Ein Tag Winter kann eine Menge Pläne über den Haufen werfen.

Dienstag, 21.02.2023

Vorbei an tollen Landschaften, Wandergebieten und theoretisch wunderschönen Stellplätzen fuhren wir Richtung Page. Die Wettervorhersage machte uns für all das einen Strich durch die Rechnung. Für Mittwoch war Regen und Schnee vorhergesagt, was die vielen Sandwege in unpassierbare Schlammpisten verwandeln wird. Wir suchten uns einen netten Platz mit festem Untergrund und landeten kurz vor Page auf dem staatlichen Beehive Campground.

Eigentlich nur eine Schotterfläche mit 6 Plätzen, mal wieder in Sicht- und Hörweite der Straße, aber trotzdem erstaunlich ruhig und v.a. mit den tollen Felsformationen des „Vermilion Cliffs National Monument“ direkt hinter Ingo incl. einem hübschen Wanderweg und einer schönen Aussicht in die gegenüberliegenden Berge.

Mittwoch, 22.02.2023

Der angekündigte Schnee blieb zum Glück größtenteils aus, es stürmte aber fast den gesamten Tag bei 1-2°C. Wir bekamen damit zum Glück nur die Ausläufer des zweitgrößten je gemessenen Wintersturms in Utah ab. Von der Westküste nördlich von uns bis Minnesota (bei den großen Seen) wurden z.T. ganze Städte lahm gelegt, diverse Hauptverbindungsstraßen gesperrt und es gab einige Flugausfälle. Bis auf die Hunderunden verließen wir Ingo nicht freiwillig, sondern beschäftigten uns mal wieder mit der weiteren Planung, Brot backen (Danke Uwe 😘) und faulenzen.

Donnerstag, 23.02.2023

Das Wetter war extrem zweigeteilt. Ab Page Richtung Osten war eigentlich alles OK, in die andere Richtung herrschte Winter mit Schnee aus tiefhängenden Wolken. Damit entfiel leider unsere eigentlich geplante Tour durch den Cottonwood Canyon. Nach ein paar Erledigungen in Page machten wir statt dessen einen Abstecher in den südwestlichsten Zipfel der „Glen Canyon National Recreation Area“, u.a. zur irgendwie fehl am Platz wirkenden Marina in der Wahweap Bay.

Das über 5.000 Km2 große Landschaftsschutzgebiet ist weit verzweigt und unübersichtlich, wir werden bestimmt noch das ein oder andere Mal mehr damit in Berührung kommen.

Unseren Stellplatz für das Wochenende fanden wir nach einer harmlosen Wasserdurchfahrt im „Nipple Bench“ Badland Gebiet bei Big Water. Riesige Felsbrocken auf schwarzen Erdhügeln hinter tiefen Badlands und kahlen Hügeln, die an eine Mondlandschaft erinnern. Das Ganze abgelegen, uneinsehbar und ruhig – was will man mehr ? Lui war begeistert von dem riesigen Sandkasten und der endlosen Weite. Wir auch 😉.

Freitag, 24.02.2033

So wollten wir das nicht haben ! Als wir morgens die Jalousien öffneten, standen wir im Schnee. Zum Glück nicht viel und er taute auch ziemlich schnell wieder weg, der Untergrund verwandelte sich dadurch aber kurzzeitig in eine klebrige Masse, die v.a. hervorragend in Luis Pfoten haftete…

Das Wetter besserte sich, der Boden trocknete und es war zur Abwechslung einmal windstill. Perfekte Bedingungen, um mit der Drohne zu üben 😃.

Diese karge und menschenleere Landschaft mit den tiefen Schluchten war wirklich faszinierend. Ein nahezu perfekter Platz und auf jeden Fall in den Top 5 aller bisherigen Stellplätze !

Samstag, 25.02.2023

Je weiter man der Straße in den Park folgte, desto karger wurde die Landschaft und desto schlechter wurde die Straße. Ca. 2 Km von unserem Stellplatz entfernt liefen wir den Beginn des unspektakulären „Wiregrass Trails“, bevor wir ein paar Km weiter fuhren, bei der ersten passenden Gelegenheit allerdings wieder umdrehten. Die Piste wurde weicher, schmaler und teilweise schlammig.

Für die Nacht waren erneut Regen- und Schneefälle vorhergesagt, wir wollten mit der Flußdurchquerung am Beginn der Straße kein Risiko eingehen, verließen deshalb nachmittags diese Traumgegend und fuhren wieder auf sicheren Untergrund auf dem Beehive Campground.

Vorher machten wir allerdings noch einen Abstecher zu DEM Viewpoint der Gegend am Colorado River mit täglich tausenden von Besuchern (zumindest in der Saison). Der „Horseshoe Bend“ ist durch seine fast perfekte Hufeisenform und seine Tiefe von 300 m aber wirklich sehenswert, auch für 10 $ Eintritt…

Besonders „schön“ fanden wir allerdings den Hinweis für die Mitnahme von Wasserflaschen incl. Rechenhilfe. Auffällig war, dass ca. 90% der Besucher tatsächlich brav Wasser dabei hatten – für einen halbstündigen Spaziergang bei ungefähr 12°C…

Noch besser war allerdings das Geländer am eigentlichen Aussichtspunkt. Immerhin knapp 5 Meter breit bei einer unendlich langen senkrecht abfallenden Geländekante. Natürlich blieben auch alle Besucher an dem abgesicherten Plätzchen, um ihre Fotos und Selfies zu machen…
Irgendwie passt das alles in unseren Augen nicht zusammen. Man muß den Menschen sagen, dass und wieviel Wasser sie mitnehmen müssen, aber eine ernstzunehmende Absturzsicherung schränkt vielleicht die Bewegungsfreiheit des Einzelnen ein !??

Wie auch immer…

Wir kehrten zum Beehive Campground zurück, stellten Ingo diesmal hoffentlich passend in die angesagte Sturmrichtung und hofften auf eine ruhige Nacht.

Sonntag, 26.02.2023

Der angekündigte Schnee blieb aus, zumindest in Page. Dafür erwischte er uns umso mehr auf der Strecke zum Monument Valley.

Nach der Hälfte des 150 Km langen Weges wurde es aber besser und wir erreichten das Gebiet um Monument Valley bei ungemütlich kaltem Sonnenschein.

Frei stehen ist im gesamten Gebiet unmöglich, alles um das Valley ist Navajo Land, in dem wildes Campen verboten ist. Bei unserem eigentlich angedachten Campingplatz (eigentlich nur eine Sandfläche neben ein paar Hütten) kamen uns sofort 4 bellende Hunde entgegen gelaufen. Darauf hatten weder wir noch Lui Lust, zumal das Ganze direkt an der Straße und ziemlich matschig war. Wir disponierten um und fuhren zum „Goulding‘s Campground“. Zwar gab es auch dort Streuner, aber nur zwei und die waren friedlich… Abgesehen davon waren alle anderen Plätze in der Winterpause.

Die Lage war schön, man hatte ein bisschen Sicht auf die Felsen des Monument Valley und direkt vom Platz aus gab es zwei nette kurze Wanderwege. Auf das Gratisangebot für einen John Wayne Film von 1939 im angegliederten Kino verzichteten wir.

Montag, 27.02.2023

Der Tag begann mit einer unglaublich kitschigen Aussicht aus dem Küchenfenster…

Wir starteten früh Richtung Park, um 9.00 war Start unserer online gebuchten Tour, die sich zu unsrem Glück als Privattour entpuppte. Auf der Schotterpiste durch das Valley sind Busse, Motorräder und leider auch Campingfahrzeuge verboten, es blieb uns also nur eine organisierte Fahrt. Im Nachhinein das Beste, was uns passieren konnte. So konnte auch Uwe, als der in aller Regel Fahrende die unglaubliche Aussicht genießen, wir erfuhren von unserem ca. 75 jährigen Navajo Guide viel über die Geschichte seines Stammes und über die Natur und wir waren in Gebieten des Parks, die für Privatfahrzeuge gesperrt sind. In dem schon etwas mitgenommenen SUV war zwar die Heizung kaputt und der Innenraum wurde permanent mit voller Leistung auf ca. 30°C aufgeheizt, aber so war man nach den vielen Fotostopps bei -2°C schnell wieder aufgewärmt 😎.

Das Monument Valley ist vermutlich die Landschaft, die jeder im Kopf hat, wenn er an den „wilden Westen“ denkt. Gefühlt jeder Western spielt dort und jede Zigarettenwerbung wurde dort gedreht. Auch wir kamen natürlich mit Bildern im Kopf hier an, die Natur übertraf aber alle unsere Erwartungen!

Abgesehen von den unglaublich beeindruckenden Mesas (Tafelbergen), Felsburgen und -nadeln bekamen wir symmetrische Löcher, Augen, Ohren und hunderte Jahre alte Petroglyphen zu sehen.

2,5 Stunden später und um viele Eindrücke reicher verließen wir das Monument Valley und fuhren Richtung Norden, vorbei an einem weiteren eindrucksvollen Felsen, dem fast schon kugelgelagerten „Mexican Hat“.

Aufgrund der miserablen Wettervorhersage (ab Dienstag Abend Regen, Mittwoch den ganzen Tag Schnee), blieb uns mal wieder nur ein Platz mit befestigtem Untergrund. Schade, so mussten wir am „Valley of the Gods“ vorbei fahren, eigentlich war dort mindestens eine Übernachtung geplant gewesen. Aber die roten Sandpisten werden bei Nässe unbefahrbar…

Wir stellten uns kurz vor Bluff auf den staatlichen „Sand Island Campground“. Ein netter Platz am San Juan River vor einer langen Felswand mit z.T. 3000 Jahre alten Petroglyphen.

Dienstag, 28.02.2023

Das Wetter war tagsüber noch ganz OK und wir fanden zufällig einen nirgends erwähnten Weg zum südlichen Teil des „Bears Ears National Monument“ mit noch mehr Petroglyphen und hübschen Aussichten.

Mittwoch, 01.03.2023

Wir saßen irgendwie im Auge des Sturms. Rund um Bluff wütete weiter einer der stärksten Winterstürme der USA seit Wetteraufzeichnung, wir blieben weitestgehend verschont und konnten sämtliche Hunderunden im Trockenen absolvieren. Das Wetterchaos sorgte allerdings für einige Straßensperrungen auf unserer geplanten Route.

Wir bleiben noch einen Tag in der Gegend und hoffen, dass die Straßen dann wieder befahrbar und die National- und sonstigen Parks wieder geöffnet sind. Unser nächstes Ziel ist der „Canyon de Chelly“, dessen Boden man nur in Begleitung eines Navajo betreten darf.

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Tanja und Gunnar
11 Monate zuvor

Trotz der Wetterunbeständigkeiten klingt es nach tollen Erlebnissen und die Bilder sind klasse. Liebe Grüsse

Uta
Uta
11 Monate zuvor

Monument Valley – einfach nur atemberaubend.

Eine Kollegin von mir in Utah hat Fotos geposted von den Schneemassen, die bei ihr runtergekommen sind. Heftig!

Thomas Burkhardt
Thomas Burkhardt
11 Monate zuvor

Na herrlich,
nicht zu toppen, gerade habe ich bedauert, das wir das Monument Valley bei unserer“Steinerunde“ ausgelassen haben!
Hier in Portugal ist es auch saukalt, geteiltes Leid….
Herzlichst Tom

Chris
Chris
11 Monate zuvor

Ihr Lieben,
wow, die Bilder sind (wie immer) mega und Euer Wetter wurde hier in den Nachrichten verbreitet….aber Ute hätte gerne 5l Wasser zum Waschen von Ingo rausrücken dürfen…für Uwe doch n´ Klacks 🙂
Weiter so und viel Spaß
Birgit&Chris

Kim K
Kim K
11 Monate zuvor

It’s so good to read your adventures! We spent one night camped on the site where we met you in Death Valley before moving on to another secluded spot in the park for our last night. 

Safe travels to you!  Jay & Kim

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