Die runden Stufenpyramiden von Guachimontones sind weltweit fast einmalig, ca. 2.000 Jahre alt und geben den Archäologen Rätsel auf.

Unsere Route:

Montag, 15.01.2024

Das war mal wieder ein klassisches Beispiel für schlechte Planung. Die Idee war, die neben unserem Stellplatz liegende Ausgrabungsstätte mit angegliedertem Museum zu besuchen. Dummerweise hatten wir die Öffnungszeiten nicht berücksichtigt, Montags geschlossen. Es blieb uns nur der 2,5 Km lange „Spaziergang“, 180 Hm bergauf zum sog. Mirador mit angegliedertem Restaurant. An dem Aussichtspunkt angekommen bezahlten wir 20 Pesos/Person Eintritt, traten an die Kante – und sahen eine halbe Pyramide.

Wir waren begeistert… Zu unserem Glück waren aber zeitgleich zwei sehr nette kanadische Paare mit dem Taxi angekommen, die bei der Wirtin eine Privatführung quer durch die Büsche zu einem Platz mit freier Sicht gebucht hatten. Wir durften mit und kamen dann doch noch in den Genuss einen Blick auf die bis zu 18 Meter hohen Pyramiden werfen zu können. Über die Errichter aus der Teuchitlán Kultur weiß man wenig, auch nicht über den Zweck der kreisrunden Pyramiden, von denen die höchste genau 52 Stufen hat, analog der Wochenanzahl pro Jahr.

So hatte sich der steile Weg entlang Agavenplantagen, Papaya-Bäumen, Rizinusöl-Pflanzen und blühenden Prunkwinden doch noch gelohnt.

Zurück an unserem Freibad-Stellplatz setzten wir uns an einem großen Natur-Pool in den Schatten und ließen uns von „Knabberfischen“ die Füße pflegen. Ein seltsames Gefühl und in unseren Augen auch nur OK, weil die Fische massig Platz hatten und ein stetiger Wasseraustausch stattfand (im Gegensatz zu den winzigen Becken in landläufigen Fuß-Spas…).

Dienstag, 16.01.2024

Es gibt Fahrtage, die nerven einfach. Das war so einer. Über zum größten Teil miserable, schlaglochübersäte und enge Straßen, gefühlt 500 Topes (* s. Beitragsende), durch enge Ortschaften vorbei an endlosen Gewächshäusern erreichten wir unser Zwischenziel, den kleinen Ort Petatan.

Nachdem wir netterweise am Ortsrand auf einem Privatgrundstück parken durften, gingen wir den Rest zu Fuß, mit Ingo hätten wir in dem verwinkelten Dorf keine Chance gehabt. Das Örtchen liegt am Chapala See, dem mit 1.146 Km2 größten natürlichen Binnengewässer Méxicos und hat eine einzige Attraktion: Eine riesige Pelikankolonie. Das Ganze ist etwas zwiespältig… Die Viecher sind fast zahm, Kinder werfen gegen Geld Fischabfälle auf die Mole, die Pelikane freuen sich und die Touristen auch. Einige Fotos später verließen wir den offensichtlich vom Fischfang lebenden Ort und verzichteten auf den Besuch eines der zahlreichen Fischrestaurants – dafür war uns das Seewasser eindeutig zu verseucht mit Algen und den Abwässern der Region. Insgesamt hat das Gewässer ein mittelschweres ökologisches Problem.

Was dann kam, setzte dem sowieso schon nervigen Tag die Krone auf. Auf dem Weg zu unserem geplanten Stellplatz in Seenähe bogen wir einmal falsch ab und fuhren ca. 2 km einen holprigen Feldweg durch eine riesige und teilweise bewohnte Müllkippe. So etwas hatten wir in Natura tatsächlich noch nie gesehen…

Auf Fotos der Behausungen aus Planen und der Menschen – und damit der tatsächlichen Dimensionen haben wir verzichtet.

Es wurde nicht viel besser, der sowieso schon schlechte Weg wurde immer schmaler, führte an einem Kanal entlang und entwickelte sich zu einem winzigen Feldweg. Umkehren war keine Option, ein netter Ziegenhirte führte uns Dank Google Übersetzer und einer telefonisch zugeschalteten „Dolmetscherin“ auf eine für uns befahrbare Piste. Die senkrecht aus dem Boden ragenden Zuckerrohrwurzeln immer im Blick erreichten wir nach ein paar Kilometern wieder einen halbwegs ernst zu nehmenden Weg.

Dort trafen wir auf Rodrigo auf seinem ATV, der uns in perfektem Englisch einen Stellplatz auf einem seiner Äcker anbot. Eine sehr nette Begegnung mit ihm und seinem Vater, zwei ausgesprochen gastfreundlichen und höflichen Menschen. Wir lernten viel über den Anbau von z.B. Wassermelonen und hatten (abgesehen von der permanent laufenden Pumpe hinter uns) eine ruhige Nacht. Dankeschön !

Mittwoch, 17.01.2024 bis Mittwoch, 24.01.2024

Ca. eine Stunde weiter nördlich liegt Santa Elena, ein kleines Dorf, das eigentlich nur wegen Charly‘s RV Park erwähnenswert ist. Charly ist Schweizer, in den 90er Jahren nach México ausgewandert und Betreiber einer kleinen europäischen Insel mit Restaurant, Bungalows und Wohnmobil-Stellplätzen. Wir hatten uns ein Paket dorthin schicken lassen, das trotz DHL Express fast eine Woche für eine Entfernung von knapp 100 Km benötigte – unser Aufenthalt wurde also etwas länger als geplant. War aber nicht schlimm, wir hatten lustige Abende mit Charly und den anderen Gästen aus Deutschland und der Schweiz und die Gelegenheit in einer europäischen Waschmaschine unsere Wäsche zu waschen. Man freut sich über die kleinen Dinge, endlich mal wieder ein Waschprogramm, das länger als 30 Minuten dauert…

An unserem vorletzten Tag fuhr Charly mit uns zu Quesart, einer kleinen Käserei in der Nähe. Der Besitzer lernte das Handwerk in der Schweiz und in Frankreich, das Ergebnis kann sich sehen lassen und ist in Verbindung mit Charlys selbstgemachtem Roggenbrot einfach köstlich!

Was uns besonders freute, war die Begegnung mit Emese und Zsolt, dem Team Bodyduck. Wir verfolgen uns schon eine Zeitlang gegenseitig auf Polarsteps, lernten uns bei Charly persönlich kennen und hatten schöne Stunden zusammen. Bis zum nächsten Mal !

Mittwoch, 24.01.2024

Nach einer Woche Campingplatz war es Zeit weiter zu fahren, unser Ziel war Guanajuato, Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates. Nach knapp 4 Stunden Fahrt erreichten wir unser geplantes Quartier für die Nacht, einen Parkplatz mitten in der Stadt, der aber leider voll mit Menschen, Imbissbuden und Zelten war und am Eingang den ernüchternden Zettel „No hay service“ hängen hatte. Wir standen mit Ingo in einer engen, zugeparkten Straße, alles war voller Menschen und nur unter Mithilfe der Policia Vial, die kurzzeitig für uns die Straße sperrte, kamen wir aus diesem Chaos wieder heraus. Eine Alternative gab es für uns in der verwinkelten Stadt nicht, also erstmal raus und umdisponieren. Etwa 25 Km entfernt lag die 22 m hohe Statue Christo Rey, eine imposante Jesusskulptur mit einem unterhalb liegenden Parkplatz, auf dem wir die Nacht verbringen wollten. Nachdem sich Ingo über eine 8 Km lange holprige Steinstraße 1000 Hm den Berg hinauf gequält hatte, bot sich oben das gleiche Bild wie in der Stadt. Zelte, Menschen, am Ende der Freifläche in der Mitte ein Altar, kein Platz zu parken.

Also alles wieder zurück, mittlerweile dämmerte es. Bis wir die vielen Serpentinen wieder nach unten geholpert waren, war es dunkel und wir fragten bei dem an einer Kreuzung gelegenen Balniario (Schwimmbad), ob wir die Nacht auf dem Parkplatz verbringen dürften. Natürlich durften wir, schließlich sind wir im unglaublich gastfreundlichen México. Nicht besonders schön, dauerbellende Hunde, aber sehr nette Betreiber und sowieso alternativlos.

Donnerstag, 25.01.2024

Mittlerweile hatten wir herausgefunden, dass am 27.01. eine Wallfahrt zu Christo Rey stattfinden würde, das erklärte die vielen Menschen… Da wir die Stadt auf jeden Fall besuchen wollten, steuerten wir den etwas außerhalb gelegenen Bugamville RV Park an. Carlos empfing uns herzlich, versorgte uns mit Infos und Karten und wir richteten uns für die nächsten beiden Tage auf dem ansonsten völlig leeren Gelände ein.

Guanajuato wurde 1559 wegen der reichen Gold- und Silbervorkommen in der Gegend gegründet und hat mit den vielen bunten Häusern, tollen Kolonialbauten, unzähligen Tunneln und engen und sehr steilen Gassen einen unglaublichen Charme. Die Stadt gehört zum UNESCO Welterbe und wirkt, auch Dank der Universität, farbenfroh und lebendig.

Von unserem Stellplatz aus waren wir mit dem Bus für umgerechnet 0,40 €/Person in einer halben Stunde in der Innenstadt, wie immer ließen wir uns einfach treiben, tranken unter schattigen Bäumen Kaffee, probierten leckere Empanadas, kauften die angeblich beste Schokolade der Stadt und genossen die freundliche Stimmung.

Zu Fuß gingen wir steil bergauf zur Aussichtsplattform vor der 28 m hohen Pipila Statue (Freiheitskämpfer und Nationalheld), genossen den tollen Blick über die Stadt und fuhren mit der Standseilbahn wieder nach unten.

Wir werden noch einen Tag in dieser tollen Stadt zubringen, bevor wir uns auf den Weg Richtung San Miguel de Allende machen, angeblich eine der schönsten Städte Méxicos – wir sind gespannt !

* Topes sind die Seuche Méxicos. Die Bodenwellen, die zur Geschwindigkeitsreduzierung dienen, gibt es überall. Innerhalb von Ortschaften, außerhalb, in unterschiedlichen Höhen, mal markiert, mal nicht, aber immer extrem nervig. In Kürze wird den Dingern hier ein eigener Beitrag gewidmet.

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Gerd.R.
Gerd.R.
28 Tage zuvor

Sehr schöne Stadt u.die Farbenvielfalt , beeindruckend !
Bei den TOPES frage ich mich, WER hat bei WEM abgekuckt ,
die Mexikaner bei uns, oder wir bei ihnen ?? 😅

Weiterhin 👍👍
Gruß Gerd

Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
30 Tage zuvor

Herrlich beschrieben, genauso ist es in Mexiko. Weiterhin viel Spass und ein besseres Händchen für die „richtige“ Strasse.

Thomas Burkhardt
Thomas Burkhardt
30 Tage zuvor

Ok, hier in Marokko die gleiche Seuche: Topes, Deine Formulierung dieser Seuche, exakt identisch!

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