Von den Einheimischen nur „La Ciudad“ genannt liegt México City mit ca. 22,3 Mio Einwohnern (Stand 2023) auf Platz 6 der größten Städte der Welt.

Montag, 19.02.2024

Ingo stand gut behütet in Teotihuacán und wir machten uns mit Uber auf den ca. 1 stündigen Weg in die Megacity. Für die nächsten vier Tage hatten wir uns über AirBnB eine Wohnung im Centro Historico, dem historischen Zentrum gemietet. Der Blick aus dem Fenster war alles andere als hübsch, dafür gab es eine tolle Gemeinschafts-Dachterrasse, wir waren in 5 Minuten zu Fuß mitten in der Stadt und v.a. war es nachts überraschend ruhig.

In CDMX sind fast überall Geschäfte zu einem Thema in ein paar Straßenzügen zusammengefasst. Wir wohnten im Foto- bzw. Druckviertel direkt neben den Goldgeschäften und den Brautmoden Läden auf der anderen Seite.

Selbst nach Ladenschluss erkennt man, was verkauft wird.

Nur ein paar Blocks von unserer Wohnung entfernt lag der zentrale Platz vom Mexiko-Stadt, die Plaza de la Constitución (Platz der Verfassung“), auch Zócalo (der Sockel) genannt.

Der Zócalo von Mexiko-Stadt gehört zu den größten und bekanntesten Stadtplätzen der Welt. Gemessen zwischen den ihn begrenzenden Gebäudekanten betragen seine Ausmaße etwa 235 m in Ost-West- und 215 m in Nord-Süd-Richtung. Der Platz bildet nicht nur das Zentrum der Stadtregion mit über 20 Millionen Einwohnern, sondern er stellt das Zentrum der nationalen Identität des ganzen Landes dar.

Zur Entstehung des Namens Zócalo gibt es mehrere Legenden. Die gängigste besagt, dass nach Beginn des Unabhängigkeitskrieges Méxicos gegen Spanien (1815) der Sockel alles war, was von der bis dahin den Platz beherrschenden Statue des verhassten spanischen Königs Karl IV. übrig blieb.

Am Zócalo befinden sich einige der wichtigsten Institutionen des Landes, darunter der Sitz des Präsidenten im Palacio Nacional (1792), die Kathedrale von Mexiko-Stadt (Catedral Metropolitana, (1573–1667, die größte Kathedrale des Landes) und das Rathaus (Palacio Municipal (1720, Sitz des Gouverneurs des Bundesbezirks und des Stadtparlaments).

An unserem ersten Tag in der Stadt ließen wir uns ein bisschen treiben, nahmen die Atmosphäre in uns auf und erkundeten nur die nähere Umgebung.

Dienstag, 20.02.2024

Am zweiten Tag gingen wir sehr viel strukturierter vor und fuhren zunächst für umgerechnet 25 Cent/Person mit der Metro bis zum Museo Nacional de Antropologia. Ca. 3 Stunden incl. Pause verbrachten wir im bedeutendsten Anthropologischen Museum des Landes und waren am Ende etwas erschlagen von der Größe und der Vielfalt. 79.700 m2 Ausstellungsfläche auf 44.000 m2 überbauter Fläche plus 35.700 m2 Außenanlagen wollen erstmal erlaufen sein…

Das wichtigstes Ausstellungsstück ist der 24 t schwere Stein der Sonne (Piedra del Sol), der 1790 im Bereich des Haupttempels von Tenochitlán in México City gefunden wurde. Die Funktion des 1,20 m dicken und 3,60 m breiten Basaltsteins ist umstritten. Auf jeden Fall standen wir nicht alleine davor…

Als archäologische „Volldeppen“ waren wir mit dem Museum etwas überfordert und beschränkten uns auf „gefällt mir“ oder „gefällt mit nicht“. Zumal die Exponate fast ausschließlich in spanisch beschriftet und erklärt sind – ein bisschen schwach für ein Museum dieser Bedeutung fanden wir.

Zur Erholung gingen wir im Anschluß ein Stück zu Fuß durch Bosque de Chapultepec, mit 4 km2 die größte Grünfläche der Stadt, zum Museo Nacional de Historia Castillo de Chapultepec. Chapultepec ist Náhuatl (aztekisch) und bedeutet Berg der Heuschrecke. Und genau um den Berg ging es uns in erster Linie, wir wollten den Blick auf die Stadt genießen. Der Hügel war ein heiliger Ort für die Azteken und die Gebäude auf ihm dienten im Laufe ihrer Geschichte mehreren Zwecken, darunter als Militärakademie, Kaiserresidenz, Präsidentenresidenz, Observatorium und seit Februar 1939 als nationales Geschichtsmuseum. Für uns ein lohnender Aufstieg, die Aussicht von dem wunderschönen Dachgarten war toll und die Gebäude liebevoll restauriert.

Leider war die nächstgelegene Metrostation eine Baustelle, wir mussten auf „Schienenersatzverkehr” umsteigen 🤪. Mit Hilfe von ein paar super netten Einheimischen meisterten wir aber auch das und erreichten per vollem und stickigem Bus das Regina-Viertel. Die Kneipengegend erinnerte uns sehr an die Hamburger Schanze, uns war es nach dem anstrengenden Tag zu laut und wir suchten nach einer kurzen Kaffeepause das Weite.

Nach ein bisschen „Füße hochlegen“ in unserer Wohnung machten wir uns Abends auf den kurzen Weg zum Plaza Garibaldi. Der Platz ist Treffpunkt für die typisch méxicanischen Mariachi Bands und davon abgesehen ein riesengroßer Touristennepp. Die Jungs wollen 200 Pesos (ca. 10 €) für ein Lied und der Platz ist gesäumt mit teuren Bars. Unter Woche ist nicht besonders viel los, uns war das Ganze trotzdem zu touristisch und wir gingen zum Essen in die angrenzende Markthalle, wo wir tatsächlich die einzigen Ausländer in einem sehr „authentischen“ Ambiente waren.

Mittwoch, 21.02.2024

Und nochmal Plaza Garibaldi, dieses Mal bei Tageslicht. Zwar keine Mariachi Bands, aber dafür Ruhe, um den Platz genauer anzuschauen und tatsächlich mit dem überall vorhandenen Stadt-Wifi einige der Künstler auf Spotify zu finden 👍.

Über den Plaza de Mayo gingen wir zurück zum Zócalo, unser Ziel war der dortige Traditions-Hutmacher Tardan.

Endlich fand Uwe Ersatz für seinen lädierten Meyser-Panama-Strohhut aus Deutschland, das gute Stück war den Reisestrapazen nicht gewachsen. Mal sehen, wie lange der méxicanische Nachfolger durchhält, das Unternehmen gibt es immerhin seit über 200 Jahren.

So schick behütet ging es in die Lobby des um die Ecke liegenden Gran Hotel. Das Gebäude wurde 1899 als wichtigstes Kaufhaus Lateinamerika eröffnet, pünktlich für die Olympischen Spiele 1968 wurde es zum Hotel. Die Jugendstilarchitektur und die tolle Tiffanydecke sind beeindruckend, wir blieben trotzdem in unserem AirBnB…

Wir setzten unseren Stadtspaziergang im sehr chinesisch aussehenden Chinatown fort. Alles nett gemacht, bunte Schirmchen über der Straße, viel Gold und Rot, aber kein einziger Chinese… Das Ganze wirkte wie eine Filmkulisse für Touristen.


Quer über die Straße liegt der Palacio de Bellas Artes (Palast der Schönen Künste), der als wichtigste kulturelle Einrichtung des Landes gilt. Erbaut wurde der Palast zwischen 1904 und 1934, 1987 wurde er von der UNESCO zum Kunstmonument erklärt. Geht man in das Gebäude hinein, um sich den Rausch aus rotem und schwarzem Marmor anzusehen, kommt man nicht weit ohne Eintritt zu bezahlen. Wir begnügten uns mit dem kostenlosen Blick nach oben, auf die nähere Betrachtung der Wandgemälde von u.a. Diego Rivera in den oberen Stockwerken verzichteten wir.

Weiter ging es zum Torre Latino. Von der Aussichtsplattform im 44. Stock hat man eine tolle Rundumsicht über die endlos erscheinende Stadt. Im wahrsten Sinne des Wortes getrübt wurde das Ganze allerdings durch den allgegenwärtigen Smog und die Tatsache, daß man ohne zusätzliches Foto-Ticket nur ohne Teleobjektiv fotografieren durfte – und die Jungs passten auf…

Ein gutes Stück weiter südlich liegt der Mercado de Artesanías de La Ciudadela, ein Markt in riesigen Hallen mit mehr oder weniger touristischem „Kunsthandwerk“. Kaufen kann man dort eigentlich nichts (wie auf allen Märkten dieser Art), schön für das Auge war es trotzdem.

Danach reichte es uns mit zu Fuß gehen. Wir fuhren mit Uber quer durch die Stadt zum Museo de Arte Moderno und bezahlten den voller Eintritt, obwohl nur zwei Fotoausstellungen, zwei kleine Säle und der Garten geöffnet waren, der gesamte erste Stock des Hauptgebäudes war nicht zugänglich. Eine der Fotoausstellungen war aber ganz interessant und beschäftigte sich mit moderner méxicanischer Architektur.

Vielleicht schlecht recherchiert oder vorbereitet, aber immerhin waren „Die zwei Fridas“ zu sehen, unser Hauptgrund für den Besuch des Museums. Das doppelte Selbstporträt ist das wohl bekannteste Gemälde Frida Kahlos. Das 1939 gemalte Bild ist „ein Porträt von Liebe, Herzschmerz und Dualität“ (soweit Wikipedia).

Wir verließen das Museum, schauten uns noch Teile einer vorbeifahrenden Wallfahrt an, die zur Basilika de Guadalupe ging und aus geschmückten Autos in Begleitung von Fahrrädern bestand, bestellten uns den nächsten Uber und fuhren zurück in die Wohnung. Pause – ab auf‘s Sofa !

Den Abend ließen wir im sehr schrägen Café Blanca bei uns um die Ecke ausklingen. Das Lokal wirkte, als ob es in den 50er Jahren als Kantine konzipiert worden wäre und seitdem niemand einen einzigen Peso in die Modernisierung gesteckt hätte. Das Essen war aber lecker und der Service ausgesprochen nett 👍.

Donnerstag, 22.02.2024

Wir starteten Tag mit einem Blick in den Palacio Postal, die 1907 im italienischen Stil erbaute Hauptpost. Der goldener Palast wirkt wie alles mögliche, nur nicht wie eine Post.

Es folgte eine lange Fahrt mit der überfüllten Metro zur Universität im Stadtteil Coyoacán. Die Uni von CDMX strotzt vor Superlativen: die größte Lateinamerikas, über 360.000 Studenten, mehr als 39.000 Lehrkräfte, die zweitälteste auf amerikanischem Boden. Gegründet wurde sie 1551, seit 2007 ist der gesamte Campus UNESCO Weltkulturerbe. Auf uns wirkte das Areal insgesamt ziemlich vergammelt und teilweise heruntergekommen. Eigentlich waren wir aber auch nur wegen der Fassade der Biblioteca Central (Zentral Bibliothek) dort. Die Wandmosaiken von Juan O’Gorman zeigen eine „historische Darstellung der Kultur Méxicos“.

Das bemerkenswerteste war aber, dass das Unigelände das erste in México City war, was wir betreten konnten, ohne mindestens einen Polizisten oder Security Mitarbeiter zu passieren. Kein Café, Restaurant oder Laden ohne Wachmenschen vor der Tür, von Straßen und Kreuzungen ganz zu schweigen. Eine der Straßen in der Nähe unserer Wohnung wirkte teilweise wie der Sammelpunkt für einen kurz bevorstehenden Bürgerkrieg. Sehr befremdlich…

Wir blieben noch etwas im angesagten Künstler- und Szeneviertel Coyoacán (Náhuatl für Platz der Kojoten). Der Stadtteil besticht durch viel Grün, Cafés, Kneipen und trotz vieler Touristen einer entspannten Atmosphäre. Wir haben dort weder das zeitweilige Wohnhaus von Leo Trotzki noch das von Frida Kahlo incl. Museum besichtigt. Von Museen hatten wir erstmal genug und wir zählen auch nicht unbedingt zu Frida Kahlo Fans (was man in México eigentlich gar nicht laut sagen darf 😉).

Die zentralen Plätze Plaza Hidalgo und Jardin Centenario liegen direkt nebeneinander und haben mit der Klosterkirche Parroquia de San Juan Bautista einen der Touristen-Hotspots des Viertels. So renovierungsbedürtig die Kirche von außen wirkt, so beeindruckend ist sie von innen.

Auch an diesem Tag sind wir viel Bahn gefahren, kilometerweit zu Fuß gegangen, es war laut und anstrengend, die Innenstadt proppenvoll und man konnte den Eindruck bekommen, auf einen Zivilisten kommt ein Polizist. Trotzdem ein toller Tag in einer faszinierenden Stadt.

Am Abend blieben wir wieder in der Nähe der Wohnung und gingen in das Restaurant des Hotel Catedral, wo es für Uwe Schweinshaxe auf mexikanisch mit Guacamole, Tortillas und Bohnenpüree gab 😎.

Freitag, 23.02.2024

Erneut frühstückten wir in einer dieser Mega-Bäckereien, wo man vor lauter Bäumen den Wald nicht sieht. Die Auswahl an süßem Gebäck ist einfach unfassbar und das Einkaufssystem macht es nicht einfacher. Man nimmt sich ein riesiges Tablett und eine Zange, geht an den Regalen entlang – und kauft immer mehr als man eigentlich vorhatte. Bei einem durchschnittlichen Preis von umgerechnet 50 Cent/Stück aber nicht weiter schlimm und lecker ist eigentlich alles.

Wir waren wieder reif für ein Museum. Das Museo de Arte Popular macht es einem aber auch sehr einfach. Selten haben wir ein so abwechslungsreiches, buntes und damit kurzweiliges Museum gesehen. Der Besuch hat einfach Spaß gemacht !

Unser letztes Ziel in México City war das Monumento a la Revolución. Das 1938 fertiggestellte Denkmal erinnert an die méxicanische Revolution und ist eines der symbolträchtigsten Monumente der Stadt.

Für uns ging es zu Fuß zurück durch die immer voller werdende Stadt, das nahende Wochenende machte sich bemerkbar.

Auch bei den Uber-Preisen merkte man, das Freitag Nachmittag war, die Fahrt zu Ingo kostete fast das Doppelte wie am Montag Vormittag stadteinwärts…

Damit endete unser Aufenthalt in der „versinkenden Stadt“. CDMX wurde auf einem See gebaut, der im Laufe der Zeit zu Schlamm geworden ist und sich immer weiter verdichtet. Je nach Stadtteil sackt der Boden um bis zu 30 cm/Jahr ab, was an vielen Gebäuden deutlich sichtbar ist.

Abgesehen von den dadurch entstehenden Gebäudeschäden hat die Stadt ein massives Trinkwasserproblem, es besteht ständige Erdbebengefahr, zwei Vulkane sind um die Ecke und die Kriminalität ist im Durchschnitt extrem hoch.

Unsere Wohnung lag nur sieben Straßen von Tepito entfernt, dem „Barrio Bravo“ (das wilde Viertel), angeblich der gefährlichste Stadtteil von Mexiko Stadt. Dort bekommt man von Waffen über Drogen bis zu Auftragskillern alles, was das Herz begehrt, die Straßenkriminalität bricht alle Rekorde, Morde sind keine Seltenheit. Erfahren haben wir das nur zufällig am vorletzten Tag, es machte für uns aber keinen Unterschied.

Wir haben uns zu jeder Zeit sicher gefühlt und trafen wie überall in México immer auf freundliche Menschen. Was man als Durchschnittsbesucher zu sehen bekommt, ist größtenteils wirklich schön und faszinierend, uns haben die Stadt und ihre Atmosphäre gut gefallen, wir empfanden sie aber auch als voll und oft anstrengend. Noch einmal würden wir sie nicht besuchen, sind aber über unseren kurzen Aufenthalt sehr glücklich !

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Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
1 Monat zuvor

Wunderbar, so schön zusammengefasst und wir fühlten uns „nochmal dabei“. Danke schön.

HGL
HGL
1 Monat zuvor

Wieder mal ein schöner Bericht! Danke Euch, dass ihr das immer so gewissenhaft und vor allem dauerhaft macht!! Irgendwie fühlt man sich, als ob man mit Euch durch die Stadt geht!!!
👍🏻🙋🏻‍♂️

Chris
Chris
1 Monat zuvor

Moin Ihr Lieben,
das Kulturelle kommt hier nicht zu kurz, ich habe gerade einen Overload…unglaublich was man durch Euch alles kennenlernt 👍
Danke für die liebe Mail, wir sind gespannt…die beiden(drei) richten gerade ihr Haus im Moormerland ein. Ansonsten kalt, nass, ungemütlich.
LG
Birgit&Chris

Team Max.Exmo 😉
Team Max.Exmo 😉
1 Monat zuvor

Hola ihr 2! vielen Dank für den interessanten Einblick in CDMX. Wir sind ja auch deutlich (!) mehr Typ Natur als Typ Stadt, die Idee, den LKW außerhalb stehen zu lassen und sich ein kleines BnB zu suchen, klingt nachahmungswert. Ich ( Steffie ) interessiere mich tatsächlich schon seit vielen Jahren für das Leben von Frida und da gibt es in Mexico City ja auch einiges zu sehen. Schauen wir mal… Zu gegebener Zeit werden wir uns da vielleicht ja noch mal den einen oder anderen Tipp ( sicherer Stellplatz außerhalb, BnB ) bei euch abholen. Jetzt aber wünschen wir… Weiterlesen »

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