Grand Canyon, zum Zweiten… Das letzte Mal lag überall Schnee und es war eisig kalt, diesmal schien die Sonne bei angenehmen 25°C. Dafür war es im März vergleichsweise leer, davon konnte jetzt keine Rede sein. Man kann nicht alles haben…

Unsere Route:

Freitag, 06.10.2023

Es gibt sie doch, die rühmlichen Ausnahmen. Von dem schon vor Monaten gebuchten Mather Campground in der Mitte des Parks waren wir angenehm überrascht, riesige Nationalpark-Campingplätze hatten wir in letzter Zeit anders gesehen. Die Abstände waren OK, die Stellplätze groß, es gab reichlich Bäume, die üblichen stoischen Wapiti Hirsche und der Preis mit 18 $/Nacht war fair.

Den Nachmittag nutzten wir für eine Wanderung Richtung Osten entlang der Canyonkante (Rim Trail) mit natürlich tollen Ausblicken in die Schlucht. Wie schon beim letzten Mal fehlten uns einfach die Worte vor diesem endlos wirkenden Canyon, den man schon mit den Augen nicht erfassen kann, die Kamera scheitert hier gnadenlos.

Samstag, 07.10.2023

Das Wochenende machte das Ganze nicht entspannter, wir starteten also mal wieder früh zu unserer Erkundung des westlichen Teils des Grand Canyon. Schon um 7.30 stiegen wir aus dem Shuttle Bus und wanderten ca. 10 Km auf dem Rim Trail entlang der Hermit Road zum Hermit Rest, einem historischen Rastplatz und Endpunkt des Nationalparks im Westen, zumindest für den Autoverkehr. Auf der gesamten Strecke begegneten uns höchstens 15 Menschen und ein Dickhornschaf, die Ruhe und Einsamkeit war ein Genuss, v.a. mit dieser phantastischen Kulisse. Die Hermit Road ist für den privaten Verkehr gesperrt, es verkehren ausschließlich Shuttle Busse, was sicher dazu beiträgt, das man in diesem Teil des Parks noch in Ruhe die Natur genießen kann (zumindest Vormittags).

Den Nachmittag verbrachten wir mit ganz vielen anderen im sogenannten Village Historic District. Hier war es mit der Ruhe vorbei, aber wie immer gilt: Wir sind Teil der Fülle…

Uwe zeigte Tendenzen zum Train-Spotter, bei diesem wirklich sehr schönen Zug aber auch nachvollziehbar 😉. Bei dem Anblick konnte man sich richtig vorstellen, wie es aussah, als 1901 die erste Bahn das Grand Canyon Village erreichte und die Menschen an den Rand der Schlucht strömten.

Das Beste am Grand Canyon war aber, dass es im General Store Knäckebrot gab ✌️. Über den Packungspreis von umgerechnet ca. 5.- € kann man dann auch mal locker hinwegsehen. Der Genuss, Brot auch einmal beißen zu können, wiegt den Preis allemal auf !

Sonntag, 08.10.2023

Nach zwei tollen Tagen verließen wir den etwa 450 Km langen Canyon, zu Recht seit 1979 ein Weltnaturerbe, und machten uns auf den Weg Richtung Flagstaff.

Ein paar Kilometer vor der Stadt bogen wir in den Coconino National Forest ab, suchten uns einen Stellplatz neben der Zufahrtsstraße und wunderten uns den restlichen Nachmittag über den erstaunlich regen Verkehr mitten im Wald. Wohin die vielen Autos fuhren blieb uns ein Rätsel, bei 10°C und Regen hatten wir keine Lust auf einen ausgedehnten Spaziergang. Im Grand Canyon losgefahren waren wir knapp 100 Km weiter nördlich gegen Mittag bei angenehmen 24°C…

Montag, 09.10.2023

Den sonnigen Vormittag nutzten wir für einen Bummel durch den hübschen und sehr überschaubaren historischen Teil von Flagstaff. Für ausgedehntere Stadterkundungen machte uns leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung, ab Mittag schüttete es wie aus Kübeln.

Südlich der Stadt fanden wir erneut einen schönen Platz im Wald – nachdem wir die steile und steinige Anfahrt hinter uns hatten. Die weit verstreuten Nachbarn waren außer Sicht- und Hörweite, von den im National Forest schon fast obligatorischen ATVs einmal abgesehen. Das Wetter wurde besser, der Offroad Verkehr legte sich irgendwann, alles gut 👍.

Dienstag, 10.10. bis Donnerstag, 12.10.2023

Wir blieben noch zwei Tage länger auf unserem relativ ruhigen Plätzchen und nutzten das erstaunlich gute Netz für Recherchen u.a. bzgl. Mexiko. Nebenbei bekam Ingo ein wenig Aufmerksamkeit und ansonsten plätscherten die Tage so dahin.

Donnerstag, 12.10.2023

Weiter ging es über die landschaftlich tolle 89A durch den Oak Creek Canyon. Auf der teilweise extrem kurvigen Straße war allerdings ziemlich viel los, die vielen Parkplätze quollen über und wir hatten keine Chance einmal anzuhalten.

Man merkte, dass wir uns der ausgesprochen touristischen Künstlerstadt Sedona näherten. Auch hier konnten wir nirgends parken, noch nicht einmal der Supermarktparkplatz bot für Ingo Platz. An einem Donnerstag in der Nebensaison…

Noch schlimmer war es im 30 Km dahinter liegenden Jerome. Dort hatten wir seit langem mal wieder das „griechische Bergdorf“ Gefühl. Das ehemalige Kupferminen-Dorf wirkte eigentlich ganz nett, wenn auch mindestens genauso auf die Besuchermassen zugeschnitten wie Sedona.

Wir suchten das Weite, schlängelten uns weiter auf den 2.355 m hohen Gipfel des Mingus Mountain, bogen wieder in einen National Forest ab und stellten uns auf den fast letzten freien Platz in einer Kette von lose verstreuten Stellplätzen. Unglaublich, wie viele Leute unter der Woche im Herbst unterwegs sind.

Freitag, 13.10.2023

Nachdem unser morgendlicher Besuch gegangen war, setzten wir uns in Bewegung nach Prescott.

Das Ziel war ein Baumarkt, um ein bisschen Reparaturzubehör zu besorgen. Vor Ort konnten wir uns dann nur schwer entscheiden ob wir die Halloween-Deko rechts oder die Plastik-Weihnachtsbäume links besser fanden. Gut, dass wir für nichts davon Platz haben 😉.

Unser Ziel für den Tag war der National Forest westlich von Prescott, zu erreichen über eine teilweise wirklich miserable Sandpiste. Auf ungefähr der Hälfte der Strecke war für uns dann zunächst Schluss. Von einem hoch gelegenen Aussichtspunkt aus hatte man nicht nur Sicht in die Berge, sondern auch auf Blaulicht vor der nächsten Kurve.

Bevor wir mit Ingo auf der schmalen Piste in einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit landen würden, erkundeten wir die Situation zu Fuß. Es handelte sich um die Rettung einer verletzten Wanderin – mit vollem Aufgebot. Drei Löschfahrzeuge, ein Pick up und ein ATV der Feuerwehr, eine Ambulanz, der Sheriff und am Ende noch ein Hubschrauber. Wir überbrückten die Wartezeit mit netten Gesprächen und nach ca. 1,5 Stunden war die Piste wieder frei.

Wir ergatterten den letzten freien von ungefähr 20 Plätzen, richteten uns für zwei Tage ein und wunderten uns mal wieder über den regen Autoverkehr auf mehr oder weniger guten Straßen mitten im Wald. Selbst im Dunkeln waren noch reichlich Autos in beide Richtungen unterwegs. Warum ???

Samstag, 14.10.2023

Der Tag begann damit, dass unglaublich viele Läufer Ingo passierten. Mal was anderes, zur Abwechslung mal ohne Motor, aber nicht minder rätselhaft. Später erfuhren wir, dass wir mitten in der Laufstrecke eines Halb-, bzw. Vollmarathons standen. Im Wald, mit rutschigen Sandpisten, die durch offizielle Camping-Stellplätze führen, zwischen irgendwelchen Leuten auf Motorrädern und ATVs !?? Egal, wir gingen nach draußen, um uns die ziemlich selten zu beobachtende ringförmige Sonnenfinsternis anzusehen. Für uns war leider nichts wahrnehmbar, weder mit bloßem Auge (und Sonnenbrille), erst Recht nicht mit unserer Kamera ohne weitere Hilfsmittel.

So hätte es ausgesehen… (Danke pixabay😉)

Sonntag, 15.10.2023

Aus den wohltemperierten Hügeln um Prescott in die heiße Wüste um Wickenburg – und das in nur knapp 2 Stunden über schmale kurvige Straßen. Wie sagte ein Deputy Sherrif vor kurzem zu uns ? „In Arizona haben wir alles, bis auf Meer“. Recht hat er…

Wir parkten bei 37°C auf sehr weitläufigem BLM Land zwischen Kakteen und den unvermeidlichen ATV Staubfahnen und warteten auf den kühleren Abend. Sehr viel mehr passierte an diesem Tag auch nicht, wir mussten uns an die Hitze erstmal wieder gewöhnen.

Montag, 16.10.2023

Sehr weit fuhren wir an diesem Tag nicht. Unser Ziel war Quartzsite, eines der Mekkas für Snowbirds.

Snowbirds = Menschen aus den nördlichen Staaten, die den Winter mit ihren Wohnmobilen/Bussen/Trailern/5th-Wheelern in den warmen südlichen Staaten verbringen und zu Hunderttausenden z.B. das kleine Quartzsite „stürmen“, sich dort vorwiegend auf enge und häßliche Wohnmobilstellplätze stellen und monatelang keine Ahnung was tun. Im Fall von Quartzsite gibt es außer Wüste nicht viel, die nächste ernstzunehmende Stadt ist Yuma und ca. 120 Km weit entfernt.

Unsere Erwartungen wurden enttäuscht, von den Massen an Campern war nicht viel zu sehen. Schade, das hätten wir uns gerne einmal angesehen, aber wahrscheinlich war es mit über 37°C noch zu heiß.

Wir stellten uns auf völlig leeres BLM Land kurz hinter der Stadt neben einen sehr akkurat angelegten Steinpark mit Wegen und Kreisen, offensichtlich war es einem unserer Vorgänger sehr sehr langweilig gewesen…

Dienstag, 17.10.2023 bis Donnerstag, 19.10.2023

Nach einer schönen Fahrt durch die Wüste landeten wir kurz vor Yuma wieder auf bekanntem Terrain.

Bei der ehemaligen Goldgräberstadt Tumco standen wir im Januar schon einmal ein paar Tage, damals allerdings bei sehr viel angenehmeren Temperaturen. Bei über 38°C hat die Drohne gleich zwei Vorteile: man sieht seine Umgebung ohne sich bewegen zu müssen und es macht Spaß 😉.

Von der 1942 endgültig verlassenen Stadt sind nur noch rudimentäre Reste vorhanden, am Schluß lebten nur noch ca. 30 Menschen dort.

Ingo stand zumindest Morgens ein bisschen im Schatten der Berge, den restlichen Tag über lief sporadisch die Klimaanlage (samt Generator ☹️), Bewegung fand nur vor 9.00 statt.

Die kommenden zwei Wochen werden wir uns in der Gegend um Yuma aufhalten, wir warten auf insgesamt drei Pakete aus Deutschland. Anschließend führt der Weg über Phoenix Richtung Mexiko, wo wir Mitte November einreisen wollen.
Die Wettervorhersage für diese Gegend hier ist nicht erfreulich, es bleibt bei Temperaturen um die 40°C, es wird also nicht viel passieren und damit auch nicht viel von uns zu lesen geben. Bis bald !

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Sabine Réol
Sabine Réol
3 Monate zuvor

Liebe Ute,
ich gratuliere 🎈 dir von Herzen 💕 zu deinem Geburtstag 🎂 und wünsche dir weiterhin viel Abenteuer, Lebensfreude und ganz viel Gesundheit.
Ich drücke dich aus der Ferne.
Ganz liebe Grüße Sabine

Thomas Vogt
Thomas Vogt
3 Monate zuvor

Immer wieder klasse die Reiseberichte von Euch zu lesen. Es wird aber auch mal Zeit die Gegenden uff am Sattel mit dem chicen Cowboyhut zu erkunden und Ingo mal ne Pause zu gönnen. Freu mich bald wieder von Euch zu hören bzw. Lesen. Herzliche Grüsse aus am herbstlicha Schwoabaland und passt weiterhin uff Euch auf. Thomas

Gerd Rother
Gerd Rother
3 Monate zuvor

Moin nach …. wo Ihr auch seid ?!
Habe den Bereicht nun schon zum 2. Mal gelesen, denn, vor Jahren haben wir viele Orte mit MEYERS WELTREISEN auch sehen dürfen !
Zwar nicht so intensiv wie Ihr, LEIDER ! Aber einpaar HIGHIGHTS DES WESTENS wieder erkannt , wo wir auch waren !
Die Spitze war natürlich ein Helikopterflug in den Canyon ,den wir uns gegönnt haben !
Ich VERFOLGE Euch mit großem Interesse, auch wenn ich nicht JEDES MAL meinen SENF dazu abgebe !
Weiterhin, 👍👍👍 und Liebe Grüße, Gerd

Chris
Chris
4 Monate zuvor

Hey, spannender Beitrag…
Grand Canyon….aber Rafting nur von oben, sofort zurückfahren und nachholen!
Eure Hüte – très chic,
Steinkreise, kann nur Däniken gewesen sein,
Brot zum Beißen, ich erinnere an unser Rezept vom Haselnussbrot, dass ist verdammt gut, also ausprobieren?!?!?!
Ansonsten nix neues vom Tor zur Welt, es herbstelt…
liebe Grüße
Birgit&Chris

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