Der Yellowstone Nationalpark empfing uns mit Dauerregen und 13°C, „The Granddaddy of Nationalparks“ meinte es zunächst nicht besonders gut mit uns. 

Unsere Route:

Sonntag, 20.08.2023

Den ersten Tag unseres Besuchs im ältesten Nationalpark der USA verbrachten wir hauptsächlich auf dem Campingplatz in Ingo. Es regnete durchgehend von morgens bis abends und die Sicht ging gegen Null. Ein paar Stopps auf dem direkten Weg zum Madison Campground legten wir trotzdem ein. 

Montag sollte das Wetter besser werden – das hofften wir auch für unseren nächsten Campingplatz, den Bridge Bay Campground. Schön war der Madison nicht, so wenig, dass es noch nicht einmal ein Stellplatzfoto gibt 😉. Sehr viele Stellplätze relativ dicht zusammen, direkt an den Fahrwegen, ohne ernst zu nehmenden Sichtschutz. 

Montag, 21.08.2023

Der Yellowstone strotzt vor Rekorden und Superlativen:

  • der älteste Nationalpark (1872 gegründet)
  • der höchste Geysir der Welt (Steamboat)
  • der größte Geysir der Welt (Excelsior) 
  • eine der größten heißen Quellen der Welt (Grand Prismatic)
  • der bekannteste Geysir der Welt (Old Faithful)
  • der größte Hochgebirgssee Nordamerikas (Yellowstone Lake)
  • usw. usw. usw. 

Mehr durch Zufall gelang es uns, an einem halben Tag die o.a. Liste „abzuarbeiten“. 

Wir starteten früh, um 7.00 standen wir am „Norris Geyser Basin“, dem heißesten Geysir Becken des Parks, das u.a. den Steamboat beherbergt. Einen Ausbruch konnten wir nicht miterleben, der letzte war Mitte Juni mit einer Höhe von ca. 100 m. 

Für knapp 1,5 Stunden hatten wir das Gelände für uns alleine, bevor die ersten Reisebusse ankamen. 

Die Fahrt zum „Midway Geyser Basin“ wurde kurz durch eine sehr malerisch grasende Büffelherde unterbrochen, wobei einige der Tiere mit sanfter Gewalt durch einen Ranger von der Straße befördert werden mussten. 

Der 61 x 91 m große Krater des Excelsior, der pro Minute ca. 1.055 l Wasser in den Firehole River entlädt, verhüllte sich leider komplett im Dampf. 

Dafür war die „Grand Prismatic Spring“ mit einem Durchmesser von 113 m umso beeindruckender. 

Ein paar Kilometer weiter folgte das Biscuit Basin mit u.a. dem alle paar Minuten ausbrechenden Jewel Geysir und dem bis 1991 aktiven und unglaublich blauen Sapphire Pool.

Und dann kam „Old Faithful“. Was soll man sagen… Ein halbes Dorf im Amphitheater-Arrangement um einen Geysir herum zu bauen ist schon ziemlich schräg. Tausende Menschen strömen alle 90 Minuten an die Absperrung vor dem Geysir, dazu kommen noch all jene, die sich das Schauspiel von einer Restaurantterrasse o.ä. ansehen (wie wir). Gut, dass Old Faithful in der Regel pünktlich ist. Sehen wollten wir den Ausbruch auch, in unseren Augen ist es aber diesen Hype nicht wert. 

Sehr viel beeindruckender fanden wir das „Old Faithful Inn“, eine 1904 fertiggestellte Lodge, komplett aus Holz und Stein. Mit der offenen, über 2 Stockwerke gehenden Lobby ist es das schönste, was wir an Holzbauten jemals gesehen haben. Der Architekt Robert C. Reamer (1873-1938) und die Handwerker haben hier ganze Arbeit geleistet – und das mit nur einem Jahr Bauzeit. 

Unser anschließender Besuch des „West Thumb Basins“ wurde abrupt durch heftigen Regen beendet, insgesamt war das Wetter eher durchwachsen, den gesamten restlichen Nachmittag blieb es regnerisch. 

Die Folge war wieder ein Aufenthalt in Ingo auf einem nicht besonders schönen Campingplatz. Der Bridge Bay Campground am Yellowstone Lake (2.357 m ü.NN) glich dem Madison wie ein Ei dem anderen – nur doppelt so groß. Dafür aber sehr zentral mitten im Park gelegen und nach einem Tausch des ursprünglich zugewiesenen Stellplatzes waren wir für die nächsten 4 Nächte gut bedient. 

Dienstag, 22.08.2023

Der Plan war, Bären und Wölfe zu sehen, die besten Chancen dafür bietet scheinbar das etwa 70 Km entfernte Lamar Valley im Nordosten des Parks. 

Wir starteten wieder früh und legten den ersten Zwischenstopp am Mud Volcano ein. Die Gegend ist die giftigste des gesamten Yellowstone und beherbergt neben einigen heißen Schlammlöchern auch das Sulphur Caldron, eine Quelle mit einem nahezu identischen Säuregehalt wie Batterie-, oder Magensäure. 

Weiter ging es durch das hübsche Hayden Valley, in dem ca. 1.500 Bisons leben. Auf Fotos verzichteten wir, was Büffel angeht, sind wir mittlerweile etwas verwöhnt, die müssen schon sehr dekorativ in der Gegend herum stehen, um auf ein Foto zu kommen… Da hatten die beiden Gabelböcke und der Rabe deutlich mehr Glück 😉. 

Über den 2.700 m hohen Dunraven Pass erreichten wir den „Grand Canyon of the Yellowstone“. 

Sowohl die South-, als auch die North Rim Road boten von diversen Aussichtspunkten tolle Ausblicke in den wunderschönen bis zu 350 m tiefen farbenprächtigen Canyon. 

Unser Ziel, das Lamar Valley war zwar sehr hübsch, bis auf zahlreiche Bisons (keine Fotos, s.o.), war aber leider kein Tier zu sehen. 

Wir gaben auf, traten den Rückweg an und erreichten pünktlich zu den abendlichen Regenfällen wieder unseren Campingplatz. 

In einer Regenpause erschienen ein paar wirklich riesige Wapiti Hirschbullen, offensichtlich sehr an Camper gewöhnt, sie ließen sich nicht wirklich bei ihrem Abendessen stören. 

Mittwoch, 23.08.2023

Das war der Tag der zweiten Besuche. 

Wir starteten mit der Grand Prismatic Spring, diesmal allerdings von oben. Die 2 Km lange Wanderung zum Aussichtspunkt über dem Midway Geyser Basin lohnte sich auf jeden Fall, die Aussicht über die riesige Quelle war der Hammer !

Auch Old Faithful bekam eine zweite Chance. Erneut begannen wir mit der Aussicht von oben, diesmal war es eine 3,5 Km lange Runde und lange nicht so lohnend. Schön zu sehen war aber die Anordnung sämtlicher Gebäude und Parkplätze rund um den Geysir. 

Diesmal schauten wir uns den Ausbruch aus der ersten Reihe an, irgendwie schon beeindruckend, an unserer Meinung änderte das allerdings nichts. 

Der Besuch des angrenzenden „Upper Geyser Basins“ war mal wieder ein Superlativ, es handelt sich um die weltweit größte Ansammlung aktiver Geysire. Man sollte es nicht glauben, aber wir hatten uns immer noch nicht satt gesehen an brodelnden Löchern und Wasserfontänen. Die Formen und v.a. Farben sind immer wieder aufs Neue faszinierend und der 4,5 Km lange Rundweg führte an unglaublichen Gebilden vorbei. 

Die Kaffeepause auf der Terrasse des Old Faithful Inn mit Blick auf den Geysir hatten wir uns nach diesen vielen Eindrücken mehr als verdient 😎. 

Wir nutzten das gute Wetter, um den unterbrochenen Besuch des West Thumb Basins zu beenden, bei Sonne sahen die Quellen gleich viel netter aus. Erstaunlich auch hier, dass türkisblaue Pools neben sprudelnden Schlammlöchern liegen. 

Den Campingplatz erreichten wir diesmal noch im Trockenen, der obligatorische Regen setzte erst später ein. Der 352 Km2 große und 5°C kalte Yellowstone Lake macht sein eigenes und räumlich sehr begrenztes Wetter, i.d.R. bilden sich tagsüber Cumulus Wolken, die mit schöner Regelmäßigkeit gegen Abend für Regen sorgen.

Danke an unsere holländisch-kanadischen Nachbarn für das Foto !

Donnerstag, 24.08.2023

Von langen Fahrten hatten wir die Nase voll, wir blieben in der Nähe und machten im Umkreis von 5 Km um unseren Campingplatz zwei schöne Wanderungen. 

Der Start der ersten Tour verzögerte sich etwas, wir mussten warten, bis ein Büffel den Weg frei gemacht hatte… Querfeldein ausweichen ist im Nationalpark keine Option („Always stay on the trails !“) und die empfohlene Entfernung zu einem Bison sind 2 Reisebus-Längen, also war Geduld gefragt. 

Irgendwann hatte er keine Lust mehr, arme Touristen zu ärgern (drei Damen hatten inzwischen schon aufgegeben) und ließ uns passieren. Glück gehabt, die 5 Km lange Wanderung zum „Storm Point“ am Seeufer war abwechslungsreich und hat v.a. wegen einer Kolonie gelbschwänziger Murmeltiere sehr viel Spaß gemacht. Von den üblichen Hörnchen abgesehen trafen wir auch noch auf eine Hirschkuh mit ihren zwei Kitzen. 

Nur ein kurzes Stück entfernt begann der 6 Km lange Weg auf den „Elephant Back Mountain“, von dem man eine hübsche Aussicht über den See und das Lake Hotel hat. 

Das 1891 eröffnete Haus ist das älteste in Betrieb befindliche Hotel in einem Nationalpark der USA, 1903 wurde es im Kolonialstil umgebaut, dessen Charme es bis heute hat. Leider bietet es keine Tages-Gastronomie für Nicht-Gäste. Schade, wir hätten gerne einen Kaffee auf der Terrasse eingenommen. 

Den Abschluss unseres Ausflugstages bildete ein fröhliches „Merry Christmas“ von einer netten Angestellten im General Store. Wir waren von der überall vorhandenen Weihnachtsdeko schon etwas überrascht, hatten aber vermutet, dass hierzulande einfach noch früher mit dem ganzen Weihnachtswahnsinn angefangen wird als bei uns. Weit gefehlt! Im Yellowstone wird aus einer alten Tradition am 24.08. Weihnachten gefeiert. Im frühen 20. Jhd. waren Touristen und Angestellte an diesem Datum nach einem Blizzard mehrere Tage im Old Faithful Inn eingeschneit. Sie machten das Beste daraus und zelebrierten das volle Weihnachts-Programm. Schöne Tradition 👍. 

Damit endete unser Aufenthalt im Yellowstone Nationalpark. Uns hat die unglaublich vielseitige Gegend ausgesprochen gut gefallen. 

Im Westen brodelt und dampft es überall, es hängt ständig ein leichter Schwefelgeruch in der Luft und alles ist voll mit Touristen, Unterkünften und Souvenirshops. 

Der Osten erschien uns mit seinen Gebirgszügen, Tälern, dem Yellowstone Lake und dem Canyon sehr viel leerer, obwohl wir natürlich auch hier nirgends alleine waren. 

Insgesamt hatten wir uns den Füllungsgrad aber viel schlimmer vorgestellt, für eine Woche in der Hochsaison war das alles absolut im Rahmen. Geholfen hat aber sicherlich, dass wir jeden Tag schon um spätestens 7.00 irgendwo waren… 

Freitag, 25.08.2023

Weiter ging es Richtung Süden in den fast nahtlos angrenzenden Grand Teton Nationalpark. Der Park empfängt einen mit einer imposanten Bergkulisse hinter dem Jackson Lake, dominiert vom 4.197 m hohen Grand Teton.

Unser erster Stopp war die Jackson Lake Lodge, ein 1955 eröffnetes Hotel direkt am See. Hauptaspekt war das kostenlose Wifi, ein mehr als angenehmer Nebeneffekt war der wirklich gute Cappuccino in der Bar und v.a. der phantastische Blick vom sehr bequemen Sofa aus. Man hatte fast den Eindruck, auf ein Gemälde zu schauen.

Die landschaftlich tolle „Inner Park Road“ bot immer wieder beeindruckende Ausblicke auf die wunderschöne Bergkette.

Was aussieht wie eine schwarze Sprungschanze auf dem Mount Moran, ist ein vor Millionen Jahren erkalteter Magmastrom. Erschreckend ist der fast nicht mehr vorhandene Gletscher auf der Nordostseite des Grand Teton.

Der eigentlich geplante Stopp am Jenny Lake mit angeblich der besten Aussicht auf die „Grand Teton Range“ fiel wegen Überfüllung aus. Mittlerweile war es Mittag, das Wetter war schön, das Wochenende hatte begonnen und der riesige Parkplatz incl. der umliegenden Straßenränder lief über. Wir verschoben das Ganze auf den kommenden frühen Morgen und besuchten stattdessen das ehemalige Wohnhaus von Geraldine Lucas. Eine spannende Frau… Sie verließ ihren Mann, besuchte anschließend als allein erziehende Mutter das College und arbeitete als Lehrerin. Nach ihrer Pensionierung im Jahre 1913 zog sie in das Haus südlich des Jenny Lake, lernte mit 58 Jahren von einem 16 jährigen das Klettern und bestieg als zweite Frau den Grand Teton. Und das alles zu der Zeit – Respekt !

Ein weiteres Überbleibsel der frühen Siedlergeschichte der Gegend ist der 1894 errichtete General Store am alten Fähranleger über den Snake River. Besonders schön fanden wir den Sears-Bestellkatalog von 1897. Was man dort nicht fand, gab es auch nicht – so die Aussage eines Rangers.

Ein Ort mit einer ganz besonderen Atmosphäre ist die nahe gelegene, 1925 errichtete „Chapel of the Transfiguration“. Ein kleiner schlichter Raum mit einem unbeschreiblichen Blick aus dem Altar-Fenster.

Wir quartierten uns für die nächsten zwei Nächte auf dem schon im Mai (!!!) reservierten Gros Ventre Campingplatz am Südende des Parks ein. Die Vorplanungszeit für die Buchung von Campingplätzen in Nationalparks ist wirklich der Wahnsinn, man braucht unglaubliches Glück, um einen Platz zu bekommen. Erstaunlich ist nur, dass die Campgrounds dann i.d.R. zu mindestens 1/4 leer sind…

Samstag, 26.08.2023

In diesem Fall hatte sich das frühe Aufstehen nicht gelohnt. Der viel gerühmte Aussichtspunkt über den Jenny Lake war zwar morgens schon sehr gut besucht, lohnte sich aber in keinster Weise. Wie so häufig war die Sicht durch Bäume versperrt und weder von den Bergen, noch vom See war viel zu sehen.

Da war der Ausblick vom 2.600 m hohen Signal Mountain über die riesige „Jackson Hole“ Ebene schon deutlich besser, auch wenn es leider ein bisschen diesig war.

Den restlichen Tag verbrachten mit einer gemütlichen Rundfahrt durch den Park und waren immer wieder begeistert von der fast schon kitschigen Bergkulisse. Die Grand Teton Range ist wirklich aus jedem Blickwinkel sehr malerisch.

Morgen geht es weiter Richtung Westen, das nächste Ziel ist das National Monument „Craters Of The Moon“, eine Vulkanlandschaft mit Lavahöhlen. Wir sind gespannt!

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Thomas Burkhardt
Thomas Burkhardt
8 Monate zuvor

Wirklich sehr beeindruckend, irgendwie viel intensiver durch Euch als in den „Hochglanzprospekten“

Kim and Jay
Kim and Jay
8 Monate zuvor

Loved hearing about Yellowstone – I’ve pretty much crossed it off my list for many of the same reasons you spoke of. There’s so many other places to see and the crowds of Yellowstone don’t appeal. Can’t wait to hear about Craters of the Moon! I’ve would love to go there and looking forward to hearing your experiences. Happy travels to you both!

Tanja und Gunnar
Tanja und Gunnar
8 Monate zuvor

Tolle Bilder, schön beschrieben, auch, wenn das Wetter nicht immer passte. Grand Teton hat uns auch gefallen. Uwe geht auch als Ranger durch. Als wären wir live dabei. Toll.

Chris
Chris
8 Monate zuvor

Moin,
Euren Worten können wir uns nur anschließen und uns für das dabei sein dürfen bedanken. Morgens um 0600 zum ersten Kaffee Weltreiselektüre at it´s best, merci dafür!
Birgit&Chris

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