Von einem touristischen Hotspot zum nächsten – von Pamukkale nach Ephesus.

Die knapp vierstündige Fahrt an die Westküste war stürmisch, nass und führte uns durch dicht bebaute, nicht besonders hübsche Landschaften wieder ans Meer.

Wir suchten uns einen Stellplatz in der Nähe der Ausgrabungen und landeten ein paar Km entfernt am Zeytin Plaji, einem eigentlich ganz netten Strand. Wegen des Sturms waren aber der Strand und die umliegenden Wege völlig überschwemmt, dies schränkte den Bewegungsradius etwas ein.

Der Wind und der Regen ließen nachts nach und wir konnten uns bei wolkenlosem Himmel morgens auf den Weg nach Ephesus machen. Pünktlich zur Kassenöffnung um 8.30 standen wir vor der Tür und waren bei kalten 6° lange Zeit die einzigen Besucher.

Die Ruinenstätte ist eine der meist besuchten der Welt, seit 2015 UNESCO Weltkulturerbe und beherbergt Highlights wie das Theater, die Celsus-Bibliothek oder die Hanghäuser. Es würde definitiv den Rahmen sprengen, sich hier im Detail über die Ausgrabungen auszulassen. Wen es interessiert findet z.B. hier eine top Zusammenfassung. Auf jeden Fall eine sehr beeindruckende Anlage, alleine die Größe ist faszinierend.

Der einzige Wermutstropfen war, dass wir selbst innerhalb des Geländes von mehreren streunenden Hunden und unzähligen Katzen verfolgt wurden.

Nach unserem Besuch fuhren wir zurück auf unseren alten Stellplatz am Meer, verbrachten einen ruhigen Nachmittag und eine ungestörte Nacht. Eigentlich hätte das ein wunderschöner Platz sein können, leider lag unglaublich viel Müll herum und wir hatten mal wieder 4-beinigen Besuch… Das Thema „herrenlose Hunde“ hängt uns langsam aber sicher zum Hals heraus, wo man geht und steht, stolpert man über Streuner.

So langsam aber sicher nähern wir uns Griechenland. Nach einer 4-stündigen Fahrt Richtung Norden erreichten wir einen schönen und abgelegenen Strand südlich von Ayvalık. Wir folgten damit einem Tipp von Ioan und Mari, die wir vor fast genau zwei Monaten bei den Dardanellen getroffen hatten. Leider waren die letzten Km der sandigen und schlammigen Zufahrtsstraße schon überschwemmt und die Wettervorhersage ließ nicht viel Spielraum für Optimismus. Regen, Regen, Regen… Da wir kein Risiko eingehen wollten, verzichteten wir auf den eigentlich tollen Platz und stellten uns auf einen relativ ortsnahen Parkplatz am Strand. Die Nacht war mal wieder stürmisch und das Meer laut, genauso wie die Bewohner der „Wagenburg“ aus drei Overlander-Fahrzeugen, die sich relativ dicht neben uns aufgebaut hatten. Man kann nicht immer Glück haben und trifft nicht nur sympathische Reisende… 🙁.

Nach einer somit nicht so erholsamen Nacht starteten wir bei Sturm und Regen weiter Richtung Grenze, immer an der dicht bebauten Küste entlang. Wie schon in der Gegend um Antalya und Alanya war die Meerseite fast nahtlos mit Hotels und Appartements zugepflastert, diesmal aber deutlich kleiner und in sehr viel schlechteren Zustand. Das Ganze wirkte, wie die Überreste von Massentourismus aus den 90er Jahren.

Unser zunächst angepeilter Stellplatz war leider so vermüllt, dass wir dort nicht bleiben wollten, die ausgesuchte Alternative ging irgendwie auch nicht. Ein kleiner, nicht besonders schöner Hafen, umgeben von Restaurants und bevölkert von ganz vielen Menschen, zwei WoMos und diversen Vierbeinern. Für einen Abend vielleicht OK, nicht aber für den restlichen Nachmittag und die Nacht.

Gelandet sind wir schließlich schon ziemlich entnervt in einem kleinen Nationalpark am Meer. Eine Oase nach diesem Tag! Wir waren die einzigen Gäste auf dem großen Gelände mit Picknickareal und „Campingplatz“. Der „Karavan Park“ unterschied sich nicht wirklich vom Rest des Parks, war aber sehr gepflegt, sauber und v.a. ruhig. Wir fanden einen schönen Platz hinter den Dünen und genossen den trockenen Nachmittag mit Blick auf die Dardanelleneinfahrt-die Wettervorhersage war mal wieder schlecht…

Den folgenden komplett verregneten Vormittag verbrachten wir mit Service an und in Ingo und einem späten Frühstück mit selbst gebackenen Brötchen (Danke Uwe 👍😘). Nachmittags kam tatsächlich nochmal die Sonne durch und die Nacht war genauso ruhig wie die letzte. Mit diesem Stellplatz hatten wir unter dem Strich richtig Glück. Leise, kein Gebell, kein Müll, schöne Aussicht und dicht an Çannakale, wo wir am nächsten Tag nochmal in ein Shoppingcenter und die Fähre über die Dardanellen nehmen wollten.

Der Ausflug in das riesige „17 Burda“ Einkaufscenter hat sich gelohnt. Wir profitierten von den sowieso schon günstigeren Preisen und der momentanen Inflation und machten ein paar richtig gute Schnäppchen. Was uns allerdings wirklich überraschte, war der Weihnachtsbaum neben dem riesigen Pool mit Mega-Schwänen, hätten wir in einem muslimischen Land so eher nicht erwartet. Auch in den Geschäften gab es reichlich Weihnachtsdeko, über Geschmack lässt sich wie immer nicht streiten… Das Ganze machte den Eindruck wie Halloween in Deutschland oder Oktoberfest in Hamburg. Eigentlich hat es nichts mit der eigenen Kultur zu tun, irgendjemand verdient sich eine goldene Nase mit dem Verkauf von Deko etc. und alle finden es toll.

Nach diesem „Kulturschock“ setzen wir problemlos und ohne nennenswerte Wartezeit mit der Fähre wieder auf den europäischen Kontinent über. Immer entlang der Dardanellen erreichten wir unseren letzten Stellplatz in der Türkei.

Wir landeten am Rand eines Dorfes an der Ägäis, zwischen Hafen und Ort. Nicht besonders schön, kaum Bewegungsspielraum (außer in den Ort) und natürlich ein paar ausdauernd bellende Hunde. Die Möglichkeiten waren aber sehr eingeschränkt und wir wollten in die Nähe der Grenze.

Ein Trost waren die letzten Backlava in der Türkei und der sehr leckere Fisch, den Uwe im Restaurant vor Ort holte. Nach den Autos vor der Tür und dem Füllungsgrad wohl DAS Lokal in der Gegend. Für hiesige Verhältnisse war es tatsächlich auch relativ teuer.

Die Einreise nach Griechenland ist für morgen geplant – mal sehen ob es klappt. Es sind nur zwei Grenzübergänge von der Türkei nach Griechenland offen und der von uns gewählte (Kipoi) darf offiziell momentan nur von griechischen Staatsbürgern und Berufskraftfahrern genutzt werden. Die Alternative würde aber einen Umweg von insgesamt ca. 400 Km bedeuten.

Damit schließt sich der Kreis und wir beenden unsere Reise durch die Türkei an dem Punkt, wo wir sie begonnen haben. Demnächst gibt es hier ein Resümee unserer mehr als zwei Monate in diesem spannenden Land.

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