunst und leichter Lagerfeuergeruch.

Freitag, 11.07.2025

Für die Rückfahrt durch den kleinen engen Ort wählten wir einen anderen Weg, etwas was wir normalerweise nie machen. Was einmal funktioniert, funktioniert eigentlich auch zweimal… Gut, dass die freundliche Policia Municipal uns durch den stattfindenden Markt geleitete, einem LKW Fahrer bedeutete, er möge sich zügig entfernen und eigenhändig ein paar Erdbeerkisten aus dem Weg räumte. Sehr freundlich!

Ein paar staubige Kilometer weiter erreichten wir den Ort Lambayeque. Natürlich war auch dort Markttag, was das Erreichen des „Museo Tumbas Reales de Sipán“, auf Deutsch „Museum der königlichen Gräber von Sipán“ nicht leichter machte. Das Museum ist bekannt für seine Sammlung von Artefakten aus dem Huaca Rajada-Komplex, der als wichtigster bisher entdeckter Moche-Grabkomplex gilt. Es wurde 2002 eingeweiht und enthält die bedeutendsten Funde, die 1987 von dem Archäologen Walter Alva in Huaca Rajada ausgegraben wurden, darunter den „Señor de Sipán“ und sein Gefolge. Es wurde so gestaltet, dass es den alten Moche-Gräbern ähnelt.

Ein toller Bau mit faszinierenden Exponaten und gut aufgebaut, allerdings leider kaum eine Tafel zweisprachig. Unglücklicherweise schoben wir uns gleichzeitig mit zwei Schulklassen und einer anderen Gruppe durch die Ausstellung, der Lärmpegel war beachtlich…

Unser Ziel für den Tag war das Museo de Sitio Huaca Rajada, der Fundort der königlichen Gräber von Sipán. Dazwischen lag nur leider die 650.000 Einwohner zählende Stadt Chiclayo. Etwas derart staubiges, dreckiges, hässliches und chaotisches hatten wir bislang noch nie gesehen. Bedrückend ist immer wieder, unter welchen Umständen Menschen leben müssen, bewundernswert gleichzeitig die eigentlich immer positive Ausstrahlung und Freundlichkeit. Wir konnten da nicht mithalten, die Stimmung in Ingos Fahrerkabine (auch untereinander…) war nicht die beste (die Fotos geben nur eine ansatzweise Vorstellung).

Unzählige typische Straßenszenen und Topes = Reductores de Velocidad = Geschwindigkeitsreduzierer = 🤮 später erreichten wir etwas nördlich von Sipán das Museum Huaca Rajada. Wieder hatten wir es mit ausgesprochen netter Polizei zu tun, die sich quasi dafür entschuldigte, dass ein kaputter Bus uns kurzzeitig den Weg auf den Parkplatz versperrte, auf dem wir selbstverständlich übernachten dürften.

In dem Museum selbst sind nur die nicht ganz so beeindruckenden Exponate ausgestellt, die anderen hatten wir am Vormittag schon in Lambayeque gesehen.

Interessant sind v.a. die eigentlichen Gräber mit rekonstruierten Inhalten, die zu den bedeutendsten archäologischen Funden in Südamerika seit Jahrzehnten zählen. Die Grabbeigaben sind in ihrer Üppigkeit und Kostbarkeit vergleichbar mit denen des Tutanchamun. Der „Señor de Sipán“ wurde neben reichlich Gold, Silber und Keramik auch mit zwei jungen Männern, drei Frauen, einem Kind, einem Wächter, einem Späher, einem Hund und zwei Lamas beerdigt.

Auf dem Rückweg zu Ingo konnten wir noch ein paar Kaninchenkäuze beobachten, ein schöner Abschluss eines kulturreichen Tages !

Insgesamt sind wir mit dem Norden von Peru noch nicht so richtig warm geworden. Über die Müllmassen zwischen den Ortschaften können wir einfach nicht hinwegsehen, die gesamte Umgebung liegt unter einer braunen Staubschicht, der Straßenzustand ist überwiegend extrem schlecht und der Fahrstil außerordentlich „kreativ“. Ampeln dienen mehr als Lichterdeko, Regeln im Kreisverkehr gibt es nicht, wer zuerst die Nerven verliert, bleibt stehen. Wären nicht die wahnsinnig netten Menschen und die unbestritten vorhandenen Sehenswürdigkeiten, wären unsere Tagesetappen vermutlich sehr viel länger…

Noch geben wir nicht auf !!!

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Helmut
Helmut
3 Monate zuvor

Na, eure ersten Tage in mi Peru waren doch viel besser, als es klingt!

Gleich mal die Mototaxis gesehen, dann direkt ein netter Abend am Meer mit Pisco Sour und Ceviche.
Ihr habt Los Organos besucht, das bedeutsame schöne Museum in Lambayeque. In Chiclayo habt ihr die „falsche“ Straße erwischt.

Catacaos bei Piura wäre auch noch interessant gewesen, Nomen est Omen.

Last edited 3 Monate zuvor by Helmut
Chris
Chris
4 Monate zuvor

Ihr Lieben,
Pisco Sour und Ceviche, dazu die liebenswürdigen Menschen, ja das weckt Erinnerungen. Der Straßenverkehr.-/Zustand/Lärm waren damals schon chaotisch, der Müll ebenso.
Schon damals waren Peru aber auch Chile kräftig am Überfischen der Sardellenbestände beteiligt um daraus Fischmehl.-/Oel herzustellen. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an die nach Fisch schmeckenden Eier in Europa= billiges Viehfutter. Eine Zeit lang haben auch die Chinesen im großen Stil vor den Küsten den Fisch abgeräumt, bis es sich in den 80´gern nicht mehr lohnte. El Niño, ein Klimaphänomen wie wohl der allg.Temperaturanstieg der Weltmeere sind weitere Faktoren die auf die Fischerei einwirken.
Zu den geschichtlichen Hintergründen sind wir zu meiner Zeit eher nicht vorgedrungen 🙂
aber das hat Ute ja kulturell gerade gerückt!!!
Wir bleiben, trotz der vielen Arbeit hier, weiterhin gespannt.
cu
Birgit&Chris

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