In Alberta und British Columbia sind wir in 8 Wochen, 4 Tagen, 7 Stunden und 4 Minuten 5.408 Km gefahren.

Mit einem letzten Blick auf das hübsche Hausbootviertel von Victoria verabschiedeten wir uns aus Kanada.

Unsere Route:

Dienstag, 20.06.2023

Das war einer der problemlosesten Grenzübergänge aller Zeiten. Ein US-Grenzbeamter kam in der Wartespur vor der Fähre zum Auto, unterhielt sich nett mit uns über Ingo und unsere Pläne, notierte das Kennzeichen auf einen Zettel, den wir vorher mit unseren Namen ausgefüllt hatten und bat uns ins Büro. Die Warteschlange hielt sich in Grenzen, alle anderen Passagiere waren Kanadier oder US Bürger und damit ging die Abwicklung schnell. Wir lieferten unsere Pässe und den Zettel ab, wurden nach ein paar Minuten wieder aufgerufen, nannten eine US-Adresse (in unserem Fall ein Campingplatz bei Seattle) und bekamen einen neuen Stempel in den Pass, für 6 Monate Aufenthalt – das war‘s 👍.

Nach der 1,5 stündigen Überfahrt verließen wir das Schiff und passierten den Zoll in Port Angeles. Auch dort alles kein Problem, die üblichen Fragen nach Obst, Gemüse, Fleisch, Alkohol und Bargeld, ein bisschen smalltalk über Ingo und wir konnten fahren. Wie immer interessierte sich niemand für Lui, der an Grenzen allerdings auch immer auf Tauchstation geht – als ob er es ahnen würde.

Wir legten einen kurzen Einkaufsstopp bei safeway ein, um Obst, Gemüse, Fleisch und Alkohol zu kaufen 😉 und nahmen bei der Gelegenheit noch den Discover Pass für Washington (state) mit.

Dieser Jahrespass für 32 $ berechtigt zur kostenlosen Nutzung von ganz vielen staatlichen Campgrounds und öffentlichem Land.

Für unseren ersten Stellplatz nützte er leider nichts, das ca. 1 Stunde entfernte Littleton Horsecamp kostete ganze 10 $ 🙂. Eigentlich ein Reitercamp, incl. Pferchen für die Tiere, ab 18.00 dürfen aber auch Nicht-Reiter die dann noch freien Plätze nutzen. Wir waren ganz alleine auf dem Gelände im Wald 😱, Lui freute sich über den Auslauf auf dem spannenden „Spielplatz“ und wir genossen die Ruhe.

Mittwoch, 21.06.2023 und Donnerstag, 22.06.2023

Auf lange Fahrtstrecken hatten wir keine Lust und nach ein paar erfolglosen Anläufen einen netten Stellplatz zu finden, landeten wir (im Wald…) auf dem Cottonwood Campground bei Forks. Hier kam der Discover Pass zum Einsatz und wir standen kostenlos auf dem kleinen und abgelegenen Platz am Hoh River.

Wir nutzten das überraschend gute Netz, blieben zwei Tage, beschäftigten uns u.a. mit unserer Steuererklärung und lauschten stundenlang dem laufenden Generator unseres Nachbarn. Wir werden es nie verstehen… Eigentlich ist man mitten in der Natur und in absoluter Ruhe…

Freitag, 23.06.2023

Irgendwie können nicht genug bekommen vom Wald 😉. Nachdem wir den Olympic Nationalpark bisher nur umkreist hatten, fuhren wir jetzt eine der wenigen Stichstraßen in den Park zum Hoh Rain Forest. Einer der wenigen gemäßigten Regenwälder der USA, ca. 39 Km2 groß, benannt nach den Hoh, einem dort lebenden indianischen Stamm und extrem niederschlagsreich. Wir hatten Glück mit dem Wetter, waren gegen 9.30 vor Ort und parkten Ingo auf einem der letzten „oversized“ Parkplätze. Die PKW Parkplätze waren voll, die Wanderwege damit auch, trotzdem gingen wir zwei Trails durch den zugegebenermaßen etwas anderen Regenwald als bisher. Die Bäume waren größer und das Moos vielleicht etwas üppiger, den zweiten Regenwald des Parks werden wir trotzdem auslassen.

Wir suchten uns einen Stellplatz in der Nähe und fanden einen ruhigen Pullout an einer nicht befahrenen Forststraße.

Auf dem Weg dorthin konnten wir zwei Streifenkäuze beobachten, die sich durch unsere Anwesenheit nicht im geringsten stören ließen. Hätten wir nicht einen bei der Anfahrt aufgeschreckt, wären uns die gut getarnten Vögel entgangen. Faszinierende Tiere, die bis zu 1 Kg schwer und bis zu 55 cm groß werden können.

Samstag, 24.06.2023

Raus aus dem Wald, ab an die Küste – zumindest vorübergehend. Der erste Abstecher unserer Reise an die Westküste der USA war der Ruby Beach im Küstenteil des zergliederten Olympic National Park. 

Ein landschaftlich toller Strand mit schwarzem Sand, dunklem Kies und Unmengen an Treibholz, das Ganze mit schwarzen Felsen als Kulisse. Wir waren zufällig bei Ebbe dort, kletterten mit hunderten anderen Menschen über fast weiße Baumstämme und genossen mal wieder Meeresluft. Die roten Kieselsteine, die dem Strand eigentlich seinen Namen geben, haben wir leider nicht entdeckt. 

Das war es dann aber auch erstmal mit Strand, wir bogen wieder ins Landesinnere ab und fanden mit dem sehr abgelegenen Coppermine Bottom Campground einen netten Stellplatz für den restlichen Tag und die Nacht. Wieder standen wir mit dem Discover Pass kostenlos, es gab kein Netz, wir waren im Wald und sahen keine Sonne – alles wie gehabt. Diesmal aber mit Zugang zum Clearwater River und leisem Flußgeplätscher im Hintergrund. Von den 11 Stellplätzen waren nur 4 belegt, sehr wenig für einen Samstag zu Beginn der Saison.

Das beeindruckendste waren aber drei ältere Herren, die sich seit über 70 Jahren einmal im Jahr auf dem Campingplatz treffen, auf dem sie schon als Kinder waren. Daumen hoch für so viel Traditionsbewusstsein!

Sonntag, 25.06.2023

Auf unserer weiteren Fahrt Richtung Süden machten wir einen kurzen Abstecher zum Lake Quinault, einem weiteren Zipfel des Olympic Nationalparks. Hätten wir geahnt wie unattraktiv der See ist (v.a. bei wolkenverhangenem Himmel…) hätten wir uns den Umweg gespart. Immerhin gab es große Bäume, die riesigen Fichten mit einem geschätzten Stammdurchmesser von 1,70 sind schon beeindruckend.

Vom Pazifik sahen wir auf dem weiteren Weg leider nicht besonders viel. Entweder er war hinter Büschen oder wir zu weit im Landesinneren oder es war Ebbe.

Wir gaben nicht auf und suchten uns einen Stellplatz mit Meerblick. Etwas oberhalb der Willapa Bay parkten wir Ingo am Rande einer Zufahrtsstraße zu einem Funkturm. Glück in mehrfacher Hinsicht, wir sahen Wasser, auf dem Funkturm nistete ein Seeadlerpaar (leider zu weit weg für unsere Kamera) und Lui freute sich über den Freilauf auf unzähligen Forststraßen. Die ganze Gegend war voll mit wilden Himbeeren und Brombeersträuchern, für beides waren wir ein bisschen zu früh.

Ganz nebenbei erfuhren wir auch noch wie der kommende Winter wird. Je nachdem wie die Farbverteilung des Woolly Bear aussieht wird der Winter mild oder hart. In diesem Fall sagte die Raupe des Pyrrharctica isabella Nachtfalters einen sehr kalten Winter voraus. Wäre der braune Streifen breiter gewesen, hätte die Sache anders ausgesehen 😉.

Montag, 26.06.2023

Wir entschieden uns für die landschaftlich abwechslungsreiche Strecke entlang der Shoalwater und Baker Bay in der Hoffnung auf ein bisschen Aussicht auf den Pazifik. Die Ebbe machte uns wieder einen Strich durch die Rechnung, Wasser gab es nicht viel. 

Ein Vorteil der Route war auf jeden Fall die Überquerung des Columbia River über eine ca. 6 Km Brücke nach Astoria. Damit waren wir in Oregon und der Dieselpreis lag umgerechnet bei 1 €/l, ungefähr 0,30 € weniger als in Washington. Bei getankten 300 l immerhin eine Ersparnis von 90 €. 

Da freut sich der Schwabe 😉. 

Kurze Zeit später verließen wir Oregon auch schon wieder, unser Ziel lag kurz vor dem Vulkan Mount St. Helens. Bei einem Ausbruch im Mai 1980 wurde ein Gebiet von 600 km2 verwüstet, die letzen Ausbrüche gab es 2004 und 2005. 

Nach einem ziemlich langen Fahrtag parkten wir auf dem Parkplatz am Stewart Dam, wanderten zum Aussichtspunkt über den Toutle River auf den wolkenverhangenen Mt. St. Helens und hofften, dass sich das „no camping“ Schild nur auf das Schutzgebiet und nicht den Parkplatz bezog…

Nebenbei fand Lui noch einen Ochsenfrosch, mit bis zu 15 cm Körperlänge eine der größten Froscharten weltweit. Kein Wunder, daß Lui einen Satz rückwärts gemacht hat – und ich die Kamera Uwe in die Hand gedrückt habe…

Der Stewart Dam dient zur Rückhaltung von Sedimenten, die ansonsten über den Toutle River in den Columbia River gelangen und ihn damit unschiffbar machen würden. 

Bei dem Ausbruch 1980 wurden mehr als 2,3 Billionen m3 an Sedimenten in den Toutle River geschwemmt. Noch immer sind geschätzt 750 Mio. m3 Sedimentgestein auf dem Berg, die nur darauf warten in den Fluß gespült zu werden. 

Nach dem Ausbruch wurden bis 1987 ungefähr 110 Mio. m3 an Material aus dem Fluß gebaggert, genug um eine 30 cm dicke, 12-spurige Autobahn von New York nach San Francisco zu bauen. 

Beeindruckende Zahlen. 

Dienstag, 27.06.2023

Im Visitor Center erfuhren wir, dass die Nord-Süd Verbindung auf der Ostseite wegen eines Erdrutsches gesperrt war. Damit hatten wir uns in eine Sackgasse manövriert und mussten einen ziemlichen Umweg fahren, um zu unserem eigentlichen Ziel, dem Lava Canyon zu kommen. 

Eigentlich nicht schlimm, blöd war nur, daß wir damit wieder am Ende einer ca. 70 km langen Sackgasse standen. Die Aussicht auf Mt. St. Helens war es aber schon einmal wert, was der Lava Canyon zu bieten hat wird sich am Mittwoch zeigen. 

Kurz vor dem Parkplatz für den Canyon suchten wir uns einen Stellplatz 150 m abseits der so gut wie gar nicht befahrenen Straße, starteten zur Hunderunde – und landeten im Schnee… Das hätten wir so nicht erwartet, v.a. nicht auf nur 870 m. Lui hatte auf jeden Fall seinen Spaß, auch wenn unser kleiner Jäger wegen dem zahlreichen Wild nicht von der Leine durfte. 

Mittwoch, 28.06.2023

Relativ früh waren wir am Parkplatz für den Rundweg entlang des Lava Canyon, der dann aber kein Rundweg war. Die Hängebrücke am Scheitelpunkt war wegen Reparaturarbeiten gesperrt, was ich persönlich nicht so schlimm fand, ich habe lieber festen Boden unter den Füßen…

Gute Aussichten in den Canyon gab es sowieso kaum, trotzdem war es eine schöne Wanderung durch das Lavagestein und v.a. endlich wieder mit Wasserfall…

Den nächsten Stopp machten wir am Two Forest Trail, einem kurzen Weg entlang 2000 Jahre alter Löcher und einem 10 m langen unterirdischen Kriechgang. Beides entstand durch verglühende Baumstämme im Lavastrom oder Lavapools hinter zusammengeschobenen Baumstämmen. Der ursprüngliche Wald ist mit neuen Bäumen bewachsen, „Two Forest“ macht hier richtig Sinn 🤓. 

Den Tunnel auf allen Vieren zu durchqueren sparten wir uns, wir hatten keine Lampe dabei 😉. 

Wieder fanden wir einen Stellplatz im National Forest, diesmal etwas dichter an der Straße, auf der bis zum Abend aber nur eine Handvoll Autos fuhren. 

Das Ganze fand auf asphaltierten !! Straßen statt, die solche „Bumps“ und Löcher hatten, dass im Kühlschrank der Deckel der Hummusverpackung wegflog. Das hatten bisher noch nicht einmal die miesesten Schotterpisten geschafft…

Donnerstag, 29.06.2023

Normalerweise wären wir niemals auf diesen Campingplatz gefahren, aber wir benötigten einen Platz mit guter Infrastruktur, um Ingo für die 3-wöchige Einlagerung klar zu machen. Am Montag, 03.07. geht unser Flug ab Seattle, am Dienstag, 04.07. ist Unabhängigkeitstag in den USA. Einer DER Feiertage und v.a. ein langes Wochenende. Schon seit Wochen waren alle halbwegs akzeptablen Campingplätze in einem Radius von über 150 Km rund um Seattle ausgebucht. 

Wir hatten noch Glück einen Platz für 3 Nächte auf dem „Thousand Trails Campground“ bei Chehalis bekommen zu haben. Über 100 km südlich der Stadt, zwar schön gelegen, aber eng, voll, in die Jahre gekommen und teuer. Ein paar schöne Ecken und eine große (und v.a. leere) Hundewiese gab es trotzdem, wir fanden auf dem riesigen Gelände eine ziemlich leere Stellplatz-Schleife und machten das Beste daraus.

Die nächsten Tage werden wir hauptsächlich mit Packen und Kühlschrank leer essen zubringen, Sonntag kommt Ingo in sein Zwischenlager, wir verbringen noch eine Nacht in einem Hotel in Flughafennähe, bevor wir Montag Nachmittag in den Flieger steigen. 

Am 25.07. sind wir zurück, bis dahin wird es hier nichts von uns zu lesen geben. 

Bis bald 🤗🤗

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Brigitte Schoch
Brigitte Schoch
9 Monate zuvor

Wir wünschen Euch einen guten Aufenthalt in der Heimat.

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