Das kleinste Eisenwerk Finnlands in Jyrkkä war von 1831 – 1919 in Betrieb und ist heute incl. diverser Nebengebäude ein hübsches Freilichtmuseum.

Das Gelände lag um die Ecke von unserem letzten Stellplatz und wir machten einen kurzen Abstecher, das dazugehörige Café war leider noch geschlossen.

Gastronomisch war das nicht unser Glückstag. In unserem nächsten Ziel, der Stadt Iisalmi, hätte es gleich zwei besuchenswerte Lokale gegeben. Aber sowohl die Brauerei mit angegliedertem Museum als auch das kleinste Restaurant der Welt mit nur zwei Sitzplätzen, hatten nicht geöffnet.

Nachdem wir ein bisschen durch den netten Ort gebummelt waren, machten wir uns auf den Weg nach Kuopio. Wir steuerten das Naherholungsgebiet der Stadt, den Puijo-Hügel an und parkten Ingo zwischen einem Insektenparadies in Form einer wunderschönen Blumenwiese und Bahn 1 des Frisbee Golf Parcours. Das scheint Finnlands Nationalsport zu sein, wir hatten vorher noch nie etwas davon gehört, aber Wikipedia sei Dank sind wir jetzt im Thema…

Den Panoramablick über die Stadt und den Kallavesi See genossen wir von einer 75 m hohen Aussichtsplattform und lauschten ansonsten dem typischen “Pling“, wenn beim Discgolf der Korb getroffen wird.

Der nächste Tag begann mit strahlendem Sonnenschein, wir fuhren das kurze Stück in die Stadt, parkten Ingo am Hafen und schlenderten durch das für einen Montag total leere Kuopio. Eine nette Stadt mit dem sehr schlichten 1815 erbauten Dom, der Jugendstil Markthalle und dem 1884 errichteten Rathaus. Insgesamt wirkte die Stadt wie bisher alles in Finnland ruhig, freundlich und entspannt.

Nach einem kurzen Zwischenstopp am Waschsalon ging es wieder Richtung Osten. Unser Ziel war die kleine Schlucht “Seinävuori“ und der “Pieni Seinälampi“ (=kleiner Seinä See). Eine wunderschöne Gegend mit einem top ausgebauten Rundwanderweg, einem nagelneuen Unterstand mit Grillmöglichkeit und liebevoll dekoriertem Picknickareal.

Fast unsere einzige Gesellschaft waren tagsüber und abends ein paar Blaubeersammlerinnen, offensichtlich standen wir in DEM Blaubeerwald, nachts waren wir komplett alleine.

Unser eigentlicher Plan für den nächsten Tag war die Besichtigung der Stadt Joensuu und eine Nacht auf dem dortigen Campingplatz. Der Platz war wegen einer zwei Tage später stattfindenden Sportveranstaltung aber brechend voll mit WoMos und LKWs für den Aufbau. Während der Durchquerung der Stadt beschlossen wir außerdem auf einen Besuch zu verzichten, der in Schachbrettmuster angelegte Ort sprach uns irgendwie nicht an.

Etwas weiter nördlich bei Kontiolathi am Höytiäinen See fanden wir aber einen tollen Stellplatz, mal wieder auf einem städtischen Grill- und Picknickgelände mit Badestelle. Immer wieder faszinierend, wie gepflegt und sauber diese Plätze sind. Nirgends Müll, die nicht angebundene Holzsäge incl. dem bereit gelegten Feuerholz ist noch da, die Umkleidekabinen nicht demoliert, die Grills funktionieren noch und keiner nervt den anderen. Am Morgen kam dann eine Reinigungskraft für die “Plumpsklos“ und die Leerung der Mülltonne. Daumen hoch für Finnland 👍. Danke für solche Orte !

Kultur stand auf dem Programm. Wir starteten mit dem russisch-orthodoxen Mönchskloster Uusi-Valamo. Eine schöne und sehr gepflegte Anlage und touristisch top durchorganisiert. Von Gästezimmern, über ein Café neben dem Souvenirshop bis zu Hundeparkplätzen mit Zwinger am Eingang (in die wir Lui natürlich nicht gesperrt haben!) ist alles vorhanden. Aber u.a. auch eine wunderschöne Kirche (innen keine Fotos erlaubt), ein nicht zugänglicher Garten und ein Bootsanleger.

Der anschließende Besuch des orthodoxen Nonnenklosters Lintula ein paar Kilometer weiter war ein kleines Kontrastprogramm. Die Gebäude viel moderner, die Anlage kleiner und nicht so touristisch, aber auch hier konnten wir den schönen Garten leider nicht betreten.

Nach ca. 1,5 Std. Fahrt Richtung Westen erreichten wir nördlich von Leppävirta die drei Konnuskanäle, die zwischen 1836 und 1971 erbaut wurden und die Seen Kallavesi und Unnuka verbinden. Die beiden alten und durch den Neubau „ausrangierten“ Kanäle durchschneiden eine hübsch angelegte Insel, zusammen mit dem in Betrieb befindlichen Kanal ist das Ganze ein ziemlich gut besuchtes Ausflugsziel. Wir parkten Ingo zunächst zwischen dem Kanal und dem dazugehörigen Restaurant, bevor wir auf der Hunderunde über einen schöneren Platz stolperten.

Wir zogen um auf einen Parkplatz am Waldrand, direkt am Wasser, neben dem an Land liegenden Wrack der „Sanelma“ und v.a. sehr viel abgeschiedener und ruhiger. Nur über unseren ziemlich verwitterten Nachbarn haben wir leider nichts herausgefunden.

Der folgende Tag bestand eigentlich nur aus “Strecke machen“. Unser Ziel war Jyväskylä, die mit 140.000 Einwohnern größte Stadt Mittelfinnlands und Zentrum der durch Alvar Aalto geprägten klassisch modernen Architektur. Zwischen ca. 1925 und 1976 entstanden mehr als 30 Gebäude des Architekten, Stadtplaners und Möbeldesigners. Wir parkten etwas außerhalb auf einem tagsüber ausgesprochen gut besuchten Wanderparkplatz an einem Waldgebiet, unternahmen bei bestem Sommerwetter einen schönen Spaziergang und fuhren am nächsten Morgen in die Stadt.

Leider hatten wir die Rechnung ohne die „Rally Finnland“ gemacht. Als Teil der FIA World Rally Championship startete ausgerechnet an diesem Freitag das Mega Event in Jyväskylä. An Parken war nicht zu denken und so verließen wir unverrichteter Dinge die Stadt und fuhren zu unserem zweiten geplanten Ziel, der “alten Kirche“ von Petäjävesi.

Die zum UNESCO Welterbe zählende Kirche wurde zwischen 1763 und 1765 unter der Leitung eines Kirchenbaumeisters von zwölf Bewohnern der umliegenden Höfe errichtet und ca. 1821 erweitert und umgebaut. Ein Meisterwerk der Zimmermannskunst und bis auf ein paar Malereien und die sehr speziellen Schnitzereien an der Kanzel extrem schlicht.

Etwas weiter im Norden fanden wir bei Multia am Parkplatz einer Angelstelle einen netten Stellplatz. Ein hübscher Wanderweg führt über Holzbrücken am Fluß Palsankowski entlang u.a. zu einem kleinen Teich. Das Einzige, was ein wenig störte, waren die Millionen von Riesenameisen, aber diese begleiten uns in Finnland eigentlich schon von Anfang an. Gemein v.a. für Lui, die Viecher setzen sich zu gerne in seinen Pfotenhaaren fest, um zu beißen…

Leider wurde das Wetter schlechter, ab dem Abend hörten wir mal wieder Regentrommeln auf dem Dach.

Der nächste Kurzstopp war Finnlands größtes Einkaufszentrum in Tuuri. Das riesige Center auf der grünen Wiese in quietschgelber Burg-Architektur beherbergt u.a. ein Hotel und ist umgeben von einem Freizeitpark, einem Campingplatz, diversen Outlets etc. Das Innendesign vermittelt den Eindruck sich unter freiem Himmel zu bewegen, über Geschmack kann man wie immer nicht streiten, die optische Täuschung ist aber zumindest gut gemacht. Das Center hat jedes Jahr über 6 Mio. Besucher, beachtlich bei einer Gesamtbevölkerung von nur ca. 5,5 Mio.

Dafür ist aber die Wandbemalung teilweise typisch finnisch. Das Land ist die Metal Hochburg Europas und hat geschätzt 36 Bands dieser Richtung pro 100.000 Einwohner. Wenn man bedenkt, dass es auch noch Menschen gibt, die andere oder gar keine Musik machen, ist das eine unglaublich hohe Zahl.

Zumindest gab es die bisher günstigste Tankstelle in ganz Finnland und mal wieder einen “Alko“ Shop zur Aufstockung unserer Bier- und Weinvorräte 😉.

Alko Shop mit Centerlogo

Nach diesem „Kulturschock“ bewegten wir uns wieder in die finnischen Wälder und fuhren zu einem kleinen See an einem ehemaligen Tagebau Bergwerk. Zwischen 1942 und 1968 wurden Feldspat und Quarz abgebaut, heute ist der Steinbruch geflutet und mit 40m Tiefe ein beliebter Tauchspot. Wir parkten Ingo im Wald und erkundeten die Gegend oberhalb des Wasserspiegels. Durch die Haufen zertrümmerter Steine glitzert die ganze Gegend, was leider fotografisch nicht darstellbar ist – zumindest nicht für uns…

Ein wirklich schöner Stellplatz bei leider nicht ganz optimalem Wetter, mit richtigem Sonnenschein wäre das Funkeln bestimmt noch schöner gewesen.

Am Sonntag Vormittag verließen wir den schon von Tauchern gut besuchten See, durchquerten den landschaftlich eher langweiligen mittleren Westen und fuhren nördlich von Vaasa über die längste Hängebrücke Finnlands nach Raippaluoto. Die Insel im Bottnischen Meerbusen ist fast komplett schwedischsprachig und so sieht sie auch aus… Die vielen roten Holzhäuser waren ein kleiner Vorgeschmack auf unser nächstes Reiseland ab Dienstag.

Im Süden der Insel parkten wir Ingo bei einem bis 2002 genutzten Militärgelände, das heute ein paar schöne Wanderwege, kleine Strände und nette Aussichten bietet.

Nachdem die letzten Badegäste (bei windigen 15°…) und Abendsportler den Parkplatz verlassen hatten, standen wir alleine und in völliger Ruhe.

Einen ähnlich entspannten Ort, nur am entgegengesetzten Ende der Insel, steuerten wir am nächsten Tag an. Neben dem winzigen und abgelegenen Fischereihafen Fiskehamn bei Bjököby fanden wir einen schönen Platz gegenüber der Anlegestelle, wanderten das letzte Mal durch finnischen Wald und genossen das schöne Wetter.

Morgen geht es mit der Fähre über den Bottnischen Meerbusen von Vaasa nach Umeå in Schweden. Die Überfahrt wird mit ca. 3,5 Stunden angenehm kurz, so daß wir am frühen Nachmittag in unserem 18. Reiseland eintreffen werden.

In Kürze gibt es hier wieder ein Resümee, diesmal über Finnland, aber jetzt freuen wir uns auf Schweden !

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Michael
Michael
1 Monat zuvor

….hier noch ein kleiner Tip für die Fähre Vaasa-Umea:
geht mit Eurer Fellnase in das 7. ( oder 8. Deck ) in die Cafeteria. Dort sind ausgewiesene Hundeplätze. Man sitzt dort sehr gut, besser als in dem Hundeboxen Raum !
Gute Überfahrt!
Michael&Sabine

Michael
Michael
1 Monat zuvor

Hallo Ihr Beiden!
dann verpassen wir uns wieder einmal nur knapp. Wir werden uns Anfang September auf den Weg nach Malax machen, das bei Vaasa liegt und seit letzte Woche auch ein Wohnsitz ist.
Wir mögen Finnland sehr.
Euch weiterhin gute Fahrt und eine gute Zeit!

Liebe Grüße
Sabine & Michael

HG 😎
HG 😎
1 Monat zuvor

Immer wieder schön von Euch zu lesen!!!
🍻 👍🏻
Am kommenden WE werdet ihr bestimmt auch Gesprächsthema sein!
Miss you guys!!! 🙋🏻‍♂️

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