Wir verließen den wunderschönen Tuz Gölü und fuhren Richtung Kappadokien. Allerdings nicht ohne einen Abstecher in das Ihlara Vadisi (Peristrema-Tal) bei Belisırma. In dem bis zu 100 m tiefen und 14 km langen Tal fanden wir einen wunderschönen Stellplatz auf einer von Felsen umgebenen Wiese neben einem kleinen Fluß. 

Die Anfahrt hatte es in sich. Erst durch enge Straßen im Ort, dann über eine super steile, kurvige und schmale Sand- und Schotterpiste, an den steilsten Stellen wurde als kleine Hilfe Beton Verbundpflaster verlegt 😉. Der Stellplatz war dann aber ein Traum ! Abgesehen von ein paar Wanderern und zwei Hirten mit ihren Kühen und einem Esel, der keine Hunde mochte und auf Lui losging, waren wir völlig alleine. Es gefiel uns so gut, dass wir einen Ruhetag einlegten und zwei Nächte blieben. 

Am zweiten Tag unternahmen wir eine Wanderung durch diese beeindruckende Landschaft und erkundeten eines der vielen Höhlendörfer, die es in diesem Tal gibt, incl. einer in den Fels gebauten Moschee. 

Unsere Reise ging weiter nach Kappadokien und wir entschieden uns, als erstes einen Campingplatz anzusteuern. Wir brauchten mal wieder schnelles Wifi und eine Waschmaschine. 

Der Kaya Camping lag zwar direkt an der Straße, sonst aber super. Etwas abseits vom Ort Ortahisar und mit einem tollen Blick über die drei Haupttäler, leider kamen wir zu spät für einen Platz in der ersten Reihe, bzw. Ingo war zu groß für die freien Plätze dort…

Machte aber nichts, bei Spaziergängen in der Umgebung hatten wir phantastische Ausblicke auf diese faszinierende Landschaft.

Am frühen Morgen standen wir auf einer kleinen Sandfläche über den Tälern, um uns das Schauspiel von unzähligen Ballons anzusehen, die im Sonnenaufgang in den Himmel stiegen. Ein wahnsinniges Schauspiel und mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis.

Den Nachmittag verbrachten wir mit einer Wanderung durch das Meskendir Tal, das mit seinen in den weißen Fels gehauenen Wohnhöhlen irgendwie skurril wirkt.

Die Besichtigung des Felsenklosters Aynalı verschoben wir auf den späteren Nachmittag. Die kleine Anlage aus der Zeit um 1.050 n.Chr. beherbergt eine in den Fels gehauene Kirche und Reste des Klosters. Den letzten Teil der Anlage hat nur noch Uwe erkundet, ich habe angesichts der niedrigen und kurvigen Gänge aufgegeben. Diese waren nur noch auf Knien passierbar und endeten in einem weiteren kleinen Raum – definitiv nichts für jemand mit leichter Klaustrophobie…

Wir verließen diese sehr touristische Gegend und fuhren nur ca. 30 Km weiter in das Gomeda Tal. Im Prinzip nichts anderes als das Meskendir Tal (s.o.), nur größer, spektakulärer, besser erschlossen und nicht so voll – also alles richtig gemacht 👍. Nachdem wir Ingo direkt über dem Eingang des Geländes geparkt hatten, erkundeten wir am Nachmittag das Tal mit seinen vielen Wohnhöhlen und Taubenschlägen aus der Zeit um 750 bis 850 n.Chr.

U.a. beherbergt das Gomeda Tal auch die Felskirche des hl. Basilios mit den wohl besterhaltenen Deckenmalereien in ganz Kappadokien.

Nach dem ganzen Touristenrummel und Verkehr um uns herum der letzten zwei Tage genossen wir die Abgeschiedenheit und Ruhe, hatten eine entspannte Nacht und machten uns am nächsten Tag auf den Weg Richtung Süden zum Soğanlı Tal.

Das Tal wurde vom 9. bis ins 13. Jhd. von byzantinischen Mönchen bewohnt, die ca. 100 Kirchen und Wohnhöhlen in den Fels gehauen haben. Das Meiste davon ist verschüttet oder zerstört und kann nicht mehr betreten werden, trotzdem ist es beeindruckend, wie groß und verzweigt die Siedlungen einmal waren.

Relativ gut erhalten ist die Barbara Kirche, mit einer Halle und einer Seitenkapelle.

Unser Stellplatz lag am Ende des Tals, entsprechend ruhig war es dann auch – bis auf die relativ nahe Baustelle, die erst mitten in der Nacht endete. Insgesamt sahen wir sage und schreibe vier Wanderer, das war in Ingos Nähe alles an Lebewesen.

Abends gingen wir das erste Mal in der Türkei in ein Restaurant. Am Anfang des Tals lag das Lokal von Yilmaz, der ungefähr fünf Sprachen spricht, uns herzlich empfing und richtig gut bekochte.

Das Ganze fand in einem fast leeren Raum statt, in den je nach Gästeaufkommen Tische gestellt wurden. Neben uns tafelte eine italienische Familie, die schon seit über 20 Jahren hierher kommt, ihr eigenes Essen kocht, den Wirt mit einlädt und uns mit Spaghetti, Obst und Reisetipps gleich mit versorgte.

Wir verabschiedeten uns von Felsenwohnungen und Höhlenkirchen (reichte jetzt auch…) und fuhren in die Berge.

Unser Ziel war das Aladağlar Gebirge, das seit 1995 Nationalpark ist und mit dem 3.756 m hohen Demirkazık Dağı eine beeindruckende Kulisse bietet. Wir standen oberhalb des Kazıklıali Canyons, einem teilweise 1.600 m tiefen Ketterparadies.

Ein faszinierender Ort, mutterseelenallein in dieser grandiosen Natur und abgesehen von den Windgeräuschen in totaler Stille.

Die Landschaft gefiel uns so gut, dass wir in der Nähe blieben und uns Luftlinie nur ca. 3 Km entfernten. Da Ingo aber keine Gebirgskämme überqueren kann, mussten wir die Straße nehmen und fast eine Stunde außen herum fahren. Gelandet sind wir im Kamp Alani auf knapp 2.000 m Höhe vor einem beeindruckenden Felsmassiv. Das Empfangskomitee bildeten ein paar Kangals, die auf ihre Schafherde aufpassten, außer Knurren und Bellen aber auf Abstand blieben.

Die Herde hielt sich stundenlang wie fest gewachsen rund um einen Felsen auf dem Hügel gegenüber auf, der Grund dafür hat sich uns nicht erschlossen. Mittagspause ? Verdauungsschlaf ? Über eine fachkundige Auflösung würden wir uns freuen !

Das Kamp war nicht mehr als eine Wiese mit zwei Schutz-Zelten, Wasser und Toiletten. Natürlich waren wir alleine hier und genossen die Ruhe und Abgeschiedenheit.

Da das Wetter insgesamt noch ziemlich gut ist, von Schnee ist weit und breit nichts zu sehen, entschlossen wir uns den Richtungswechsel an die wärmere Küste noch zu verschieben und und uns in der Mitte des Landes weiter nach Osten zu bewegen. Bis zur iranischen Grenze sind es ja nur noch ungefähr 1.200 Km… 😉.

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Chris
Chris
1 Tag zuvor

Moin IhrLieben,
mit Euch zu Reisen bildet ungemein, insbesondere wenn man selbst nie in der Gegend war. Die eindrucksvollen Bilder im GEO-Format, spitze….
Aber wieso kann Ingo keine Gebirgskämme überqueren?!?! Fauxpas, Fehler in der Ausführungsplanung? Die Anden und Himalaja liegen ja noch vor Euch…da muss dann aber zeitgerecht nachgerüstet werden 🙂
Schafe im Fels=Salz/Mineralien lecken

Keep going, hier gerade heftiger Schauer….

Birgit&Chris

Michael Hartmann
Michael Hartmann
1 Tag zuvor

Danke für Eure tollen Berichte und die wundervollen Bilder aus der einsamen Gegend. Hilft die Kommunikation in englischer Sprache? Wir wünschen eine gute und sichere Weiterfahrt und bleibt behütet.
Michael