Was für eine unkomplizierte Einreise. Zwar gab es auf 20 Km verstreut drei Anlaufstationen, in Summe hat aber alles nur ungefähr eine Stunde gedauert. 

Unsere Route:

Montag, 04.12.2023

Nachdem wir am Sonntag als letzte Aktion in den USA bei einem urgent care waren, um mir Medikamente für meine akute Entzündung verschreiben zu lassen, verbrachten wir die letzte Nacht auf einem staatlichen Campingplatz in Grenznähe. 

Gut ausgestattet mit Antibiotika starteten wir am nächsten Morgen zu dem innerstädtischen Grenzübergang in Nogales – und durften auf der amerikanische Seite gleich wieder umdrehen. Keine Camper ! OK, also ein paar Kilometer zurück zu dem weiter westlich gelegenen Übergang. Das Verlassen der USA ging wie immer spurlos an uns vorbei, kein Mensch wollte irgendetwas von uns. Ungefähr 10 Kilometer weiter kam dann die Fahrzeuginspektion auf mexikanischer Seite. Ein kurzer Blick in die Pässe und Abgleich der Fahrgestellnummer, das war‘s. Kein Check des Kühlschranks oder sonstigem Inhalt – willkommen in México !

Um unseren unkontrollierten Kühlschrank wieder aufzufüllen, steuerten wir zunächst einen Supermarkt in Nogales an und besorgten uns im Telcel Kundencenter auch gleich eine SIM Karte für México. 

Ungefähr 10 Kilometer südlich der Stadt kam dann in einer Ansammlung von Containern, Wechselstuben und Imbissbuden Schritt 3 der Einreise nach México. 

Das für uns benötigte FMM (Touristenvisum) bekamen wir nach 10 Minuten von einer sehr netten Dame überreicht, ausgestellt auf 180 Tage. Das TIP (vorübergehende Einfuhrgenehmigung) für Ingo dauerte etwas länger, wir hatten „das Glück“ an den Lehrling zu geraten. Wir beschäftigten die Auszubildende, zwei bis drei Aufpasserinnen, zeitweise den Chef und den Google Übersetzer, aber nach gut 45 Minuten hatten wir das Papier in den Händen und Ingo darf 10 Jahre im Land bleiben. 

Unser erster Übernachtungsplatz bei Magdalena de Kino war mit Abstand das Lauteste, was wir seit Monaten erlebt hatten. Der Punta Vista RV Park lag direkt an der Hauptstraße, mitten im Ort und gefühlt im Epizentrum bellender Hundebanden. Die Betreiberin war aber super herzlich, das Wifi funktionierte, es gab Trinkwasser und schwäbische Stellplatz-Nachbarn, was will man mehr 😉. Zumal es eigentlich keine Alternativen in der Gegend gab…

Dienstag, 05.12.2023

Wie verabredet steuerten wir Norden Camiones in Hermosillo an. In der nördlichsten MAN Vertragswerkstatt auf dem amerikanischen Kontinent wurden wir sehr freundlich empfangen, Ingo bekam die gründlichste Wäsche seit der Fahrzeugübernahme und wir einen Übernachtungsplatz auf dem Werksgelände. 

Zwischendurch fuhren wir nochmal zum Einkaufen und hatten das Glück, dass direkt neben einem „LKW verboten“ Schild die Polizei parkte und wir uns so die offizielle Genehmigung zum Befahren der für uns verbotenen 2-spurigen Straße ohne Wendemöglichkeit holen konnten…

Mittwoch, 06.12.2023

Nach einer erwartungsgemäß ziemlich lauten Nacht kümmerten sich ganz viele sehr sehr nette Leute um Ingo. Neben den normalen Servicearbeiten ließen wir noch die Räder durchtauschen, den Anlasser checken und nahmen ein paar Ersatzteile mit.

Unsere nagelneuen aus Deutschland mitgebrachten Außenspiegel ließen sich seit der Montage durch uns vor ein paar Wochen weder elektrisch verstellen noch beheizen. Leider stellte sich heraus, dass es an den Teilen und nicht an unserer Unfähigkeit lag. Also weiter manuell verstellen und nicht heizen – wir fahren ja auch eher in wärmere Gegenden. Insgesamt ein sehr angenehmer Aufenthalt !

Für die zweite Nacht zogen wir in die letzte Ecke des riesigen Geländes um und verbrachten eine vergleichsweise ruhige Nacht.
Vielen Dank für die freundliche Aufnahme, den guten Service und die Gastfreundschaft !

Donnerstag, 07.12.2023

Wir verabschiedeten uns von den Eigentümern von NORDEN Camiones (u.a. MAN), den Brüdern David und Miguel, sowie Julio, dem Werkstattleiter und machten uns auf den Weg Richtung Süden.

lks. David, r. Julio

Nach 130 Km erreichten wir bei San Carlos die Bucht Bahia Delfin, ein schöner Strandabschnitt mit Bergen im Hintergrund und ein paar malerischen Lagunen. Seit einer gefühlten Ewigkeit standen wir mal wieder am Strand.

Trotz der Bausünde zur Rechten und der eingezäunten Winterquartier-Siedlung zur Linken eine hübsche Gegend.

Wir trafen auch wieder auf Steffi und Robert, die schon in Santa Ana unsere Nachbarn waren, hatten einen netten Abend mit den beiden und den „Nachbarn“ ein kleines Stück weiter.

Freitag, 08.12.2023

Unser Ziel war Álamos, ein Pueblo Mágico ca. 280 Km weiter südlich im Landesinneren (ein Pueblo Mágico ist eine Ortschaft, die wegen ihres typischen und gepflegten Charakters als besonders sehenswert ausgezeichnet wurde). Die Fahrt war lang, langweilig, wir standen 1/2 Stunde im Stau und diskutierten an jeder Mautstelle erneut, ob wir ein LkW oder ein Wohnmobil und damit ein Auto sind. Insgesamt bezahlten wir für 220 Autobahnkilometer umgerechnet 28,70 €, davon alleine 21 € für eine 25 Km lange Stadtumgehung bei Ciudad Obregón, die einzige Mautstelle, an der eine Diskussion nicht half, wir bezahlten den teuren LkW Tarif…

Staubig hier…

Kurz vor Álamos hielten wir an einer Tankstelle und fragten nach dem besten Weg durch die verwinkelte Stadt zu unserem Campingplatz am anderen Ende des Ortes. Gott sei Dank hatten wir gefragt und zum Glück kam gerade ein netter Mensch auf seinem Moped vorbei, der uns bis vor die Haustür vorausfuhr. Niemals hätten wir diese Strecke gefunden, wir hätten uns gnadenlos festgefahren und wahrscheinlich mindestens 5 Stromkabel abgerissen…

Die Rancho Acosta am Ortsrand war zwar alles andere als für große Fahrzeuge geeignet, aber sehr gepflegt, hübsch und trotz Wochenende verhältnismäßig leise.

Samstag, 09.12.2023 bis Mittwoch, 13.12.2023

Eigentlich wollten wir nur bis Sonntag bleiben, erfuhren aber zufällig, dass am 12.12. der höchste religiöse Feiertag Mexikos ist, mit Prozessionen in jeder Stadt. Wir wollten den „Día de Nuestra Señora de Guadalupe“ nicht auf der Autobahn zubringen und beschlossen bis Mittwoch zu bleiben. Die Tage nutzen wir für gemütliche Spaziergänge durch den hübschen Ort, Abends (und teilweise Nachts) lauschten wir mehr oder weniger lauter mexikanischer Musik aus allen Richtungen und genossen ansonsten die diesmal freiwillige Reisepause.

Zwischendurch bestiegen wir bei 30°C den immerhin ca. 150 m über der Stadt liegenden Aussichtspunkt, von dem aus man einen tollen Blick auf die vielen Kolonialbauten mit ihren Innenhöfen hat.

Der „Día de Nuestra Señora de Guadalupe“ (Tag Unserer Lieben Frau von Guadalupe) kündigt sich durch zehntägige Feierlichkeiten im gesamten Land an, die am Tag von Mexikos Schutzheiliger in einer Prozession gipfeln. Jedes Jahr am 12. Dezember feiern die mexikanischen Katholiken den Festtag Unserer Lieben Frau von Guadalupe, den Tag an dem im Jahr 1531 Maria dem indigenen Bauern Juan Diego zum letzten Mal erschien. (Genauere Infos s. Wikipedia)

In Álamos war außer den vorher stattfindenden Fiestas von all dem relativ wenig zu bemerken. Sämtliche Geschäfte im Ort hatten den ganzen Tag geöffnet, alles lief seinen normalen Gang und die eigentliche Prozession war mehr als überschaubar.

Dafür fünf Tage hier zu bleiben hatte sich definitiv nicht gelohnt, aber wer weiß das schon vorher…

Dafür hatten wir eine neue Freundin gewonnen. Eine nette Hundedame hatte es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, unseren Schlaf zu bewachen, auf Ingo aufzupassen und uns in die Stadt zu begleiten.

Mittwoch, 13.12.2023

Es standen uns zwei anstrengende Fahrtage ohne nennenswerte Zwischenstopps bevor. Der Bundesstaat Sinaloa, den wir auf dem Weg in den Süden durchqueren mussten, gilt als extrem gefährlich, man sollte sich nur tagsüber bewegen und Stopps für Übernachtungen ausschließlich an bewachten Orten einlegen. Und das war ausnahmsweise nicht nur die Meinung des Auswärtigen Amtes (das ja gefühlt sowieso schnell dabei ist mit Warnungen), sondern auch die von Einheimischen, mit denen wir gesprochen hatten. Leider ist der Staat zu groß, um ihn in einem Rutsch zu durchqueren, wir steuerten also unsere geplante Zwischenübernachtung in Los Mochis an einer eingezäunten Chevron Tankstelle an.

Vorher stoppten wir noch an einem großen Einkaufscenter, um unsere Lebensmittelvorräte in einem riesigen Supermarkt wieder aufzufüllen. Eigentlich alles super, die Fahrt dorthin war kurz und übersichtlich und das Parken kein Problem – leider hatten wir aber im Anschluß mal wieder Kontakt mit der mexikanischen Polizei. In einem Kreisverkehr winkte uns ein Motorradpolizist auf die Seite und erklärte mit Hilfe von Google Übersetzer auf Deutsch, dass wir (nicht sichtbare !) Fahrspuren überfahren hätten. Es ist irgendwie immer das Gleiche in mexikanischen Städten, man hat das Gefühl, die Herren sitzen irgendwo, warten auf Touristen, denken sich etwas halbwegs passendes aus und kassieren. So auch hier… Entweder 1.500 $ (ca. 80 €) sofort in Bar oder Führerschein weg und am nächsten Tag auf der Wache (natürlich mehr) bezahlen. Wenigstens war er nett und freundlich, steckte das Geld auch nicht sofort ein und erklärte uns den Weg zur Autobahn 🤷🏻‍♀️. Abgesehen davon hatte er wirklich unglaublich blank polierte Stiefel – und das bei den staubigen Straßen… Chapeau 😉.

Der Security Mitarbeiter an der Tankstelle brachte uns in die vermeintlich leiseste Ecke des riesigen Parkplatzes, freute sich über ein kleines Trinkgeld und wir lauschten den restlichen Abend laufenden Motoren und Aggregaten. Dafür hörte man aber nichts von der Autobahn, die LKW übertönten alles andere…

Donnerstag, 14.12.2023

Die Nacht war erstaunlich leise, ab ca. 22.00 war kaum noch LKW Verkehr auf dem Parkplatz, auch die Profis vermeiden offensichtlich Nachtfahrten. Dafür starteten die ersten Motoren gegen 5.00, aber wir wollten ja sowieso früh los. Es standen uns 400 Km durch eine relativ langweilige Landschaft bevor, unterbrochen nur von insgesamt 6 Mautstationen. In Summe kostete der Spaß umgerechnet 34 € – stolzer Preis für eine zum größten Teil wirklich miese Straße.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Mazatlán. Wir wollten uns mit Reisebekannten auf einem RV Park treffen, um die aus Álamos mitgebrachte Guayaba-Marmelade zu überbringen um die sie uns gebeten hatten. Hätten wir diese Verabredung nicht gehabt, wären wir niemals auf dem „Las Jaibas Trailer Park“ geblieben. Direkt an einer 4-spurigen Straße, eine Baustelle mit lauter Musikbeschallung zur Untermalung der klassischen Baugeräusche nebenan und das Ganze mit dem Charme eines Parkplatzes.

Der kurze Ausflug zum Strand und in die nähere Umgebung machte es irgendwie auch nicht besser, solche Touristen Hochburgen sind einfach nicht unsere Welt.

Für uns geht es morgen weiter ins Landesinnere, unser nächstes Ziel ist Durango, wo wir die Weihnachtstage verbringen wollen.

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Thomas Burkhardt
Thomas Burkhardt
7 Monate zuvor

Respekt, was ihr so auf Euch nehmt um die Welt zu erfahren und wieder einmal Dankeschön für Deine ehrlichen Berichte ohne Schönfärberei!

Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
7 Monate zuvor

Hola, wir drücken die Daumen, dass die restliche Reise nur Maut für PKW berechnet wird, kein Polizist mehr mit Geldforderungen auf Euch wartet und ihr nur noch schöne leise Plätze findet. Danke für den netten Bericht. Schade, dass wir dieses Weihnachten ohne Euch verbringen müssen.
Feliz Navidad Tanja und Gunnar

Adventures of ReMa
Adventures of ReMa
7 Monate zuvor

Schön das ihr jetzt auch im Lande seid. Haben schon auf euren Bericht gewartet. Weiterhin eine gute Zeit, auf jeden Fall Pannen und Unfallfrei. Schöne Feiertage. Fühlt euch ganz feste gedrückt

Chris
Chris
7 Monate zuvor

Hola viajeros,
zum Jahresausklang die besten Wünsche auf all´ Euren Wegen.
Uns spuckt leider Corona in die Weihnachtsuppe, in diesem Jahr lassen wir nix aus….
Haben die MAN-Helden sich auch um den Faltenbalg gekümmert?
Feliz Navidad
Birgit&Chris

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